Sucide Girls- „alternative Porn“ im www

Ich habe einen ganz interessanten Artikel von Annie Tomlin im Bitch-Magazin gefunden: Sex, Dreads and Rock ‚n‘ Rol – Suicide Girls‘ live nude punks want to be your porn alternative. Für alle, die nicht die Zeit und Muse haben, sich den kompletten Text reinzuziehen, hier eine kurze Zusammenfassung. Der Artikel beschäftigt sich mit der allgemeinen Zunahme „alternativer/independent“ Poronoseiten im WWW und subkulturspezifischen Seiten im Besonderen. Im Unterschied zu den gewöhnlichen Seiten geht es dort nicht nur um Sex, sondern auch um subkultur-spezifische Inhalte( Konzerte….). Die Autorin beschäftigt sich im folgenden anhand der punkigen Seite „Suicide Girls“ mit der Frage „…are they really challenging the old guard, or is it just the same old boobs in a punk-rock bra?“
Positiv hebt Annie hervor, dass im Gegensatz zu den oft entwürdigenden Bildern traditioneller Pornographie, die „suicide girls“ selbst über die Gestaltung ihrer Fotos bestimmen. Daher sieht sie in der Webseite eine Möglichkeit für Frauen, ihre Sexualität frei ausdrücken zu können. Ein zweiter Unterschied zum Mainstream-Porno besteht darin, dass die Frauen nicht anonyme Sexobjekte bleiben, sondern zu individuellen Persönlichkeiten werden. So hat jedes „Girl“ einen eigenen Bereich, in dem das Profil, Fotos und Webjournal hinterlegt sind. Die Profile und Weblogs werden von den Frauen regelmäßig aktualisiert und entahlten Angaben zu Lieblingsbands, persönlichen Erlebnissen – oft ohne jede erotische Konnotation: „Suicide Girls are not only physically naked; they’re also emotionally fleshed out.“
Annie kritisiert allerdings, dass die Girls, abgesehen von ihrem punkigen aussehen, allen Schönheitsstandards gerecht werden: Sie sind- und das gilt auch für die anderen alternativ-porn-webseiten- schlank, schön und in der Regel weiss.
Jede Woche bewerben sich etwa 350 Frauen bei Suicide Girl, doch nur wenige werden werden ausgewählt.Annie kommentiert das mehrstufige Auswahlverfahren folgendermaßen:“ The irony is that punk and goth subcultures have traditionally been welcoming places for the social misfit; now there’s a whole new level of weeding out the (un)desirables.
Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf den niedrigen Verdienst. Die Frauen erhalten zwar 100-200$ pro Foto-Shooting, was angesichts des zusätzlichen Aufwands (Webjournal, Foren, Chat usw.) aber eher spärlich ist.
Ihr Fazit: „Suicide Girls succeeds only in being a different-looking version of traditional pornography. It borrows loosely from the tenets of punk and feminism, but winds up being a version of existing porn dressed up with a new fashion statement, rather than a true revision of it.“ …so meine arbeitsschicht ist in ein paar minuten zu ende, deshalb schreib ich jetzt nix weiter dazu.


20 Antworten auf “Sucide Girls- „alternative Porn“ im www”


  1. 1 Wondergirl 29. September 2006 um 18:09 Uhr

    Also ich hab mal ein SuicideGirl-Bildband verschenkt und da waren durchaus Frauen drin, die nicht der Norm entsprachen: Übergewicht, Dellen, leichter Hängebusen, Pausbacken. Aber keine Ahnung, wie es heute so ist. Und das Schwarz/Asiatisch/Latino als unattraktiv gilt, ist etwas arg weit hergeholt. Fakt ist doch, dass sich in der „Szene“, aus die die SGs stammen, kaum Schwarze rumtreiben. Wo sollen die also her kommen.
    Ansonsten würde ich SG nicht gleich als Porn bezeichnen, nur weil es erotisch ist. Porno sind für mich Körperflüssigkeiten und ausgebreitete Geschlechtsorgane, SG haben eher was mit Ästhetik zu tun.

