Zum aktuellen Umgang mit einem Vergewaltiger

[Dokumentation]
Sexualisierte Gewalt in linken und subkulturellen Zusammenhängen

Mit diesem Text wollen wir, mehrere Hamburger Gruppen und Projekte, erläutern warum wir im Mai 2007 an einige Zusammenhänge (das Kollektiv vom Fischkopp-Plattenladen sowie das Onkel-Otto-Kollektiv) herangetreten sind und sie aufgefordert haben, ihre aktive Unterstützung eines Vergewaltigers (T) zu beenden und sich von ihm zu distanzieren. Die hiermit verbundene Veröffentlichung der Vergewaltigungen (in Absprache mit der betroffenen Frau) wurde unausweichlich, weil sich die Situation inzwischen so zugespitzt hat, dass es notwendig wurde, Druck auf T. auszuüben und öffentlich Unterstützung für die Betroffene einzufordern.

Wir verfolgen also einerseits ein ganz konkretes Ziel: die Unterstützung der betroffenen Frau (X), die seit inzwischen 10 Jahren immer wieder durch T. und Teile seines Umfeldes unter Druck gesetzt wird und deren Räume dadurch massiv eingegrenzt und beschnitten werden. Von der Eskalation sind auch ihre Unterstützer_innen und Freund_innen betroffen.
Andererseits wurde uns in dieser Situation wieder einmal vor Augen geführt, dass es dringend nötig ist, sich innerhalb der Szene an Standards im Umgang mit Vergewaltigungsvorwürfen und Vergewaltigern zu erinnern und diese Standards zu verteidigen. Unsere politische Folgerung daraus ist die konsequente Parteilichkeit mit der betroffenen Frau. Das bedeutet in diesem Fall praktisch, eine im letzten Jahr erneut eskalierte Situation zu beenden und einen Rahmen zu schaffen, in dem X nicht mehr ständig mit Einschränkungen, Anfeindungen und Infragestellungen ihrer Person konfrontiert wird.

„Vergewaltigung HAHAHA“…

…. wurde im Jahr 2001 als riesiger Schriftzug an die Hauswand der betroffenen Frau gesprüht. Dies ist ein Beispiel aus einer ganzen Reihe von Vorfällen, die sich im Nachgang des von ihr erhobenen Vergewaltigungsvorwurfes gegenüber T. ereignet haben, mit dem Ziel, ihre Glaubwürdigkeit infrage zu stellen.
Die Vergewaltigungen ereigneten sich innerhalb einer Beziehung im Jahr 1997. X hatte damals darauf verzichtet, diese Vergewaltigungen öffentlich zu machen da sie T. die Möglichkeit geben wollte, sich ohne Stigmatisierungen mit seiner Tat auseinander zu setzen. Außerdem wollte sie für sich die unerträgliche Situation vermeiden, die in der Regel auf die Veröffentlichung des Vorwurfes von Vergewaltigungen folgt. Es zeigte sich aber in den folgenden Jahren, dass T. seinerseits die Geschichte kontinuierlich verbreitete sowie in seinem Sinne verdrehte und instrumentalisierte. Er und Teile seines Umfelds haben Gewalt auf zahlreichen Ebenen ausgeübt: von gezielter Diffamierung und Diskreditierung von X über massiven Psychoterror gegen sie und ihre Freund_innen und Unterstützer_innen bis zu körperlicher Gewalt.

Aus der Perspektive der politischen Unterstützung halten wir die chronologische Darstellung eines mittlerweile zehn Jahre andauernden Konfliktes weder für möglich noch für sinnvoll. Uns geht es nicht darum, sämtliche Ereignisse der letzten 10 Jahre zu diskutieren und den Umgang mit den Vergewaltigungen zum Gegenstand von Szenetratsch zu machen. Dieser bereits stattfindende Szenetratsch trägt zu einer Entpolitisierung des Konfliktes bei, die wir unbedingt vermeiden wollen. In ihrer Summe lassen die konkreten Vorfälle eine bestimmte Struktur im Verhalten T.s und Teilen seines Umfeldes erkennen, die symptomatisch für den Umgang mit Vergewaltigungsvorwürfen sind:
# Die ständige Thematisierung des Vergewaltigungsvorwurfes durch T. inklusive der Nennung des Namens der Betroffenen und Umdeutung des Vorwurfes zu einem Privatkonflikt.
# Daraus resultierend die Infragestellung der Glaubwürdigkeit von X. und der damit verbundene permanente Legitimationszwang.
# Der Versuch T.s, sich selbst zum Opfer einer Intrige zu stilisieren und die Verweigerung einer Auseinandersetzung mit seinen Handlungen.
# Die aktive Unterstützung T.s durch Teile seines Umfelds, die sich in Provokationen, Drohungen, Beleidigungen und tätliche Übergriffe gegen X und ihren Freundeskreis manifestiert.
# Die passive Unterstützung T.s durch Nicht-Positionierung, unkommentiertes Dulden und Versuche, „sich rauszuhalten“.

