Herthafreundin.de – Zielgruppe Frau

HERTHA BSC geht mit innovativem Internetangebot online: Unter www.herthafreundin.de beschreitet der Hauptstadtklub wieder einen neuen Weg. Als erster Verein der Liga bietet HERTHA BSC eine exklusive Internetseite für weibliche Fußballfans an.

Aha. Die Seite selbst dann noch viel schlechter als befürchtet. Der erste Gedankengang „Warum dürfen Frauen nicht normale Fussballfans sein?“ geht in dem Inferno an veralteten Frauenbildern unter. Wo mit der Kritik anfangen möchte ich mich fragen und sitze Haare raufend vor dem Rechner. Mehr Geschlechtszuschreibung, mehr Vorurteil, mehr Sexismus wäre wirklich kaum noch gegangen…
Es beginnt bei dem Logo (Oldschool-Pinup, blond im kurzen Rock) und geht über das, was laut den Machern für Herthafreundinnen interessant ist: Beauty-Tipps, Kochrezepte, halbnackte Spieler die Gewichte stemmen und Vera Int-Veen, die in der „Regel des Monats“ erklärt, was Abseits denn sei:

„Du befindest Dich in einem Schuhladen und stehst an der Kasse. Vor Dir in der Schlange steht nur noch eine einzige Dame, eine nette, sympathische Erscheinung. Sie scheint die Kassiererin zu kennen, gehören wohl irgendwie zusammen. Auf einmal entdeckst Du auf dem Regal hinter der Kassiererin ein Paar Schuhe, in das Du Dich sofort verliebst. Du hast zwar schon genügend Schuhe, aber dieses Paar ist einzigartig, Du musst es einfach haben, dieses Paar ist nur geschaffen worden, um Dir zu gehören, Du musst es besitzen, damit Dein Leben glücklich weitergeführt werden kann, es geht nicht mehr ohne dieses Paar …! Plötzlich bemerkst Du, wie die Dame vor Dir in der Schlange, mit dem selben Paar liebäugelt … die blöde Kuh! Per Blickkontakt signalisiert sie, dass das Paar nicht in Deine Hände gelangen soll. Außerdem habt ihr beide nicht genügend Geld dabei, um das Paar zu bezahlen. Und vordrängeln macht keinen Sinn ohne bezahlen zu können. Die Verkäuferin schaut Euch geduldig an und wartet. Deine Freundin, die gerade im Laden andere Schuhe anprobiert, erkennt Deine missliche Lage und reagiert, wie es natürlich eine solidarisch-loyale Freundin, wie man sie in einer Extremsituation wie dieser brauch, tut. Sie plant, Dir ihr Portemonnaie zuzuwerfen, damit Du das hinterhältige, fiese Biest vor Dir, geschickt umrunden und die Schuhe kaufen kannst. Sie wird Dir den Geldbeutel über sie hinweg nach vorne werfen, und während dieser sich in der Luft befindet, umrundest Du das Miststück, fängst das Geld und kaufst blitzschnell die Schuhe. Aber! So lange Deine Freundin den Akt des Zuwerfens nicht abgeschlossen hat, d.h. das Geld sich noch in ihrer Hand und nicht in der Luft befindet, darfst Du Dich beim Überholen zwar auf gleicher Höhe, aber nicht schon vor der anderen Kundin befinden…. sonst stehst du im Abseits!“

Noch Fragen? Ansonsten gibt’s noch ein bescheuertes Gewinnspiel, bei dem „LadyTrikots“ vercheckt werden (wie die geschnitten sind, könnt ihr euch ja denken) und Productplacement, wo es nur geht. Dazu natürlich die Umfrage, welcher Herthaspieler der attraktivste ist und letztlich darf Claudia Pechstein sich noch als Fan outen, und Frau sich noch erklären lassen, welches Kommerz-Maskottchen zu welchem Verein gehört, damit die Begeisterung für den Fussball – achja, darum geht es eigentlich – endgültig geweckt wird.
Total krass, die Vorstellung dass es tatsächlich Menschen geben sollte, die sich dadurch angesprochen fühlen oder die Seite guten Gewissens betreuen könnten ist abstrus und erschreckend zugleich, mensch stelle sich vor, diese Seite würde tatsächlich angenommen und der tolle Fanclub (bisher bestehend aus den Frauen, die für den Verein arbeiten und bei denen Fanartikel passenderweise laut Gruppenfoto auch nicht gerade beliebt sind) würde sogar wachsen. Zu Hilf!

