Archiv für November 2007

25.11. – Tag gegen Gewalt an Frauen

Am 25.11. 1960 wurden die drei Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik als Oppositionelle gegen den Diktator Trujillo ermordet. Weltweit gedenken Frauenorganisationen seit 1981 (erstes Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen) ihrer an diesem Tag und nutzen ihn zugleich als Zeichen, ihre Anliegen in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen: die Ermöglichung, als Frau in Würde und ohne Gewalt zu leben. Weltweit finden zudem in vielen Städten „16 Aktionstage gegen Gewalt an Frauen“ (16 Days of Activism against Gender Violence campaign – 16 Days Campaign) statt, die seit 1991 den 25. November mit dem 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, verbinden. (mehr…)

Nachtrag: Transgender Day Of Remembrance

Seit 1999 wird der 20. November weltweit in transgender Communties als Gedenktag an und Hinweis auf Transgenderpersonen genutzt, die durch trans- bzw. polyphobe Gewaltverbrechen ums Leben kamen. Begonnen hat das kollektive Gedenken in San Francisco mit einer der 1998 ermordeten Rita Hester gewidmeten Gedenkveranstaltung. Heute finden weltweit Infotage, Demonstrationen, Filmabende oder Mahnwachen statt. Gemeint sind viele Verschiedene: transsexuelle, crossdressende, genderqueere Menschen – Opfer sind sie des gleichen Vorurteils: Transphobie. (mehr…)

Homophilie ist eine Strategie

Dass zwei Frauen in ihrem Stammlokal am Küssen gehindert wurden, veranlasste rund hundert Demonstranten am Dienstag zum kollektiven Schmusen gegen Diskriminierung. […]“Der Chef sei gerade da“, so der höfliche Hinweis, und „der hat halt was gegen Lesben und Schwule“. Das Paar möge mit ihren Liebesbekundungen „bitte aufhören“.

Verschiedene Wiener Initiativen und Zusammenschlüsse riefen zum kollektiven, homoerotischen Kiss-In im Café Merkur auf – fast 100 Menschen beteiligten sich an der friedlich und liebevoll verlaufenden Aktion. Der Lokalbesitzer Fayez Clache war nicht anwesend, verteidigt sich vor der Wiener Lokalpresse unverhohlen mit dem Klassiker: „Ich habe nichts gegen Lesebn und Schwule, aber…“ – die meisten Gemeinten wissen jedoch, was das konkret heißt: „Ich habe was gegen Lesben und Schwule, und zwar:…“. (mehr…)

Myspace und die Bilder


Katze Chantal: im Internet auf Katerjagd, ihre Hässlichkeit hinter einem „Myspace angle“ versteckend.

Myspace, das unbegreifliche Phänomen der neuen Internetgeneration. Man liebt es, man hasst es.
Was ursprünglich als Künstlerplattform anfing, ist jetzt oft Bühne für Selbstdarstellungen anderer Art. So weit, so gut.
Fast jeder kennt die „typischen Myspacebilder“, die Selbstporträts aus schiefen Blickwinkeln und Spiegelfotografien.
Alles nur ein Versuch, sich selbst zu knipsen von Leuten, die den Selbstauslöser nicht finden? Weit gefehlt.
Dahinter steckt eine Verschwörung gegen die Männerwelt.
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Politik in Großbritannien: Staat und Vergewaltigung

Frauen, denen sexualisierte Gewalt widerfahren ist, überlegen es sich in der Regel mehr als drei mal, Anzeige gegen den/die Täter1 zu erstatten. Neben der sehr persönlichen Involviertheit in machtvolle familiäre und soziale Strukturen kommt hinzu, dass juristische Mühlen nur langsam mahlen, die Betroffene2 davon auszugehen hat, dass ihre Geschichte vom Freund_innenkreis, der KriPo, der Staatsanwaltschaft grundsätzlich angezweifelt wird (dazu: Pathologisierung oder Versuche, der Klägerin eine Mittäterinnenschaft zu unterstellen), dass selbst wenn es zu einer Gerichtsverhandlung kommen sollte, die Wahrscheinlichkeit, dass diese aus „Mangel an Beweisen“ eingestellt wird, hoch ist. Kurzum: Ein sozialer wie auch juristischer Umgang mit Tätern wird nahezu verunmöglicht. Dem wollen, man höre und staune, britische Konservative entgegentreten und Fordern eine höhere Verurteilungsquote von Vergewaltigern, mehr Geld für Betroffeneneinrichtungen, die Vermittlung sexueller Konsensualität im schulischen Sexualkundeunterricht. (mehr…)

Was ist Pornografie?

