Mann! Männlicher! Am Männlichsten?

Endlich ist es raus: David Beckham ist der männlichste Mann der Welt! Was Frauenzeitschriften schon seit Jahren klar ist, hat sich nun auch in Männermagazine Einzug gefunden: Die Online-Männerzeitschrift askmen.com hat ihrer Leser(!)schaft nach den „Top Men 2007″ gefragt und Antworten gefunden: David Beckham, Matt Damon, Timbaland sind die Elite der Männlichkeit.
Das wäre jetzt relativ unspannend, wäre da nicht die österreichische KURIER-Schreiberin Barbara Reiter, die heute eine ganze Seite benötigt, um sich über diese Wahl zu beklagen und zu zweierlei spannenden Aussagen kommt:

(1) „Ausgerechnet jener, tja Mann, der zur Ikone einer Strömung ernannt wurde, die Metrosexualität heißt, wurde nämlich zum Gewinner erkoren. David Beckham, an dem sein Fußball noch das männlichste von allem ist.“
‚Metrosexualität‘ scheint in den Augen Reiters eine Art Jugendbewegung unter (weißen, körperlich unversehrten; us-amerikanischen/euopäischen) heterosexuellen Männern in den Mittdreißigern zu sein, also eine organisierte Angelegenheit, keine Zuschreibung von Außen. Desweiteren scheint ebendiese (hier: Selbst-)Zuschreibung normative Männlichkeit in Frage zu stellen, obwohl sie doch gleichzeitig auf diese rekurrieren muss: Großstädtische, heterosexuelle Männer (wichtig: Familie oder mindestens eine gutaussehende Ehefrau!), die sich bestimmte Attribute ‚weiblich‘ konnotierter Lebensstilen aneignen und sich damit, oh weh, des Geschlechtsausdruckes schwuler Männer bedienen, waren in den 90ern ein Skandal, heute jedoch schon längst mit ihren Ausdrucksweisen normalisiert: Körperpflegeprodukte incl. Make-up für Männer haben Hochkonjunktur, die passende Jugendbewegung heißt ‚Emo‘, rosa ist längst modisches Must vom Gangstarapper bis hin zum Jurastudenten. Und an den gesamtgesellschaftlichen patriarchal organisierten Verhältnissen hat das einfach mal nichts geändert, oder? Barbara Reiter könnte sich eigentlich freuen: Metrosexuelle Männer sind heterosexuelle Männer, heterosexuelle Männer sind ud waren die Norm, Frauen, egal mit welchem Geschlechtsausdruck oder in welchem Begehren, haben diese trotz Glitzerspängchen längst nicht eingeholt, alles ruhig geblieben im patriarchalen Dschungel.

(2) Alles? Nein Barbara Reiter ist natürlich nicht so platt, dass sie einfach nur jammert – sie schlägt gleich einen würdigeren Mann aller Männer vor: Brad Pitt! Ja genau, der Typ, der doch eigentlich genauso aussieht wie David Beckham, der, welchen auch Wikipedia sorglos unter dem Stichwort ‚Metrosexualität‘ aufführt (wie können die es wagen!). Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Reiter begründet ihre Entscheidung völlig gelassen, dass Brad Pitt (obacht!) „selbst als Familienoberhaupt spielend sein sexy Image behält.“ Moment mal… Ich dachte, Reiter würde jetzt etwas anführen, wofür Beckham weniger bekannt ist? Ist der (Achtung Sarkasmus) effeminierte, ja, fast schon schwule Beckham nicht auch Vater dreier Kinder? Und überhaupt, Brad Pitt und Familienoberhaupt, wie kommt sie überhaupt darauf? Ging es bei ‚Brangelina‘ nicht immer darum, dass sie ‚die Hosen anhat‘? Geht es bei Angelina Jolie nicht immer darum dass sie engagiert und tough ist und ihren Ehemann dann gewissermaßen als ‚Anhängsel‘ mitbringt? Warum, liebe Frau Reiter, braucht Angelina Jolie ein ‚Familienpberhaupt‘, und: wie kommen Sie auf diese Aussage? Noch dazu, nachdem sie wenige Zeilen zuvor erklärt haben, dass metrosexuelle Männer doch eh zu nichts taugen?
Da versteh mal eine die Welt. Was tun, wenn Männlichkeit plötzlich so tut, als gäbe es das Patriarchat nicht? Und überhaupt: Von wegen die Welt ist männerdominiert, bei askmen sieht das ganz anders aus: Ließen sich nur klägliche 49 Leithammel ausfindig machen, kennt das Ranking der Top Women gleich 99 zentrale …ähm… Persönlichkeiten ihrer Art. Würde man Frau Reiter fragen, wäre die Erklärung sonnenklar: Frauen reißen die Weltherrschaft an sich, das ist die postfeministische Verschwörung. Harrr!


4 Antworten auf “Mann! Männlicher! Am Männlichsten?”


  1. 1 dodo 27. Oktober 2007 um 18:41 Uhr

    ich hab mich schon immer gefragt, wozu diese „wahlen“ denn bitte gut sein sollen…

  2. 2 Wolfskatze 28. Oktober 2007 um 18:31 Uhr

    Ich glaube ja, dass liegt daran, dass bei diesen Doppelnamen (wer kommt/kam eigentlich auf diese plöde Idee – das p ist übrigens Absicht) Brad Pitt vor Angelina Jolie genannt wird. Denn schauen wir uns mal einige berühmte Pärchen an, normalerweise wird erst der Mann genannt und dann die Frau.

    Ausnahme ist eben Maria und Joseph (ich möchte jetzt aber das zweite Paar nicht mit denen auf eine Stufe stellen) und Victoria und David Beckham. Vielleicht kann das ja nicht sein, dass sie irgendwo erste ist und er als Mann zweiter?

    Und wozu brauchen wir diese wahlen? Um uns schlechter zu fühlen?

  1. 1 University Update - David Beckham - Mann! Männlicher! Am Männlichsten? Pingback am 27. Oktober 2007 um 12:45 Uhr
  2. 2 University Update - Brad Pitt - Mann! Männlicher! Am Männlichsten? Pingback am 27. Oktober 2007 um 14:47 Uhr

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