Archiv für November 2006

Baghdad Burning

Ein Mädel mitten im Irak entscheidet sich, einen Blog unter dem Pseudonym
„Riverbend“ zu schreiben – über ihr Leben im Irak ‚nach‘ dem Krieg.
In ihrem ersten Eintrag vom 17. August 2003 steht:
„A little bit about myself: I‘m female, Iraqi and 24. I survived the war. That’s all you need to know. It’s all that matters these days
anyway.“
Was für ein Anfang; da muß man erstmal schlucken.
Sie schreibt sich den Frust von der Seele, erzählt von ihrem Alltag und kommentiert mit Scharfsinn und erstaunlich viel
Objektivität (und das muß man als Betroffene erstmal hinkriegen!) die politische Lage.

Ich will nicht viel dazu sagen; Riverbend selbst macht das tausendmal besser – schaut’s euch einfach an: Baghdad Burning

Wenn ihr ein bißchen Zeit habt, lege ich euch sehr ans Herz, den Blog zu lesen und auch mal das Archiv zu durchforsten – ihr werdet
beispielsweise viele Ereignisse wiederfinden, von denen man auch bei uns in den Medien berichtet hat – nur, daß diese Ereignisse
hier aus einem GANZ anderen Blickwinkel geschildert werden! Ich kann nur so viel sagen: mich persönlich hat dieser Blog sehr
bereichert, was kritisches Konsumieren unserer Medien, Welt- und auch Weitsicht, Vorurteile und Aufgeschlossenheit angeht.

Vielleicht haben auch schon längst einige von euch davon gehört, da auch ein Buch daraus entstanden ist, das für den diesjährigen Samuel Johnson
Literaturpreis
nominiert wurde und
im Rahmen des Fringe Festivals in Edinburgh in Form
eines Theaterstücks aufgeführt.

Und Riverbends Blog geht weiter.

UPDATE
Offensichtlich hat Riverbend vor, den Irak zu verlassen

Worte an der Wand

Ich persönlich freue mich ja über jede beschriftete Toilettenwand (zumindest, wenn Niveau und vor allem Einfallsreichtum über
gezeichnete Schwänze und „Fuck Capitalism“ hinausgehen). Manchmal sind sie aber nicht nur spaßig, sondern machen irgendwie
traurig – oder zumindest nachdenklich.
Gestern war ich von einem Gedicht im Klo der Unibibliothek so beeindruckt, daß ich es einfach abschreiben mußte (ich entschuldige
mich hiermit auch bei den armen Mädels, die wegen meinem Geschreibsel etwas länger in der Schlange standen) und stell das hier
einfach mal mehr oder weniger kommentarlos in den Blog (ich hoffe, die anonyme(n) Verfasserin(nen) hat/haben nichts dagegen):

„ICH
Bulimikerin
2 Therapieversuche
2 davon gescheitert
Hier, um mich auszukotzen
das Essen
die Kalorien
doch auch
den Druck
das Leben
die überschüssige Energie
was mich ankotzt
und mich selbst… Stück für Stück.“

Drumrum standen mehrere Kommentare (von denen ich jetzt die à la „Ihr seid doch scheiße, in Afrika verhungern Kinder und ihr
kotzt Essen aus“ absichtlich ausgespart habe):

„Ich habe MS (steht wahrscheinl. für Multiple Sklerose, evtl. auch für Magersucht; Anm. von mir) u. darf nichts essen, weil ich von Essen krank werde u. nicht mehr gehen kann. Ich
würde so gern essen. Überschüssige Energie habe ich keine. Nicht mal so viel, um mich zu freuen.“

„Licht gibt es für ALLE.“

„Geb nicht auf, du bist auf einem guten Weg. Du hast es ganz klar beschrieben. Ich mache zur Zeit Therapie in einer Gruppe mit
einem ausgebildeten Therapeuten.
Die Gruppe gibt Kraft! Die Gruppe gibt Kraft, die seelischen Schmerzen bis zur Heilung durchzustehen.“

Anad Pathways

Hungrig-Online

ess-stoerungen.net

„Frauen-Macken“

wenn ich mich bei gmx einlogge, dann ueberfliege ich immer diese furchtbaren „nachrichten“ die sich meistens nur um irgendwelche promis oder fussball drehen. immer wieder sind natuerlich auch super sexistische sachen dabei, aber heute haben sich die redakteure der gmx-news selbst uebertroffen. wow. ich dachte vl wollt ihr auch mal.. lachen? weinen? sauer werden?