Ich hatte diese Emma völlig vergessen, bis ich gerade über den Mädchenblog auf deren Seite geraten bin und so kam ich auf eine Kampagne, die mir bekannt vorkam- NoPorno!

„Nach der Definition von EMMA und ihren Mitstreiterinnen ist Pornografie ‚die Verknüpfung von sexueller Lust mit Lust an Erniedrigung und Gewalt. Darum also geht es. Nicht um Nacktheit. Auch nicht um Frivolität. Sondern um Erniedrigung und Gewalt, verknüpft mit Lust. Und um die Prägung ganzer Frauen- und Männergenerationen, die diesen Film – Sex gleich Erniedrigung und Gewalt – lebenslang nicht mehr loswerden. Auch Männern wird damit geschadet“.

Während Emma Porno per se mit Gewalt und Erniedrigung zusammenhängt, sehen in den USA und Kanada das einige Leute schon seit längerer Zeit anders und auch in Berlin gab es gerade eine Pornofilmfestival. Die Macher_innen beanspruchen für sich

„Unterhaltsam, horizonterweiternd, lustig, schamlos, verblüffend und sexy – das kann Porno sein. Das Berliner Pornfilmfestival zeigt, wie es geht, denn die Zeiten von unappetitlichen Vorführungen unmotivierten Geschlechtsverkehrs sind vorbei. Beim Pornfilmfestival kann man in entspannter Atmosphäre Erotik und Sex in künstlerisch-filmischer Umsetzung ganz schamfrei genießen. Öffentlich und entspannt, gemeinsam mit einem kommunikativen und modernen Publikum. Was Public Viewing und Fanmeile für den Sport, das ist das 2. Internationale Pornfilmfestival Berlin für den Sexfilm“.

Einiges davon ist lustig: so bastelten zum Beispiel schon 2004 in „Rasperry Reich“ eine Handvoll links-anarchistischer Terroristen in Berlin am gesellschaftlichen Umsturz. Ihr Programm: Eine Revolution ist eine sexuelle Revolution ist eine homosexuelle Revolution. Deshalb wird die homosexuelle Intifada ausgerufen und die dominante Anführerin Gudrun zB überredet ihre Hetero-Mitstreiter zu schwulem Sex – was diesen, man staunt, ganz gut gefällt. Um Geld zu erpressen wird der Sohn eines schwerreichen Industriellen entführt. Dumm nur, dass der Entführte eben sein Coming Out hatte, mit der Gruppe sowieso sympathisiert und von seinem Vater enterbt wurde. Was nun?

Deutsche Terrorismus der 1970er wird queer, die minimalistischen Bilder dazu liefern Radical Chic, Retro-Avantgarde und Porno. Die Provokation funktioniert, für Diskussionsstoff ist gesorgt.

„Sex gleich Erniedrigung und Gewalt – lebenslang nicht mehr loswerden. Auch Männern wird damit geschadet“. Mit dieser Gleichung haben die Emmas mal wieder viel zu kurz gegriffen…

Full Frontal Feminism

Wer bei diesem Buch Fachliteratur erwartet, wird enttäuscht, das sag ich gleich. „Full Frontal Feminism“ ist nichts allzu profundes und allzu tiefgreifende Analysen finden sich auch nicht.
Aber.
Für jeden, der sich mit Feminismus noch nicht sehr eingehend beschäftigt hat, ist es ein super Buch um damit anzufangen (allein schon wegen der ungezwungenen Sprache)! Und auch für Leute, die sich in ihrem FeministInnen-Dasein mal wieder bestätigt fühlen möchten (jaja, das braucht’s auch!) sowieso. Man kann es ganz unproblematisch im Bus lesen, es hat aber dennoch Substanz genug, dass man sich als Leser ernstgenommen fühlt.
Full Frontal Feminism
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Pressespiegel

Eine feministische Zeitschrift bringt ein Dossier zum Thema Internet, ein Online-Magazin macht ein Themenspecial zu Feminismus. In beiden Medien gibt es dabei jeweils einen Artikel zu feministischen Blogs. Dass deren Anzahl begrenzt ist, wird daran deutlich, dass beide Autor_innen unabhängig voneinander mehr oder weniger dieselben Blogs besprechen. So sind auch beide an uns herangetreten, und ja, nach reiflichen Überlegungen haben wir uns entschlossen, ihnen Antworten auf ihre Fragen zu geben. (mehr…)

