Archiv für Oktober 2007

Der Feminist

Hannes Missethon ist ÖVP‘ler wie aus dem Lehrbuche: Mit der Vokabel „Leitkultur“ im Munde wettert er gegen Überfremdung und schürt Anti-Kommunistische Ressentiments. Wie kommt ein Politiker des bürgerlich-konservariven Lagers dazu, sich unter der Aussage „Ich knie vor Alice Schwarzer“ in einem „linke Emanze“ T-Shirt ablichten zu lassen?

Fangen wir von Vorne an, bei einem Interview, das Eva Linsinger und Ulla Schmid für das österreichische Onlinemagazin profil kürzlich mit Missethon führten. Ohne großes Vorgeplänkel wird Missethon als geouteter Alice Schwarzer Fan eingeführt und zu einer Rechtfertigung genötigt, in welcher er seine Nähe zu Alice Schwarzer mit dem Hinweis darlegt, (mehr…)

Brigitte + Computerbild Spiele + Bravo + Mädchen + eine gehörige Portion Frauenfeindlichkeit = „Play Vanilla“

So, mein erster Beitrag hier.

Ich wollte mich gern dem Thema Games ( vor allem Frauen- und Genderdarstellung in Spielen, Wahrnehmung von Zockerinnen in der Öffentlichkeit ) widmen.
Natürlich bietet es sich an, mal die „erste Spielezeitschrift für Frauen“ genauer unter die Lupe zu nehmen.
Klar, bei dem tollen Titel „Play Vanilla“ hatte ich schon ein verdammt mulmiges Gefühl. Klingt nach Kitsch und Klischee. „Aber gut“, dachte ich mir, „wir wollen ja mal nich so sein. Vielleicht isses ja ganz passabel…“
Wie zu erwarten lag ich damit falsch. Es ist eine Katastrophe! (mehr…)

Mann! Männlicher! Am Männlichsten?

Endlich ist es raus: David Beckham ist der männlichste Mann der Welt! Was Frauenzeitschriften schon seit Jahren klar ist, hat sich nun auch in Männermagazine Einzug gefunden: Die Online-Männerzeitschrift askmen.com hat ihrer Leser(!)schaft nach den „Top Men 2007″ gefragt und Antworten gefunden: David Beckham, Matt Damon, Timbaland sind die Elite der Männlichkeit.
Das wäre jetzt relativ unspannend, wäre da nicht die österreichische KURIER-Schreiberin Barbara Reiter, die heute eine ganze Seite benötigt, um sich über diese Wahl zu beklagen und zu zweierlei spannenden Aussagen kommt:

(1) „Ausgerechnet jener, tja Mann, der zur Ikone einer Strömung ernannt wurde, die Metrosexualität heißt, wurde nämlich zum Gewinner erkoren. David Beckham, an dem sein Fußball noch das männlichste von allem ist.“
‚Metrosexualität‘ scheint in den Augen Reiters eine Art Jugendbewegung unter (weißen, körperlich unversehrten; us-amerikanischen/euopäischen) heterosexuellen Männern in den Mittdreißigern zu sein, also eine organisierte Angelegenheit, keine Zuschreibung von Außen. (mehr…)

Kotzbrocken des Monats

Eigentlich sollt ich mich ja um Referat und Hausarbeit kümmern, stattdessen schreib ich hier – jaaa, schon wieder – nen Post. Aber ich reg mich einfach viel zu sehr auf, um NICHT drüber abzukotzen!!!
Rolf Eden, „deutscher Playboy“, verklagt eine 19jährige.
Warum? Obwohl diese mit ihm einen Abend in der Stadt verbracht hat, der bei ihm endete, weigerte sie sich mit ihm Sex zu haben. Begründung: er sei ihr zu alt. Der arme, arme Mann will sich jetzt via Antidiiskriminierungsgesetz dagegen zur Wehr setzen. Weil diese Ablehnung dem sensiblen Menschen so zugesetzt hat:

„That was shattering. No woman has ever said that to me before,“ Eden told the tabloid. „I was crushed.“ He has filed charges with the prosecutors‘ office, he said. „After all, there are laws against discrimination.“

(mehr…)

„10 Dinge, die du jetzt tun kannst, um deinen Körper zu lieben“

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(Bild von der University of North Dakota)

