wer darf /soll eigentlich mädchen sein?

Es gibt eben nur zwei geschlechter, männlich und weiblich.

behauptete der lautstarke typ mit dem unerträglichen gesprächsverhalten in der hintersten reihe, und meinte damit nicht einmal nur das biologische geschlecht, sondern sowohl sex als auch gender. dass sich ein rein körperlicher unterschied zwischen ‚männern‘ und ‚frauen‘ nicht als biologischer zustand erklären lässt, wenn er gezielt von der gesellschaft hergestellt wurde, beschreibt wikipedia:

Viele intersexuelle Menschen wie auch kritische Wissenschaftler_innen argumentieren hingegen, dass die westliche Vorstellung von genau zwei sauber unterscheidbaren Geschlechtern (siehe Heteronormativität) falsch ist. In dieser Haltung werden sie häufig von Transgendern unterstützt. Sie konstatieren, dass die Festlegung auf eines der beiden gegenpoligen Geschlechter oft zweifelhaft sei, und zu starken physischen und psychischen Beeinträchtigungen führen könne. In der Regel handele es sich um einen durch sozialen Druck entstandenen Wunsch des Umfeldes, und nicht um ein Bedürfnis der Betroffenen selbst. Da die entsprechenden medizinischen Eingriffe (siehe geschlechtsangleichende Operation) oft im Säuglings- und Kleinkindalter vorgenommen würden, werde darüber hinaus der für die Betreffenden wichtigste Faktor, nämlich ihr psycho-emotionales „Identitätsgeschlecht“, nicht berücksichtigt.
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auf der ebene des sozialen geschlechts ist die vorstellung einer rein binären geschlechterkonstellation konstruiert und überholt . ( die 1 und die 0 – ihr dürft dann auch raten, welche in einer patriarchalen gesellschaft welche zuweisung bekommt)
die speziellen eigenschaften, die ‚frauen‘ und ‚männern‘ zugeschrieben werden, und deren ‚natürlichkeit‘ dann versucht wird ‚wissenschaftlich‘ zu belegen, haben nichts damit zu tun, ob die person als ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘(biologisch) kategorisiert wird, sondern mit der sozialisation, die daraus folgt, und selbst dann noch greifen sie mitnichten in jedem fall. das schema: kind -> wird geboren & kategorisiert -> erhält eine dementsprechende erziehung, kleidung, behandlung (jungs weinen nicht, und mädchen sind nie schmutzig, die klischees sind bekannt) -> erfährt entsprechende erwartungen von der umwelt -> erfüllung sichert integration, nichterfüllung die rolle einer_s außenseiter_in, mobbing, psychoterror, körperliche angriffe etc.
dieses stark vereinfachte schema einer sozialisation steht niemals einfach so im raum, sondern wird beeinflusst von anderen gesellschaftlichen faktoren, bspw gesellschaftlichem status, von medien transportierten schönheitsidealen oder rassistischen zuschreibungen, die jeder für sich wieder eine eigene sozialisation veranlassen.
aber was genau macht denn nun eigentlich die kategorie ‚mädchen‘ aus? per definitionem ‚jung‘, ‚weiblich‘, mit gewissem ‚niedlichkeits‘potential, ein wenig naiv und hilfsbedürftig vielleicht? braucht immer eine ’starke schulter‘ zum anlehnen?
so in etwa könnte eine ‚normale‘ definition des mädchenbegriffs aussehen (muss sie natürlich nicht). die begriffe, die in ‚‘ stehen, sollen verdeutlichen, dass alter, geschlecht, schönheit, stärke konstruierte kategorien sind, variabel und veränderbar, und dass somit auch die kategorien ‚mädchen‘, ‚mann‘, ‚frau‘ (…) veränderbar sein müssten.
schaut mensch sich in der gesellschaft um, ist dies natürlich nicht der fall. menschen, die in keine der gängigen kategorien passen, oder nach landläufiger meinung nicht in die ‚richtige‘, sind permanent krassem gesellschaftlichem druck, diskriminierung und verbalen/physischen angriffen ausgesetzt. einige von ihnen sollten mädchen sein, wollen und sind es aber nicht, andere sind es, nach einer definition, die jede_r für sich selber findet, und wieder andere erfüllen die erwartungen ihrer kategorie, stellen jedoch die grenzen ebenjener infrage und übertreten sie gezielt. und sie alle haben trotz ihrer unterschiedlichkeit eins gemeinsam: sie sind keine ‚guten mädchen‘.


