brause*mag ist online

ein neues feministisches jugendmagazin, wie cool!

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nachdem hier ja nicht mehr wirklich was los ist, sei darauf verwiesen, dass heute mit brause*mag, dem „aufbrausenden onlinemagazin für teens“, ein neues spannendes projekt online gegangen ist, dass in professionellerer form das umsetzt, was so ähnlich die ursprungsidee von damals (2006!) auch mal hinter dem mädchenblog war. also, schaut schell vorbei dort und unterstützt das projekt!

Schwimmen

Dieser Artikel ist im März 2016 in der Brav_a #7 erschienen. Die Brav_a {spanisch: tapfer, mutig, wild, wütend} ist ein queer-feministisches Zine im Stil einer Teenie-Zeitschrift.
Wie ich euch sicher nicht erklären muss, geht es im Text nicht um den Diss von allen Männern, oder die Behauptung alle Männer wären gleich, sondern um die Kritik von dominant performter Männlichkeit.

Ich habe Sport schon immer gehasst, denn beim Schulsport war ich immer die Letzte bei allem. Auch heute verabscheue ich Sport noch und bin sehr unsportlich. Nur Schwimmen mag ich und wegen guter Technik bin ich eine ganz gute Schwimmerin. Also natürlich nicht auf Leistungssportniveau, aber so, dass ich gut mit sportlichen Menschen mithalten kann. Einmal die Woche gehe ich mit einem Freund in die Schwimmhalle an der Landsberger Allee, dort, wo viele dieser sportlichen Menschen ihre Bahnen ziehen. Dieses Becken ist ein Biotop für männliches Dominanzverhalten, und jede Woche freue ich mich ein bisschen darauf, diese Rituale aus nächster Nähe erleben zu können. Dort, in diesem Moment, wenn die Menschen fast nackt sind, und von den allermeisten Merkmalen des sozialen Status, von Bildungsgrad, Beruf, Familienstand, sexuellen Vorlieben oder politischen Meinungen befreit sind, dort, wo Reden keine Rolle spielt, sondern jede Kommunikation auf die reine grobe Körpersprache reduziert ist, dort wird einem die Lächerlichkeit von dominant performter Männlichkeit besonders bewusst.

schwimmen

Erste Szene: Ich, die ich sehr unsportlich aussehe, mit meinem untrainierten Körper und meinem Bäuchlein, fange an zu schwimmen. Hinter mir ein Mann. Der Mann hinter mir drängelt und überholt mich schließlich, er schneidet mich knapp, vielleicht damit ich es auf jeden Fall mitbekomme, wie er mich überholt. Manchmal tritt er mich noch ein bisschen, was bilde ich mir auch ein in seiner Bahn zu schwimmen. Dann jedoch hat der Mann sich verschätzt, das Überholen war anstrengender, als er dachte, und ich bin schneller, als er dachte. Er fällt zurück und ich muss ihn schließlich wieder überholen. Während ich ihn überhole wird er noch einmal schneller, so dass es noch länger dauert und wir dabei noch eine dritte entgegenkommende Person stören. Das einzige Resultat dieser ganzen Aktion ist, dass es uns beide genervt und in unserem Schwimmrhythmus gestört hat. Manchmal wiederholt sich diese Situation mit derselben Person noch mehrere Male, bis ich meine 20 Bahnen geschwommen bin und aufhöre. (mehr…)

Anti – Street Harrasment Woche 10. – 16. April 2016

Wir sind wütend, weil wir nicht sicher sind auf unseren Straßen, wie es uns einschränkt, uns unserer Freiheit beraubt. Nicht erst jetzt, nachdem seit der Silvesternacht ganz Deutschland auf einmal Sexismus, Street Harassment, sexuelle Belästigung entdeckt hat. Wir sind wütend, weil sexuelle Belästigung nicht erst Silvester erfunden wurde, sondern schon immer vorhanden war. Wir sind wütend darüber, dass nicht endlich eine Auseinandersetzung mit den allgegenwärtigen Sexismen in unserer Gesellschaft stattfindet.

