Archiv für September 2006

Sucide Girls- „alternative Porn“ im www

Ich habe einen ganz interessanten Artikel von Annie Tomlin im Bitch-Magazin gefunden: Sex, Dreads and Rock ‚n‘ Rol – Suicide Girls‘ live nude punks want to be your porn alternative. Für alle, die nicht die Zeit und Muse haben, sich den kompletten Text reinzuziehen, hier eine kurze Zusammenfassung. Der Artikel beschäftigt sich mit der allgemeinen Zunahme „alternativer/independent“ Poronoseiten im WWW und subkulturspezifischen Seiten im Besonderen. Im Unterschied zu den gewöhnlichen Seiten geht es dort nicht nur um Sex, sondern auch um subkultur-spezifische Inhalte( Konzerte….). Die Autorin beschäftigt sich im folgenden anhand der punkigen Seite „Suicide Girls“ mit der Frage „…are they really challenging the old guard, or is it just the same old boobs in a punk-rock bra?“
Positiv hebt Annie hervor, dass im Gegensatz zu den oft entwürdigenden Bildern traditioneller Pornographie, die „suicide girls“ selbst über die Gestaltung ihrer Fotos bestimmen. Daher sieht sie in der Webseite eine Möglichkeit für Frauen, ihre Sexualität frei ausdrücken zu können. Ein zweiter Unterschied zum Mainstream-Porno besteht darin, dass die Frauen nicht anonyme Sexobjekte bleiben, sondern zu individuellen Persönlichkeiten werden. So hat jedes „Girl“ einen eigenen Bereich, in dem das Profil, Fotos und Webjournal hinterlegt sind. Die Profile und Weblogs werden von den Frauen regelmäßig aktualisiert und entahlten Angaben zu Lieblingsbands, persönlichen Erlebnissen – oft ohne jede erotische Konnotation: „Suicide Girls are not only physically naked; they’re also emotionally fleshed out.“
Annie kritisiert allerdings, dass die Girls, abgesehen von ihrem punkigen aussehen, allen Schönheitsstandards gerecht werden: Sie sind- und das gilt auch für die anderen alternativ-porn-webseiten- schlank, schön und in der Regel weiss.
Jede Woche bewerben sich etwa 350 Frauen bei Suicide Girl, doch nur wenige werden werden ausgewählt.Annie kommentiert das mehrstufige Auswahlverfahren folgendermaßen:“ The irony is that punk and goth subcultures have traditionally been welcoming places for the social misfit; now there’s a whole new level of weeding out the (un)desirables.
Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf den niedrigen Verdienst. Die Frauen erhalten zwar 100-200$ pro Foto-Shooting, was angesichts des zusätzlichen Aufwands (Webjournal, Foren, Chat usw.) aber eher spärlich ist.
Ihr Fazit: „Suicide Girls succeeds only in being a different-looking version of traditional pornography. It borrows loosely from the tenets of punk and feminism, but winds up being a version of existing porn dressed up with a new fashion statement, rather than a true revision of it.“ …so meine arbeitsschicht ist in ein paar minuten zu ende, deshalb schreib ich jetzt nix weiter dazu.

Abtreibung

Gestern war der Tag für die Straffreiheit von Abtreibung in Lateinamerika und der Karibik, mit Demonstrationen wurde das Recht auf legale, sichere und kostenblose Abtreibung gefordert. Nicht zuletzt bedingt durch den großen Einfluss der katholischen Kirche sind Schwangerschaftsabbrüche in den meisten Ländern Lateinamerikas (wie auch weltweit) verboten, werden folglich illegal durchgeführt und führen zu vielen Todesfällen von Frauen. aborto clandestino Durch die restriktiven Gesetzgebungen entstehen vielfach Menschenrechts- verletzungen, wie Human Right Watch an den Beispielen von Mexiko und Argentinien berichtet, zumal, wenn der Zugang zu Verhütungsmittel auch erschwert wird.
Gender-Aktivist_Innen und Frauenrechtler_Innen in Lateinamerika haben mit einer starken katholisch- fundamentalistischen Gegenbewegung zu kämpfen, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Positionen selbst Gesetze außer Kraft setzen kann, die in eng begrenzten Fällen einen straflosen Abbruch vorsehen.
Auch wenn in Deutschland nach einem langen Kampf von Femist_Innen die Abtreibung mittlerweile zwar noch rechtswidrig, aber nach Beratung straffrei ist, gibt es auch hier eine Gegenbewegung, vereint in dem Bundesverband Lebensrecht. Ohne größere öffentliche Aufmerksamkeit fand erst am letzten Samstag in Berlin eine Demonstration gegen Abtreibung statt, von der in dem Blog „frischgestrichen.net“ berichtet wird, dass ich jetzt hier nicht verlinken möchte.

