Feminismus – Ideologie oder Selbstverständlichkeit?

Als Ani Di Franco 1998 Joni Mitchell für die LA Times interviewte:

(…) she suggested that her subject, who has been disparaging of feminism, might embrace the concept. Mitchell simply responded, „I prefer the company of men.“ DiFranco went on to write that „Either you are a feminist or you are a sexist/misogynist. There is no box marked ‚other‘.“

(Quelle: Guardian )
Klingt erstmal krass, aber ist es nicht so? Nun ja, das kommt darauf an, wie man zum Feminismus steht. Beziehungsweise was man in ihm sieht.
Zum einen die typischen Stereotype, dass Frauen (bzw. Feministinnen) nur übervorteilt werden wollen und eigentlich nur verkappte Männerhasserinnen sind und so weiter und so fort blah blah. Das sind dann auch die, welche den Feminismus als „Ideologie“ bezeichnen.
Ideologie. Das klingt immer so nach was eigenartigem, was nicht Gesellschaftsfähigem. Gibt man das Wort bei Google ein, erscheint unten bei „Verwandte Suchvorgänge“ so schöner Kram wie „Rassismus“, „NS Ideologie“ und so weiter.
Ist ja nicht gerade die beste Gesellschaft. Das Wort „Ideologie“ hat halt doch ein strenges Beigeschmäckle. Und aller Ethymologie zum Trotz: im Zusammenhang mit dem Wort Feminismus find ich’s unpassend. „Feministische Ideologie“ suggeriert Extremismus und Fanatismus. Und sorry, das passt für mich einfach nicht!
Ich hab jetzt keine Lust, hier zu erklären, was „Feminismus“ ist oder wie meine Definition davon en detail aussieht. Und jaaaa, da gibt’s eh zig verschiedene Richtungen, ist ja kein homogener Haufen, der Feminismus.
Aber ich glaube mal, ich liege nicht so falsch, wenn die Mehrheit heutzutage darunter versteht, für die Gleichberechtigung der Geschlechter zu kämpfen und gegen sexistische Vorurteile anzugehen bzw. sie erstmal aufzudecken.
Na, und da wären wir wieder: was ist daran bitte so „ideologisch“? Idealistisch, vielleicht. Und ja, man könnte schon sagen, dass dem Wunsch nach einer Gesellschaft, die geschlechtsunabhängig funktioniert, eine bestimmte Weltanschauung ist.
Aber ist die Gleichberechtigung von Menschen wirklich „Ideologie“ im heutigen Wortsinn? Gleichberechtigung ist meiner Meinung nach etwas, das eigentlich Normalität sein sollte. Genauso wie es normal ist, dass man Leute nicht nach ihrer Hautfarbe oder Größe oder wasweißich beurteilt, so normal ist es, sie nicht nach Geschlecht zu beurteilen. Eigentlich.
Und entweder bin ich für die Gleichberechtigung von Menschen (und sorry Leuts, Feminismus gehört da nun mal dazu… oder nennt’s Antisexismus, wenn ihr euch damit wohler fühlt) – oder eben nicht. So einfach ist das. Siehe Ani-Zitat von oben. Deswegen versteh ich bis heut noch nicht ganz, weswegen sich nicht jeder intelligente Mensch „FeministIn“ nennt, wenn er oder sie denn nun schon kein Sexist sein mag.
Ist es so ideologistisch, wenn man versucht, andere Menschen nicht in erster Linie als „Frau“ oder „Mann“, sondern einfach nur als, na ja, Mensch eben zu indentifizieren? Finde ich nicht.
Jetzt seh ich vor meinem geistigen Auge schon die Sorte KommentatorInnen, die unausweichlich darauf hinweisen werden, dass allein schon das Wort „Feminismus“ nicht auf Gleichberechtigung, sondern auf „die Überlegenheit der Frau“ oder so was anspielen soll. *seufz* Anstatt dieser Klientel (woher kommt die eigentlich immer?) hier die Geschichte des Feminismus neu aufzurollen, möchte ich auf diese Seite verweisen und abschließend noch mal die Ani zu Wort kommen lassen:

“I think what we need to do is to understand feminism as a prerequisite to saving the environment, to ending war, to ending racism. We need to understand that feminism is not for women, it’s for humanity. Patriarchy does not work for men – they go and get killed in wars. Patriarchy hurts all of us. You know (…) I hate to sound like some ‚crazy feminist‘, but (…) the older I grow, the more I understand peace and stability as a product of balance, and human society is fundamentally imbalanced. Patriarchy is like the elephant in the room that we don‘t talk about, but how could it not affect the planet radically when it’s the superstructure of human society?“

Das hat sie schön gesagt, gell?