Stattdessen werden hegemoniale Männlichkeiten reproduziert, in denen wir entrechtet werden, indem uns der Diskurs, das Selbstbestimmungsrecht aus der Hand genommen wird. Wir werden instrumentalisiert für fremdenfeindliche, rassistische Propaganda, die Betroffene benutzt, um gegen Fremde zu hetzen. Wir wurden instrumentalisiert für das verschärfte Asylpaket II, bei dem kurzerhand der Schutz der Frauen vor Gewalt rausgeschmissen wurde, obwohl damit gegen die EU-Richtlinie 2013/33/EU des EU-Parlaments und des EU-Rates verstoßen wird. Unser Sexualstrafrecht ist nach wie vor nicht ratifiziert.

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Kahlschlag 2015

laempelAnfang 2007 gab es noch einen großen medialen Aufstand, als Britney Spears sich die Haare abrasiert hatte.
Und heute? Scheint Kahlschlag auf dem Frauenschädel immer noch genauso provokant für die Umwelt zu sein.
Laura Nunziante hat sich von ihren Haaren verabschiedet und schreibt auf bento von den Reaktionen:

„Sag mal, bist du krank?“ Das ist die erste Nachricht, die ich auf Facebook erhalte, nachdem ich mein Profilbild geändert habe. „Du siehst aus, als hättest du ’ne Chemo hinter dir.“ Ein langjähriger Freund schreibt: “Läuft wohl nicht so mit den Typen, was?“
(…)
Ich werde auf der Straße mit einer KZ-Insassin verglichen. Ich werde gefragt, ob ich überhaupt noch „gefickt werde bei dem Aussehen.“ Eine ältere Frau fragt mich, warum ich mich über Krebskranke lustig mache.

Frau + rasierter Kopf = krank, mißhandelt, asexuell?
Bei Wikipedia wird interessanterweise eine Studie von Albert Mannes hingewiesen:

Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 von Albert Mannes von der Wharton Business School wird die Glatze gesellschaftlich mittlerweile anders beurteilt. Er fand heraus, dass die Glatze für Größe, Achtung und Macht steht. Unbehaarte wirken dominanter und kräftiger. Sie wurden im Experiment um durchschnittlich 2,5 cm größer eingeschätzt. Weitere Eigenschaften, die mit Glatze in Verbindung stehen sind Aggressivität, Männlichkeit, Wettbewerbsstärke und Erfolg. Dagegen wirken Toupets und überkämmte Haarlücken lächerlich.

Getestet wurde hier natürlich die Reaktion auf männliche Glatzenträger
Vielleicht gibt es in ein paar Jahren mal eine Studie, bei der den Probanden Bilder von Frauen mit/ohne Haupthaar vorgelegt werden – und bei der die Reaktionen dann hoffentlich etwas, ahem… differenzierter ausfallen als bei Laura.
Aber, wie diese so schön feststellt:

Es hat zwei Minuten gedauert, meine Haare abzurasieren. Denkmuster zu durchbrechen, dauert länger.

Hauptsache für die Tiere?

Die „Hauptsache-für-die-Tiere“ Fraktion hat wieder zugeschlagen. Zum Welttierschutztag erstellte Sabine M. Mairiedl ein Bild mit einem V*rg*w*lt*g*ngsvergleich. Leider erfuhr das Meme, wie zu erwarten, bei der „Hauptsache-für-die-Tiere“ Fraktion viel Zustimmung. Es gab aber auch viel Kritik, auch von Betroffenen sexualisierter Gewalt. Diese Kritik wurde jedoch nicht ernst genommen und abgewiegelt. Pikanterweise hat Sabine M. Mairiedl das kritisierte Bild nicht auf ihrer privaten Facebookseite veröffentlicht, sondern auf ihrer gewerblichen Seite, auf der – kostenpflichtig – vegane Jobs angeboten und gesucht werden können und dieser Seite enormen Zulauf und Aufmerksamkeit beschert hat. Sabine M. Mairiedl betreibt außerdem eine private Unterstützungsseite der Kampagne „One Billion Rising Deutschland“, auf der das Bild auch geteilt wurde. Diese private Unterstützungsseite ziert das offizielle Logo von One Billion Rising, so dass der Eindruck entsteht, es handele sich hier um eine offizielle Seite von One Billion Rising.