19 Antworten auf “wer darf /soll eigentlich mädchen sein?”


  1. 1 frl.zucker 05. November 2006 um 1:18 Uhr

    [quote post=“19″]einige von ihnen sollten mädchen sein, wollen und sind es aber nicht, andere sind es, nach einer definition, die jede_r für sich selber findet, und wieder andere erfüllen die erwartungen ihrer kategorie, stellen jedoch die grenzen ebenjener infrage und übertreten sie gezielt. und sie alle haben trotz ihrer unterschiedlichkeit eins gemeinsam: sie sind keine ‘guten mädchen’.[/quote]

    !!!

  2. 2 just 09. November 2006 um 9:56 Uhr

    hey, wuszte nicht wohin damit, aber ich denk hier passt es am ehesten:

    „New York Plans to Make Gender Personal Choice

    Separating anatomy from what it means to be a man or a woman, New York City is moving forward with a plan to let people alter the sex on their birth certificate even if they have not had sex-change surgery.“

    aus diesem artikel und ein biszchen war auch auf spiegel.de zu lesen.

    !!!!!!!!

    :)

  3. 3 ZofeNaluta 13. April 2007 um 22:51 Uhr

    Gute Frage.Wer darf ein Mädchen sein?Ich nicht.Bin damit gestraft,als Junge auf die Welt gekommen zu sein.Dabei liebe ich Strumpfhosen,Röcke,Kleider,Blusen usw.usf.Aber wen interessiert das?Wäre so gern Friseuse,Sekretärin oder ähnliches geworden-aber nein,musste Männerberuf erlernen!:((

  4. 4 illith 14. April 2007 um 3:48 Uhr

    [quote comment=“2706″]“New York Plans to Make Gender Personal Choice

    Separating anatomy from what it means to be a man or a woman, New York City is moving forward with a plan to let people alter the sex on their birth certificate even if they have not had sex-change surgery.“[/quote]
    wow, das wär ja mal was! aber stünden dann nur „male“ und „female“ zur auswahl oder dürfte man ganz frei entscheiden? „riot-bitch“, „not sure“, „stallion“… DAS wär doch cool! b-)**==

  5. 5 pia 14. April 2007 um 13:09 Uhr

    @illith: klingt interessant – hast du vielleicht noch eine quelle für das zitat?

  6. 6 illith 14. April 2007 um 17:30 Uhr

    na kuck mal zwei postings über mir, pia ;)

  7. 7 pia 14. April 2007 um 19:45 Uhr

    oh, wie peinlich … das kommt von diesem oberflächlichen gucken, das nur auf das datum und nicht auf den inhalt schaut – oder ich schieb es einfach mal auf den stress, den ich gerade habe ;-) trotzdem danke!

  8. 8 der große unbekante 05. November 2008 um 16:45 Uhr

    mhm ich finde man solte ausleben dürfen was man will sprich: mädchen/junge last euch nich unterkriegen ;);):)>-

  9. 9 Maria 15. November 2008 um 17:06 Uhr

    Hallo, wollte gerne ein Mädchen sein, bin leider nicht:((

  10. 10 Peter 16. November 2008 um 19:54 Uhr

    @ Maria

    Wieso, wenn du dich wie eines fühlst dann bist du doch eines. Die Gedanken sind frei.

    Was du vielleicht meinst, ist das du dich gerne mit den Attributen eines Mädchen schmücken und von deinen Mitmenschen als Mädchen akzeptiert würdest.

    Das ist in der Tat nicht so einfach, vor allem wenn die körperlichen Unterschiede zwischen Dir und dem normativen Standard-Mädchen zu groß sind.

    Vielleicht tröstet Dich der Gedanke, das Mädchen, die vom Körperbau, Gesichtsform und Verhalten wie Jungs sind, es auch schwer haben akzeptiert zu werden, auch und gerade wenn sie rosa Kleidchen und weisse Strumpfhosen anhaben ;-)

  11. 11 Emily 08. Dezember 2008 um 15:37 Uhr

    Naja. Ich selbst für mich fühle mich total wie ein Mädchen.
    Bin äußerlich wie ein Junge. Aber ich habe seitdem ich 10 bin (Bin nun mittlerweile 20) gekämpft, dass meine Freunde (zumindestens die wichtigsten) mich als Mädchen ansehen.
    Und das klappt echt sehr gut. Zwar traue ich mich öffentlich es nicht so ganz zu zeigen, aufgrund der bösen bösen Gesellschaft. Allerdings kann ich mich bei privaten party’s als Mädchen zeigen und auch außerhalb solchen Party’s nennen mich meine Freunde Emi und so.
    Von daher gebt nicht auf. Man brauch nur den Willen dazu.

