Frauen mögen ja eh keinen Fußball…

Daß einem immer noch das Klischee „Frauen und Sport passen nicht zusammen“ um die Ohren gehauen wird, ist mir zwar rätselhaft, überrascht einen aber eigentlich nicht wirklich.
Während der Fußball-WM diesen Sommer haben sämtliche Medien ja auch kräftig das „Wir Männer werden bei der Fußball-WM tapfer den Fernseher gegen unsere Frauen verteidigen müssen“-Stereotyp bemüht – nur komisch, daß zumindest im hiesigen Irish Pub mindestens so viele Mädels wie Kerle die Leinwand angebrüllt haben… noch komischer, daß womöglich auch männliche Wesen existieren, die sich für Fußball nicht um die Bohne begeistern können… aber egal, die WM ist vorbei und amtierender
Fußballweltmeister sind wir ja sowieso schon
.

Das Klischee, daß Frauen und Fußball irgendwie (weiß Gott, warum!) nichts miteinander zu tun haben (sollen), ist allerdings langlebiger:
Nachdem Jens Lehmann sich beim Premier-League-Spiel gegen den FC Chelsea zu einer Schwalbe hinreißen
ließ
, reagierte die Presse eifrig mit ach so kreativer Kritik:

Der „Daily Star“ schimpfte ihn am Montag eine „hysterische Tussi“, die „Sun“ bescheinigte einen
„typischen Jekyll-and-Hyde“-Auftritt, und die „Times“ riet, dem „flatternden“ Lehmann zu Weihnachten eine
Handtasche zu schenken.

Ist ja auch ganz klar: bei unfairem Spiel kann einem ja nur der Gedanke an Tussis, pardon – Frauen kommen, hysterische noch dazu. Die sind ja sowieso alle hysterisch und haben auf dem Spielfeld nix zu suchen und Männer,
die sich so aufführen (Abtrünnige womöglich!) erst recht nicht. *husthust*
Warum die Times dem Herrn Lehmann jetzt eine Handtasche schenken will, ist mir allerdings auch nicht so ganz klar… wahrscheinlich wieder so eine „Frauensache“…

Aber auch nett, wie die deutsche Medienlandschaft den Begriff „Tussi“ bezüglich Lehmanns Schwalbe einfach mal recht unkritisch übernommen hat, und zwar durch die Bank. In diesem Fall war’s halt der Focus.
Man muß sich ja als Frau nicht unbedingt für Fußball oder Sport interessieren – wer’s aber dennoch tut, sollte vielleicht besser daheim bleiben und dem Freund einen VfB-Schal stricken, damit das mit der weiblichen Sportbegeisterung auch schön in gesellschaftlich akzeptiertem Rahmen passt.
Irgendwie krieg ich gerade Lust drauf, mich im Schlamm zu wälzen und auf einen Ball einzutreten…


7 Antworten auf “Frauen mögen ja eh keinen Fußball…”


  1. 1 mutant 13. Dezember 2006 um 6:42 Uhr

    fussball:
    einer der am schnellsten wachsenden frauensportarten in den usa (ich fuehre die usa hier als beispiel an, weil dort organisierter sport in der schule einen ganz anderen stellenwert hat als in europa und als weg in den profibereich bisher eine sehr maennliche domaene war, was sich nicht nur durch soccer geaendert hat).
    man sehe sich nur nur „kick it like beckham“ an.
    mittlerweile haben die meisten clubs die relevanz des frauenfussball erkannt und bieten frauenteams an, mein fave ist turbine potsdam.
    die angeblich tatsaechlich am staerksten wachsende sportart(der usa) ist rugby, rugby union ( http://de.wikipedia.org/wiki/Rugby_Union ), um genau zu sein.
    diese sportart verzeichnet stetig wachsende zahlen bei frauen in allen us-amerikanischen staaten. das hat vielleicht auch damit zu tun, das die sehr beliebte sportart football (american football) sich nur sehr langsam den frauen oeffnet (im gegensatz zu europa, oder zumindest hier in deutschland haben schon in den 90er jahren sehr professionelle meisterschaften stattgefunden (siehe http://www.ladiesbowl.de).
    und rugby verlangt keine speziellen anforderungen von den sportlerinnen, auch eher unsportliche typen finden hier ihren platz.
    ein weiteres plus: es muss keine kostspielige ausruestung angeschafft werden.
    frauenrugby wird natuerlich auch in .de gespielt, der theoretisch ueberbau wird hier http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Rugby_Frauen
    erlaeutert, links zu allen clubs gibt es unter http://www.frauenrugby.de und fuer den kleinen hunger zwischendurch gibt es http://damenrugbycharm.antville.org/, mein weblog.
    ich hab uebrigens nichts gegen fussball, ich glaube nur nicht, das es fuer alle maedchen und frauen der richtige sport ist und bevor frau denkt: ach, ich bin tomboy, spiel ich mal fussi, wuerde ich sagen: spiel mal rugby. wenn das nicht passt, kannst du immer noch fussball spielen. oder ringen, wenn mit den fuessen nicht soviel geht. oder boxen, oder was auch immer, der moeglichkeiten sind soviele und beim fussball „rumhoolen“ kann frau immer noch (der svw wird ja eh meister).