22 Antworten auf “Feminismus – Ideologie oder Selbstverständlichkeit?”


  1. 1 planeten 11. Oktober 2007 um 14:27 Uhr

    Ich stimme Dir völlig zu, dass Feminist sein, kein Schimpfwort sein sollte und dass eine Gesellschaft erstrebenswert ist, in der das Geschlecht eine untergeordnete Rolle spielt. Ich meine, ist es denn nicht auch für einen Mann schön zu wissen, dass seine Partnerin bei ihm ist, weil sie es will und nicht weil sie sonst verhungern würde?

    ABER man sollte auch nicht den Fehler machen, den einige Feministen machen. Zu behaupten, dass die Frauen die besseren Menschen sind oder das Gleichberechtigung automatisch aus der Welt ein Paradies macht.

  2. 2 dodo 11. Oktober 2007 um 15:02 Uhr

    ja, aber gibts diese art feministen wirklich? man redet immer über sie, ich hab aber noch nie eine getroffen, auch online nicht.

  3. 3 miss taken identity 11. Oktober 2007 um 16:36 Uhr

    dodo: sag mal, muss ich eigentlich deinen schreibstil „maternalistisch“ nennen oder wäre „paternalistisch“ okay um deine haltung zu den leserInnen zu beschreiben?

  4. 4 dodo 11. Oktober 2007 um 16:55 Uhr

    nenn’s einfach „gedanken, die mir so durch den kopf schwirren und die ich hier aufschreib und wer’s lesen will soll’s tun und sich seine eigene Meinung bilden“.
    ich sag nicht, daß ich im besitz der alleinigen wahrheit bin. wenn jemand ne andere sichtweise zu dem thema hat – bitte, dafür ist die kommentarfunktion ja da :)

  5. 5 pia 11. Oktober 2007 um 17:30 Uhr

    @miss taken identity: was findest du denn an dodos schreibstil „paternalistisch“? ich muss sagen, ich finde es sehr gut, wenn hier jemand ausführlich seine gedanken zu feminismus ausbreitet, gerade auch weil an anderer stelle in diesem blog wieder eine grundsätzlichere diskussion darüber ausgebrochen ist.
    so pauschalvorwürfe wie deinen kann ich hingegen nicht verstehen. vor allem bringt es ohne eine konkrete benennung dessen, was du jetzt paternalistisch findest, auch niemanden irgendwie weiter.

  6. 6 nonogender 13. Oktober 2007 um 0:25 Uhr

    „„Feministische Ideologie“ suggeriert Extremismus und Fanatismus.“
    tja meine mama hat schon immer so schön gesagt „extrem ist nie gut“ die begriffe sind doch ohne bezugspunkt total inhaltsleer(und deswegen verseht ich deine abgrenzung davon auch nicht ganz) -ist doch immer ne sache des standpunkts oder?

    und das hier versteh ich auch nicht ganz: „Patriarchy does not work for men – they go and get killed in wars.“ -was genau hat patriarchat mit kriegen zu tun?also theoretisch könnte es diese auch in nem matriarchat geben oder?

  7. 7 dodo 13. Oktober 2007 um 0:52 Uhr

    ja. und mein standpunkt in meinem post IST ja gerade eben, daß feminismus nichts „extremes“ ist.
    für ani difranco kann ich nicht sprechen aber so wie ich das interpretiere, hat das patriarchat durchaus was mit kriegen zu tun. das heißt ja nicht automatisch, daß ein matriarchat oder eine gleichberechtigte gesellschaft auf jeden fall 100% pazifistisch wären, aber das ist ja auch gar nicht der punkt.
    es geht darum, daß DIE kriege, die wir JETZT führen, in ihrer grundstruktur tief im patriarchat verwurzelt ist. mit der abschaffung des patriarchats kann man den zustand/die handlung „krieg“ natürlich nicht für alle zeiten eliminieren, aber krieg in der patriarchalisch geprägten form (so wie wir ihn jetzt kennen) funktioniert eben nur mit patriarchat.
    das wär jetzt so mal meine interpretation zu Anis aussage.

