GMX und das Konstrukt Zweigeschlechtlichkeit

Vorgewarnt von deterministischen Artikeln wie „Papa-Töchter suchen Partner nach Vater aus“ und „Schöne Paare bekommen eher eine Tochter“ las ich den gmx-Beitrag Geschlechterrollen unter der Lupe mit mehr als nur einer gehörigen Portion Misstrauen. Immerhin musste ich aber erstaunt feststellen, dass er in der Kategorie „Alltagsmythen“ aufzufinden ist und gleich schon unter dem Standartthema „Einparken“ mit Feststellungen wie

Rein biologisch gibt es keine Erklärung, warum Frauen schlechter einparken sollten als Männer. Allerdings eine psychologische: Wir denken uns in unsere Geschlechterrollen herein.

unerwartet glänzt. Auch die Feststellung, auf bestimmte Fragen gebe es keine „universelle Antwort“ lässt hoffen, dass wir hier bei dem_der Autor_in eine_n 1A-Konstruktivist_in vor uns stehen haben. Misstrauisch werde ich dann aber doch bei Ansagen über hormonbedingte Qualifikation für bestimmte Kompetenzen, doch leistet die_der Autor_in es sich nicht, daraus simple Schlüsse zu ziehen und weist in jedem Fall darauf hin, dass es dies bezüglich keine Absolutheiten gibt. Auch stellt sie_er fest, dass es „geschlechtsspezifische“ (im Sinne von Zweigeschlechtlichkeit) Unterschiede in der Orientierungsweise in Räumen gibt, diese jedoch kein Urteil von „besser“ und „schlechter“ zulassen.
Und dann: ist der Artikel plötzlich zu Ende. Keine Schlussfolgerung, keine Zusammenfassung nichts. Rein stilistische also so oder so eine Katastrophe – und inhaltlich?

Der_die Autorin organisiert die Welt klar nach 2 Geschlechtern, Männern und Frauen, und lässt keinen Zweifel daran, dass diese verschieden sind: Zwar wird eingeräumt, wir „dächten uns in unsere Geschlechterrollen hinein“, doch zieht der_die Autor_in daraus keine weiteren Schlüsse und verhindert der_dem geneigten Leser_in gewissermaßen, ebenfalls solche zu ziehen, denn im weiteren Textverlauf werden zunehmen biologische Faktoren angeführt, die unsere Fähigkeiten bestimmt oder möglicherweise beeinflussen. Was mir völlig fehlt ist das Fazit, das ich an dieser Stelle nach meinen Vorstellungen gestalten und nachholen möchte:

Wir denken uns in unsere Geschlechterrollen hinein und handeln danach, weil wir es mit unserem ersten Lebensschrei nicht anders lernen, weil wir von Anfang an erfahren, dass wir ohne Geschlechterrollen nichts „sind“, weil man uns glauben macht, weil alle glauben, dass es nicht anders „sein“ kann. Jeder Tag in unserer heterosexuell organisierten Kernfamilie, im Kindergarten, in der Schule, der Ausbildung, dem Job, jede Freundschaft, jeder Einkauf, jede Zeitschrift… machen uns klar, dass wir uns für „eine Seite“ entscheiden müssen, nein, das wir für eine Seite entschieden wurden, erklären uns, wie viel in unseren Möglichkeiten liegt und was wir ganz bestimmt nicht können und dürfen. Dann aber stellen wir fest, vielleicht auch nur über das Nachsinnen über so einen bescheuerten gmx-Artikel: An der Logik stimmt was nicht. Der unerschütterliche Glaube hinter allen Gemeinsamkeiten -und je genauer wir hinschauen, desto mehr entdecken wir- und den zahlreichen und doch so widersprüchlichen Unterschieden der angeblichen zwei Geschlechter, müsse es irgendwo mindestens einen minimalen, biologischen Unterschied geben, grenzt nahezu an verschwörungstheoretische Welterklärungskonzepte, die eines übersehen: wir sind nicht Marionetten einer übergeordneten Macht -hier Biologie-, wir handeln selbst. Und nicht anders scheint es mit Geschlecht zu sein, gerade in Anbetracht aller Gemeinsamkeiten und Möglichkeiten, die sich jedem Menschen letztlich auftun sein Aussehen, sein Auftreten, seine Lieben und sein Leben zu gestalten. Klar ist es nicht immer leicht, auszubrechen – aber es ist leicht sich und andere wieder und wieder darauf hinzuweisen, dass Zweigeschlechtlichkeit Bockmist ist: wenn es schon keine erklärens- oder nennenwerten Unterschiede, angefangen bei Einparkfähigkeiten und Orientierungssinn (siehe gmx) bis hin zu Körperlichkeiten1 gibt, warum nicht endlich konsequent, jeden Tag und mit jedem Atemzug darauf hinweisen, die im o.g. Artikel fehlende Konsequenz zu ziehen: Patriarchat is scheiße, Zweigeschlechtlichkeit is scheiße, wir können und wollen lieben wen wir wollen, arbeiten wo wir wollen, uns orientieren wie wir wollen und Mathe gut oder schlecht können ohne dabei auf eine unsichtbare „Macht“ Biologie verwiesen zu werden, von der wir nichts genaues wissen, die ständig in ihrer angeblichen Wahrheit Widersprüche produziert und uns dennoch als aller Weisheit Ende vorgesetzt wird.