  2. 2 mutant 13. Dezember 2006 um 6:56 Uhr

    interessant in diesem zusammenhang vielleicht auch, das in der aktuellen „rund“rundmag
    ein artikel zu schwulen fussballern drin ist.
    schwul ist in fussballerkreisen ein noch haerteres urteil als maedchen, das sollte einem schon zu denken geben….
    es ist mir fast ein bisschen unangenehm, wieder auf rugby hinzuweisen, aber grade weil dieser sport gerne den ruch von maennerbuendlerischen reaktionaeren wasweiss ich hat (und sicher nicht ganz zu unrecht), ist es doch erstaunlich, das es die http://www.igrab.net/ gay-rugby-union gibt, die regelmaessig den bingham-cup ausspielt und deren meiste mitgliedteams an einem normalen ligabetrieb in ihren heimatligen teilnehmen.
    das stellen wir uns jetzt mal mit fussball vor und….
    am letzten bingham-cup in nyc waren auch frauenteams beteiligt und ich tippe mal, es wird in sidney nicht anders sein.
    ob eine schwule rugbyveranstaltung in deutschland oder europa so grossartig sein wuerde weiss ich nicht, aber ausreichend offen lesbische rugbyspielerinnen haetten wir locker anzubieten.

    ps: hier fehlt ganz eindeutig das topic sport.

  3. 3 pia 13. Dezember 2006 um 12:10 Uhr

    [quote post=“61″]amtierender
    Fußballweltmeister sind wir ja sowieso schon.[/quote]

    arrgh, wer ist denn hier bitte „wir“? ich bitte zu bedenken: das mädchenblog ist nicht deutschland, und wird es auch nicht dadurch, wenn es um fußballspielende frauen geht!
    (da hat der gute mpunkt ja mal etwas zu recht kritisiert)

  4. 4 Lisa 18. Dezember 2006 um 17:16 Uhr

    also, ich finde nicht, dass die freiheit der frauen im sport sich darin manifestiert, dass sie bei der (Männer-!) Fußball-WM in den Lokalen stehen und den Männern (!) zujubeln. Ich sehe darin im Gegenteil ein Zugeständnis an die Männerdomäne Männerfußball, nicht an die Männerdomäne Fußball im Allgemeinen.
    Will sagen, bei mir ist das Verständnis dafür, wie man sich zu den grölenden, betrunkenen typen dazustellen kann, mit den worten im mund „ja, ich bin auch …-fan“ (eines männer-fußball-clubs), gleich null.
    was ist daran so gleichberechtigt?
    wie viele männer gibt es, die mit so viel herzblut die frauen-fußballspiele anschauen und einer frauenmannschaft zujubeln, wie es umgekehrt viele frauen bei der bundesliga der männer tun?
    sicher hängt die geringe popularität des frauenfußball auch mit der starken (sehr starken!!) missachtung dessen in sämtlichen medien zusammen. aber das ist auch ein aspekt, der mich noch wütender macht, oder zumindest ziemlich verständnislos!

    gruß,
    lisa

  5. 5 dodo 18. Dezember 2006 um 23:02 Uhr

    [quote comment=“4661″]also, ich finde nicht, dass die freiheit der frauen im sport sich darin manifestiert, dass sie bei der (Männer-!) Fußball-WM in den Lokalen stehen und den Männern (!) zujubeln. Ich sehe darin im Gegenteil ein Zugeständnis an die Männerdomäne Männerfußball, nicht an die Männerdomäne Fußball im Allgemeinen.
    Will sagen, bei mir ist das Verständnis dafür, wie man sich zu den grölenden, betrunkenen typen dazustellen kann, mit den worten im mund „ja, ich bin auch …-fan“ (eines männer-fußball-clubs), gleich null.
    was ist daran so gleichberechtigt?
    wie viele männer gibt es, die mit so viel herzblut die frauen-fußballspiele anschauen und einer frauenmannschaft zujubeln, wie es umgekehrt viele frauen bei der bundesliga der männer tun?
    sicher hängt die geringe popularität des frauenfußball auch mit der starken (sehr starken!!) missachtung dessen in sämtlichen medien zusammen. aber das ist auch ein aspekt, der mich noch wütender macht, oder zumindest ziemlich verständnislos!

    gruß,
    lisa[/quote]
    stimmt, der aspekt ist verdammt wichtig. würd’s dir was ausmachen, wenn ich das evtl. als idee für einen zukünftigen blogeintrag „klaue“?:)

  6. 6 Lisi 26. November 2012 um 17:51 Uhr

    Das mit dem VfB-Schal stricken find ich ne echt gute Idee, allerdings würde ich den gerne mir stricken und nicht meinem Freund. Hat jemand eine Anleitung?
    Sorry, ich weiß das passt jetzt gar nicht rein, aber irgendwie hat mich das jetzt inspiriert. :-)

  1. 1 MPunkt Trackback am 13. Dezember 2006 um 9:58 Uhr

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