  8. 8 nonogender 13. Oktober 2007 um 2:42 Uhr

    ja und mein punkt war dass die aussage feminismus sei nichts extremes inhaltsleer ist.
    von einem islamistischen oder christlich-konservativen standpunkt aus ist der mainstream-feminismus(gleichberechtigung etc.) durchaus „extrem“. irgendwelchen matriarchatsbefürworterinnen dagegen geht der mainstream-feminismus viel zu wenig weit. genauso wie radikal(anarcho/queer/..)feministinnen -aber aus anderen gründen- den mainstreamfeminismus (z.b. die gleichstellungspolitik) verkürzt und daher wohl auch zu wenig „extrem“ finden.
    also hängt es vom standpunkt ab (und von der definition von feminismus) ob dieser als „extrem“ wahrgenommen wird oder eben nicht

  9. 9 dodo 13. Oktober 2007 um 2:57 Uhr

    natürlich hängt es vom standpunkt ab und ich hab hier halt mal meinen dargelegt und ein bißchen begründet, damit es nicht so „inhaltsleer“ ist.

  10. 10 nonogender 13. Oktober 2007 um 3:44 Uhr

    naja vielleicht versteh ich einfach nicht was dein punkt ist..du willst also sagen dass -bezogen auf die heutige deutsche gesellschaft – feminismus nix extremes mehr ist?
    das ist mir auch nicht klar
    „Aber ist die Gleichberechtigung von Menschen wirklich „Ideologie“ im heutigen Wortsinn? Gleichberechtigung ist meiner Meinung nach etwas, das eigentlich Normalität sein sollte.“
    wenn etwas normal ist, ist es doch trotzdem eine weltanschauung.es ist die weltanschauung der mehrheit und der einzige unterschied ist, dass es deswegen nicht weiter aus der reihe fällt.
    ich finds ja nicht so schlimm feminismus als weltanschauung zu bezeichnen und extrem(er) zu sein -und in die richtige richtung und im verhältnis zur mainstreamgesellschaft – find ich durchaus auch okay:)
    und irgendwie hat das letzte zitat meiner meinung nach schon so nen ziemlichen oldschool-touch, „peace and stability“ als weibliche attribute..

    außerdem find ichs irgendwie auch problematisch, wenn sich jede_r antisexistisch/feministisch nennt, ohne auch nur irgendeinen plan von der thematik zu haben. in der theorie zu checken, dass menschen nicht aufgrund ihres körpers etc. benachteiligt werden sollten, führt eben nicht automatisch zu antisexistischem/antirassistischem/… handeln. mensch kann sich wahnsinnig toll drauf ausruhen, ohne sich weiter reflektieren zu müssen: „nee, ich sexistisch?! ich bin doch antisexist“

  11. 11 mensch im mohn 13. Oktober 2007 um 15:36 Uhr

    Zur besseren Verständlickeit habe ich mal versucht, die beiden Zitate zu übersetzen. Selbstverständlich kann das jetzt durch meine Interpretation gefärbt sein, aber wers mit dem Englischen nicht so hat, kann das hier ja als grobe Orientierung nutzen, worauf sich der Text bezieht.

    Sie verwies darauf dass ihr Thema, dass abschätzig gegenüber dem Feminismus war, das Konzept einbeziehen könnte (?). Mitchell antwortete nur: „Ich bevorzuge die Gesellschaft von Männern.“ DiFranco schrieb weiterhin, dass „mensch entweder ein Feministin ist oder eine Sexist/Frauenhasser. Es gibt keinen Kasten namens ’sonstige‘.“

    Ich denke, was wir tun müssen, ist Feminismus als eine Voraussetzung zu verstehen, um die Umwelt zu retten, Krieg zu beenden, den Rassismus zu beenden. Wir müssen verstehen, dass Feminismus nicht für die Frauen ist, es ist für die Menschheit. Das Patriachat funktioniert nicht für Männer – sie ziehen in den Krieg und werden dort getötet. Das Patriachat schadet allen von uns. Weißt du (…) ich hasse es, wie so ein_e „verrückte_r Feminist_in“ zu klingen, aber (…) je älter ich werde, desto mehr verstehe ich Frieden und Stabilität als ein Ergebnis des Gleichgewichts, und die menschliche Gesellschaft ist von Grund auf unausgeglichen. Das Patriachat ist wie der Elefant in dem Zimmer über das wir nicht reden, aber wieso sollte es den Planeten nicht von Grund auf beeinflussen, wenn es der Überbau der menschlichen Gesellschaft ist?