Fuck gender! Patriarchalen Zuständen entgegentreten!

  1. ich spiele hier auf die biologische und medizinische Feststellung an, dass der geschlechtliche Formenreichtum des Menschen mit zwei Geschlechtskategorien nicht adäquat erfasst werden kann. Gerade auch im Zuge der zunehmenden Politisierung der Intersex-Bewegung (wobei es sich eben auf weit mehr als auf sogenannte „Intersexualität“ bezieht!) kam dazu zur Forderung: Jede_r ihr_sein Geschlecht! [zurück]

17 Antworten auf “GMX und das Konstrukt Zweigeschlechtlichkeit”


  1. 1 pia 05. November 2007 um 15:23 Uhr

    gmx war hier im letzten jahr übrigens auch schon zweimal thema: einmal ging es um den „traumfrau-check“ und einmal um „frauen-macken“. das spielte sich allerdings beides auf noch niedrigerem niveau ab …
    aber schön geschrieben, deine kritik und dein fazit, da habe ich ansonsten auch nichts mehr hinzuzufügen.

  2. 2 only aa but xxx 05. November 2007 um 15:50 Uhr

    hm,

    das klingt in dem beitrag und vorallem in dem nach deinen vorstellungen gestalteten „fazit“ ein wenig so, als sei die frage des konstruierten geschlechts eine sache aus dem man per entscheidung aussteigen könnte, und wenn du schon so dekonstruktivistisch daherschwätzt, dann sollte dir doch bewusst sein, dass es damit keinesfalls getan oder das überhaupt möglich ist. (innen/außen im diskurs…)

    und „bockmist“ ist wohl nicht die argumentation, aus der heraus zweigeschlechtlichkeit abzulehnen ist. es ist ja auch nicht einfach die falsche entscheidung und könnte auf dem boden dieser gesellschaft auch einfach anders gemacht werden, weil das ist nämlich tatsächlich bockmist. „wir“ können eben nicht lieben wen wir wollen, also ich habe mir das zum beispiel noch nie raussuchen können; unter kapitalistischen vergesellschaftungsformen kann niemand arbeiten wo er will, außer er baut sich einen haufen ideologie aus, wie die autoren von „wir nennen es arbeit“.
    und meine sexuelle orientierung, abschließend, konnte ich mir auch nicht aussuchen. und dabei geht es allen menschen die ich kenne ähnlich. „entscheiden“ kann man sich da immer nur falsch.

    ich verstehe nicht, was du meinst, wenn du feststellst, dass die biologie widersprüche produziert. das hätte ich gerne genauer erklärt um meine schlüsse ziehen zu können…

  3. 3 st_eve 05. November 2007 um 16:07 Uhr

    hi only,

    deine kritik ist auch meine kritik an meinem eigenen text. es klingt tatsächlich ein bisschen so, als wäre die bloße feststellung eines zustandes ein freifahrtschein für das bedingungslose aussteigen aus ebendiesem. das wollte ich damit nicht sagen, ich kann mich nicht von dem system in dem ich lebe freisprechen, solange ebendieses wirksam ist. letztlich ist der verweis des „entgegentretens“ einer darauf, dass es eben eine entscheidung des „aufhörens mit“ nicht notwendigerweise wirksam ist bzw. sehr wahrscheinlich eben keine „befreiung“ darstellt, sondern im versuch mündet, zuständen entgegenzutreten. ich wollte mit dem text auch keine umfassende gesellschaftskritik formulieren, ich arbeite einen kleinen aspekt heraus, ja, das produziert nuneinmal leider verkürzungen, stimmt schon. ich wollte es einfach halten.

    zu den widersprüchen: „biologie“ nenne ich eine wissenschaftliche perspektive auf die dinge, die „leben“, in diesem fall subjekte, menschen. ich gehe damit davon aus, dass alle aussagen die wir treffen von den gesellschaftlichen regeln und normen in und nach denen wir leben überformt sind. so geht eine bestimmte perspektive der biologie eben zB von zweigeschlechtlichkeit aus und stellt aber doch immer wieder fest, dass das ein kategorisierungssystem ist, das nicht funktioniert, eben systemimmanente widersprüche produziert, siehe fußnote. widersprüche funktionieren ja letztlich nur, wenn sie gegen etwas antreten. letztlich meinte ich, dass ein an objektivität und logik (auch im sinne konkret normierter begriffe) orientiertes regelsystem biologie erscheinungsformen des lebens nie adäquat erfassen kann und so immer an seine grenzen stößt. das führt aber bislang eher seltener dazu, dass die definitionsmacht von biologie über zweigeschlechtlichkeit in frage gestellt wurde.

