Sexismus und Gender

ein kurzer artikel aus dem as.ism-reader des antisexismusbündnisses berlin:

„Sexismus und Gender“
graffiti.hates.germany für das „Antisexismusbündnis Berlin“

Geschlechtlichkeit und alles, was damit zusammenhängt, wie beispielsweise die sexuelle Ausrichtung von Menschen, ist ein Bereich, der, wie die gesamte Gesellschaft, von Herrschaftsverhältnissen geprägt wird. Diese Verhältnisse ändern sich fortwährend, aber einige ihrer Grundmerkmale sind höchst beständig:
Individuen werden anhand angeblich biologischer Eindeutigkeiten in zwei Geschlechter eingeteilt. Diesen werden unterschiedlich privilegierte Orte in der Gesellschaft zugewiesen. Sie befinden sich also in einem hierarchischen Verhältnis zueinander, in dem Frauen in weniger machtvollen Positionen sind als Männer und wo Heterosexualität als Norm erhoben und Homo- oder Bisexualität als widernatürlich stigmatisiert wird. Meistens wird dieses Verhältnis aber nicht als Ungleichheit sondern als elementare Eigenheit der Geschlechter angesehen.
Dies hängt damit zusammen, dass die geschlechtliche Eindeutigkeit und Heterosexualität mit dem Rückgriff auf den Körper als Naturgesetz dargestellt wird, da die Vorstellung von dem Körper als natürlich und nicht durch den gesellschaftlich geprägten Blick wahrgenommen, vorherrschend ist. Denn dass Geschlechter existieren und für Jede und Jeden in ihrem/seinen Alltag höchst relevant sind, bedeutet nicht, dass sie einen wesenhaften Ursprung haben. Um den gesellschaftlichen Hintergrund bei der Herstellung dieses Systems deutlich zu machen, gebraucht man den Begriff Gender, der Geschlecht sozial und nicht biologisch bestimmt.
Die Zurichtung auf Männlich- oder Weiblichkeit ist jedoch nicht nur ein aufgezwungenes Ordnungsprinzip, sondern das „eigene Geschlecht“ wird meist angenommen, zum wesentlichen Merkmal unserer Identität und geht so in das geschlechtsentsprechende Handeln über. Dass wir nicht nur Männer und Frauen sein und uns demnach verhalten sollen, sondern uns meist als solche auch tatsächlich empfinden, entspringt einem Mechanismus, der das Geschlecht von Menschen zur eigenen Lebenswirklichkeit werden lässt. So wird es von anderen, aber auch von uns selbst immer wieder neu konstruiert.
Dass es Männer und Frauen gibt, ist also der Effekt der körperlichen Unterscheidung von Individuen nach geschlechtlichen Vorstellungen, gesellschaftlichen Machtstrukturen in denen wir leben und uns orientieren müssen und der darin entwickelten Persönlichkeit und Sexualität.


1 Antwort auf “Sexismus und Gender”


  1. 1 soft brain 24. Juli 2006 um 21:16 Uhr

    Ist schon richtig was dort geschrieben steht, aber was mir fehlt ist der emanzipatorische Gang.
    So müsste es einfach nicht mehr notwendig sein eine (geschlechtliche) Zweierbeziehung zu führen um gesellschaftliche Realtität wahr werden zu lassen, dh. dass die postkapitalistische Produktion locker für den Fortschritt ausserhalb von der traditionellen Rollenverteilung genutzt und somit auch real dekonstruiert werden könnte. Die Dekonstruierung von Geschlecht ist für eine emanzipatorische Grundlage wichtig, folgt sie jedoch freilich nur aus der Überwindung des kapitalistischen Systems und den dazugehörigen Übeln. Erst im Kommunismus kann die eigentliche Dekonstruktion ihr Ziel erreichen und das Individuum frei bestimmen. Dies sollte bei aller jetztigen Kritik am (-historischen) Konstrukt Geschlecht beachtet werden. Ihr wisst schon: Kein richtiges Leben im Falschen und so
    Ansonsten: Netter Blog :)

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