  12. 12 dodo 14. Oktober 2007 um 1:18 Uhr

    naja vielleicht versteh ich einfach nicht was dein punkt ist..du willst also sagen dass -bezogen auf die heutige deutsche gesellschaft – feminismus nix extremes mehr ist?

    jein. ich will sagen, daß von meinem verständnis aus feminismus nichts extremes ist und – bezogen auf die heutige deutsche gesellschaft – feminismus nicht als extrem gesehen werden sollte, sofern es die gesellschaft denn wirklich ernst meint von wegen gleichberechtigung zwischen menschen, nichtdiskriminierung usw.
    ich meine – wie kann es sein, daß in einer gesellschaft, die von sich behauptet, diskriminierung nicht zu dulden, das wort „feminismus“ immer noch anrüchig ist und beim ottonormalmenschen als synonym für übertreibung in eine gewisse richtung steht?

    wenn etwas normal ist, ist es doch trotzdem eine weltanschauung.es ist die weltanschauung der mehrheit und der einzige unterschied ist, dass es deswegen nicht weiter aus der reihe fällt.

    schon klar, ich hab ja auch nichts gegen feminismus als weltanschauung. aber im heutigen wortsinn sind „weltanschauung“ und „ideologie“ eben nicht das gleiche,letzteres wort ist sehr negativ eingefärbt, siehe google-ergebnisse wie im text erwähnt. es gibt schließlich auch das wort „ideologieverblendet“ – im zusammenhang mit dem wort „weltanschauung“ finden sich weniger negative/herabsetzende attribute. das wort „ideologie“ hingegen geht meist im gebrauch richtung „übertrieben“ bis hin zu „verrückt“. es ist nicht das gleiche.
    zudem (das mag meine persönliche, von meiner ansicht geprägte anschauung sein) erschließt sich mir der sinn nicht, wenn etwas, das für gleichberechtigung steht als „extrem“ bezeichnet wird. das ist fast schon ein oxymoron, wenn du verstehst, was ich meine. entweder ist etwas gleich/ausgewogen oder eben extrem/übertrieben nach einer richtung hin. und wenn feminismus (de ja für gleichberechtigung kämpft) bzw. allein schon das wort als etwas negatives konnotiert wird, wenn gleichberechtigung in einer gesellschaft, die (ansonsten) von sich behauptet für ebendiese zu kämpfen, feminismus als extrem (also unausgewogen, übertrieben etc.) oder als ideologie (und dieses wort suggeriert bis zu gewissem grade irrationalität; gerade im zusammenhang mit feminismus wird das wort – meist nicht gerade von feminismusfreundlichen leuten – ideologie oft verwendet, weltanschauung nicht so oft!) bezeichnet wird (antirassismus wird ja auch nicht als „ideologie“ bezeichnet) – dann krieg ich einen knoten in meinem hirn, weil das für mich nicht zusammengeht.

    und irgendwie hat das letzte zitat meiner meinung nach schon so nen ziemlichen oldschool-touch, “peace and stability” als weibliche attribute..

    nö. im gegenteil, sie sagt ja ganz deutlich, daß peace and stability ergebnis einer balance sind. wenn sie das als „weibliche werte“ sehen würde, hätte sie wohl nicht von gleichgewicht gesprochen. „feministische werte“ vielleicht, aber feminismus mit weiblich gleichzusetzten… hmmm. so doof ist die nicht.
    ich glaub eher, sie meint damit die balance zwischen männlich, weiblich und was da sonst noch so rumschwirrt – was mir ehrlich gesagt sympathisch ist. :)

    außerdem find ichs irgendwie auch problematisch, wenn sich jede_r antisexistisch/feministisch nennt, ohne auch nur irgendeinen plan von der thematik zu haben. in der theorie zu checken, dass menschen nicht aufgrund ihres körpers etc. benachteiligt werden sollten, führt eben nicht automatisch zu antisexistischem/antirassistischem/… handeln. mensch kann sich wahnsinnig toll drauf ausruhen, ohne sich weiter reflektieren zu müssen: “nee, ich sexistisch?! ich bin doch antisexist”

    genau deswegen find ich den feministischen diskurs ja so wichtig, um aufzuzeigen, daß feminismus keine verblendete, übertriebene ideologie ist, sondern, daß die (auch unangenehmen) dinge (die man vllt nicht hören will) angehört und in der öffentlichkeit überdacht werden, die der feminismus bietet/kritisiert, und zwar ernsthaft statt es als „feministische ideologie“ in den bereich übertriebene empfindlichkeit abzuschieben.

