Archiv für Juli 2006

Sexismus und Gender

ein kurzer artikel aus dem as.ism-reader des antisexismusbündnisses berlin:

„Sexismus und Gender“
graffiti.hates.germany für das „Antisexismusbündnis Berlin“

Geschlechtlichkeit und alles, was damit zusammenhängt, wie beispielsweise die sexuelle Ausrichtung von Menschen, ist ein Bereich, der, wie die gesamte Gesellschaft, von Herrschaftsverhältnissen geprägt wird. Diese Verhältnisse ändern sich fortwährend, aber einige ihrer Grundmerkmale sind höchst beständig:
Individuen werden anhand angeblich biologischer Eindeutigkeiten in zwei Geschlechter eingeteilt. Diesen werden unterschiedlich privilegierte Orte in der Gesellschaft zugewiesen. Sie befinden sich also in einem hierarchischen Verhältnis zueinander, in dem Frauen in weniger machtvollen Positionen sind als Männer und wo Heterosexualität als Norm erhoben und Homo- oder Bisexualität als widernatürlich stigmatisiert wird. Meistens wird dieses Verhältnis aber nicht als Ungleichheit sondern als elementare Eigenheit der Geschlechter angesehen.
Dies hängt damit zusammen, dass die geschlechtliche Eindeutigkeit und Heterosexualität mit dem Rückgriff auf den Körper als Naturgesetz dargestellt wird, da die Vorstellung von dem Körper als natürlich und nicht durch den gesellschaftlich geprägten Blick wahrgenommen, vorherrschend ist. Denn dass Geschlechter existieren und für Jede und Jeden in ihrem/seinen Alltag höchst relevant sind, bedeutet nicht, dass sie einen wesenhaften Ursprung haben. Um den gesellschaftlichen Hintergrund bei der Herstellung dieses Systems deutlich zu machen, gebraucht man den Begriff Gender, der Geschlecht sozial und nicht biologisch bestimmt.
Die Zurichtung auf Männlich- oder Weiblichkeit ist jedoch nicht nur ein aufgezwungenes Ordnungsprinzip, sondern das „eigene Geschlecht“ wird meist angenommen, zum wesentlichen Merkmal unserer Identität und geht so in das geschlechtsentsprechende Handeln über. Dass wir nicht nur Männer und Frauen sein und uns demnach verhalten sollen, sondern uns meist als solche auch tatsächlich empfinden, entspringt einem Mechanismus, der das Geschlecht von Menschen zur eigenen Lebenswirklichkeit werden lässt. So wird es von anderen, aber auch von uns selbst immer wieder neu konstruiert.
Dass es Männer und Frauen gibt, ist also der Effekt der körperlichen Unterscheidung von Individuen nach geschlechtlichen Vorstellungen, gesellschaftlichen Machtstrukturen in denen wir leben und uns orientieren müssen und der darin entwickelten Persönlichkeit und Sexualität.

