Archiv für Oktober 2006

so soll unser sticker aussehen:

mädchenblog-sticker

Brüder und Schwestern

Etwas banal und möglicherweise leicht themenfremd:
Heute habe ich mit zwei Schulkolleginnen zusammengesessen und einfach nur über Gott und die Welt gequatscht, was man halt so macht, wenn man zu viel Zeit hat. Irgendwann kamen wir dann auf das Alter unserer (Sexual-
)Partner zu sprechen und haben eine etwas strange Entdeckung gemacht:
Mitschülerin_1, 19 Jahre alt, hat einen 24 Jahre alten Bruder. Generell ist sie der Ansicht, dass Männer, die 24 und älter sind, sie nicht interessieren, weil sie dann daran denken muss, dass „Er“ ja so alt ist wie ihr großer Bruder.
Mitschülerin_2, 20 Jahre alt, hat einen 19-jährigen Bruder und einen 33-jährigen Bruder und bevorzugt eindeutig Männer in dieser Altersspanne, aus dem selben Grund, wie Mitschülerin_1.
Ich bin 21, mein Bruder 19, mir geht es nicht anders (wobei ich nicht pauschal Männer/Jungs ablehne, die mehr als 1,5 Jahre jünger sind als ich, nur ziehe ich dann auch Vergleiche mit meinem Bruder).
Irgendwie merkwürdig.
Zufall oder hat es einen bestimmten Grund, sei es durch Erziehung, Tradition oder was auch immer.

Polyradikal: Gita Tost über die Probleme bürgerlicher Zweisamkeit und deren Überwindung

Im polyradicals.org/blog schreibt Gita Tost über Probleme bürgerlicher Zweisamkeit und deren Überwindung und kommt zu folgendem Fazit:

Ja, es ist wahr, was Louise Aston schon vor über einem Jahrhundert schrieb: Wahre Liebe, eine Liebe in Würde, braucht Freiheit. Aber Liebe in Freiheit setzt einiges voraus: Vertrauen statt Besitz und Kontrolle. Selbstvertrauen statt Eifersucht. Solidarität statt Konkurrenz.

Jedoch, was haben wir gelernt? Wir Kinder einer Warengesellschaft, in der mit allem gehandelt wird, einschließlich menschlicher Gefühle. Wir Töchter eines Patriarchats, das unsere Selbstachtung untergräbt. Was haben wir gelernt?

Menschenhandel statt Zuneigung. Besitz statt Vertrauen. Ellenbogenkampf und Konkurrenz, jede für sich und alle gegen mich. So vergiftet der Kapitalismus unsere Liebe. Läßt du dir das gefallen?

Der Beitrag enthält viel Wahres finde ich. Wie nehmt Ihr das wahr? Seht Ihr das genauso? Über konstruktive Kommentare würde ich mich freuen. :)

der traumfrau-check

vielleicht kennen einige von euch die news-abteilung von gmx.net. wer dort in besitz einer mailadresse ist, kommt kaum drumherum, sich von kurzmeldungen auf quasi BILD-niveau zuballern zu lassen. in einer der dort befindlichen rubriken (lifestyle -> liebe -> herzklopfen) befindet sich folgendes:
der traumfrau-check

Wenn Sie ein gebrauchtes Auto kaufen, fragen Sie nach Mängeln. Finden Sie keine, werden sie spätestens bei der Hauptuntersuchung (vulgo: TÜV), entdeckt. Für Frauen gab’s das bislang nicht, dabei haben auch sie manchmal Mängel.
Men’s Health hat deswegen einen Prüfbogen entwickelt, mit dem Sie Ihre Traumfrau checken können. Die Bewertung: Wenn Sie vier geringe Mängel (im Folgenden „Macken“) oder zwei erhebliche Mängel („Mängel“) entdecken, beginnen Sie, eine Nachfolgerin zu suchen. Wenn die Mängelliste länger ist, ziehen Sie die Dame so schnell wie möglich aus Ihrem Verkehr.

die einleitung spricht für sich, dass men’s-health-bratzen pratzen mit im spiel sind erklärt den geballten sexismus sowie die konsequente abwertung der „traumfraukandidatinnen“ zu einem großen teil, gmx-news zeichnen sich aber im allgemeinen durch derartige tendenzen aus.

nun aber mal zum check an sich:
frage eins: eigentlich müsse mann sich mit frauen ja nicht unterhalten, solange sie im bett das tun, was sie sollen.
aber wenn dann doch mal das bedürfnis nach kommunikation aufkomme, dann seien ja die meisten frauen sowieso nur am reden (typisch) oder zu dumm bzw »höchstwahrscheinlich eine osteuropäische Heiratsschwindlerin.«
da sind wir dann auch gleich bei rassistischen stereotypen angekommen--
ach so, zum vergleich mal der „idealfall“ (laut mh/gmx):

a. Nach ein paar Floskeln entwickelt sich ein tolles Gespräch, und Sie denken: „Wow, die Frau würde ich gern ins Bett kriegen!“ Kein Mangel. [sic!]

die ideale „frau“ verhält, redet und benimmt sich also genau so, dass der typ sich denkt: „höhö, geil, ficken!!1!“. so hat sie zu sein, sonst wird sie „aus dem verkehr gezogen“. wessen auch immer.