[Rest weggeschnitten, da hier nicht relevant, Artikel von mir für ein Fussballfanzine]


9 Antworten auf “Herthafreundin.de – Zielgruppe Frau”


  1. 1 rrho 13. Februar 2007 um 10:53 Uhr

    Schön sind doch auch die „Tipps, wie ihr perfekt gestyled ins Olympiastadion gehen könnt!“ Und Kochtipps!

  2. 2 Schalkerine 13. Februar 2007 um 11:11 Uhr

    Ja, das ist echt zum kotzen, aber überraschend ist es ja nicht. Gerade als weiblicher Fußballfan, noch dazu einer Männerfußballmannschaft, hat man immer noch mit solchen Klischees zu tun. Letzlich fühlen sich einige Männer immer noch wahnsinnig bedroht in „ihrem praktisch per Natur zustehenden Bereich“ von den Frauen verdrängt zu werden. Und wehe du wiedersprichst manchen Männern (ich möchte nicht pauschalisieren) bei ihren lautstark vorgetragen Spielanalysen…

  3. 3 amme 13. Februar 2007 um 14:14 Uhr

    also ich habe gerade zum ersten mal in meinem leben die abseitsregel verstanden.

  4. 4 illith 13. Februar 2007 um 14:48 Uhr

    *gg* und ich habe das gerade für mich als die längste und am unverständlichsten erklärte abseitregel-erklärung aller zeiten klassifiziert^^

  5. 5 dodo 13. Februar 2007 um 18:32 Uhr

    was bitte ist denn an der abseitsregel so schwer verständlich, daß man sie mit schuhen erklären muß???
    und was hat kochen mit fußball zu tun???
    so ein schwachsinn…
    aber was wetten wir – sollten die „herthafreundinnen“ nicht allzugroßen erfolg haben, heißt’s bestimmt, das läge daran, daß frauen sich nunmal nicht so für fußball interessieren

  6. 6 Raven 14. Februar 2007 um 1:51 Uhr

    Hm, okay, ich hab‘ keine Ahnung, was das Geschwafel mit den Schuhen soll, aber jetzt verstehe ich das mit dem Abseits auch (nicht, dass es mich je interessiert hätte …). -.-

  7. 7 Gornbik 16. Februar 2007 um 17:03 Uhr

    Na dann hat die Seite doch ihr Soll erfüllt. Zwei Leute die Abseits verstanden haben!

  8. 8 tebe berlin 06. Februar 2013 um 0:17 Uhr

    gerade erinnerte ich mich an diese unsägliche seite zurück, schmiss google an und stieß dabei auf diesen hochamüsanten artikel. hochamüsant zumindest im rückblick, da herthafreundin.de mittlerweile das zeitliche gesegnet hat („lebt“ lediglich noch als schlecht gepflegte fb-seite weiter) und man das, was einen seinerzeit wütend an dieser seite gemacht hat, heute viel entspannter sehen kann. es fühlt sich irgendwie an wie eine zeitreise mindestens zurück in die 50er des vergangenen jahrhunderts. hertha hatte schon viele peinlich marketing-ideen, aber diese wird wohl als die schlimmste aller zeiten in die historie eingehen.

    ich weiß, das liest fünf jahre nach vö des artikels eh keiner mehr, aber zumindest hat es einen karthatischen effekt auf mich… :)

  1. 1 [i:rrhoblog] » links for 2007-02-13 Pingback am 13. Februar 2007 um 23:19 Uhr

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