Archiv für Dezember 2006

frauen und technik

das thema „frauen und technik“ ist ein weites feld, vorurteile und self fullfilling prophecies gehen hand in hand.
sei es die unterstellung, mensch sei nur wegen der „sozialen aspekte“ auf einem internationalen hackercongress, bzw als die „freundin von …“, oder der zwang, weit besser zu sein als die männlichen kollegen, nur um gleichermaßen respektiert zu werden.
das allgemeine bild, frauen verstünden nichts von technik, und wenn doch, dann nur, weil sie ihr eigentliches leben nicht auf die reihe bekämen, spiegelt sich unter anderem in der berichterstattung über female scientists wieder.
eine derartige berichterstattung mal auseinandergenommen offenbart die einflechtung von mehr oder weniger offensichtlichen sexistischen stereotypen. das folgende beispiel beschäftigt sich mit einem bericht über professor naomi j. halas.

Naomi Halas is wearing a clingy green blouse with tight black pants and two-inch black pumps, looking as if she stepped off the set of a Pedro Almodovar movie. She smiles and giggles and uses words like awesome and totally without ever dropping her intense focus on the things she is saying, which are often very complicated, because she is a scientist and she is famous for inventing something called nanoshells. Because of their freakish ability to capture light, nanoshells will soon be helping mankind kill tumors, sniff out chemical weapons, and even improve solar power. (So, would you ever see a lead paragraph like this? „Dressed in a clingy suit with tight black pants and business shoes, Joe Smith looks as if he stepped off a Hollywood set. He smiles and giggles and uses words like awesome and totally without ever dropping his intense focus on science.“ Sounds ridiculous doesn‘t it? Sounds equally ridiculous to mention looks first and foremost to describe a woman, especially as a way of deflecting the fact that this woman is a scientist. Cuz we all know that science is way scary to begin with, and a strong, articulate, highly educated woman who also happens to be a scientist with a PhD, and who’s also an inventor, is doubly, triply, quadruply threatening to the American male psyche. Freaking SPARE ME the sexism!)
[…]
Halas is philosophical about all this. Happily married for twenty years to a theoretical physicist she met at IBM, she was unable to have children. Maybe, she thinks, she was meant to do this instead. (Back to sexism! You‘d never see this: „Happily married for 20 years to a theoretical physicist he met at IBM, Joe Smith was never able to have children. Maybe, he thinks, he was meant to do this instead.“ Yep, gotta mention marriage and children since that’s the exclusive purview of women-folk.)

hier könnt ihr weiterlesen.
annalee newitz hat zu diesem thema einen interessanten und unterhaltsamen vortrag auf dem 23. Chaos Communication Congress gehalten. die aufzeichnungen sind leider noch nicht online, aber sobald es das video zum download gibt, wird der link hier erscheinen.

:::EDIT:::
sammelsurium hat annalee interviewt: lesen
scrupeda fasst „revenge of the female nerds“ – annalees vortrag – zusammen: lesen

Reality TV – Vergewaltigungsprozess als Volks-Entertainment

BBC plant eine Reality Show „The Verdict“ über einen Vergewaltigungsprozess, bei der eine Jury aus 12 Prominenten, darunter Blur-Bassist Alex James, über das Urteil eines fiktiven Vergewaltigungsfalls entscheidet. In der Jury sind laut Guardian u.a. der Ex-Fussballer Stan Collymore vertreten, der bereits wegen häuslicher Gewalt aufgefallen ist. In der Show geht um einen fiktiven Vorfall : Die Jury soll entscheiden ob zwei Fussballer ein 19jähriges Mädchen in einem Hotelzimmer vergewaltigt haben oder ob diese freiwillig mit diesen Sex hatte. (mehr…)

Warum gestresste und von Angst geplagte Frauen unbedingt heiraten sollten

Manchmal frag ich mich echt, wieviel Geld (das anderweitig sinnvoll genutzt werden könnte) in derart schwachsinnige Studien wie die folgende fließen:

Man nehme: einen haufen Frauen, die sich als „höchst zufrieden verheiratet“ einstufen, verpasse ihnen leichte Elektroschocks, lasse sie dabei entweder a) die Hand ihres Ehemannes, b) die Hand eines fremden Mannes oder c) gar keine Hand halten und finde heraus, daß die Gehirne der Frauen in Situation a) am wenigsten Stress empfinden:
Das hielt zumindest das Psychological Science Journal für ne prima Idee, wie man auf der Seite der University of Virginia – Health System erfährt.

Endlich wissen wir’s: die Hand eines Menschen zu halten, den wir kennen und mögen, lässt uns das Empfinden einer Bedrohung besser bewältigen als die Hand eines komplett Fremden zu halten!!!! Wow! Wer hätte das gedacht!!
Dafür braucht man also die Neurowissenschaften…

Also wer unter Panikattacken leidet, einfach nur heiraten (einen Mann natürlich) und schwupps, die Anwesenheit des heldenhaften Beschützers befreit uns von dem Ungemach! Denn Heirat ist schon nötig, damit das funktioniert:

Moreover, spouse handholding effects varied as a function of marital quality, with women in the very highest quality marriages benefiting from a very powerful decrease in threat-related brain activity, including a strong decrease in the emotional (affective) component of the brain’s pain processing circuits.