  13. 13 nonogender 14. Oktober 2007 um 12:38 Uhr

    mh ich glaub wir haben einfach eine andere definition von dem „extrem“ (aber sich prinzipiell von „extremen/radikalen einstellungen“ abzugrenzen, ist manchmal eben auch ein reaktionärer diskurs meiner meinung nach. also egal, worum es geht, hauptsächlich nix sein/machen, was fundamental anders ist als der gesellschaftliche mainstream).
    „entweder ist etwas gleich/ausgewogen oder eben extrem/übertrieben nach einer richtung hin.“ – ich denke ja immer noch,es kommt auf den ausgangspunkt an und dieser müsste deswegen benannt werden. aber egal:)

    und sorry das zitat mit “peace and stability” hab ich falsch vestanden.. obwohl ich ja eher von geschlechterkonstrukten ausgehe, und daher balance zwischen männlichem weiblichen (was das dann auch immer sein soll..)auch nich so mein ding ist;)
    (aber vielleicht ist ihre aussage auch einfach die,dass es keine „balance“ gäbe, solange es solche machtstrukturen gibt?)

  14. 14 nonogender 14. Oktober 2007 um 12:40 Uhr

    ah ist mir gad nur noch eingefallen, weil es vielleicht erklärt was ich meinte mit ausgangspunkt im bezug auf den begriff „extrem“. zb. ist es ja nicht so dass nur „rechtsextrem“ scheisse ist, sondern „rechts“ ist auch nicht viel besser bzw. „ausgewogen“

  15. 15 planeten 15. Oktober 2007 um 16:04 Uhr

    Ich kenne einige dieser „Frauen sind besser als Männer-Feministinnen. Allerdings sind die auch deutlich jenseits der 50. Ich vermute daher, dass es sich um eine aussterbende Art handelt;-)

    Allerdings muss ich zugeben, dass Ani die Francos Zitate für mich persönlich – also das mit dem Patriarchat, der Umwelt und den Kriegen – arg in diese Schiene haut. Bloß weil die Gesellschaft in einem Punkt „besser“ wäre, heißt das noch lange nicht, dass sich auf einen Schlag alle anderen Probleme erledigen. Das halte ich für arg blauäugig.

  16. 16 kekskrümel 16. Oktober 2007 um 3:33 Uhr

    hi!

    also ich finde den diskurs über einen zu stärkenden feminismus richtig und wichtig. auch wenn dieser (der feminismus) „ideologisch“ aufgeladen wäre. was ich ideologisch finde und was nicht, ist immernoch eine subjektive einschätzung und ändert an der sache („gleichberechtigung“ erkämpfen/ herrschaftsverhältnisse angreiffen) erstmal nichts.

    allerdings erinnert mich das zitat von ani, zu sehr an die alten differenzfeminismus debatten, in denen den geschlechtskonstrukten männlich/ weiblich quasi „natürliche“ eigenschaften zugeschrieben wurden. so nach dem motto: „männlichkeit“: agressiv, natur zerstörend. „weiblichkeit“: ausgeglichen, in balance mit der natur. alleine schon die tatsche, das geschlecht nunmal gesellschaftlich konstruiert ist, führt diese position ad absurdum.

    ausserdem verschleiert das zitat von ani auch die tatsache, dass der ganze mist der in der welt passiert, nicht aus dem patriarchat abzuleiten ist, sondern auch mit der kapitalistischen produktionsweise, rassismus, sexismus, antisemitismus, nationalismus , etc. zusammenhängt. es gibt halt nicht nur einen „überbau der gesellschaft“. mensch kann meines erachtens, einzelne hersschaftsverhältnisse nicht unabhängig von ihrem gesamtgesellschaftlichen kontext betrachten. eine emanzipatorische feministische gesellschaftskritik, sollte das berücksichtigen.

    ABER!!

    wenn es sein muss, ist es meiner meinung nach aber durchaus legitim in der theorie abstriche zu machen, um den feminismus in der praxis, wie „extrem“, „radikal“ und „ideologisch“ auch immer, weiterzubringen.
    gerade vor dem hintergrund, dass so unglaublich viele menschen tagtäglich von der hegemonialen männlichen realität, direkt und konkret, betroffen sind.