Der ganz normale alltägliche Wahnsinn…

Der oben bezeichnete Vorfall ist leider keine Aus­nahme, sondern spiegelt alltägliche Strukturen des sexistischen „Normalzustandes”, auch in der Szene, wider. Zurzeit haben wir den Eindruck, vor allem im Umgang mit Sexismus einen Rollback zu erleben. Möglicherweise ist das Bewusstsein, dass sich patriarchale und frauenfeindliche Strukturen auch im Privaten niederschlagen, dass eben das Private poli­tisch ist, geschwunden. Diese Einsicht macht es notwendig, sich nicht nur theoretisch mit Feminismus und Sexismus zu beschäftigen, sondern sich auch mit dem eigenen Verhalten auseinander zu setzen. Damit ist aber oft die Einsicht verbunden, sich selbst auch sexistisch zu verhalten oder verhalten zu haben, ebenso wie eigene Privilegien entlang der Geschlechterrollen einzusehen und aufzugeben. Generell gilt dies natürlich für Frauen und Männer, im Bereich sexualisierter Gewalt sind die Täter jedoch fast immer männlich.
Zu den üblichen Schablonen gehört, sexualisierte Gewalt konstant zu leugnen und von sich selbst und vom eigenen, direkten Umfeld weg zuschieben oder zu bagatellisieren. Ermöglicht wird dies durch die klassischen Bilder und Vorstellungen – bzw. durch „Vergewaltigungsmythen“, welche ein Bild vom Täter als abnormal, gestört oder krank zeichnen. Ein zent­rales Moment ist hierbei die Vorstellung eines sexu­ellen Triebes, der durch die Frau provoziert würde und der vom Täter nicht zu kontrollieren sei. Damit einher gehen regelmäßig Assoziationen, die den Täter mit der Ausübung roher körperlicher Gewalt in Verbindung bringen, so dass dieser von vorneherein als Psychopath oder zumindest stumpfer Macker er­kennbar sei. Sie vermitteln damit ein Täterbild, welches nur auf die wenigsten Vergewaltiger über­haupt zutrifft. Dass auch der „sympathische“ oder einfach nur „nett, harmlos und süß wirkende” Typ, Verwandte, Bekannte oder Freund genau so verge­waltigen kann, wird ebenso ausgeblendet wie die unendlich vielen Ebenen struktureller und psychischer Gewalt, die sexualisierte Gewalt überhaupt erst möglich machen. Zu dem trägt diese reduzierte Wahrnehmung von Vergewaltigungen zur Machtausübung über Frauen und Mädchen bei, indem Angst geschürt wird, alleine auszugehen, sich so oder so zu kleiden und in dem Frauen allgemein als „zu Beschützende” angesehen werden.

In der Praxis bedeutet dies, dass allein die oben beschriebene reduzierte Wahrnehmung von Verge­waltigung in den Köpfen vieler bestimmt, ob etwas überhaupt als Vergewaltigung anerkannt wird oder nicht. Solange gewisse Muster oder Erwartungen in diesem Denken nicht erfüllt sind, „hat eben auch keine Vergewaltigung stattgefunden“. Faktisch wird damit ein Großteil sexualisierter Gewalt ausgeklam­mert, denn der größte Teil sexueller Übergriffe findet nicht nachts im Dunkeln auf einer einsamen Straße statt, sonder innerhalb von Beziehungen, Familien und Freundeskreisen und damit in einem Rahmen, wo Vertrauens- oder Abhängigkeitsverhältnisse be­stehen, die der Täter ausnutzen kann. Oft ist es gerade die vertraute Nähe, in der sich Täter sicher fühlen.
Gewalt und Macht bedürfen nicht immer, vor allem innerhalb bestehender Beziehungen, physischer Gewaltanwendung, sondern funktionieren ebenso gut als emotionaler Druck und Bedrohung, oder in Ausnutzung persönlicher und emotionaler Abhängig­keiten. Dazu kommt, dass die beschriebenen Vergewaltigungsmythen auch in der Vorstellung der Betroffenen existieren, wodurch diese sich oft selbst die Schuld zuweisen oder Vergewaltigungen über­haupt erst gar nicht oder viel später als solche erkennen. So ist es auch nicht leicht, sich einzugestehen, dass der Vater, der beste Freund, die eigene Beziehung Täter ist und entsprechende Konsequenzen folgen müssten.

