Archiv für Februar 2007

Wer ist schuld an schlechtem Sex?

So ganz spontan hätte ich auf diese Frage geantwortet, dass das ganz drauf ankommt; vielleicht der eine Partner, vielleicht der andere, vielleicht beide oder auch gar keiner und es liegt an was ganz anderem. Wer kann das schon wissen? Menschen sind schließlich Individuen und bei einer so einfachen und gleichzeitig komplexen Sache wie Sex wäre es doch eigentlich sowieso komisch, so eine platte Frage zu stellen.
Das sehen manche aber anders.

Don’t blame him if she can’t get no satisfaction heißt die niedliche Überschrift zu einem Artikel auf MSNBC.
Aha. Also wenn sie keinen Spaß am Sex hat, ist sie selber schuld?
Ich muß sagen, der Artikel ist besser als seine Überschrift.

This is one of Clayton’s main arguments. When sex researchers try to study female sexual response, or to treat female sexual dysfunction, she says, subjects “don’t even know their own baseline functioning, even lubrication. They don’t know. You have to be taught what to look for, and we don’t teach this. We don’t tell women about sex very much and [response] is all internal,” so women can’t see it.

Still, many women either won’t talk about dissatisfaction or don’t know what level of satisfaction is possible. They wind up receptive to what comes their way in a sexual relationship, rather than, in Davidson’s words “going in with your own agenda, your own self determination. Women need to focus on our own erotic life. We need to value and cherish our sexuality and eroticism and then invite partners to partake of what we have already discovered.”

Da hat die gute Frau recht; auch meiner Erfahrung nach sprechen die meisten Frauen noch nicht mal untereinander offen über Sex. Und wenn, dann immer schön im Rahmen der verhaltenen Norm: über die sexy Dessous, die man sich letzte Woche gekauft hat zu reden, geht okay. Oder Intimrasur oder ob man lieber oben oder unten liegt. Aber wer in der nächsetn Frauenrunde mal das Thema weibliche Masturbation oder Orgasmusschwierigkeiten auf den Tisch bringt, der wird wahrscheinlich auffallen, dass es merklich leiser wird.
Was ich aber eigenartig finde (mal abgesehen von der Schreibweise des Artikelverfassers, der mehr oder weniger subtil mit dem Zeigefinger richtung Frauenwelt „Wußt ich’s doch! Selber schuld!“ schreien möchte sowie der Tatsache, dass Homosexualität mal wieder ziemlich elegant ausgeklammert wurde) ist die Behauptung, dass die Medien (die patriarchale Gesellschaft wird auch höchstens am Rande angedeutet) nur geringfügig damit zu tun haben sollen.
Denn mal ehrlich: wenn eine von was keine Ahnung hat und sich nicht zu fragen traut, versucht sie, sich an der Norm zu orientieren. Und bei dieser Suche nach dem, was „normal“ ist, endet eben oft bei den Medien – ob’s die Bravo ist, die Cosmopolitan oder Sex and the City. Überhaupt scheint Frauen erst seit Sex and the City (und man kann von dem überkandidelten männerjagenden Konzept dieser Serie halten, was man will – das wenigstens halte ich der Serie zugute) ein Sexualleben im Unterhaltungsfernsehen jeweils der Schmuddelecken zugestanden worden zu sein. Andere Serienheldinnen masturbieren nicht. Kann gar nicht sein. Frauen machen so was nicht. Eklig.
Und die Medien sind schließlich keine übergeordete Macht von outer space, die zu uns rübergebeamt wird. Sondern nur Transportfläche für das, was unsere Gesellschaft bereits an Normen hat.
Also gar nicht so unwesentlich. Schließlich gibt es einen Grund, weswegen Frauen ungern über ihr Sexualleben sprechen. Es wurde ja lange genug totgeschwiegen. Oder wurde (bzw. wird noch) ziemlich unrealistisch dargestellt – auch die Behauptung, dass Männer nie (mit)schuldig an schlechtem Sex sein können, halte ich für unrealistisch.
Keine Ahnung, ob Dr. Clayton den heiligen Gral gefunden hat mit ihren Vorschlägen (auch wenn sie da nicht die erste ist, die da draufkommt), drüber reden ist nie schlecht. Und unterhaltsam sowieso.

Via Feministing