Art In Perpsective (comic-strip)


gefunden bei „Candi“

Partygespräch

Ab und an passieren schon komische Sachen auf Parties, wie z. B. der betrunkene Mann Mitte 40, der auf einer Party im lokalen autonomen Zentrum meinte, sich wirklich an jede Frau ranmachen zu müssen. Nachdem er 3x versucht hatte, ein Mädchen am Rand der Tanzfläche mit aufdringlichem Verhalten und Körpereinsatz zum Mittanzen zu bewegen, ist mir der Kragen geplatzt. Ein bestimmtes „Hey! Nein heisst nein. Wenn sie nicht tanzen will, dann lass sie in Ruhe.“ von meiner Seite hat ihn abgewimmelt, doch später am Abend kommt er auf mich zu und beginnt ein Gespräch mit mir:

Er: „Hey! Finde ich gut, was du vorhin gemacht hast. Alle Frauen auf Parties sollten so sein wie Du.“
Ich: „… Danke.“
Er: „Nee, wirklich. Aber ich bin nicht ’so einer‘, der Frauen was antut oder so. Außerdem war das doch nur Spaß.“
Ich: „…“ (angenervt)
Er: (hält mir seine Hand hin) „Ich bin übrigens der XXX.“
Ich: (ich bin ja nett) „Hi, ich bin XXX.“
Er: „Biste mit deiner Freundin hier?“ (bezieht sich auf die gute Freundin, die ich vorher durch Reviermarkierung vor ihm „gerettet“ habe)
Ich: „Nein.“
Er: (verdutzt) „Aber du stehst schon auf Frauen, oder?“
Ich: „… Die Frage möchte ich Dir nicht beantworten.“
Er: (noch verdutzter) „Wieso nicht?“
Ich: „Weil ich nicht schon wieder irgendwelches Schubladendenken fördern möchte.“
Er: „Aber wenn man auf Parties geht, ist es doch schon interessant zu wissen, auf wen der andere so steht, oder?“
Ich: „Nein.“
Er: (verwirrt) „…“
Ich: „…“
Er: (Hält mir seine Hand hin.) „Schönen Abend noch.“
Ich: „Ciao.“

Tja, dass Spaß für andere bitterer Ernst sein kann und dass subtiles Rumgegrabe für andere eine Grenzüberschreitung ist, das üben wir dann nochmal. Vom Schubladendenken ganz zu schweigen.

Das Mädchen-Fragebuch Teil 1: Vorstellung des Buches

Neulich habe ich in meinem Jugendzimmer ein Buch gefunden, welches mir meine Eltern früher geschenkt haben: „Das Mädchen-Fragebuch“ von Sylvia Schneider.
Das Buch ist garnicht mal so uncool, und so hatte ich die Idee, hier ab und zu ausgewählte Passagen zu zitieren und zu kommentieren. Hier findet Ihr vorab den Klappentext:

„In der Pubertät verändert sich praktisch alles für Jugendliche, das Empfinden für alle Bereiche des Lebens.
Dieses Buch befaßt sich mit seelischen Problemen ebenso wie mit der Entwicklung des Körpers, mit Sexualität wie mit Liebe und Romantik, mit schulischen Belangen, der bevorstehenden Wahl eines Berufes und mit möglichen Lebensformen. Es gibt zu jedem angesprochenen Thema Informationen, Tips und Ratschläge und führt die heranwachsenden Mädchen zu bewußter Lebenshaltung und Selbstverantwortung hin.“

maedchen-fragebuch

gedicht

das neinneinneinneinnein-häschen hat exklusiv für das mädchenblog ein gedicht geschrieben, in dem es seine gedanken und gefühle zum thema mädchen (und jungs) ausdrückt. es heißt „dekonstruktivistisches gedicht gegen binäre geschlechterkategorien“. hier ist es:


dekonstruktivistisches gedicht gegen binäre geschlechterkategorien

mädchen, mädchen, mädchen
neinneinneinneinnein
jungs, jungs, jungs
neinneinneinneinnein
jungs und mädchen
neinneinneinneinnein
mädchen und mädchen
neinneinneinneinnein
jungs und jungs
neinneinneinneinnein

was denn sonst?

keine mädchen
keine jungs
keine mädchen und jungs
keine jungs und jungs
keine mädchen und mädchen

sondern: häschen!