Mythen und Legenden

Aber gerade diese Gewalt wird von den Vergewalti­gungs- und Tätermythen nicht nur gar nicht erfasst, sondern durch ihre Verleugnung aktiv ermöglicht. Diese Mythen sind der Hintergrund, vor dem Verge­waltigungen begangen werden können, ohne dass diese als sexualisierte Gewalt eingeordnet oder benannt werden. So ist z.B. auch die Möglichkeit, staatliche Rechtshilfe zu bekommen, von einer „beweisbaren” Vergewaltigung (z.B. durch ärztlich bestätigte Verletzungen) abhängig. Dass sich in der Szene genau in solchen Fällen der eigenen Verant­wortung entzogen wird, und der sonst immer abgelehnte Weg zu den Bullen vorgeschlagen wird, spricht für sich.
Die Reduzierung auf die hier skizzierten Mythen hat einerseits zur Folge, dass sich vom Punk bis zur Bildzeitungsleser_in zwar alle darin einig sind, dass Vergewaltigungen etwas abscheuliches sind – aber zum anderen garantiert es, dass alle anderen Möglichkeiten sexualisierter Gewalt sich innerhalb eines „Normalitätsrahmens“ abspielen, der keinerlei Skandalisierung erfährt und damit unbenannt und unthematisiert bleiben. Das macht es Betroffenen enorm schwer, sexualisierte Gewalt als solche zu benennen und offen zu thematisieren. Zusätzlich sind es dann auch die Täter selbst, wie auch im Fall von T. und seinem Umfeld, welche Verge­waltigungsmythen aktiv benutzen, um die Glaubwür­digkeit der Betroffenen zu untergraben.
Abweichungen vom reduzierten Vergewaltigungs­begriff werden häufig genutzt, um der Betroffenen eine Mitschuld für das Geschehene anzulasten. Schließlich habe sie sich selbst in die Situation ge­bracht, sei nicht vorsichtig genug gewesen oder habe ihr „Nein!“ nicht deutlich genug gemacht. Die Erfahrung von sexualisierter Gewalt, Ohnmacht und Demütigung wird für die Betroffene so zusätzlich oft noch begleitet durch Gefühle wie Scham und Schuld. Diese werden vom Täter und seinem Umfeld in vielen Fällen sehr gezielt provoziert, um die Betroffene einzuschüchtern und ihr die Thematisie­rung ihrer Situation so schwer wie möglich zu machen. Diese Unterstellung einer Teil- oder Mit­schuld stellt eine Variante dar, eine Vergewaltigung auf einen persönlichen Konflikt zu reduzieren und zu individualisieren. Im Gegenzug wird der Täter von seiner Verantwortung entlastet. Daher soll hier noch einmal klargestellt werden: Es gibt keinerlei Recht­fertigungen für die Ausübung sexualisierter Gewalt und es gibt auch kein Verhalten betroffener Personen, das in letzter Konsequenz eine Vergewal­tigung ausschließen könnte.
Für die Betroffene bedeutet es in dem hier kritisierten Klima ein ungeheures Stigma, sich selbst als Opfer sexualisierter Gewalt zu bezeichnen. Aber das richtige Spießrutenlaufen beginnt oft erst, wenn die betroffene Person sich entschließt, offen über das Erlebte zu sprechen. Neben der Belastung, immer wieder über traumatische Verletzungen und Abläufe sprechen und sich erklären zu müssen, kommen noch die katastrophalen Reaktionen der Umfelder hinzu, die der Betroffenen nicht glauben, sie nicht ernst nehmen oder „hieb und stichfeste“ Informationen mit Beweischarakter einfordern. Diese Forderungen nach Details, die „objektive“ Kriterien der Definition einer Vergewaltigung erfüllen sollen, stärken generell die Perspektive der Täter, da sich eine Vergewaltigung oft überhaupt nicht beweisen lässt, während die Perspektive und Wahrnehmung der Betroffenen negiert wird. Die erlebten Demüti­gungen und Grenzüberschreitungen werden so nicht selten als persönliche „Macke“, als persönliches Problem der Betroffenen hingestellt. Auf diese Weise wird ihre Zurechnungsfähigkeit kontinuierlich in Frage gestellt. Zusätzlich wird hierbei das Rumer­zählen der „Täterversion” der Geschichte instrumentalisiert, um durch die fortwährende Wiederholung der Demütigung die Frau mundtot zu machen. Dieses verbreitete Agieren und Argumentieren im Sinne des Täters ist die klare Posi­tionierung, die Täterinteressen über die der betroffenen Person zu stellen und damit ein Gewalt­verhältnis konsequent weiterzuführen, welches bereits die Vergewaltigung ermöglicht hat.