„10 Dinge, die du jetzt tun kannst, um deinen Körper zu lieben“: So wirbt Feministings Courtney Martin für ihr Buch Perfect girls, starving daughters auf der Feministing-Seite (die Kommentare sind übrigens auch lesenswert!).
Praktischerweise übersetz ich das Ganze mal (wenn vllt. auch ein bisschen freier): (mehr…)

Erster Kongress schwarzer Europäerinnen

Während es in Amerika in feministischen Bereichen längst gang und gäbe ist, sich auch mit dem Zusammenhang Rassismus – Frauenhaß auseinanderzusetzen, geht das in Europa (auch hier in Deutschland) zuweilen ziemlich unter.
Um dem Abhilfe zu schaffen, fand vom 27. – bis 29. September in Wien der erste Kongress schwarzer Europäerinnen statt. Warum?

Schwarze Europäerinnen seien Frauen in einer prinzipiell belastenden Lebenssituation, schildert Kongressinitiatorin Beatrice Achaleke vom Wiener Verein AFRA

Als Frau hat man es in einer patriarchalischen Gesellschaft sowieso schon nicht immer einfach. Aber wenn man zusätzlich noch dunkle Haut hat, wird man zusätzlich als „fremd“ wahrgenommen, als jemand, der kein Mitspracherecht in „unserem Land“ (welches auch immer das sein mag) hat. Und somit auch kein Recht, sich zu beschweren.
Ganz zu schweigen vom alltäglich erlittenen Rassismus:

Beim Verein AFRA häuften sich Berichte von Übergriffen auf schwarze Frauen auf offener Straße und in U-Bahnen, „doch die meisten trauen der Polizei nicht“.

Also höchste Zeit, dass man sich zusammensetzt und Strategien austüftelt, wie man zur Gleichstellung schwarzer Frauen in Europa gelangen könnte oder überhaupt mal zusammenzufinden und das Thema aus Sicht der betroffenen Frauen selbst zu besprechen.
Entstanden ist dabei die „Wiener Deklaration“, die man sich hier anschauen/runterladen kann.
Lest sie euch vielleicht einfach mal durch.

Rapex – Das Anti-Vergewaltigungs-Kondom

Ein Kondom, das Vergewaltigungen verhindern soll? Diese Erfindung kommt aus Südafrika, einem Land mit 52.000 registrierten Vergewaltigungsfällen pro Jahr (vgl. D-Land: 8.200). Erfunden hat es Sonette Ehlers. Die Idee hatte sie, als ein Vergewaltigungsopfer in einem Gespräch sagte: „Wenn ich nur Zähne da unten hätte!“

Bild vom Prototyp

Das Anti-Rape-Condom ist eine kondomförmige Plastik/Latex-Vorrichtung, die mittels eines Applikators in die Scheide eingesetzt wird. Beim Eindringen eines Penis bohren sich Widerhaken hinein und verursachen starke Schmerzen. Zur Entfernung wird fachliche Hilfe benötigt.

Der Angreifer kann erstmal nicht weiter machen und wenn er ins Krankenhaus geht um das Ding zu entfernen wird er als Vergewaltiger erkannt (und kann bestraft werden). Die Lösung des „Vergewaltigungsproblems“? (mehr…)

Feminismus – Ideologie oder Selbstverständlichkeit?

Als Ani Di Franco 1998 Joni Mitchell für die LA Times interviewte:

(…) she suggested that her subject, who has been disparaging of feminism, might embrace the concept. Mitchell simply responded, „I prefer the company of men.“ DiFranco went on to write that „Either you are a feminist or you are a sexist/misogynist. There is no box marked ‚other‘.“

(Quelle: Guardian )
Klingt erstmal krass, aber ist es nicht so? Nun ja, das kommt darauf an, wie man zum Feminismus steht. Beziehungsweise was man in ihm sieht. (mehr…)

Linux für Mädchen?

Creating a special Linux distribution as though it were a delightful surprise that we can use Linux at all is not going to help our image. Special Linuxes are for people with USB keys and religious sensibilities. We women are doing just fine, thanks.


Tina Gasperson, Linux.com

Just possibly, a women’s distro could teach the rest of the community a thing or two about organization. (…)
Alternatively, a women’s distro might do none of these things. But it would be worth the experiment, if enough people cared enough to try it. And I, for one, would wish it every success.