Frauen-MackenWas tun, wenn bei der Traumfrau eine Schraube locker ist? Dann müssen Sie selbst ran. Die Mängelliste, inkl. Reparaturvorschlägen.

Kennst Dü schön die Feminispräch?

Eine höchst intsieessänte Spräch hät Gsielinde Geisiemeisie im Läufe ihrsie längjährigen Kärrisiee entwickelt: die Feminispräch. Wenn Gsielinde Geisiemeisie einmäl löslegt, bleibt keine Äuge tröcken, denn sie behsierscht die Feminispräch in einsie irrwitzigen Tempö. Leidsie tourt sie nicht mehr dürch die Lände, üm ihre Spräche vörzüstellen, äbsie vielleicht hät die Spräch trötzdem eine Chänce, zür Feministen-Espäräntö äufzüsteigen. Jö?

Lesbisch? Gibt’s nicht!

Ich glaube, ich bin lesbisch!
Kann es sein, dass ich auf Mädels statt auf Jungs stehe? Ich bin nämlich in meine Lehrerin verliebt. Und auch in meine Freundin. Wir nennen uns sogar gegenseitig „Traumfrau“. Für mich ist das Ernst, denn ich will sie für mich gewinnen. Und gleichzeitig würde ich gerne meiner Lehrerin sagen, wie süß ich sie finde. Doch wie stelle ich das an? MEIKE, 13

[Gabi antwortet:] Liebe Meike, Verlieben ist Wiedererkennen – von einem Liebesfilm, den man schon lange in seiner Fantasie laufen hat. Lesbisch schwärmen heißt: „Wie würde ich mich selbst gern als Frau sehen?“ Es geht also nicht darum, wie du ein Mädchen oder eine Frau erobern kannst, sondern vielmehr darum: „Wie lerne ich mich selber kennen?“ Dazu kann ich nur sagen: Diskutiere mit deiner Freundin über Gott und die Welt, führe Gespräche mit ihr und frag die Lehrerin über ihren beruflichen Werdegang aus! Du suchst dich, indem du andere bewunderst. Und das ist völlig in Ordnung.

(gefunden in Mädchen 23/2006, Rubrik „Frag Gabi“)

War die übliche Antwort auf geäußertes gleichgeschlechtliches Begehren in derlei Beratungsrubriken lange Zeit der Verweis darauf, dass es sich nur um eine Phase handele, schlägt „Gabi“ hier ein neus Kaliber an: Auf ein Mädchen oder eine Frau zu stehen, heiße, sich selbst kenen lernen zu wollen, und deshalb wäre es auch „in Ordnung“. Was für ein Humbug, der da ungestraft verbreitet wird! Tatsächliches lesbisches Begehren wird damit einerseits implizit als „nicht in Ordnung“ ausgeschlossen, und andererseits geleugnet.
Warum heißt es in der Antwort nicht beispielsweise:

Liebe Meike, schön, dass du so eine tolle Freundin hast! Wenn du meinst, dass ihr Interesse an dir auch über eine Freundschaft hinausgehen könnte, trau dich doch einfach mal, sie vorsichtig darauf anzusprechen, aber setze sie nicht unter Druck. Mit etwas Glück könntet ihr gemeinsam erste Erfahrungen sammeln und vielleicht sogar ein Paar werden. Für Lehrerinnen zu schwärmen hingegen passiert zwar sehr häufig, aber in diesem Fall sind die Wünsche erst einmal nicht realisierbar: Erstens würde deine Lehrerin sich strafbar machen, wenn sie mit dir eine Beziehung eingehen würde und zweitens ist anzunehmen, dass du ihr sowieso zu jung bist. Von daher wäre es ratsamer, dich auf deine Freundin zu konzentrieren. Ob du jetzt lesbisch oder bisexuell bist oder einfach nur mal etwas ausprobieren willst, spielt doch eigentlich gar keine Rolle, sowas kann sich sowieso häufiger im Leben ändern. Die Hauptsache ist doch, dass du glücklich bist!