Definitionsmacht

Klar geworden sein sollte, dass das Einfordern objektiver Kriterien am eigentlichen Punkt vorbei­geht, und das statt dessen die Grenzen der Betroffenen ausschlaggebend sind. Das beschreibt das Konzept der Definitionsmacht, das der Betroffe­nen ihren Subjektstatus, der durch die Grenzverletzung der sexualisierten Gewalt in Frage gestellt wurde, zumindest teilweise zurückzugeben versucht. Es soll ein Rahmen bieten, in dem über den Vorfall überhaupt gesprochen werden kann und die Wünsche der Betroffenen beachtet und umge­setzt werden. Dieses Konzept definiert als Vergewal­tigung, was als solche empfunden wird. Sexualisierte Gewalt fängt da an, wo kein aktiver, beidseitiger Wille vorhanden ist und Grenzen verletzt werden. Ein Nein gilt immer und zu jeder Zeit, egal wie es geäußert wird!
Der häufig und auch in diesem Fall gebrachte Ein­wand, die Definitionsmacht könne missbraucht werden, um persönliche Rache auszuüben oder um sich zu profilieren, ist absurd. Die Folgen einer Ver­öffentlichung sind für die Betroffene in der Regel mehr als schwerwiegend, sie reichen vom Vorwurf der „Szene-Spaltung“ über Einschüchterungsversu­che bis zur kontinuierlichen Konfrontation mit der erlebten Gewalt und dem da­durch erzwungenen Rückzug aus Zusammenhän­gen. In einer solchen Situation zu überleben und sich in den vertrauten Räumen zu behaupten, erfordert einen ungeheuren Kraftakt, der sich oft nur mit erheblicher solidarischer Unterstützung bewerkstelligen lässt. Allerdings wird diese Partei­lichkeit nur den wenigsten Betroffenen auf breiter Ebene entgegengebracht.
Eine neutrale Position innerhalb einer solchen Diskussion kann es somit nicht geben, da nur eine aktive Solidarisierung und Parteilichkeit mit der Be­troffenen den herrschenden Normalzustand auf­bricht, in dem ansonsten die Interessen des Täters gedeckt und gestärkt werden. Der Versuch einer „Nichtpositionierung“ erfolgt oft über die Ausrede, „gar nicht zu wissen, was wirklich passiert ist”, „eigentlich beide zu mögen”, sich raushalten zu wollen und „eigentlich gar nichts damit zu tun zu haben”. Eine Szenespaltung ist nur dadurch denk­bar, dass sich Leute implizit oder explizit auf die Seite des Täters stellen.
Im Falle des Vergewaltigers T. in Hamburg zählt gerade das systematische Herumerzählen „seiner Geschichte“ und die offene Nennung des Namens der betroffenen Frau zu dem Versuch, deren Räume gezielt zu zerstören. Die Absicht dabei ist völlig klar: Einerseits zwingt er die Betroffene immer wieder sich rechtfertigen zu müssen und kalkuliert hierbei, dass sie diese Demütigungen irgendwann nicht mehr er­trägt – zum anderen verbreitet er unermüdlich die klassische Verteidigungsversion eines Vergewalti­gers, der zwar einsieht, dass er Mist gebaut hat, aber dass eben auch die Frau nicht ganz normal sei und ihm somit nur eine begrenzte Schuld anzurechnen sei. Was unterm Strich bleibt, ist die Unzurech­nungsfähigkeit und Mitschuld der Frau, da er seine Schuld mit seinem Eingeständnis quasi abgearbeitet hat… Auch dies ist kein Einzelfall, sondern der allgemein übliche „Klassiker“, wie die betroffene Frau gezielt diffamiert und damit ihr Überleben in densel­ben Räumen wie denen des Täters unmöglich gemacht wird. Dies beruht vor allen Dingen auf der Tatsache, dass es dem Täter wesentlich leichter gemacht wird, öffentlich herum zu erzählen, dass er unschuldig ist, während für die Frau die Thematisie­rung ihrer Verletzungen eine dauernde Retraumatisierung bedeutet, die ein ständiges Wie­dererleben des ihr Angetanen verursacht. Auf genau diesen Punkt spekulieren aber viele Täter ganz gezielt, um ihre Opfer zum Schweigen zu bringen. Das Muster, die betroffene Frau mit ihrem eigenen Gefühl der Demütigung, der Verletzung und Erniedrigung zu bekämpfen, bleibt bei den meisten Tätern immer gleich und wird durch die Reaktionen der Umfelder meist unterstützt.
Vor diesem Hintergrund zeigt sich, welche immense Bedeutung dem Grundprinzip der Definitionsmacht zukommt, die es Betroffenen ermöglichen soll, Gewalterfahrungen zu benennen und zu bekämpfen. Dabei geht es nicht um die Anwendung eines „Straf­systems“ gegen Täter, sondern um den Schutz der betroffenen Person vor weiteren Angriffen und Erniedrigungen. Durch die Anerkennung der Definition und Bedürfnisse der Betroffenen soll ihre Perspektive wahrgenommen und gestärkt werden. Dies bedeutet gleichzeitig auch eine politische Auseinandersetzung, um sexualisierte Gewalt als gesellschaftlich verankerte Praxis zu bekämpfen und den herrschenden „Normalzustand“, in dem die Interessen des Täters gestärkt werden, aufzubre­chen.
Die Verantwortung liegt in der Szene und jeder/jedem Einzelnen, sich nicht nur mit abstrakten Parolen, sondern auch in konkreten Fällen wie dem hier beschriebenen eindeutig zu verhalten. Aus­schlaggebend ist, dass die Betroffene sich gerade in linken Räumen frei bewegen kann, was z.B. durch Hausverbote ermöglicht wird. Dazu gehört aber auch ein generell eindeutiger Umgang mit sexualisierter Gewalt, wozu auch das Rausschmeißen und Ausschließen von Menschen gehört, die sich sexistisch äußern und handeln (Anmache, grapschen, sich als Antifeministen bezeichnen). Nur so kann ein Klima geschaffen werden, in dem sich Betroffene ermutigt fühlen, sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen öffentlich zu machen im Ver­trauen, dass der Täter und nicht sie selbst die Konsequenzen zu tragen hat. Für einen weiteren Umgang mit dem Täter innerhalb der Szene setzen wir ein ernst gemeintes Eingeständnis und Anerkennen seiner Schuld voraus sowie den echten Willen, sich mit der eigenen Tat u.a. in einer Therapie auseinander zusetzen, um das eigene Ver­halten grundlegend zu reflektieren und zu verändern.
In diesem konkreten Fall ist keinerlei erkennbare konstruktive Auseinandersetzung erfolgt. Stattdes­sen werden die betroffene Frau und ihr Um­feld in einem solchen Maß bedroht, dass sie sich nur noch sehr eingeschränkt bewegen können. Daraus resultieren für uns die Forderungen:
# Ziel ist, dass die betroffene Frau und ihr Umfeld sich wieder uneingeschränkt (d.h. ohne Anfeindungen, Bedrohungen oder sonstige Konfrontationen mit T. und seinem beteiligten Umfeld) in Hamburg bewegen können.
# Vor dem Hintergrund seines bisherigen Ver­haltens ist T.s Anwesenheit in politischen und subkulturellen Strukturen Hamburgs sowie im Lebensumfeld der Frau nicht tragbar.
# Wir werden außerdem nicht hinnehmen, dass eine aktive Unterstützung T.s durch Teile seines Umfelds fortgeführt wird, sei es in Provokationen, Drohungen, Beleidigun­gen und Aggressionen gegen X und ihr Umfeld sowie im Weitertragen der Täterversion der Geschichte.
# Es ist notwendig, T. und sich an Anfeindun­gen und Bedrohungen beteiligenden Personen aus seinem Umfeld keine Räume und Möglichkeiten zu bieten, ihr Bedrohungsszenario fortzusetzen, wozu Haus­verbote, Ausschlüsse oder offene Distanzierungen beitragen können.

