Warum gestresste und von Angst geplagte Frauen unbedingt heiraten sollten

Manchmal frag ich mich echt, wieviel Geld (das anderweitig sinnvoll genutzt werden könnte) in derart schwachsinnige Studien wie die folgende fließen:

Man nehme: einen haufen Frauen, die sich als „höchst zufrieden verheiratet“ einstufen, verpasse ihnen leichte Elektroschocks, lasse sie dabei entweder a) die Hand ihres Ehemannes, b) die Hand eines fremden Mannes oder c) gar keine Hand halten und finde heraus, daß die Gehirne der Frauen in Situation a) am wenigsten Stress empfinden:
Das hielt zumindest das Psychological Science Journal für ne prima Idee, wie man auf der Seite der University of Virginia – Health System erfährt.

Endlich wissen wir’s: die Hand eines Menschen zu halten, den wir kennen und mögen, lässt uns das Empfinden einer Bedrohung besser bewältigen als die Hand eines komplett Fremden zu halten!!!! Wow! Wer hätte das gedacht!!
Dafür braucht man also die Neurowissenschaften…

Also wer unter Panikattacken leidet, einfach nur heiraten (einen Mann natürlich) und schwupps, die Anwesenheit des heldenhaften Beschützers befreit uns von dem Ungemach! Denn Heirat ist schon nötig, damit das funktioniert:

Moreover, spouse handholding effects varied as a function of marital quality, with women in the very highest quality marriages benefiting from a very powerful decrease in threat-related brain activity, including a strong decrease in the emotional (affective) component of the brain’s pain processing circuits.

(Hervorherbungen von mir)

Wahrscheinlich hätte man auch noch testen können, ob es sich in bedrohlichen Situationen auch stressreduzierend auswirkt, wenn man die Hand seiner Mutter/seines Vaters oder seines/seiner nicht verheirateten Partners/Partnerin hält, seinen Hund im Arm hält, eine Knarre oder einen Gin Tonic… oder womöglich gar auch gleich die Göttergatten der Versuchskarnickel testet (also nicht, daß die das so nötig hätten, wie wir armen, schutzlosen Frauen…).

Die Idiotie dieser Studie (beziehungsweise ihrer Schlußfolgerung) hält die Weltpresse aber nicht davon ab, die neugewonnene „Erkenntnis“ fleißig zu verbreiten: Die China Daily garniert das Ganze noch mit einem aufmunternden Bildchen, das Psych Central titelt mit „Heiratssegen“, und Irish Health präsentiert uns das ganze als zur Saison passenden Weihnachtstip. Wahrscheinlich hat die deutschsprachige Medienlandschaft schon mitgezogen (oder wird dies noch tun), hab aber bis jetzt keinen Link gefunden.

Aber mal ganz ehrlich: wenn’s in der Presse steht, glauben’s die Leute. Gut, gottseidank nicht alle! Aber wenn sich schon Theorien auf Bildzeitungsniveau à la „Warum Frauen nicht einparken und Männer nicht zuhören können“ zu Bestsellern mausern, kann man schwer damit rechnen, daß einem „hochwissenschaftliche Studien“ wie die obige, von einer Fachzeitschrift vorgestellt und von Gesundheitsmagazinen aus aller Welt zitiert, früher oder später in einem dieser typischen küchenpsychologischen Argumente à la „Frauen sind alle so und so drauf – und zwar von Natur aus! Das ist biologisch!!“ wiederbegegnet.
WARUM?????????
*seufz*


7 Antworten auf “Warum gestresste und von Angst geplagte Frauen unbedingt heiraten sollten”


  1. 1 sabine 21. Dezember 2006 um 19:38 Uhr

    halt die fresse und geh emma lesen!

  2. 2 dodo 21. Dezember 2006 um 19:58 Uhr

    wer? ich???

  3. 3 Olivia 21. Dezember 2006 um 22:17 Uhr

    Liebe Frauen
    Glaubt einfach diesen Schwachsinn nicht. Printmedien haben Deadlines, d. h. sie publizieren manchmal einfach Mist mit Unterhaltungswert, weil sie nichts besseres zu berichten wissen. Sorry, sie werden einfach überbewertet, ich meine die Medien und vor allem jene Leute, die darüber befinden, dass das publikationswürdig sei. Die überschätzen sich oft einfach selbst, und dann muss es die ganze (oder von mir aus die halbe, jedenfalls viel zu viele Leute!) Welt lesen.
    Grüsse, Olivia

  4. 4 Ansgar 23. Dezember 2006 um 11:54 Uhr

    Bin über Keywans Planeten Saturn auf dieses Blog gestoßen…

    Vielleicht sollte man das komplette Abstract zitieren, aus dem der Zusammenhang klarer werden würde, dass die Erwähnung der „Ehe-Attribute“ bloß die vereinfachte Form des zuvor beschriebenen Settings ist.

    Der Titel des Beitrages legt übrigens einen ähnlichen Schluss nahe wie Du:

    „Lending a Hand: Social Regulation of the Neural Response to Threat“.

    „Marital quality“ ist in diesem Fall wohl eher bloß ein Indikator für die Qualität der Beziehung, die auch für anderen Beziehungen erhoben werden könnte und keine Aufforderung zur Heirat.
    Wenn man bloß 2 * 16 Versuchspersonen rekrutiert, dann ist es wohl nicht möglich, alle Beziehungsformen zu repräsentieren. Außerdem – über die Konzentration auf eine, in diesem Fall die Ehe, kann doch erst die Aussage „spouse handholding effects varied as a function of marital quality“ getroffen werden. Sonst müssten schließlich weitere Einflussfaktoren der unterschiedlichen Beziehungsformen kontrolliert werden.