  17. 17 dodo 16. Oktober 2007 um 12:58 Uhr

    so nach dem motto: “männlichkeit”: agressiv, natur zerstörend. “weiblichkeit”: ausgeglichen, in balance mit der natur.

    das sagt sie nirgends.

  18. 18 kekskrümel 16. Oktober 2007 um 22:37 Uhr

    hab ja auch nur gesagt, dass es mich an differenzfeminismus erinnert. und in dem geht es halt, abgekürzt dargestellt, um die gegenüberstellung der „falschen männlichen natur“ und der „richtigen weiblichen natur“.

  19. 19 Diotima 19. Oktober 2007 um 21:38 Uhr

    Ideologie heißt soviel Bewußtseinsverzerung einerseits; soll alles gleichmachen nach den herrschenden Gegebenheiten, Frauben haben keine andere Wahl als sich von dem idealistischen Denken der Männer, der Linie Eigentum und der Linie Rück-bindung-an (Re-ligion) zu befreien, es geht nichz um Teilhabe an der Macht, sondern prinzipiell Macht abzulehnen und die Männer dazu zu zwingen, den Krieg gegen das weibliche Geschlecht zu beenden
    Das männliche Denken ist einseitig, weil es das weibliche Denken, – das weibliche eigene Denken – nich aufnimmt insofern ist es auch keine Frage, wie der Feminismus zu bewerten sei, sonern was er ist. inn einer intoreranten Männergesellschaft muß es einen Feminismus geben, Ziel des Eigentumdenkens der Männer aber ist es, die Rückbesinnung der weiblichen Menschen auf eigene Möglichkeiten des Denkens und Urteilens zu ideologisieren. Eine Kriegstechnik.

  20. 20 Caroline-NL 27. Dezember 2007 um 15:05 Uhr

    Feministin ja oder nein ? Die Frage müßte ich mit „jein“ beantworten.

    Mit dem verstaubten EMMA Feminismus kann ich nicht viel anfangen.
    Mein Verständnis von Feminismus sieht eher so aus:

    http://www.ifeminists.net

    Ultraliberal, auch wilder Sexualität und Pornographie gegenüber aufgeschlossen, marktwirtschaftlich, eigenständig und individuell.
    Feminismus sollte sich nicht auf eine Führungsfigur konzentrieren, wobei ich Alice Schwarzers Kampf um Gleichberechtigung durchaus anerkenne. Wir haben ihr auch viel zu verdanken, im Bereich Pornographie/Sexualität sind die deutschen Feministinnen aber auf einem Irrweg. Leider wird – gerade in D – Feminismus immer mit „Männerhass“, „lustfeindliches Emanzentum“ usw. verbunden. Mir scheint der Begriff in D deshalb eher negativ besetzt zu sein, frau wird sofort in eine Schublade gesteckt. In den Niederlanden habe ich kein Problem, mich als Feministin zu bezeichnen, in D gehe ich damit lieber sparsam um.

  21. 21 XRay 08. Juli 2009 um 22:04 Uhr

    „…versteh ich bis heut noch nicht ganz, weswegen sich nicht jeder intelligente Mensch „FeministIn“ nennt, wenn er oder sie denn nun schon kein Sexist sein mag.“
    Angenommen ich sagte, ich sein FeministIn, dann würde ich Gelächter ernten, denn ich bin keine, schon deshalb nicht, weil ich ein Mann bin, oder mich zumindest dafür halte.
    Auch Feminist würde ich mich nicht nennen wollen, denn das würde bedeuten, dass ich versuchen würde überall, wo ich eine Schwierigkeit sähe, mir einzureden, dass es nicht an mir, sondern an meinem Geschlecht läge. Gläserene Decken müsste ich mir einbilden und patriarchale Strukturen.
    So bin ich nicht gestrickt.
    „Definitonsgemäß“ darf ich mich also vermutlich nicht zu den intelligenten Menschen zählen. Akademischer Titel hin oder her, das besagt ja nichts, nichtwahr, dafür muss ein Mann ja nicht intelligent sein im Patriarchat.
    Wenn die Verbreitung feministische Unfugs Intelligenz bedeutet, dann bin ich auch lieber doof.

    Grüß Gott
    oder von mir aus auch die Göttin.

  1. 1 Michas Ernährungsinfo Trackback am 15. August 2008 um 15:47 Uhr

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