Wir sind erreichbar unter agunterstuetzung [ at ] gmx [ punkt ] net


18 Antworten auf “Zum aktuellen Umgang mit einem Vergewaltiger”


  1. 1 Peddor Penn 24. September 2007 um 20:20 Uhr

    Da hatte schonmal jemand ein paar tips gebloggt.

    Klick Mich!

  2. 2 Jokerine 24. September 2007 um 21:19 Uhr

    Große Güte! Du bist auch echt ein Arsch Peddor. Hast du überhaupt irgendwas in dem Artikel gelesen? Es hilft weder so Pseudotipps wie im Link zu propagieren, die ja doch wieder auf den alten Vergewaltigermythen beruhen, noch hilft es sich über X lustig zu machen.

    Was X verdient hat ist unsere uneingeschränkte Solidarität. Danke Grrrl für diesen Artikel. Es freut mich auserordentlich, dass ihr euch zusammengefunden habt um X zu unterstützen. Ich hoffe ihr werdet in eurer Unternehmung erfolgreich sein.

  3. 3 Krempel 24. September 2007 um 22:07 Uhr

    hm. irgendwie hatte ich zu beginn echte probleme, den sinngehalt dieses textes im internet zu erkennen, da ich zunächst (beginn in dem fall: beginn des textes) annahm, es wisse eh kaum jemand bescheid.
    der weitere verlauf hingegen überzeugte mich von der wichtigkeit des artikels.
    denn diese strukturen und diese verhaltensweisen waren mir in ermangelung persönlicher erfahrungen nicht bekannt. zwar habe ich über das internet mit einer ehemals sehr guten freundin darüber geredet (und ihr geglaubt), aber dies hat mit dem fall ja nur bedingt zu tun. denn diese strukturen in der gesellschaft kannte ich nicht und es ist (so mies das klingt) interessant, vor allem aber erschreckend darüber zu lesen. ich hätte ehrlich gesagt gar nicht erwartet, dass menschen so reagieren. die konfrontation mit solcher ignoranz grenzt für mich fast an mindfuck.
    danke also für diesen ausführlichen und informativen artikel, meine solidarität an X – und ebenso wie Jokerine meine erfolgswünsche.

    ich fühle mich aufgeklärter und bereiter im falle des falles dem entgegen zu treten.. thx.

  4. 4 lpunx 25. September 2007 um 18:13 Uhr

    genau wie jokerine, möcht ich euch und vor allem x, meine uneingeschränkte solidarität aussprechen und eure forderung nach anerkennung der definitionsmacht und parteilichkeit mit betroffenen unterstützen. ich hoffe, dass der politische druck ausreicht, um eine distanzierung aller beteiligten und somit die unterstützung und den schutz der betroffenen und ihrer unterstützer_innen zu erreichen. ich find euren artikel echt gut und wichtig; auch wenn es scheiße ist, dass diese artikel immer noch und immer wieda notwendig sind, um einen emanzipatorischen umgang mit sexualisierter gewalt auch in der „szene“ zu finden. kommentare wie der von peddor penn sind meiner erfahrung nach leider die regel und manchmal sogar einer der harmloseren. aber das beweist halt nur einmal mehr die fehlende auseinandersetzung und anerkennung mit diesen themen. und ich stimme dem artikel auch darin zu, dass die beschriebene situation nicht einmalig ist sondern eher den alltäglichen sexistischen normalzustand widerspiegelt.