GMX und das Konstrukt Zweigeschlechtlichkeit

Vorgewarnt von deterministischen Artikeln wie „Papa-Töchter suchen Partner nach Vater aus“ und „Schöne Paare bekommen eher eine Tochter“ las ich den gmx-Beitrag Geschlechterrollen unter der Lupe mit mehr als nur einer gehörigen Portion Misstrauen. Immerhin musste ich aber erstaunt feststellen, dass er in der Kategorie „Alltagsmythen“ aufzufinden ist und gleich schon unter dem Standartthema „Einparken“ mit Feststellungen wie

Rein biologisch gibt es keine Erklärung, warum Frauen schlechter einparken sollten als Männer. Allerdings eine psychologische: Wir denken uns in unsere Geschlechterrollen herein.

unerwartet glänzt. (mehr…)

„Hot Topic“ / Buchvorstellung

Seit einigen Tagen schon ist das Buch „Hot Topic – Popfeminismus heute“, welches von Sonja Eismann im Ventil-Verlag herausgegeben wurde, im Laden erhaeltlich! Das Buch ist vielmehr eine Anthologie(Textsammlung) vieler toller Autor_innen, welche ueber ihre persoehnlichen Erfahrungen und Erlebnisse zu Themen wie Schoenheits-Terror, Comming-out, Drag-Kings, FanZines, Abtreibung, Gender-trouble und beispielsweise HipHop schreiben!

„Hot Topic“ („brennende Themen“ – auch Titel eines gleichnahmigen hottopic ventil verlag coverSongs von Le Tigre) moechte erstens auf den (natuerlich) immer noch vorHERRschenden „Malestream“ hinweisen und weiter, queer-feministische Ansaetze & Theorien diskutieren und den Versuch starten diesen (auch) in unserer „Popkultur“ ein Forum zu geben.

Ist das F-Wort im deutschem Mainstream und gesellschaftlichen Bewusstsein immer noch eher negativ belegt und wird Feminismus mit Namen wie Alice Schwarzer und in der neuen Genaration hoechstens mit Charlotte Roche in Verbindung gebracht, gilt es eben diesem Terminus im Mainstream neue Inhalte bzw. wie schon geschrieben eine neue Plattform und Alternative zu geben.
Einen Raum in welchem Mensch sich oberflaechlich nicht nur zwischen „pornokompatiblem Pseudo-Empowerment der Pussycat Dolls und dem lahmen Gleichstellungsfeminismus buergerlicher Medien und Institutionen“ entscheiden kann, sondern auch etwas ueber die leider vielzusehr im verborgenen stattfindenen / herausgegebenen Ladyfeste, Riot-Grrrl-Zines, feministischen Zeitschriften, Drag-King Shows und feministischen Workshops erfaehrt.

Thematisch ist das Buch in Kategorien wie „Sexualitaet / Identitaet“, „Koerper“, „Medien & Arbeit“, „Aktivismus“, „Feminismus / Alltag“ und „Musik“ gegliedert; Autor_innen sind unter anderen Sarah Diehl, Pauline Boudry(„Rhythm King and her friends“) und Krawallmaedchen („Raeuberhoehle“).

Links:
-“Hot Topic“ auf der Seite Platickmaedchen.net von Sonja Eismann
-“Hot Topic“ bei Amazon.de (ISBN-13: 978-3931555757)

Dildo ist POP

Beatriz Preciado hat den Dildo in Mode gebracht, indem sie zeigte, welche historischen und sozialen Umstände die Produktion von Sex beeinflussten. Sie tut dies mit Hilfe einer Genealogie und stellt dar, wie der weibliche Orgasmus von unterschiedlichen Regimen beeinflusst wurde.

Einerseits mit Hilfe von Maschinen verhindert, andererseits mit dessen Hilfe erzeugt. Allerdings blieb er immer etwas, was nie der Frau selbst gehört, sondern immer das Ergebnis einer repressiven oder produktiven Technologie war.