  2. 2 chic 29. September 2006 um 19:25 Uhr

    [quote post=“34″] Und das Schwarz/Asiatisch/Latino als unattraktiv gilt, ist etwas arg weit hergeholt. Fakt ist doch, dass sich in der “Szene”, aus die die SGs stammen, kaum Schwarze rumtreiben. Wo sollen die also her kommen.[/quote]Stimmt!!!Zudem ist ja eher so, dass im Mainstream-Porno nicht-weisse Frauen nach „rassischen“ (i.S. von race)und ethnischen Kriterien kategorisiert und feilgeboten werden.
    Ich selbst kenne den Bildband nicht und habe auch nur mal flüchtig durch die Webseite gestöbert. Mein Eindruck war, dass die Frauen schon ziemlich attraktiv sind. Bedenklich finde ich das Projekt in der Hinsicht, dass es sich halt nicht jede Frau, die Lust hat, präsentieren kann,sondern die Auswahl (u.a. nach bestimmten Schönheitskriterien )durch andere erfolgt, und dass ein Konkurrenzdruck untereinander entsteht.“And there’s always a fresh new face wanting to be more desirable than the last. In more than a few journals, models quietly admit to insecurities heightened by their involvement. They don’t feel as pretty as the new girls—or, as one girl laments, being part of the site has “done a number” on her self-esteem. The initial rush of being a Suicide Girl—seeing yourself looking sexy, hearing others discuss your naked hotness, answering friendly fan mail—doesn’t always last. For every Suicide Girl who feels validated and beautiful, there are hundreds left wondering why they didn’t make the cut..
    Aber das Problem findet sich ja in genug anderen gesellschaftlichen Bereichen. :-?

  3. 3 verärgert 29. September 2006 um 21:06 Uhr
  4. 4 tee 30. September 2006 um 8:47 Uhr

    join for $4 a month!
    mein erster eindruck war eher cleveres marketing, erschliessung bestimmter zielgruppen, „mit der zeit gehen“ und schaffung einer eigenen community und lifestyles. identifikation heisst das zauberwort! haben da ja ein gutes, einprägsames und recht individuelles label geschaffen. (inkl. sg-army!)
    über den sexus und pseudo- und reaktionären feminismus dieser rosa seite lasse ich mich jetzt mal noch nicht so aus. genau die art feminismus, die den sexismus als standbein hat und reproduziert. interessant fand ich dann auch die zahlen der beiträge im politikforum: liberals, conservatives? allet klar!
    alles in allem: just another fucking commercial! (alles noch erster eindruck, der sich ändern könnte)
    bleibt wie ihr seid, besser bunt als rosa…
    p.s.: es wird immer gruseliger:
    bei wikipedia (sehr aufschlussreich)
    aber eigentlich reicht schon ein teil der selbstdarstellung:
    „In the same way Playboy Magazine became a beacon and guide to the swinging bachelor of the 1960s, SuicideGirls is at the forefront of a generation of young women and men whose ideals about sexuality do not conform with what mainstream media is reporting.“ (eben, denn in ein paar jahren siehts auch auf der bild so aus)
    mein schlechter eindruck bestätigt sich immer mehr…
    … just another commercial porn … $12 for 1 month …
    und noch ein nachtrag zum thema alternaporn:
    ein bild sagt mehr als tausend worte

  5. 5 chic 30. September 2006 um 12:39 Uhr

    Ich habe gestern abend noch ein im Netz gesurft und mir ein paar Seiten angeschaut.Zu SG: ich war einerseits positiv überrascht, dass das Thema Feminismus einen relativ breiten Rahmen eingenommen hat, andererseits fand ich, dass das Thema „Politik“ doch eher marginal vertreten war.
    Ich habe mir noch andere Seiten angesehen (mit einem sehr komischen Gefühl dabei), u.a. http://www.burningangel.com/, wo man sich dann ganze Filmchen anschauen konnte und ich fand das nicht gerade emazipatorisch, aber wenigstens nicht so eklig-sexistisch-rassistisch wie die „normalen“ Seiten. Relativ sympathisch fand ich noch vegporn.com, weil da wirklich auch nicht so 0815-schöne Menschen – und immerhin nicht nur girls, sondern auch boys(!) vertreten waren und in weniger sterotypen Positionen.

    PS: „liberal“ bedeutet im amerikanischen Sprachgebraucht nicht liberal sondern eher links-sozialdemokratisch.

  6. 6 tee 30. September 2006 um 15:17 Uhr

    eben, links-sozialdemokratische und konservative.
    ähnliche fraktionen regieren grad die brd…
    (und die spd ist auch schon ziemlich liberal geworden)
    feministisch? nun, schon, aber dann auch inkl. dieses festschreibens, breitlatschens und ausnutzens von stereotypen geschlechterrollen, bekannt als sexismus. find ich schon reaktionär, aber über vor- und nachteile des feminismus in verschiedensten ausprägungen heutzutage und hierzulande (auch in den usa) streiten wir uns besser ein anderes mal, ok? jedenfalls nicht mehr vor montag…
    im gegensatz zu vegporn: nicht übel, immerhin scheinbar gar nicht sexistisch, nur die altbekannten 12 dollar pro monat schrecken mich ab – hier angeblich eine einzige frau, die -so denke ich (wenn es stimmt)- spass dran hat (wie bestimmt auch alle, die da mitmachen) und sich so was dazuverdient.
    rosa, los! morgen machen wir antispeporn.com!