    Auf der verwiesenen Website wird der federführende Forscher übrigens wie folgt zitiert:

    „‚This is the first study of the neurological reactions to human touch in a threatening situation, and the first study to measure how the brain facilitates the health-enhancing properties of close social relationships,‘ says Dr. James A. Coan, author of the study in Psychological Science journal.“

    Inwieweit konservative Ansichten in den USA Forscher, die Forschungsmittel sammeln müssen, quasi „genötigt“ sind, eher konservative Beziehungsformen als Experimentalgrundlage auszuwählen, ließe sich vielleicht diskutieren. Der Schluss dieser „idiotischen Studie“ ist jedoch meiner Meinung nach nicht der, den Du den Verfassern unterstellst und gewisse Medienvertreter vielleicht verbreiten mögen.

    Und zu „Dafür braucht man also die Neurowissenschaften…“:
    Ist es nicht gerade Aufgabe der Wissenschaft, vermeintlich „offensichtliche“ Wahrheiten mit Hilfe von solcher Studien zu überprüfen?

    Viele Grüße.

  5. 5 gritt 29. Dezember 2006 um 17:03 Uhr

    muss ansgar rechtgeben.
    in dodos fazit zur studie ist wie in vielen ihrer artikel
    herbeihalluzinierte paranoia zu erkennen, oder der wunsch in jedem scheiß auf teufel komm raus,“ich bin ja so betroffen und bestürzt, wie böse die welt doch ist“ Bauchpolitikstil Stoff für den Mädchenblog zu finden. Ich denke auch, daß es in dieser Studie nicht um Ehe, sondern um die Messung und Untersuchung von Gehirnströmen ging, zum Beweis einer These die erst einmal „offensichtlich“ erscheint.

  6. 6 dodo 29. Dezember 2006 um 19:11 Uhr

    erstmal: ich persönlich halte die studie immer noch für schwachsinnig, aber nicht, weil ich der studie selbst unterstelle, sie sei nur dazu gemacht worden, massenhaft frauen in den ehestand zu treiben, sondern u.a. deswegen:
    [quote comment=“4874″
    „Marital quality“ ist in diesem Fall wohl eher bloß ein Indikator für die Qualität der Beziehung, die auch für anderen Beziehungen erhoben werden könnte und keine Aufforderung zur Heirat.
    Wenn man bloß 2 * 16 Versuchspersonen rekrutiert, dann ist es wohl nicht möglich, alle Beziehungsformen zu repräsentieren. Außerdem – über die Konzentration auf eine, in diesem Fall die Ehe, kann doch erst die Aussage „spouse handholding effects varied as a function of marital quality“ getroffen werden. Sonst müssten schließlich weitere Einflussfaktoren der unterschiedlichen Beziehungsformen kontrolliert werden.
    [/quote]
    wenn wirklich nur die qualität der beziehung zwischen 2 menschen erforscht werden will bzw. den effekt, den berührung haben kann, sehe ich nicht, wozu diese verheiratet sein müssen und nur die frauen getesten wurden.
    [quote comment=“4874″
    Inwieweit konservative Ansichten in den USA Forscher, die Forschungsmittel sammeln müssen, quasi „genötigt“ sind, eher konservative Beziehungsformen als Experimentalgrundlage auszuwählen, ließe sich vielleicht diskutieren. Der Schluss dieser „idiotischen Studie“ ist jedoch meiner Meinung nach nicht der, den Du den Verfassern unterstellst und gewisse Medienvertreter vielleicht verbreiten mögen.
    [/quote]
    genau das war mein punkt: ich unterstelle den „frauen, verheiratet euch!“-schluß eben NICHT den machern der studie (vielleicht ist da der sarkasmus mit mir durchgegangen und das kam falsch rüber), sondern den anderen medien, die diese studie aufgegriffen haben!! quasi als beispiel, was man aus den ergebnissen einer studie alles machen kann, was man in sie hineininterpretieren kann und wie man sowas so zurechtbiegen kann, daß aus dem ergebnis „die getesteten frauen reduzierten das streßempfinden, bei der berührung eines geliebten menschen“ in den medien, die sich darauf beziehen, das ergebnis „heirat ist ein gutes mittel gegen streß für frauen“ gemacht wird!!! siehe china daily: „A new study has found that all women need to lower their stress levels is a strong and happy marriage.“
    DAS war die eigentliche intention von meinem blogeintrag.
    und da ist auch nichts herbeihalluziniert, die wandlung vom einen zum anderen kann glaub ich jeder sehen. da bin ich nicht „auf teufel komm raus betroffen und bestürzt“, sondern nur verwundert und verärgert.
    gruß

  7. 7 jojoo 09. Januar 2007 um 14:28 Uhr

    Das mit dem Heiraten stimmt so nicht:

    -extrem tolle psychologische studien, die zumindest im oerter/montada zitiert wird-

    männer profitieren unabhängig von qualität der ehe/beziehung mit mehr psychischer und physischer gesundheit.
    ob frauen profitieren hängt von der qualität der beziehung ab.

    genaue quellen kann ich bei bedarf ‚rausholen.

    Insofern: Wartet auf den/die/das TraumprinzEssin, „Mädels“, sonst wirds nix mit dem stressfrei .oO(war das jetzt PC?)

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