  5. 5 megr 25. September 2007 um 18:18 Uhr

    Hier
    diskutieren wir diesen Artikel auch, der leider auf Indymedia ziemlich gleich versteckt wurde. Wenn auch etwas kritischer.
    Der Text, der hier gelobt wird, bzw. von Krempel, als Hilfestellung oder Aufklärung empfunden wird, hat einige Schwächen, die ich hier dann doch mal kurz anschneiden mag. Da ich mich an den meisten Argumenten der in dem Text vertretenen Praxis schon abgearbeitet habe, hab ich leider gerade nicht den Elan dass hier in der erforderlichen Ausführlichkeit zu tun.
    Trotzdem:
    Bei aller Notwendigkeit sich mit den Umgangsformen gegenüber Vergewaltigern, Tätern und Menschen die so bezeichnet werden – ja, da gibt es für mich einen Unterschied – , auseinanderzusetzen
    und so furchtbar die Situation für die Betroffene geschildert wird: Jenseits von konkreten Fall finde ich den Text ziemlich fragwürdig.

    Das liegt zum einen an der auch in diesen Text vorkommenden Thematisierung des sog. Vergewaltigungsmythos, der u.a. Schuld daran sein soll, dass in der linken Szene keine ausreichende Sensibilisierung für die Betroffenen von sexualisierter Gewalt existiert. Siehe dazu oben im Text:

    „Zu den üblichen Schablonen gehört, sexualisierte Gewalt konstant zu leugnen und von sich selbst und vom eigenen, direkten Umfeld weg zuschieben oder zu bagatellisieren. Ermöglicht wird dies durch die klassischen Bilder und Vorstellungen – bzw. durch „Vergewaltigungsmythen“, welche ein Bild vom Täter als abnormal, gestört oder krank zeichnen.“

    und
    „Dass auch der „sympathische“ oder einfach nur „nett, harmlos und süß wirkende” Typ, Verwandte, Bekannte oder Freund genau so verge­waltigen kann, wird ebenso ausgeblendet wie die unendlich vielen Ebenen struktureller und psychischer Gewalt, die sexualisierte Gewalt überhaupt erst möglich machen.“

    Ich würde niemals leugnen, dass es zum Kotzen viele verschiedene Arten von Gewalt, sexualisierter Gewalt, Missbrauch, Nötigung, Vergewaltigung und und und gibt und diese von sehr unterschiedlichen Menschen ausgeübt werden. Und das diese unterschiedlich häufig in Statistiken auftauchen.

    Ärgerlich macht es mich aber, wenn ein Typus von Vergewaltigungen (Fremder Mann begeht diese, zum Teil unter Gewaltanwendung) als Mythos abgetan wird, um den Focus auf eine Art von Vergewaltigung zu richten, wie sie in der Linken wohl häufiger vorkommt.
    Dies ist nicht nur ärgerlich, weil es doch ziemlich viele Frauen, Mädchen,Transgender, Jungs, Männer betrifft, die von fremden Männern oder auch anderen fremden Menschen sexuell attackiert oder vergewaltigt oder belästigt worden sind, sondern auch weil hier – um eine antisexistische Praxis zu rechtfertigen – etwas zur theoretischen Wahrheit erklärt wird, was anderen Betroffenen gegenüber unsensibel ist.
    Darüber hinaus bestätigt dieser Text einmal mehr die Bedenken von Kritiker_innen der Definitionsmacht, weil die Probleme die diese Idee hat, nicht ehrlich aufgezeigt werden. Dass mensch auch ohne die Definitionsmacht zu verwerfen, dieses Problem wenigstens thematisieren kann, um diese dann als statistisch kleineres Übel in Kauf zu nehmen, haben andere Texte ja schon bewiesen (z.B. auf Definitionsmacht.tk)

    Na dann, nur um nicht missverstanden zu werden: die Kritik an der Argumentation des Textes, impliziert keine Bewertungen oder Aussagen zu dem Fall in HH, denn den kenne ich nicht. Vor allem möchte ich nicht so verstanden werden, dass ich der Betroffenen irgendetwas unterstelle oder böses unterstelle. Das hier ist eine Kritik an der Praxis nicht an betroffenen Menschen. Und wenn das bedeutet, dass ich eine TäterunterstützerIn bin, weil für mich nicht alles klar ist, sobald ich den Begriff Definitionsmacht höre, ich werde es überleben…

  6. 6 Krempel 26. September 2007 um 1:20 Uhr

    ich finde, dass du dich hier an einem wort aufhängst, das ungünstig gewählt wurde – obwohl es im text eine inhaltlich korrekte verwendung findet.
    zwar spricht man hier von „mythos“, gemeint ist damit aber letztlich, dass menschen (überall) vergewaltiger immer oder fast nur als einen typos: „kranker perverser macho oder macker“ gesehen wird.
    dabei wird nicht gesagt, dass es das nicht gibt, sondern nur, dass das in den wenigsten fällen so ist.
    kritik daran zu finden, erschöpft sich eher in der tatsache, dass hier nicht mit statistiken oder forschungen zu diesem thema (wenn es das denn gibt – sicherlich) gearbeitet wird.
    die aussage: das gibt es nicht und ist nur ein mythos wird letztlich nicht gemacht. und von daher ist der begriff mythos irreführung und die kritik daran irgendwo auch fehl am platze. jedenfalls so, wie ich deinen text verstanden habe.

    zu dem kram bzgl. defintionsmacht äußere ich mich besser nicht, da ich davon schlicht kaum ahnung habe. weder von positiven nocht negativen ansichten dazu.
    außerdem habe ich das in dem text nur rudimentär verstanden.