  12. 12 gtz 08. Dezember 2008 um 16:29 Uhr

    Von daher gebt nicht auf. Man brauch nur den Willen dazu.

    ersterem stimme ich zu, letzterem nich.

  13. 13 Sakura 01. Januar 2009 um 3:47 Uhr

    naja zu dem thema kann ich nur eines sagen man ist das wie man sich fühlt sicher ist es in der heutigen gesellschaft nicht leicht.
    Ich selbst wäre auch lieber ein Mädchen vom Kopf her also mit den gedanken bin ich eines doch vom Körper nicht was ich aber ändern will zumindest in einem gewissen grad und ich möchte jedem sagen das man einfach den mut haben sollte eine entscheidung zu treffen und hinter dieser zu stehen auch wenn es nicht jedem gefällt sicher wie sagt man es den eltern und den Freunden das erfordert eine gewisse überwindung das kann ich sagen ich habs mein Eltern gesagt es war bei got nicht leicht die richtigen worte dafür zu finden doch man findet einen weg sich aus zu drücken und lass euch eines sagen lasst euch niemals unterkriegen wenn ihr euch entschieden habt steht dazu ich stehe voll und ganz zu meiner entscheidung und bereue nichts

  14. 14 Katy Perry 25. Februar 2009 um 19:38 Uhr

    Ich weiß nicht…….:-?

  15. 15 kjzzejhbzl 01. März 2009 um 10:10 Uhr

    Schade, ich war gespannt, was ihr zum thema zweigeschlechtlichkeit zu sagen habt. das fiel leider total unter den tisch.
    ich finde, dass das immer total weiterhilft, sich bewusst zu machen wie zwanghaft das ist, wenn man über transgender, intersex und so spricht. da is man dann gleich „im falschen körper geboren“ oder „wäre lieber das andere geschlecht“. wäre es nicht schöner, wenn man sich einfach als das annehmen kann, was man in diesem moment zu sein glaubt?

  16. 16 Emma 15. April 2009 um 15:00 Uhr

    Bin hier durch zufall via Google hergepurzelt.
    Hallöchen erstmal.

    Anerkannt wird deine Entscheidung, ob du dich selbst als Mädchen oder Jungen ansiehst, von den 50+ Generationen eindeutig nicht(außgenommen meine Oma:-)). Bei den 30+ern wird es schwer aber sogut wie alle Jugendlichen akzeptieren dies.

    Ich selbst bin mit etwas zwischen den Beinen gebohren, dann kann irgendwann das Mobbing und seit knapp 3 Jahren bin ich Mental(nicht äußerlich) eindeutig dem weiblichen Zweig der Menschheit anzuordnen. Deshalb auch Emma^^

    Aber ich frage mich schon seit einer ganzen Weile: Gibt es in der jetzigen Generation und den Kommenden überhaupt noch eine Geschlechteraufteilung? Laut dem Emanzipationsprenzip sollte es dies nicht geben. Und die Erziehungswissenschaften sagen auch, eine Unterteilung sei schlecht(Autos, Barbies, Blau und Rosa).

    Dahingegen muss man sich mal zum Beispiel die Bundeswehr angucken, dann weiß man, das es noch lange hin ist, bis man alles „emanzipiert“ hat.

    Und da ich diese Seite bestimmt nicht nochmal finde sage ich Lebe Wohl euch määääääädchen:d

  17. 17 illith 15. April 2009 um 16:06 Uhr

    Aber ich frage mich schon seit einer ganzen Weile: Gibt es in der jetzigen Generation und den Kommenden überhaupt noch eine Geschlechteraufteilung?

    äh – ja.

  18. 18 gtz 15. April 2009 um 16:15 Uhr

    aber sogut wie alle Jugendlichen akzeptieren dies.

    ja, ne, is klar.

  19. 19 Sakura 12. Mai 2009 um 11:43 Uhr

    es wird immer irgendwo eine aufteilung geben und bei der Generation 50+ kann ich sagen manche akzeptieren es manche nicht meine mum zum Beispiel die is seit kurzem 60 und hat es akzeptiert von meinen Geschwistern weiß es auch nur eine meiner Beiden Schwestern die restlichen 3 wissen davon nichts obwohl es für mich absolut kein problem ist die Katze jederzeit wieder aus dem sack zu lassen

    Es gibt immer eine gewisse Geschlechteraufteilung
    das dürfte es zwar nicht geben aber es ist immer noch so und die nächste Generation hat genügend zeit sich mit dem thema auseinander zu setzen wir werden sehen ob sie es akzeptieren oder nicht

    ich kann dazu nur sagen warten wirs ab die zeit wird es zeigen

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