niemand ist sicher

gestern ist er auch mir begegnet. der sexismus. ich muss hier einfach darüber schreiben, weil ich mir diesmal sicher bin, dass es hierher gehört und weil ich einfach noch nich weiß, wie ich damit umgehen soll.
es gibt da einen typen, den ich zwei mal getroffen habe. ich fand ihn nett. es war lustig mit ihm. es waren keine besonderen gefühle von meiner seite aus im spiel, aber ich konnte mir durchaus vorstellen mal mit ihm zu schlafen. gestern hat er dann bei mir übernachtet. zuerst war es nett. wir haben ferngesehen und pizza gegessen. wir waren beide müde. haben das licht ausgemacht um zu schlafen. doch dann hat er angefangen mir fragen über meine sexualität zu stellen. anfangs waren sie noch ok. ich hab ihm gesagt, dass ich noch nie mit einem mann geschlafen habe, mit einer frau schon, dass ich es aber gern versuchen möchte. ich möchte es aber langsam angehen und wenn es nich geht und ich sage, dass er aufhören soll, soll er auch aufhören. er war einverstanden. schnell habe ich gemerkt, dass es nich gehen wird mit ihm. zuerst war es nur er, die art wie er küsst und sein geruch. dann war es seine grobheit. er mich nach unten gedrückt und er war ziemlich schnell bereit für den nächsten schritt und hat mir dabei sehr weh getan. ich hab ihm dreimal sagen müssen, dass er aufhören soll, bevor er es schließlich getan hat. danach hat er versucht sich zu rechtfertigen. er hätte ja nich gewusst, dass ich noch jungfrau bin, man könne sich ja schließlich auch selbst entjungern bzw. wenn man mit einer frau schläft. außerdem würde ich durch meine art nich den eindruck machen. frauen, die ein bisschen besser aussehen haben sich quasi damit abzufinden, dass sie auf der straße angefasst werden und auf mich bezogen habe ich doch selber schuld, wenn ich nich jungfräulich wirke. ich müsste mich daran gewöhnen, dass es bei männern schneller geht. es blieb aber nich bei rechtfertigungen. er war noch der meinung mich fragen zu müssen, ob ich ihm jetzt nich anderweitig zur hand gehen könne. schließlich ist das bei männern ja nich so einfach. ich habe nichts dergleichen getan. ich habe meine sachen genommen und die nacht bei meiner mitbewohnerin verbracht, die ihn heute morgen freundlicherweise für mich rausgeworfen hat. danach hat er mir eine sms geschrieben. er fand es nich sehr gastfreundlich von mir, dass er von meiner mitbewohnerin rausgeworfen worden ist. nachdem ich ihm geschrieben hatte, dass ich ihn nich wiedersehen will, weil ich das vergessen will. danach kam eine weitere nachricht von ihm. es sei doch nichts passiert und er hätte mich zu nichts gezwungen. das trifft wohl auf den anfang zu, aber wenn ich sage, hör auf heißt das für mich hör auf. ich habe die ganze nacht geweint, mich geschämt, schmutzig und schuldig gefühlt, nich geschlafen. ich habe schmerzen und weiß nich, was ich fühlen soll. ich hätte nie gedacht, dass mir sowas passieren könnte, aber jetzt ist mir klar, dass niemand sicher ist. ich weiß nich, ob es ok ist, wenn ich hier einen beitrag schreibe, der sich irgendwie nur auf mich bezieht, obwohl er das eigentlich ja nich tut, weil das wahrscheinlich ein beispiel für etwas ist, was vielen frauen begegnet. ich wusste nur einfach nich wohin mit meinen gedanken und ich würde gern hier darüber reden, weil es irgendwie im moment noch leichter ist das anonym zu tun.

wer darf /soll eigentlich mädchen sein?

Es gibt eben nur zwei geschlechter, männlich und weiblich.

behauptete der lautstarke typ mit dem unerträglichen gesprächsverhalten in der hintersten reihe, und meinte damit nicht einmal nur das biologische geschlecht, sondern sowohl sex als auch gender. dass sich ein rein körperlicher unterschied zwischen ‚männern‘ und ‚frauen‘ nicht als biologischer zustand erklären lässt, wenn er gezielt von der gesellschaft hergestellt wurde, beschreibt wikipedia:

Viele intersexuelle Menschen wie auch kritische Wissenschaftler_innen argumentieren hingegen, dass die westliche Vorstellung von genau zwei sauber unterscheidbaren Geschlechtern (siehe Heteronormativität) falsch ist. In dieser Haltung werden sie häufig von Transgendern unterstützt. Sie konstatieren, dass die Festlegung auf eines der beiden gegenpoligen Geschlechter oft zweifelhaft sei, und zu starken physischen und psychischen Beeinträchtigungen führen könne. In der Regel handele es sich um einen durch sozialen Druck entstandenen Wunsch des Umfeldes, und nicht um ein Bedürfnis der Betroffenen selbst. Da die entsprechenden medizinischen Eingriffe (siehe geschlechtsangleichende Operation) oft im Säuglings- und Kleinkindalter vorgenommen würden, werde darüber hinaus der für die Betreffenden wichtigste Faktor, nämlich ihr psycho-emotionales „Identitätsgeschlecht“, nicht berücksichtigt.
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auf der ebene des sozialen geschlechts ist die vorstellung einer rein binären geschlechterkonstellation konstruiert und überholt . ( die 1 und die 0 – ihr dürft dann auch raten, welche in einer patriarchalen gesellschaft welche zuweisung bekommt)
die speziellen eigenschaften, die ‚frauen‘ und ‚männern‘ zugeschrieben werden, und deren ‚natürlichkeit‘ dann versucht wird ‚wissenschaftlich‘ zu belegen, haben nichts damit zu tun, ob die person als ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘(biologisch) kategorisiert wird, sondern mit der sozialisation, die daraus folgt, und selbst dann noch greifen sie mitnichten in jedem fall. das schema: kind -> wird geboren & kategorisiert -> erhält eine dementsprechende erziehung, kleidung, behandlung (jungs weinen nicht, und mädchen sind nie schmutzig, die klischees sind bekannt) -> erfährt entsprechende erwartungen von der umwelt -> erfüllung sichert integration, nichterfüllung die rolle einer_s außenseiter_in, mobbing, psychoterror, körperliche angriffe etc.
dieses stark vereinfachte schema einer sozialisation steht niemals einfach so im raum, sondern wird beeinflusst von anderen gesellschaftlichen faktoren, bspw gesellschaftlichem status, von medien transportierten schönheitsidealen oder rassistischen zuschreibungen, die jeder für sich wieder eine eigene sozialisation veranlassen.
aber was genau macht denn nun eigentlich die kategorie ‚mädchen‘ aus? per definitionem ‚jung‘, ‚weiblich‘, mit gewissem ‚niedlichkeits‘potential, ein wenig naiv und hilfsbedürftig vielleicht? braucht immer eine ’starke schulter‘ zum anlehnen?
so in etwa könnte eine ‚normale‘ definition des mädchenbegriffs aussehen (muss sie natürlich nicht). die begriffe, die in ‚‘ stehen, sollen verdeutlichen, dass alter, geschlecht, schönheit, stärke konstruierte kategorien sind, variabel und veränderbar, und dass somit auch die kategorien ‚mädchen‘, ‚mann‘, ‚frau‘ (…) veränderbar sein müssten.
schaut mensch sich in der gesellschaft um, ist dies natürlich nicht der fall. menschen, die in keine der gängigen kategorien passen, oder nach landläufiger meinung nicht in die ‚richtige‘, sind permanent krassem gesellschaftlichem druck, diskriminierung und verbalen/physischen angriffen ausgesetzt. einige von ihnen sollten mädchen sein, wollen und sind es aber nicht, andere sind es, nach einer definition, die jede_r für sich selber findet, und wieder andere erfüllen die erwartungen ihrer kategorie, stellen jedoch die grenzen ebenjener infrage und übertreten sie gezielt. und sie alle haben trotz ihrer unterschiedlichkeit eins gemeinsam: sie sind keine ‚guten mädchen‘.

missverständnisse

ich möchte gern mal die von mir ausgelöste diskussion zum thema selbstzweifel beenden, denn irgendwie ist die sehr weit vom thema abgeschwiffen. ich werfe mal was neues in die runde und vermeide diesmal den appell zum zerfleischen, vielleicht bleibt das ganze dann irgendwie im rahmen.
mit dem letzten beitrag kann ich aber auch sehr gut zu diesem überleiten. denn wie es meine überschrift verrät, geht es um missverständnisse. zu solchen kommt es einfach viel zu schnell. beim schreiben des letzten beitrages hatte ich z.b. meine vorstellungen im kopf und mich darauf in meinem beitrag bezogen. das der lesende ja aber nich weiß, was einem so für gedanken im kopf herum gehen, wird einem erst klar, wenn man kritisiert wird und ganz schnell ist ein missverständnis entstanden, weil man vielleicht genau dasselbe in seinem kopf hatte, was der kritikausübende äußert.
im allgemeinen gehören missverständnisse zu den dingen, die ich am meisten hasse. leider kommen sie sehr häufig vor bei mir, weil sich einfach zu viele sachen in meinem kopf abspielen bevor ich handle. ich versuche verhaltensweisen und gesagtes von menschen zu interpretieren und das richtige zu tun, statt das zu tun, was ich wirklich will, was meine bedürfnisse von mir fordern. das führt dann einfach oft zu missverständnissen, weil meine bedürfniserfüllung meistens der richtigere weg gewesen wäre als die interpretationsversuche. danach hab ich dann tagelang ein schlechtes gewissen und ärgere mich über mich selbst. dass ich wieder auf meinen zu viel denkenden kopf gehört habe und es wieder zu einem missverständnis kommen konnte.
ganz schrecklich finde ich es auch, wenn menschen nich über sachen reden. wenn sich jeder nur denkt, was der andere fühlen und denken könnte, was er braucht und was er will. dann rutscht man wieder ab in interpretationen und spekulationen und ein neues missverständnis wart geboren. das ist fast genauso schlimm, wie wenn man sachen von anderen hört und sich daraus irgendeine meinung zusammenspinnt. auch das ist quasi eine der hauptquellen von missverständnissen. irgendwie sind sie doch überall.
ich könnte jetzt hier stundenlang weiter über missverständnisse schreiben, ein lied darüber singen, einen tanz aufführen, was auch immer. tausend beispiele würden mir einfallen. mach ich aber nich, denn was ich sagen wollte, hab ich gesagt: missverständnisse sind überflüssig und erschweren einem das leben nur noch zusätzlich. ich möchte auch wirklich viel lieber wissen, wie eure begegnungen mit dem großen bösen m-wort so waren und dann ein bisschen darüber diskutieren. also doch bisschen zerfleischen.