4. Sie gehen zusammen aus. Laute Musik, viele Leute. Plötzlich fällt Ihnen eine junge hübsche Dame um den Hals: Ihre Ex-Freundin Uschi, die Sie kurz angerufen und um diesen kleinen Auftritt gebeten haben.[sic!] Wie reagiert Ihre Süße wohl?
a. Als Uschi sich nach einigen Minuten wieder von Ihnen gelöst hat[…]

tja, wie soll sie reagieren? wenn wir mal davon ausgehen, dass sich macker und traumobjekt in einer mainstream-zweierbeziehung befinden (darauf wird später im test noch eingegangen), was ist zu erwarten? zumindest doch ein wenig irritation, wenn von irgendwoher irgendwer angesprungen käme und einige minuten am hals meiner partybegleiŧung verbringen würde, wäre ich wohl auch irritiert, wenn selbst ich mit einer freundin unterwegs wäre. aber nein, das ist dann eine macke – disqualifiziert. und warum ruft ‚er‘ seine exfreundin oder wen auch immer an, um so eine show abzuziehen?

5. Was macht Ihre Liebste eigentlich noch, außer Ihr Leben in Unordnung zu bringen? Eine Frau muss sich doch auch mal allein beschäftigen können. Welche Hobbys hat sie?
a. Sie fährt Mountainbike, joggt, reist, liest und macht gern Sex.
Kein Mangel.
b. Montags Synchronschwimmen, mittwochs Batik, freitags Rhönradfahren, einmal im Jahr eine Woche Töpferkurs in der Toskana.
Macke: Auch wenn Sie sich da ein Klischee geangelt haben: Immerhin sitzt sie nicht nur dumm rum.
c. Sie spielt Fußball.
Mangel: Vor allem wegen des Duschens danach (sie spielt nämlich in der Herrenmannschaft).

frauen dürfen also kein fußball spielen. immerhin dürfen sie joggen, ach ja genau, und natürlich »gern Sex machen.«

6. Früher musste eine Frau waschen, putzen, kochen können. Heute kommt noch Online-Shopping dazu. Aber ganz im Ernst: Wie reagiert Ihre Angebetete auf Hausarbeit?
a. Vor ihren Freundinnen schämt sie sich fast dafür, aber sie macht alle Arbeiten daheim total gerne!
Kein Mangel.
b. Sie besteht auf Arbeitsteilung.
Macke: Wenigstens müssen Sie sie nicht zu allem zwingen.
[…]

haushalt – klassische frauenaufgabe, natürlich. wie anders zu erwarten. sie soll mal schön alleine putzen, dazu ist sie schließlich da. und arbeitsteilung? disqualifiziert.

7. Es ist Abend, es ist saugemütlich, es klingelt an der Tür. Herein stürmen „ganz zufällig“ Ihre besten Kumpels und erinnern Sie daran, dass heute Pokalspiel ist. Wie reagiert sie?
a. Sie trinkt mit Ihnen Dosenbier und lässt sich zum fünfzigsten Mal die Abseitsfalle erklären.
Kein Mangel.
b. Sie geht nach Hause.
Macke: Immerhin, sie stört nicht. Wenn sie dann auch am nächsten Morgen nicht motzt – okay.
c. Sie schmeißt Ihre Freunde raus, fesselt und knebelt Sie. Und dann bewirft sie Sie mit den Bierdosen.
Mangel: Eine Zweier-Beziehung ist ja ganz schön. Aber bevor daraus ein Dauer-Zweikampf wird, lassen Sie sie lieber auswechseln.

was ist eigentlich so schwierig an der abseitsfrage, und wieso hackt jeder typ der sich für was besseres hält darauf rum, dass frauen die angeblich nicht verstehen? und mal ehrlich: dosenbier? und wenn sie keinen bock hat auf gröhlende besoffene fußballprolls, und nach hause geht, disqualifiziert. ich persönlich finde die option c am naheliegendsten, wenn eine horde von typen die wohnung stürmt zum fußballschauen-mackerabend.

ich erspare euch mal das aufführen weiterer beispiele, wenn ihr wollt, lest selber nach.