ja, also das ist das gedicht vom neinneinneinneinnein-häschen. und weil fremdwörter ziemlich doof sein können, hier ein paar erklärungen zum titel:
dekonstruktivistisch heißt ungefähr, dass leute feststellen, dass irgendwas nicht von natur aus so ist wie es ist, sondern von den menschen so konstruiert wurde. und was konstruiert wurde kann auch dekonstruiert werden. das ist dann dekonstruktivistisch. logisch, ne? :-)
binär heißt, dass es von irgendwas zwei gibt oder etwas aus zwei teilen besteht. wenn es um kategorien geht, steckt da noch die idee mit drin, dass die zwei sachen so verschieden oder auch gegensätzlich sind, dass etwas was das eine ist nicht das andere sein kann.
oder so. ;-)

Zitat zum schlechten Ruf offener Beziehungen

Aus gegebenem Anlass:

Viel vom schlechten Ruf Offener Beziehungen kommt von Leuten, die grundsätzlich monogam sind, aber eine neue und „bessere“ Geliebte finden, während sie bereits in einer anderen Liebesbeziehung sind. Sie behaupten, Offene Beziehungen auszuprobieren, aber was sie wirklich versuchen, ist, die alte Beziehung langsam enden zu lassen. Dann, nach einer Weile, wenn die Dinge beginnen, auseinanderzubrechen, sagen sie „Na gut, Mehrfach-Beziehungen funktionieren nicht“.

Stammt aus einem tollen PDF, welches mensch* hier findet.

Deutschland stirbt aus – und wir sind schuld!

Eva Herman schrieb bereits im Cicero-Magazin einen Artikel mit dem Titel Die Emanzipation- ein Irrtum?“ , wobei sie sich das Fragezeichen hatte sparen können. Zentrale These: Die Deutschen sterben aus (schön wär’s)– und Schuld sind die Feministinnen (uns/mir/Euch auf die Schulter klopf).

der Grund: Die Frauen streben nach Selbstverwirklichung und Autonomie statt nach Mutterschaft.

die Analyse: Nicht das System (fehlende Kita-Plätze, prekäre Jobs) ist schuld, sondern die Frau. Denn diese handelt entgegen den Gesetzen der Natur.

die Folgen: die wenigen Kinder sind voll gestört, die Männer werden nicht mehr am heimischen Herd bekocht.(Man könnte also auch den Schluss ziehen, dass die Frau den Mann durch den Kochstreik in einen langsamen Tod aufgrund zunehmenden Fastfoodkonsums treibt – nur so ein Gedanke…). Und:Wir sterben aus!!!

die Analyse:“Der Mann steht in der Schöpfung als der aktive, kraftvolle, starke und beschützende Part, die Frau dagegen als der empfindsamere, mitfühlende, reinere und mütterliche Teil. In den zurückliegenden Jahrtausenden richtete die Menschheit ihre Lebensform nach dieser Aufteilung aus, die Rollen waren klar definiert. Der Mann ging zur Jagd, später zur Arbeit und sorgte für den Lebensunterhalt der Familie, die Frau kümmerte sich um das Heim, den Herd, die Kinder und stärkte ihrem Mann den Rücken durch weibliche Fähigkeiten wie Empathie, Verständnis, Vorsicht. Dies hatte dauerhafte Harmonie und Frieden in den Familien zur Folge.“…Nun verstoßen aber die Frauen gegen jene Gesetze der Natur. Hermann trifft daher die die „naturwissenschaftliche (sic!) Feststellung“: Wenn Frauen männlicher werden, werden „wir“ keine Nachkommen mehr haben. Und: Wir lähmen die „starke Männlichkeit in unseren Partnern, die wir uns in der Tiefe unserer Seelen sehnlichst wieder herbeiwünschen. “

die Feministinnen: Der Kampf um die Gleichberechtigung in Beruf und in Privatleben ist verloren. “ Diese Suppe, meine Damen, haben wir uns selbst eingebrockt. Wir haben nicht erkannt, wo unsere wahren Stärken liegen, stattdessen verloren wir uns im dünkelhaften Glauben an unsere nahezu übernatürlichen Kräfte, in Selbstüberschätzung und unreflektierter Emanzipationsgläubigkeit.“. Die Feministinnen von damals schweigen schamvoll – schließlich sind sie schuld an der Katastrophe.
Und sie haben nicht mal einen Mann, geschweige denn ein Kind abgekriegt…….

Metro


Über „Tokio Hotel“ lässt sich ja vieles schreiben, bevorzugt wenig Gutes.
Dennoch finde ich es bemerkenswert, wie androgyn sich der Vorzeigeboy einer Teenieband gibt, ohne das sich jemand ernsthaft (= nicht mehr als übliches Geläster) daran stört.