Fragen an die Mode-Industrie (2)

Wieso brauchen Mädchen eigentlich Taschenmesser mit Pillendose und Parfüm-Gedöhne dran? In Rosa? Da ist die Ausgabe „für Deinen Mann“ doch wesentlich cooler und benutzbarer. Aber brauchen nicht alle Menschen unterwegs mal Deo, Schraubenzieher oder Nadel und Faden (oder einen Bartkamm)?

Tipp von Jens

Fragen an die Mode-Industrie (1)

Warum gibt es bei H&M eigentlich fast nur noch Push-up-BHs? Und warum gibt es bei den wenigen Nicht-Push-up-BHs kein Exemplar in Körbchengröße A? Ist es so undenkbar, dass A-Körbchen-Träger_innen die Größe ihrer Brüste ausreicht?

das leben stinkt

ich bin noch immer unsicher, was hierher gehört, was ich schreiben kann. deswegen schreib ich einfach mal so drauf los. kann ja nachher noch zerfleischt werden.
in den letzten tagen bin ich in verschiedenster weise auf menschen getroffen, die in selbstmitleid zerfließen, sowohl männlich als auch weiblich. ich will nich sagen, dass es bei männern schlimmer ist als bei frauen. nein, das ist beides schlimm. wenn menschen an einem eigentlich sehr netten abend, einfach nur dasitzen, stöhnen, nur noch in erinnerungen leben und an nichts mehr spaß haben bzw. wenn menschen auf einer webseite bis ins kleinste detail aufschreiben müssen an wievielen krankheiten sie leiden und wie scheiße das leben doch ist, finde ich das einfach nur erbärmlich. das mag krass klingen, aber ich mein das tatsächlich so wie ich das hier schreibe. ich sag jetzt einfach mal so, ohne so klingen zu wollen wie der mensch mit der leidens- webseite, dass ich eine essstörung habe, bulimie um genau zu sein. auch das hat man ja nich einfach so ohne nun ja, nennen wir es mal begleiterscheinungen, die ich nich aufzählen will. ebenso wie man das nich einfach so bekommt, weil man stress hat oder weil man neidisch auf die dünnen mädchen im fernsehen ist (jaja, unglaublich, das bin ich alles schon gefragt worden). dafür gibt es durchaus tiefschürferende gründe, doch auch die will ich nich aufzählen. nich an dieser stelle, das gehört alles nich direkt zu diesem beitrag. was ich sagen will, ist, dass man lernen muss, sich an den kleinen dingen zu freuen. morgens aufwachen, die katze streicheln, spazieren gehen, lachen mit einem netten menschen, einfach kleine augenblicke in sich aufnehmen und das gefühl spüren. das gefühl, zu leben. das leben ist nämlich nich gänzlich scheiße und das leben ist auch nich schuld, wenn es den menschen scheiße geht. wenn man sich aber täglich einredet, dass dem so ist und sich dann darin suhlt. wenn man schöne momente nich mehr erkennt hinter seiner dicken schwarzen wolke, dann ist man selbst schuld. ich kann lachen und ich kann dinge genießen. ich weiß, was spaß ist und ich erfreue mich an kleinigkeiten und an den menschen, die bei mir sind. leben ist das, was man daraus macht und deswegen kann man auch mit einer krankheit glücksmomente erleben. wenn man natürlich nur wie gollum in seiner kleinen schwarzen höhle sitzt und wartet, dass wieder nichts passiert, kann das leben nur scheiße sein. das ist dann aber die schuld der menschen selbst und ist wirklich einfach nur erbärmlich.