Bei VEGANmimikry ist ein ausführlicher Artikel dazu erschienen.

„Sabine M. Mairiedl begibt sich mit ihrer unsensiblen Ignoranz gegenüber Betroffenen sexualisierter Gewalt auf antiemanzipatorisches Terrain, um ihren monetären Interessen Vorschub zu gewähren. Ihre Argumentation ist antifeministisch, fast schon maskulinistisch. So wird auf dem Rücken Betroffener sexualisierter Gewalt Veganismus propagiert, jegliche Kritik an diesem sektionalen Austausch zweier Unterdrückungsformen mißachtet und nebenbei Werbung für ihren kostenpflichtigen Internetservice gemacht. Hauptsache für die Tiere. Hauptsache Publicity für ihre Seite Vegane Jobs.“

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Transfeindlichkeit und Transausschluss bei den Störenfriedas

Triggerwarnung: Transfeindlichkeit

Bei den Störenfriedsas wurde ein haarsträubend unsachlicher und polemischer Artikel zur Trans-Debatte veröffentlicht:

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Infrangibile haben auf den Artikel der Störenfriedas geantwortet:

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Respect

„Zeit Online“ erzählt die Geschichte von Otis Reddings Lied „Respect“ und wie Artetha Franklin ihn mit neuer Bedeutung auflud:

In der Tat übertraf Franklins Respect Reddings Original um Längen. Die Aufnahme wurzelte zwar im selben Südstaatensound. Arethas Stimme aber, unterstützt von einem Gospel-Backgroundchor, katapultierte den erdverhafteten Rhythm and Blues Reddings in spirituelle Höhen.

Entscheidend dafür, dass der Song zum Protestlied wurde, war indes noch etwas anderes: dass sie die Perspektive umkehrte. Dass hier eine Frau sang. Dass hier eine Frau Respekt verlangte von ihrem Mann. Sosehr Emanzipation und Gleichberechtigung Schlagwörter der Bürgerrechtsbewegung waren: Mit der Gleichstellung der Geschlechter war es oft auch unter den afroamerikanischen Aktivisten nicht weit her. Im Soul und Rhythm and Blues galt Gewalt in der Ehe nicht selten als Kavaliersdelikt; aus weiblicher Perspektive wurde sie viel beklagt und viel besungen.

Redding forderte Respekt aus der Position des Mächtigeren. Aretha Franklin sprach aus der Position der Benachteiligten. Erst durch diese Umkehrung eignete sich das Lied dazu, Verhältnisse jenseits der eigenen vier Wände mit anzuprangern.

Warum Vergewaltigngs“witze“ nicht witzig sind

Inhaltswarnung: Rape Culture

Warum Vergewaltigungs-Witze eine wirklich schlimme Sache sind und auch nicht passiv ‚abgelächelt‘ werden sollten. Die deutsche Übersetzung eines, recht bekannten, Kommentars auf Shakesville.

„Viele Leute beschuldigen Feminist_innen, sie würden denken, alle Männer seien Vergewaltiger. Das ist nicht wahr. Willst du wissen, wer glaubt, alle Männer seien Vergewaltiger? Vergewaltiger glauben das.“

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Von Queen Bees und einem manipulierbaren Bienchenstaat, wie er im (Märchen-)Buche steht – Erwachsenwerden in Zeiten des Youtube-Kapitalismus