Preciado analysiert diejenigen Dispositive, in denen Sexualität als „normal oder abweichend konstruiert“ (69) wird. Sexuelle Erregung und der Orgasmus sind demnach nachträgliche Produkte bestimmter sexueller Technologien. Diese bedienen sich einer asymmetrischen Aufteilung der Macht anhand der binären Aufteilung der Geschlechter. Bestimmte Körperteile werden im Rahmen dieser Technologie hervorgehoben, um daraus Signifikanten zu machen.

So bekommt der Penis die alleinige, privilegierte Position als mechanisches Zentrum der sexuellen Triebproduktion zugeschrieben.
Preciado bezieht sich dabei auf Foucault und dessen, in der Geschichte der Sexualität identifizierten vier großen Technologien (Hysterisierung des weiblichen Körpers, Pädagogisierung des kindlichen Sexes, Sozialisierung des Fortpflanzungsverhaltens, Psychiatrisierung der perversen Lust). Foucault selbst entwickelte jedoch nie eine Genealogie derjenigen Dispositive die auf Frauenkörper wirken.

In der Kontra- Sexualität wird die Dildotektonik zur Gegen-Wissenschaft, in der die Widerstandstechniken entwickelt werden. Es existieren keine vorgeschriebenen Kategorien, der ganze Körper wird zur Oberfläche, an der Sexualität stattfindet. Preciado zeigt an Hand von Zeichnungen in „Dildotopia“, dass Kopf, Bein, Arm, oder der ganze Körper zum Dildo werden können.

Die Folge ist die Auflösung der diskursiv entstandenen Zentren der Lust.

Sie grenzt sich, indem sie den Dildo in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen stellt, von denjenigen Feministischen Theorien ab, die diesen „Alien“ als Tabu sehen, da sie ihn mit dem Penis gleichsetzen und somit behaupten, der Dildo führt im lesbischen Sex die Heteronormativität weiter. Preciado stimmt dieser Theorie zwar zu, denn auch sie geht davon aus, dass in unserer Gesellschaft der Penis auch gleichzeitig Phallus ist, dennoch ist für sie der Dildo nicht automatisch mit dem Penis gleichzusetzen und gerade weil es für sie nicht gleichzusetzen ist, sieht in ihm den Befreiungsweg. “Wenn der Penis für die Sexualität das ist, was Gott für die Natur ist, macht der Dildo den Tod Gottes den Bereich der sexuellen Verhältnisse wirksam.“(66). „Er ist der Tod, der den lebenden Penis bedroht“(63) und Preciado macht diesen „Tod“ dadurch möglich, da sie den Dildo symbolisch auf den ganzen Körper überträgt.

Ebenfalls im theoretischen Teil des Manifestes analysiert sie zunächst den medizinischen Diskurs um die chirurgische Konstruktion von Geschlecht, der historisch maßgeblich von wenigen Personen beeinflusst wurde. Da Intersexuelle Personen die mechanische Arbeit auf dem „Operationstisch“ (Foucault) der Zuschreibungen stören, dem sich alle Menschen von dem Beginn des Lebens an unterziehen müssen, treffen Mediziner schnell die „notwendige Entscheidung“. Diejenigen Geschlechtorgane, die äußerlich nicht als „normal“, männlich angesehen werde, fallen in die Monstrosität der Weiblichkeit. Phalloplastik bleibt medizinisch nach wie vor ein fast nicht zu realisierender Eingriff, wohingegen weibliche Geschlechtsorgane relativ „einfach“ chirurgische hergestellt werden können, die „von „normalen“ Organen kaum zu unterscheiden sind“ (89). Spannend zu lesen dieses „Kontrasexuelle Manifest“ und irgentwie animiert es zum shoppen gehen und hat so den Dildo zu einem Teil der Popkultur gemacht!

„Wir“ sind nicht Deutschland

Die FAZ kündigt jetzt schon (sic!) das deutschnationale Abfeiern zur Frauenfußball-WM 2011 an. Dass ebendieses Szenario kein emanzipatorisches, frauenpolitisches Anliegen sein wird, deutet sich schon in der zitierten Floskel „Wiedersehen unter Freunden“ an, erste treffende Hinweise auf die Notwendigkeit eines rechtzeitiges feministisches Einschreiten zur Problematik von Frauen in der medialen Öffentlichkeit vs. Deutschland-Hype liefert der girlsetsfire-Blog am heutigen Tage. Ich lege euch den dortigen Beitrag hiermit an Herz.
Say it again and again: Germany – Never again!