  7. 7 Puppel-Puh 26. September 2007 um 20:31 Uhr

    Der Artikel ist ein wenig zu einseitig finde ich.
    Ich bin ebenfalls betroffen und die Anzeige hat mir auch eher geschadet als geholfen.
    Vor allem war die Gutachterin sehr opferfeindlich eingestellt weswegen sie mir mangelnde Glaubwürdigkeit unterstellt hat und die Anzeige deshalb eingestellt wurde.
    Mit einer Anwältin durfte ich mit eine Beraterin nochmal über die Sache reden. Diese hat mich darüber aufgeklärt das diese Gutachterin bisher in jedem Fall mangelnde Glaubwürdigkeit „festgestellt“ hat und in ihrem Protokoll hat sie mich auch ziemlich lächerlich dargestellt und in jede Geste etwa sinterpretiert.Und es war eine Frau.

    Aber das ist nun eher das drumherum, eigentlich geht es mir gerade darum DASS es eben leider Fälle gibt in denen frau „Rache verübt“ und einen Mann beshculdigt, der nichts verbrochen hat. Oder auch aus Scham wegen einem Seitensprung wird dieser zu einer Vergewaltigung verdreht.
    Ich dneke es ist auch wichtig das diesen Frauen klar wird was sie Menschen antun denen das wirklich passiert ist.
    Denn es macht einem schwer. Sehr schwer.
    Ich musste mich auch gegen derlei unhaltlose Beschuldigungen behaupten. Es muss also auf beiden Seiten etwas passieren.

  8. 8 FiD 27. September 2007 um 1:16 Uhr

    Hi!

    Ich habe gerade gesehn, dass Peddor auf meinen Blog gelinkt hat. Finde ich persönlich sehr schade, dass er oder sie das ganze unter solch einen artikel postet.

    Diese „Tips“ sind sicherlich nicht „nur“ humoristisch gemeint und ich möchte mich dafür entschuldigen, wenn der sinn dieses artikels hier durch ein solches – wahrscheinlich ernst gemeintes – posting seitens peddor zerrissen wurde. Die „Tips“ hatte vor geraumer Zeit einmal ein Autor namens Mickey Z. erstellt und er wollte damit, soweit mir bekannt ist, einfach nur eine diskusion auslösen, wie frauen und mädels am besten mit einem vergewaltiger fertig werden. Also passt der link zu meiner übersetzung von Mickey Z. absolut nicht hier hin.

    Der Artikel an sich war interessant und gut zu lesen. Euer blog wie immer super ;-)

    peace…

  9. 9 Krempel 27. September 2007 um 12:50 Uhr

    puddel-puh:
    nun, diese frauen (oder menschen allgemein), die das auch rache tun, sind sicher ein problem, aber würdest du – gerade als betroffene? – nicht sagen, dass ein viel größeres problem die tatsache ist, dass man zuerst davon ausgeht, dass menschen, die sowas behaupten, lügen?

    sicher, blind davon auszugehen, dass sie die wahrheit sagen, ist naiv und strafrechtlich ziemlich fragwürdig.

    ich vermute, du kritisierst nur die einseitigkeit und siehst es genauso, wie ich gerade oben beschrieben habe…aber ich frag besser mal nach.

  10. 10 bikepunk 089 28. September 2007 um 17:41 Uhr

    Zum Thema Mythos …
    Der Vergewaltigungsmythos, so wie er hier beschrieben wird, besagt dass Vergewaltigungen nachts im Park durch einen fremden unter physischer Gewaltanwendung passieren, wenn dieses Bild nicht bestätigt wird dann ist es auch keine Vergealtigung, und nicht so ernst zu nehmen. Diese Wirkung des Mythos in der Auseinandersetzung um konkrete Fälle wird in dem Text völlig zu recht kritisiert.

    @ Krempel – Zur Frage nach Definitionsmacht …
    Nen guten Text fand ich mal den hier, ich weiss aber nicht ob da der Begriff richtig gut erklärt wird (ewig her dass ich den gelesen habe):
    http://arranca.nadir.org/arranca/article.do?id=238

  11. 11 naja 28. September 2007 um 21:02 Uhr

    Man kann die Nicht-Anerkennung von Vergewaltigungen auch kritisieren ohne eine Vergewaltigung durch einen Fremden derart zu thematisieren und als Mythos zu bezeichnen.
    Mich hat das auch geärgert.
    Es ist ja richtig die bürgerliche oder allgemein verbreitete Definition von Vergewaltigung anzugreifen, aber doch nicht so.