ein kleiner zusatz:
ich bin darauf hingewiesen worden, dass einige aspekte in meinem beitrag falsch verstanden werden könnten. ich wollte damit nich sagen, dass bulimie, depressionen oder andere krankheiten mit nem spaziergang oder anderen kleinigkeiten besser gemacht werden können. sie können lediglich erträglicher gemacht werden. man soll sich keineswegs mit seiner krankheit arrangieren, sondern muss neben den erfreulichen kleinigkeiten auch was gegen seine krankheit tun. nur so kann man die kleinen und die großen sachen irgendwann wieder vollkommen genießen. auch ich weiß, dass es nich ausreicht drei mal die katze zu streicheln und ein paar nette abend mit freunden zu verbringen um meine krankheit loszuwerden.
in meinem beitrag wollte ich auch viel eher auf menschen anspielen, die nich krank sind, mein kranksein war eher als vergleich gemeint. zum beispiel menschen, die in erinnerungen festhängen und einem menschen die schuld für alles geben, was ihnen passiert. menschen, denen es im grunde gut geht, sich aber dennoch in einem loch verkriechen und das leben scheiße finden. ich denke, dass diese menschen durch das erfreuen an kleinigkeiten einfach wieder merken könnten, dass das leben den menschen viel geben kann und darauf kann man aufbauen. es macht mich einfach irgendwie wütend, wenn ich solche menschen jammern höre. am liebsten würde ich ihnen sagen, öffne deine augen, sieh, was um dich herum passiert und sie, wie gut es dir gehen könnte, wenn du endlich aufhörst dich selbstzubemitleiden wegen nichts.

Der „Richtige“ und ich

Der Richtige
„Man muss viele Frösche küssen, bis man endlich seinen Prinzen findet“ – doofer Spruch, aber es ist viel Wahres dran. […] Irgendwann verwandelt sich tatsächlich einer der Frösche in einen Prinzen und nichts ist mehr wie vorher: Er schreibt süße SMS. Er ruft an. Er will dich sehen. Er vermisst dich. Er stellt dich seinen Freunden vor. Ganz klar: Dieser Typ meint es ernst! […] Dann gilt: Festhalten den Schnuckel!“

(Editorial Mädchen 14/2006)

Ok, wir haben verstanden. Den „Richtigen“ erkenne ich daran, dass er sich für mich interessiert. Gibt es so jemanden, dann auf alle Fälle festhalten! Aber – spielt es denn gar keine Rolle, ob ich mich für den Typen, der mich anruft, interessiere? Kann ich mir also den „Richtigen“ gar nicht selbst aussuchen, sondern muss warten, bis er zu mir kommt? Gehört zum Mädchen-Sein eine passive Rolle, die die Aktivität den Jungs überlässt und schließlich das Klammern an den, der sich einmal interessiert hat?

Nächste Frage: Muss es denn immer der „Richtige“ sein und kann es nicht vielleicht auch die „Richtige“ sein? Ach nee, Liebe unter Mädchen kommt ja in Jugendzeitschriften nicht vor, das kennen wir doch aus den Frage-und-Antwort-Seiten: Wenn meine beste Freundin mich küssen will, ist das doch nur ein Ausprobieren, ich brauche mich noch lange nicht sorgen, dass sie lesbisch sein könnte. Auch wenn ich selbst ein Mädchen gut finde: keine Angst, das geht vorüber! Ich muss einfach nur warten, bis der „Richtige“ kommt, dann verschwindet diese Verwirrtheit schon aus meinem Kopf – oder?

Ja, der „Richtige“. Jeder Topf findet irgendwann seinen Deckel, auch das blinde Huhn nochmal einen Korn. Bevor der „Richtige“ kommt, dürfen wir mit sovielen flirten wie wir wollen, aber ist er einmal da, dann wollen wir das doch gar nicht mehr. Romantische Liebe halt, mit den logischen Folgen von Zweierbeziehung und irgendwann Ehe. Aber was, wenn es nicht nur einen „Richtigen“ gibt? Muss dann der erste „Richtige“ gehen, wenn der nächste „Richtige“ kommt? Ist dann der erste „Richtige“ nicht mehr „richtig“? Da muss dann eine Entscheidung getroffen werden, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf! Die Option, mehr als eine Beziehung zu führen existiert doch nur als Zwischenstadium, das so schnell wie möglich beendet werden muss. Oder habt ihr schon mal einen Artikel zum Thema: „Wie führe ich erfolgreich, offen und langfristig mehrere Beziehungen gleichzeitig“ gelesen?