Es ist so einfach Licht und Schatten zu unterscheiden, wenn die Sonne vom wolkenlosen blauen Himmel brennt und die Augen dank Sonnenbrille nicht unangenehm geblendet werden. So lag ich vor einiger Zeit am Strand und suhlte mich in der südeuropäischen Sonne mal wieder genüsslich in meiner feministischen Wut über die neuesten Youtube-Videos der Lifestyle-Vloggerinnen Dagi Bee und Bibi mit den dazugehörigen Tweets ihrer treuen „Bienchen“ und „Bibinators“, wie sich die Fans selbst nennen. Wahrscheinlich wollte ich mir nur selbst beweisen, dass ich mein politisches Interesse nicht automatisch an der Rezeption des ordentlichen Rentner-All-In-Hotels abgegeben hatte. „Das darf doch wohl nicht wahr sein“, grummelte ich offenbar bereits bestens akklimatisiert in Rentner-Manier vor mich hin, „dass Heerscharen junger Mädchen diesen Queen Bees of Capitalism vollkommen unreflektiert wie ferngesteuerte Zombie-Bienchen mit der gleichen glattgebügelten Frisur hinterherfliegen. Wo sind denn bitte die rebellischen Biene Majas geblieben?!“. Vor kurzem waren solche Lifestyle-Formate in die Kritik geraten; ihnen wurde vorgeworfen die Fans moralisch fragwürdig durch Schleichwerbung auszubeuten. (mehr…)

Sexualstrafrecht

laempelDaß das bisherige deutsche Sexualstrafrecht Mängel aufweist, ist beileibe nichts neues, aber inzwischen immerhin auch dem Justizministerium aufgefallen (Triggerwarnung):

Justizminister Heiko Maas (SPD) will den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung insbesondere von Frauen verbessern. Zu diesem Zweck will er Schutzlücken im Sexualstrafrecht schließen. So soll es künftig etwa strafbar sein, die Angst eines Opfers vor einem „empfindlichen Übel“ sexuell auszunutzen.

Der Justizminister hat jetzt einen Gesetzentwurf erarbeitet, der der taz vorliegt. Er hat 19 Seiten und wurde vorige Woche an die anderen Ministerien zur Ressort-Abstimmung geschickt. Kern des Entwurfs ist ein neuer Paragraf 179 im Strafgesetzbuch, der die Überschrift „Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung besonderer Umstände“ tragen soll. Neben der Ausnutzung der Angst des Opfers soll dort auch der überraschende sexuelle Angriff unter Strafe gestellt werden.

Schwammig genug, aber im Vergleich zu vorher ein Schritt nach vorne.
Nur warum nicht gleich richtig machen?
Denn auch die reformierte Gesetzeslage entspricht nicht der Istanbul-Konvention und weist Schutzlücken auf, die in anderen Ländern längts geschlossen wurden.
Die Rechtswissenschaftlerin Tatjana Hörnle legt im Interview mit Spektrum dar, daß man bei dem jetzigen Entwurf nicht stehen bleiben darf:

Das Schlagwort, unter dem diese Denkrichtung geführt wird, heißt: „Nein ist Nein“. Wenn also eine Person Ablehnung kommuniziert – sei es durch das Wort „Nein“, sei es durch Weinen oder Sonstiges –, dann hat eine sexuelle Handlung meiner Meinung nach strafbar zu sein.

Der jetzt vorliegende Entwurf dagegen hat eine andere Herangehensweise: Er definiert die Rahmenbedingungen, also die erweiterten Umstände, in denen die bedrängte Person sich befindet: ob sie schutzlos ist, ob sie betrunken ist und so weiter. Kurz: Ein „Nein“ reicht noch immer nicht aus.

Auch die taz hat Prof. Hörnle hierzu interviewt:

Grundfall des Sexualstrafrechts müsste sein, dass der Täter sich über den erkennbaren Willen des Opfers hinwegsetzt. Es darf keine Konstellationen geben, bei denen dies straffrei bleibt, nur weil zum Beispiel die Situation nicht einschüchternd genug war. Es ist meines Erachtens durchaus strafwürdig, wenn die Frau zwar Nein sagt, dann aber von der Situation überfordert ist, zu langsam reagiert oder die Dominanz des Mannes resignierend akzeptiert. In solchen Fällen bleibt der Mann aber auch nach dem Entwurf des Justizministers straffrei.



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