fazit:
will eine frau traumfrau sein, und es ginge nach dem willen dieser idioten, dann muss sie
a) mit dem typen ins bett hüpfen, wann immer ER will
b) seinen und ihren oder den gemeinsamen haushalt schmeißen – mit begeisterung, vielleicht noch nackt putzen?
c) eigene meinung, bedürfnisse und interessen aufgeben

für mich gibts da eigentlich nur eins zu sagen, die ag gender killer hat da so hübsche plakate:

(image via tapete – ich hoffe, es ist ok, wenn ich das hier verwende? ansonsten bitte bescheidsagen.)

sticker-contest-fristverlängerung

angesichts der tastache, dass bisher leider noch keine entwürfe eingereicht wurden, wird die frist für den mädchenblog-sticker-contest noch einmal bis donnerstag, den 26.10.2006 verlängert.
traut euch, leute, und gebt eure vorschläge ab, es kann doch nicht sein, dass wir das nicht hinkriegen! ;-)

fernsehtipp

wir wurden gebeten, auf diesen tv-tipp für freitag abend aufmerksam zu machen – machen wir doch gerne!

Freitag, 20. Oktober 2006 um 23.45 Uhr
(Wiederholung: 25. Oktober 2006 um 01.40 Uhr)

Judith Butler, Philosophin der Gender

Themenabend: 60 Jahre „ELLE“. Zwischen Eleganz und Emanzipation

Die amerikanische Philosophin und Feministin Judith Butler plädiert für eine nicht repressive Ethik gegenüber Minderheiten und stellt einen zu eng gefassten Feminismus-Begriff in Frage. Anlässlich der Übersetzung ihres neuesten Buches „Undoing Gender“ ins Französische zeigt ARTE ein Porträt der streitbaren Wissenschaftlerin.

mädchenblog sticker contest

das mädchenblog möchte auch in der offline-welt etwas bekannter werden. deshalb starten wir jetzt die erste interaktive mädchenblog-werbe-aktion: angeregt durch selbstmordpartys
aufkleber drucken teil 2 gibt es für das mädchenblog einen sticker contest!
das bedeutet, alle sind aufgerufen, aufkleber-entwürfe einzureichen, von denen (mindestens) einer für den druck ausgewählt wird. die genauen anforderungen an größe, layout (farben/schriften) und dateiformat sind hier nachzulesen. ansonsten sollte der aufkleber-entwurf auf jeden fall die mädchenblog-url http://maedchenblog.blogsport.de enthalten, und vielleicht einen tollen spruch und/oder ein cooles bild.
bis sonntag, den 22. oktober werden entwürfe angenommen, im anschluss beginnt die entscheidungsphase. angedacht ist hierfür das einsetzen einer umfrage. teilnehmen kann jede_r, die_der es schafft, einen den anforderungen gerechten entwurf einzureichen, auch mehrere entwürfe pro person sind möglich. die beteiligung von mädchenblog-autor_innen ist ausdrücklich erwünscht, der rechtsweg allerdings ausgeschlossen. entwürfe können per link in den kommentaren eingereicht werden, wer selbst nicht über die möglichkeit des bilder-hochladens verfügt, wende sich vertrauensvoll per mail an das mädchenblog. zu gewinnen gibt es vor allem fame (ggf. eine verlinkung auf diesem blog) und einen teil der aufkleber.
und jetzt ran ans layout!

[edit: die farbkombination der aukleber steht noch nicht fest, sondern wird mittels einer umfrage bei selbstmordparty entschieden. also, selbst wenn ihr nicht layouten mögt/könnt/wollt, könnt ihr schon einmal die farben mitentscheiden!]

[nochmal edit: die farbkombination wurde entschieden: rosa und schwarz hat gewonnen. das trifft sich ja super mit unserem blogdesign! also leute, wo bleiben die entwürfe?]

Artikel in der WAZ übers Ladyfest Ruhr

Den Artikel übers Ladyfest Ruhr in der WAZ findet Ihr nicht mehr hier (wegen Copyright und so).

veranstaltungstipp

für alle diejenigen unter euch, die zu zeit in berlin weilen:
die anti-lookism-auststellung im cafe morgenrot (kastanienallee 85) seit 3.10 und voraussichtlich bis anfang november.