(Hervorherbungen von mir)

Wahrscheinlich hätte man auch noch testen können, ob es sich in bedrohlichen Situationen auch stressreduzierend auswirkt, wenn man die Hand seiner Mutter/seines Vaters oder seines/seiner nicht verheirateten Partners/Partnerin hält, seinen Hund im Arm hält, eine Knarre oder einen Gin Tonic… oder womöglich gar auch gleich die Göttergatten der Versuchskarnickel testet (also nicht, daß die das so nötig hätten, wie wir armen, schutzlosen Frauen…).

Die Idiotie dieser Studie (beziehungsweise ihrer Schlußfolgerung) hält die Weltpresse aber nicht davon ab, die neugewonnene „Erkenntnis“ fleißig zu verbreiten: Die China Daily garniert das Ganze noch mit einem aufmunternden Bildchen, das Psych Central titelt mit „Heiratssegen“, und Irish Health präsentiert uns das ganze als zur Saison passenden Weihnachtstip. Wahrscheinlich hat die deutschsprachige Medienlandschaft schon mitgezogen (oder wird dies noch tun), hab aber bis jetzt keinen Link gefunden.

Aber mal ganz ehrlich: wenn’s in der Presse steht, glauben’s die Leute. Gut, gottseidank nicht alle! Aber wenn sich schon Theorien auf Bildzeitungsniveau à la „Warum Frauen nicht einparken und Männer nicht zuhören können“ zu Bestsellern mausern, kann man schwer damit rechnen, daß einem „hochwissenschaftliche Studien“ wie die obige, von einer Fachzeitschrift vorgestellt und von Gesundheitsmagazinen aus aller Welt zitiert, früher oder später in einem dieser typischen küchenpsychologischen Argumente à la „Frauen sind alle so und so drauf – und zwar von Natur aus! Das ist biologisch!!“ wiederbegegnet.
WARUM?????????
*seufz*

Reality Porn

Seit den 1990er Jahren nimmt das Interesse an sogenanntem „Reality-Porn“ zu. Darunter sind von bzw. mit Amateur-Darstellern produzierte Bilder zu verstehen. Im Gegensatz zur kommerziellen Pornographie sind die Darsteller normale Menschen ohne perfekte Körper und es wird ohne Drehbuch produziert. Ruth Barcan untersucht die zunehmende Popularität von Amateur-Pornographie im Kontext der allgemeinen Verbreitung von Reality Genres. (mehr…)

Diskriminieren und diskriminiert werden

Alle fühlen sich aus dem einen oder anderen Grund diskriminiert, unterdrückt und machtlos. Zumindest nahezu alle. Aber wer bleibt dann übrig und sind diese wenigen dann die, die die anderen unterdrücken? Oder sind wir so doof, uns das gegenseitig anzutun?

Lieber Selim Özdogan; ja, ich glaube, wir sind definitiv so doof, uns das gegenseitig anzutun.

Über die ZUENDER-Homepage

How pregnancy happens

Goldiges
kleines Aufklärungsvideo
von Planned Parenthood .
Ich frag mich, ob’s irgendwo auch sowas süßes in deutscher Sprache gibt?

What It Feels Like For A Girl

[Spoken:]
Girls can wear jeans
And cut their hair short
Wear shirts and boots
‚Cause it’s OK to be a boy
But for a boy to look like a girl is degrading
‚Cause you think that being a girl is degrading
But secretly you‘d love to know what it’s like
Wouldn‘t you
What it feels like for a girl
[…]

Ein Ausschnitt der Lyrics des Liedes „What It Feels Like For A Girl“, von Madonna’s Album „Music“ (2000).

Tofu macht schwul!

Danke an Feministing für diese Perle der Weisheit!!!

Gestern noch war die Überschrift des Artikels „A devil food is turning our kids into homosexuals“ – kein Witz!!
Aber anscheinend haben inzwischen genügend Leute halbwegs kluge Kommentare hinterlassen, denn seit kurzem steht jetzt der abgeschwächte Titel „Soy is making kids ‚gay‘“ drüber…

Grundaussage dieses Prachtstücks: Sojaprodukte enthalten Östrogen und „femininisieren“ einen daher bei regelmäßigem Verzehr. Was das genau heißen soll, wird freundlicherweise auch erklärt:

Soy is feminizing, and commonly leads to a decrease in the size of the penis, sexual confusion and homosexuality. (…) Homosexuals often argue that their homosexuality is inborn because „I can‘t remember a time when I wasn‘t homosexual.“ No, homosexuality is always deviant. But now many of them can truthfully say that they can‘t remember a time when excess estrogen wasn‘t influencing them.