Bruce Byfield, Linux.com

Neulich hab ich darüber bei linux.com gelesen, und ich weiß immer noch nicht so recht, was ich darüber denken soll. Auf der einen Seite gibts schon so unglaublich viele Distributionen von Linux, dass eine mehr oder weniger fast egal ist. Auf der anderen Seite fehlen mir die Einblicke darin, wie es grundsätzlich für als Frauen identifiziert werdende (oder sich selbst identifizierende) Menschen ist, die sich rund um Freie Software und Linux betätigen. Ich für meinen Teil nehme immer dankbar jede Hilfe und Lernmöglichkeit an, habe aber auch oft vor einer größeren Menge von sich als Männer identifizierenden Nerds das Problem, dass meine Fragen dumm, klein und unvollständig aussehen könnten. ich kann grundsätzlich von vielen Menschen Rat annehmen, aber für mich hat auch das queere Nerd-Umfeld in meiner Umgebung, dass es hier glücklicherweise gibt, eine sehr prägende und ermutigende Wirkung gehabt. Ohne prometoys würde ich vermutlich immer noch Windows benutzen (und alles wäre anders).

Also vielleicht wäre es tatsächlich gut, so einen Tätigkeits-Zusammenhang zu haben. Andererseits gibts ja schon die Linux Chix und diverse andere. Vielleicht fällt Euch dazu was schlaueres ein? Gerne kommentieren…

Notizen über die New Economy

Aufgabe:
Nennen Sie eine erfolgreiche Start-Up-Gründerin im Bereich des Web 2.0!

Ihnen fällt spontan keine ein? Lassen Sie sich doch mal inspirieren, z.B. von der Liste der „25 wichtigsten Start-ups aus dem Web 2.0“. Nicht aufgeben beim Durchklicken – auf Platz 22 finden wir doch tatsächliche eine (!) „Co-Gründerin“. Oder gucken wir auf die Startseite des WEB 2.0 Kongresses zum Thema „Social Commerce & Collaboration für das Enterprise 2.0″, der nächste Woche in Berlin stattfindet. Fällt etwas bei der Betrachtung der dort abgebildete Porträts auf? Erinnert irgendwie an das kürzlich von yeapope aufgeworfene Freitagsrätsel, mit dem Unterschied, dass die Herren der New Economy im Durchschnitt wohl ein paar Jahr(zehnt)e jünger sein dürften als die altgedienten „Besten“. Dass bei dem Menüpunkt „Referenten“ von besagtem Kongress auf das Binnen-I verzichtet wurde, ist also nur konsequent.
Aber es gibt sie doch, die Frauen im New-Media-Business, auch wenn deren Unternehmen Durchschnitt eher kleinere sind. Gerade letzte Woche veranstalteten sie einen eigenen Fachkongress. Dort wurde ein breites Themenspektrum behandelt, eine große Rolle spielte hier auch die Medienkunst – ein Thema, dass bei dem „Webboys“-Kongress nicht sonderlich zu interessieren scheint, sind die Möglichkeiten des Geldverdienens damit doch eher gering.
Aber wenigstens beim Bloggen, da sind doch viele Frauen dabei, oder? Naja, zumindest bei den Tagebuch- und Teenie-Fan-Blogs bei myblog etc., denn was beispielsweise die deutschen Blogcharts angeht – in denen sich am ehesten auch diejenigen finden lassen, die vom Bloggen leben können – da hatte der Macher letztens festgestellt, dass sich unter den Top 100 gerade mal fünf von Frauen geschriebene Blogs finden.
Und woran liegt das jetzt, dass so wenige Frauen im Internet wirtschaftlichen Erfolg haben? Ist es das alte Problem der Vereinbarung von Kind und Karriere, das beispielsweise von der eigenen Firmengründung abhält? Sind es die auch hier schon mehrmals behandelten Vorurteile gegenüber Frauen und Technik, die Mädchen von einer entsprechenden Berufswahl abhalten? Sind es die fehlenden Role-Models?
Es gab vor ein paar Jahren mal eine erfolgreiche Vorabendserie in der ARD. Zwei der Protagonist_innen arbeiteten in ihrer selbstgegründeten Computer-Firma mit dem bezeichnenden Namen „Start Up“. Dreimal dürft ihr raten: Es waren natürlich die beiden männlichen Hauptfiguren. Die Frauen in der Serie hingegen versuchten sich – mehr oder weniger erfolgreich – als Comiczeichnerin, Schauspielerin und Fotografin. Warum fällt mir bloß keine Fernsehserie ein, in der wenigstens eine Frau in der IT-Branche arbeitet?