  12. 12 nfir 05. Oktober 2007 um 13:49 Uhr

    Hallo alle, Hallo Bikepunk,

    mal rückwärts gedacht ist es aber genau ein Problem, dass die Bezeichnung „Vergewaltiger“ eben assoziativ genau mit „physischer Gewaltanwendung“ verknüpft ist. Wird jetzt dieser Begriff in Fällen benutzt, wo zum eigentlichen Hergang kein weiteres Wort mehr verloren wird, sind genau diese Assoziationen sofort präsent, nicht selten völlig zu Unrecht.
    Das erschwert eine Auseinandersetzung, in der „Empowerment“ der Betroffenen, Politisierung und Täterveränderung die Ziele sind, enorm. Oder sie verunmöglicht eine solche Auseinandersetzung vollständig, weil alle nur noch damit beschäftigt sind auf der einen Seite gegen diese unausgesprochenen Implikationen zu sprechen und auf der anderen Seite diese Personen dann als Täterschützer zu beschimpfen.

  13. 13 bikepunk 089 05. Oktober 2007 um 17:55 Uhr

    ist es aber genau ein Problem, dass die Bezeichnung “Vergewaltiger” eben assoziativ genau mit “physischer Gewaltanwendung” verknüpft ist

    D‘accord. Deshalb schreiben auch die Autor_innen des obigen Textes dagegen an, und machen einen subjektiven Begriff von Vergewaltigung stark.

    Das erschwert eine Auseinandersetzung, in der “Empowerment” der Betroffenen, Politisierung und Täterveränderung die Ziele sind, enorm.

    Hier verstehe ich deine Logik nicht – auf der einen Seite ist die Assoziative Verknüpfung des Begriffes „Vergewaltiger“ mit „physischer Gewaltanwendung“ ein Problem für die Auseinandersetzung. Genau diese Assoziation fällt aber nicht vom Baum, sondern wid von Leuten verbreitet und geglaubt. So gesehen schreibst du selber implizit dass „diese Personen“ “Empowerment” der Betroffenen, Politisierung und Täterveränderung erschweren. Von da zum Täterschutz ist der Weg nicht so weit.

  14. 14 nfir 05. Oktober 2007 um 18:35 Uhr

    Henne oder Ei?
    Ich meinte (wie du dir mit Sicherheit auch gedacht hast) mit „diese Personen“ diejenigen, die einen solchen Vorwurf abstrakt aussprechen. Mir leuchtet völlig ein, dass Details nicht veröffentlicht werden, aber es nützt ja nicht besonders viel, wenn diejenigen, die den Vorwurf (whatever) aussprechen, weit und breit die einzigen sind, die diese Assoziationen (angeblich) nicht haben. Für den Rest der Welt sieht die Sache ja anders aus.
    Mir ist übrigens auch in noch keinem Text, der eine Vergewaltigung thematisiert, untergekommen, dass eben dieser Problemkomplex (für mich gibt es einen Unterschied in der „Bewertung“ von Menschen, ob sich jemand bewusst und auch physisch über Grenzen von anderen hinweg gesetzt hat oder nicht) darin thematisiert wird. Deswegen liegt für mich der Verdacht nahe, dass das zumindest billigend in Kauf genommen wird um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen (hier lass ich mich aber auch gern eines besseren belehren, nur zu!)
    Und da die Konsequenzen, die üblicherweise gefordert werden (raus aus allen linken Zusammenhängen und Räumen), in ihrer Absolutheit ebenfalls den Eindruck erwecken, es handele sich um eine Vergewaltigung, wie sie im „Mythos“ vorkommt, ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Leute Differenzierung einfordern. Sie aber dann als Täterschützer zu brandmarken um sich so eine Antwort zu sparen, genau das verhindert für mich einen Umgang, der die beidseitige Subjektivität ernst nimmt und somit mehr Chancen hat, etwas an den patriarchalen Zuständen zu verändern als ein Rausschmiss (kann man immer noch machen).

  15. 15 john 29. November 2007 um 0:02 Uhr

    Wer hat eigentlich das Wort sexualisierte Gewalt geschaffen? Es müsste doch viel mehr gewaltätiger Sex heißen …

  16. 16 dodo 29. November 2007 um 0:42 Uhr

    vergewaltigung hat nichts mit sex zu tun. sondern mit macht.

  17. 17 ko 30. November 2007 um 18:30 Uhr

    weiss jemand was über den vorfall in hamburg in der flora bei der tierrechts-soli-party am 17.11. und wie damit umgegangen wird?
    meinen infos nach hat der sänger einer band einen redebeitrag gehalten, in dem die definitionsmacht in frage gestellt wurde und ein täter (wohl der aus dem o.g. text?) zum opfer stilisiert wurde. die infos hab ich von einer, die das ganze miterlebt hat und ziemlich geschockt war, da leute, die den redebeitrag kritisiert haben, ziemlich massiv und gewalttätig von leuten, die die bühne (mitveranstalter bzw. mitglieder der TAN) geschützt haben, zurückgedrängt wurden, inklusive beschimpfungen.
    mich würde interessieren, wie jetzt im nachhinein damit umgegangen wird, weil so eine beschissene aktion ja wohl kaum so stehengelassen werden kann. da ich nicht in hamburg wohne und da auch keine näheren kontakte hin habe, weiss ich nicht, wie ich das sonst mitkriegen könnte…

  1. 1 Zum aktuellen Umgang mit einem Vergewaltiger Pingback am 22. Oktober 2007 um 16:53 Uhr

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