Ich sag jetzt mal nichts dazu, der Text spricht für sich selbst. Ernst nehmen kann man ihn einfach nicht – und sich detailliert drüber lustig zu machen wäre auch nicht gerade eine Herausforderung, die meine Zeit wert ist.
Ich sehe vor meinem inneren Auge jetzt schon die Horden von Mädels, die ihrem Freund bei einem Streit drohen, mit Sojaprodukten deren bestes Stück schrumpfen zu lassen… aber egal, richtige Männer essen ja auch nur Fleisch, am besten roh! Tofu ist sowieso nicht ‚maskulin‘ genug, was ja jetzt auch ‚bewiesen‘ wurde.
Andererseits… ein paar Homosexuelle mehr würden unserer Gesellschaft auch nicht gerade schaden.

ZUSATZ: Ich übernehm einfach mal ganz dreist den Nachtrag vom Genderblog (Danke!): der Scientific American Blog beleuchtet das Ganze nochmal etwas ernstzunehmender und gibt „Entwarnung“.

Frauen mögen ja eh keinen Fußball…

Daß einem immer noch das Klischee „Frauen und Sport passen nicht zusammen“ um die Ohren gehauen wird, ist mir zwar rätselhaft, überrascht einen aber eigentlich nicht wirklich.
Während der Fußball-WM diesen Sommer haben sämtliche Medien ja auch kräftig das „Wir Männer werden bei der Fußball-WM tapfer den Fernseher gegen unsere Frauen verteidigen müssen“-Stereotyp bemüht – nur komisch, daß zumindest im hiesigen Irish Pub mindestens so viele Mädels wie Kerle die Leinwand angebrüllt haben… noch komischer, daß womöglich auch männliche Wesen existieren, die sich für Fußball nicht um die Bohne begeistern können… aber egal, die WM ist vorbei und amtierender
Fußballweltmeister sind wir ja sowieso schon
.

Das Klischee, daß Frauen und Fußball irgendwie (weiß Gott, warum!) nichts miteinander zu tun haben (sollen), ist allerdings langlebiger:
Nachdem Jens Lehmann sich beim Premier-League-Spiel gegen den FC Chelsea zu einer Schwalbe hinreißen
ließ
, reagierte die Presse eifrig mit ach so kreativer Kritik:

Der „Daily Star“ schimpfte ihn am Montag eine „hysterische Tussi“, die „Sun“ bescheinigte einen
„typischen Jekyll-and-Hyde“-Auftritt, und die „Times“ riet, dem „flatternden“ Lehmann zu Weihnachten eine
Handtasche zu schenken.

Ist ja auch ganz klar: bei unfairem Spiel kann einem ja nur der Gedanke an Tussis, pardon – Frauen kommen, hysterische noch dazu. Die sind ja sowieso alle hysterisch und haben auf dem Spielfeld nix zu suchen und Männer,
die sich so aufführen (Abtrünnige womöglich!) erst recht nicht. *husthust*
Warum die Times dem Herrn Lehmann jetzt eine Handtasche schenken will, ist mir allerdings auch nicht so ganz klar… wahrscheinlich wieder so eine „Frauensache“…

Aber auch nett, wie die deutsche Medienlandschaft den Begriff „Tussi“ bezüglich Lehmanns Schwalbe einfach mal recht unkritisch übernommen hat, und zwar durch die Bank. In diesem Fall war’s halt der Focus.
Man muß sich ja als Frau nicht unbedingt für Fußball oder Sport interessieren – wer’s aber dennoch tut, sollte vielleicht besser daheim bleiben und dem Freund einen VfB-Schal stricken, damit das mit der weiblichen Sportbegeisterung auch schön in gesellschaftlich akzeptiertem Rahmen passt.
Irgendwie krieg ich gerade Lust drauf, mich im Schlamm zu wälzen und auf einen Ball einzutreten…

ausstellung!

im studentischen kulturzentrum potsdam findet eine
doppelausstellung
zu den themen antilookism und sexismus in den medien statt.

die von studierenden der universität potsdam organisierte ausstellung legt den fokus darauf, die vermarktung des körpers und die damit verbundenen identitätspolitiken zu thematisieren. bereits der auftakt spielt subversiv mit geltenden rollenklischees. die aufwändige installation in der kneipe soll die besucherInnen in verdichteter form kritisch auf die fülle der sexistischen anspielungen in der werbung aufmerksam machen. darüber hinaus sollen die ausstellungen von vorträgen sowie einem workshop begleitet werden, die, so die organisatorinnen, einen einblick in die gesellschafts- und normenbildenden eingriffe der werbung bieten. neben dem aspekt der individuellen demütigung und zur-schau-stellung des menschlichen körpers zu werbezwecken, formen die uns überall begleitenden werbebilder und –slogans auch die wahrnehmung unserer umwelt und verraten im umkehrschluss etwas darüber, was wir als mittlerweile „normal“ hinnehmen.

ps: am 16. dezember ist die vernissage mit schnittchen und u.a. spicy tigers on speed, einem très amüsanten unterhaltungsteam! und auch sonst gibt es neben der ausstellung auch ein programm, näheres dazu
hier
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