[image via]

Samstagnacht voller merkwürdiger Männlichkeiten

Ich biege genau rechtzeitig auf die Warschauer Straße, um zu sehen, wie eine Schlägerei erblüht: Ein Rockabillypunk und ein gelblonder Goldkettchenträger umkreisen sich, angefeuert von der jeweiligen Horde, einer langt dem anderen eine, das ganze ist noch eher symbolischen Charakters. Bevor sie sich weiter entfaltet kommen zwei Bullen angejoggt, und ich denke, „falsch ist das nicht, die zwei Streithähne zu trennen“, bis ich sehe, dass das gar nicht das Anliegen der werten Polizisten ist. Statt dessen reißen sie schlicht den Rockabillytypen raus, klatschen ihn an die nächste Wand, Handschellen klicken während der Goldkettchenmensch und seine Kumpane triumphierend um sich zeigen, frei nach dem Motto „Der da ist auch schuld, und der da, und der gehört eigentlich auch abgeführt“ etc. Die übrigen Punks versuchen, sich unaufällig ihrer Kopfbedeckungen zu entledigen und gehen auf Distanz. Offensichtlich hatte die Polizei nicht das geringste Interesse, überhaupt herauszufinden, was da gerade passiert ist, es ist ja eh klar, (Überraschung!) dass die ‚gepflegten‘ Kerle nicht Schuld sein können. Nicht die Andeutung einer Ermahnung fällt in diese Richtung.

Der Club meiner Wahl in dieser Nacht hat mein Vertrauen schon längst verspielt, aber hin und wieder gehe ich trotz besseren Wissens doch noch hin. Ich komme um halb zwei an und bin viel zu früh, viel Zeit das Publikum zu beobachten. Obwohl (oder weil) es eigentlich ein sehr straightes Breakcore-Programm ist, erinnern mich die Leute fatal an die Meute in einer bestimmten Indiedisko zu dem Zeitpunkt, als ich u.a. wegen zu vieler zu bescheuert randalierender Kerle beschloss, dort nicht mehr hinzugehen. Heißt: Die meisten scheinen durch das Tanzen beweisen zu müssen, was für harte Männer sie doch sind, Humor besteht darin, ein Mädchen dazu zu bringen sich umzudrehen, und ihr dann auf den Hintern zu hauen, und Respekt vor dem Nahbereich von Frauen gibz einfach nich. Als der Act, wegen dem ich da bin, losgeht ist Platz vor der Bühne und ich schaffe es, zum Intro ein wenig rumzuspringen, aber schon beim zweiten Stück kommt ein Kerl an, der beim Tanzen ca. 3 qm beansprucht und das auf eine Weise, die mich dazu bringt mich zum Schutz meiner körperlichen Unversehrtheit zurückzuziehen. Während ich da stehe und noch überlege, was ich mit dem Rest der Nacht mache, kommt ein etwas ‚verwirrter‘ älterer Herr auf die Bühne und meint, dem Künstler seine Begeisterung besonders persönlich mitteilen zu müssen. Eine führt Frau ihn bestimmt aber freundlich von der Bühne, dabei wird deutlich, dass er nichts an hat, was den Blick auf seine Geschlechtsteile behindern würde. Er wird von der Meute bejubelt, und ich beschließe, für diese Nacht aufzugeben und nach Hause zu gehen.

Auf dem Heimweg in der Straßenbahn fallen mir drei-vier Kerle auf, die sich gar nicht einkriegen können. Noch bevor ich hinschaue ist klar, dass die jungen Herren offensichtlich mit der Anwesenheit von drei Dragqueens nicht zurechtkommen. Das ganze schaukelt sich hoch, die Kerle umkreisen die Ladies, grölen Fragen über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein bestimmter Geschlechtsmerkmale, die Echtheit der Haare, die Form der Nasen etc. Sie scheinen immer abgestoßen, entfernen sich, um doch wieder und wieder den Ladies auf die Pelle zu rücken. Von denen selbst höre ich nichts. Ich würde gerne einschreiten, aber ich zweifle, ob das den Ladies nicht erst recht unangenehm wäre, zumal sie den Eindruck machen, sich wahrlich besser selbst verteidigen zu können – alle drei sind ein- bis zwei Köpfe größer als ich. Bevor mir aufgeht, dass der beste Grund sich einzumischen schlicht darin besteht, dass ich selbst mir diese Scheisse nicht anhören will, steigen die Dragqueens aus. Ein Kerl versucht noch letzte Fragen loszuwerden, ich sitze vor der Tür und höre wie die eine entnervt zu den anderen sagt: „Jetzt werden sie ganz mutig.“ Sie dreht sich ein letztes Mal um, anscheinend zur Einschüchterung, und das funktionert auch halbwegs, schon allein, weil sie mit High Heels etc. auch die Kerle um einiges überragt.

Ein wiederkehrendes Motiv in dem verbalen Durchfall der Kerle war die Assoziation, dass eine Dragqueen im Stehen den einen Typ (auch stehend) hätte auffordern können, ihren Schwanz zu lutschen, so groß seien die. Kurz nachdem die Dragqueens die Bahn verlassen haben, fangen die Kerle eine Schlägerei an. Die Geschlechterverwirrung war wohl unerträglich, jetzt müssen ein paar Schläge die Verhältnisse wieder klären. Es soll ja niemand denken irgendwer hätte dabei vielleicht an irgendwas gedacht oder so.