  7. 7 Wondergirl 30. September 2006 um 15:48 Uhr

    Ich weiß nicht. Vegporn.com ist ja meinetwegen PC, aber besonders ansehnlich nicht. Ob Porn okay ist, ist Ansichtssache, darüber kann man ewig streiten, aber klar ist doch, dass es dabei nicht um innere Werte oder gute Absichten, sondern um äußerliche Attraktivität geht.

  8. 8 mensch im mohn 30. September 2006 um 22:48 Uhr

    [quote post=“34″]klar ist doch, dass es dabei nicht um innere Werte oder gute Absichten, sondern um äußerliche Attraktivität geht.[/quote]

    Ich finde, dass es auch mal um äußerliche Attraktivität gehen kann. Jemanden zu bevorzugen, weil ersie philosophisch, marxistisch, politisch korrekt, HipHop-Fan oder sonstwas ist, ist genauso eine Diskriminierung (Benachteiligung) von Anderen. Ich habe nunmal einen Geschmack und den kann ich nicht ganz ausschalten, wenn ich mit Menschen umgehe.

    Trotzdem hält sich mein Interesse für Porno in Grenzen. Das ist eine Scheinwelt, ähnlich wie Liebesromane oder Rollenspiele. Hin und wieder ganz nett, aber selbst erleben ist irgendwie besser.

  9. 9 bigmouth 01. Oktober 2006 um 11:37 Uhr

    ich wäre mit dem label „pseudo-feministisch“ extrem vorsichtig. feminismus war eigentlich immer eine sehr heterogene veranstaltung.

    ich bin bei diesem 3rd-wave-feminism, woran sich das ja anlehnt, der sich selbst ja als „sex-positive“ sieht (was v 2nd-wave-feministinnen teilweise sehr kritisch gesehen wird, weil das impliziert, die wären lustfeindlich), auch immer hin- und hergerissen, weil die grenze zur affirmation nich weit ist. aber es ist ne sehr faszinierende angelegenheit. die pornographie-diskussion der 80er im feminismus ist ne spannnende sache, einiges findet sich auch im netz. uA ein wikipedia-artikel mit nem extrem coolen titel.

    auf meinem blog hab ich das blog einer new yorker sex worker und mittlerweile porno-regisseurin verlinkt, die sich selbst als feministin versteht. es ist ziemlich ungewöhnlich.

  10. 10 zahai 08. Oktober 2006 um 15:07 Uhr

    @wondergirl
    »Ich weiß nicht. Vegporn.com ist ja meinetwegen PC, aber besonders ansehnlich nicht.«
    ich denke mal, das ist noch wesentlich mehr ansichtssache als die frage ‚ist porn ok?‘(wie werden menschen dargestellt bzw stellen sie sich selber dar? welche hierarchiemuster werden durch diese darstellung bedient? sind die dargestellten personen (meistens sind das ja frauen) als ‚objekt‘ dargestellt, oder sind sie immernoch menschen?)
    es gibt in diesem bereich so überwiegend viel abscheulichen dreck, dass ich nicht sagen kann ‚porn ok – ansichtssache‘. ein definitives nein dazu. vegporn bedient dieses klischee (zumindest auf den ersten blick – weitere blicke hab ich nicht folgen lassen) nicht. zum einen sind dort nicht nur frauen, die sich fotographieren (lassen), sondern auch typen sowie viele menschen, die sich als nichts davon definieren wollen, und leute, die nicht den gängigen idealen entsprechen (genauso wie welche, die das tun, natürlich, aber immerhin). und es gibt rezepte. ;)
    aber attraktivität kann durchaus ansichtssache sein.
    und @ mensch im mohn: es ist imho ziemlich übertrieben, von diskriminierung zu reden, wenn du deinen geschmack meinst. somit wäre jede entscheidung für oder gegen eine person eine diskriminierung in sich. egal worum es geht. hey, vielleicht klag ich mich in einen freundeskreis ein…

  11. 11 bigmouth 10. Oktober 2006 um 12:55 Uhr

    „discriminare“ heisst ja eigentlich nur „unterscheiden“…

  12. 12 Wondegirl 12. Oktober 2006 um 21:07 Uhr

    Zahai:
    Porn ist keine Kunst, sondern soll anmachen (und den Produzenten Geld bringen) und die meisten Menschen fühlen sich nun Mal von 75D eher angesprochen als von Vegetariern mit Hühnerbrust.
    Zur Korrektnes: zumindest bei Sachen die in Westeuropa und den USA produziert werden, denke ich, kann man davon ausgehen, dass keine Frau aus finanziellen oder anderen Gründen dazu gezwungen ist.
    Nur weil die Hierarchie (schon klar, was gemeint ist ^^) vom feministischen Verständnis her alles andere als okay ist, ist es lange nicht illegitim. Ein Großteil der Darstellerinen entscheidet sich für diesen Weg, ihr Geld zu verdienen. Sie arbeiten und werden dafür bezahlt und da sie sich darauf einlassen, kann man davon ausgehen, dass sie mit der Erniedriung etc, die damit einhergehen kann, umgehen, bzw sie nehmen sie in Kauf. Es ist aber IHRE Entscheidung.
    Und das Frauenbild, dass sie bei Konsumenten hinterlassen: ich glaube nicht, dass ein erwachsener Mann durch das Betrachten von Pornos frauenfeindlicher wird, als er eh schon ist. Und auch umgängliche, nette Typen, sehen manchmal Pornos.

  13. 13 chic 15. Oktober 2006 um 16:20 Uhr

    :d/ So, noch ein Link zu „Alternative Porn“, dafür diesmal wirklich Alternativ. Leider hab ich von der Vorführung beim Postpornpolitics-Festival nicht so viel mitbekommen, da der Raum umkämpft war und- klarer fall von Size-ism- ich kaum was sehen konnte.
    Das was ich gesehen habe war aber sehr verspeilt und ganz witzig…..

    Aus Barcelona: girlswholikeporno

  14. 14 bigmouth 15. Oktober 2006 um 17:51 Uhr

    link funzt nicht

  15. 15 chic 15. Oktober 2006 um 18:15 Uhr

    :“>Ups, jetzt müsste er gehn.kann das leider nicht selbser testen, da
    dieser PC hier censorshipped ist und ihm die URL wohl zu schmuddelig erscheint:(

  16. 16 fitzcarraldo 18. Oktober 2006 um 14:24 Uhr

    nur mal fix ein jungle world artikel/interview zum thema
    http://jungle-world.com/seiten/2006/42/8683.php

  17. 17 chic 15. November 2006 um 16:26 Uhr

    Nochmal ein Link zum Thema:

    1. Ein online-Buch, d.h. das Abstract davon Diana Russel: PORNOGRAPHY AS A CAUSE OF RAPE. (Selbst nicht gelesen)

  18. 18 mutant 20. November 2006 um 14:41 Uhr

    ab von porno oder nicht:
    sehr punk ist diese sg sache schon mal nicht, da sind halt etwas anders gestylete damen am werke, aber die intention des ganze ist kohle machen, fertig, aus.
    da ist kein DIY gedanke mehr zu verspueren, da ist ein produkt und eine kaeuferschicht und mehr ist da einfach nicht.
    das es bei den models angeblich einen „szene“-hintergrund gibt, gehoert mit zu dem image, was da verkauft wird.

    warum sich allerdings jemand fickende veganer ankucken wollen wuerde, ist mir ein raetsel.

  19. 19 illith 14. April 2007 um 3:41 Uhr

    wieso? ich hab extra dafür einen großen spiegel am bett :d

  20. 20 Caroline-NL 24. Dezember 2007 um 18:42 Uhr

    Punk / Gothic / Outsider / Rock Music zu „pornographisieren“, ist sicher etwas neues im Porno Biz, zumindest in dieser Art.

    Die Selbstbestimmung der Modelle, die ein Mitspracherecht an der Rahmenhandlung haben, als auch ihr Outfit, sowie Partner frei auswählen zu können, gab es bei guten europäischen Pornofirmen schon viel früher. Bereits ab Mitte der 70er Jahre.
    ( z.B. bei Filmlab A/S Denmark oder bei Video Art Holland ).

    Was in Deutschland produziert wird, ist ohne Ausnahme fürchterlich.
    Mich sprechen zwar die „Suicide Girls“ schon optisch nicht an,
    mag auch die Geräuschkulisse nicht, weil ich lieber Klassik höre,
    aber es ist mal eine neue Idee. Übrigens haben selbst in D mal, daß war aber noch vor Alice Schwarzers EMMA, in den frühen 70ern die Feministinnen die Pornographie Freigabe begrüßt. Ab 1975 schwenkte man dann um, während dieser Richtungswechsel z.B. in den Niederlanden und Dänemark so nicht erfolgte, bzw. in Schweden erst Anfang der 90er.

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