    beantwortet das in etwa deine fragen?
    lg, st_eve

  4. 4 only aa but xxx 05. November 2007 um 16:21 Uhr

    die biologie geht von zweigeschlechtlichkeit aus?
    das würde ich anders sehen, da die biologie beispielsweise sehr wohl hermaphroditen kennt. machst du da die biologie evtl. für etwas verantwortlich, was sie gar nicht macht. ist das, was dein problem ist, nicht eher der biologismus?

    generell stellt sich bei mir das problem, dass durch deinen versuch, das „einfach zu halten“ du die sache immer mehr verkomplizierst. es geht bei geschlechterkritik immer um komplexe gesellschaftskritik (sie ist sogar komplexe gesellschaftskritik und sonst nix), sonst wird sie im günstigsten falle dumm, aber eher gefährlich (siehe oben). hier wird es jetzt noch schlimmer, wenn du völlig faktenresistent der biologie unterstellst keine zwitter, keine eingeschlechtlichen tiere und keine hermaphroditen zu kennen.
    in diesem themenkomplex gibt es auch keine kleinen aspekte, die man isoliert herausarbeiten kann. dieses unterfangen würde eventuell gelingen, würdest du dich bemühen begriffe zu verwenden und nicht einfach irgendwelche wörter, aber dann müsste man auch kohärent kritisieren, sich mit dem gegenstand auseinandersetzen, und und und…

    aber das ist dann nicht mehr einfach, wie eben die verhältnisse, die zu kritisieren sind, es nicht sind.

  5. 5 st_eve 05. November 2007 um 16:42 Uhr

    :d/ okokok „die biologie“ ist ein schwieriges wort, vielleicht könntest du statt zu meckern und mich als „dumm“ zu bezeichnen, auch mal „kohärent kritisieren“…
    ich beziehe mich in der regel auf menschen, nicht auf einzeller. und in bezug auf diese wird alles andere als „vielfalt“ gelehrt. vielleicht hast du das ja mal in nem bioseminar gehört, aber hat dir das auch dein_r biolehrer_in gesagt? rekurriert ein gmx-artikel darauf? und: letztlich bezieht sich der begriff „hermaphrodit“ doch auch wieder auf zweigeschlechtlichkeit oder nicht?

    der mädchenblog ist für mich auch der versuch, komplexe sachverhalte auf kommunizierbare sätze herunterzubrechen. ich habe keinen anspruch wahrheiten zu verbreiten und freue mich dementsprechend sehr über deine kritik, da sich mich in diesem anliegen weiter bringt. ich würde mich halt freuen, wenn du nicht so tun würdest, als wäre es mein anspruch alles richtig zu machen bzw. wenn du dich nicht so inszenieren würdest, als wüsstest du was richtig(er) ist, wenn du doch gleichzeitig mir ebendiesen vorwurf machst und auf die sinnlosigkeit eines solchen anliegens verweist…

  6. 6 pia 05. November 2007 um 16:44 Uhr

    @only aa but xx:
    dein anliegen scheint ziemlich konträr zu dem zu liegen, was parallel gerade an anderer stelle in diesem blog diskutiert wird … das heißt natürlich nicht, dass hier gar kein wert mehr auf exaktheit gelegt werden soll, aber wenn st_eve versucht, hier an einer neuen sprache zu arbeiten, finde ich es schade, wenn du den vorwurf erhebst, nicht die „richtigen“ begriffe zu verwenden.
    außerdem schreibt st_eve auch von einer „bestimmte[n[ perspektive der biologie“ und behauptet keineswegs, dass die biologie keine hermaphroditen kennen würde.

  7. 7 dodo 05. November 2007 um 17:01 Uhr

    können wir uns einfach drauf einigen, daß biologie (im sinne von „natürliche ordnung“) sehr wohl logisch ist, die interpretation/erforschung derselben, biologismen und „pop-biologie“ eben nicht (immer)? dann müßten wir doch auf einen nenner kommen.:)

    ansonsten ist der artikel (also der gmx-artikel) hmmmja… alllenfalls ein schrittchen in die richtige richtung. aus den von dir genannten gründen.
    ich beispielsweise habe bei diesen rotationstests immer extrem gut bis fehlerfrei abgeschnitten (egal ob ich menstruiert habe der nicht!!). was wohl weniger mit meinen hormonen zu tun hat, als daß ich als kind aufm atari stundenlang blockout gespielt hab (kennt das noch wer??? das war super! sowas wie 3D-tetris!).
    oder das mit dem orientierungssinn (männer orientieren sich „geometrisch“, frauen an kirchen und bäumen etc.): das gmx-fazit ist, beide orientieren sich gleich gut, aber unterschiedlich. klingt wieder verdächtig nach barbara und allen pease. und stimmt so eben überhaupt nicht. das klingt, wie wenn frauen dazu verdammt wären, sich immer nur an gebäuden zu orientieren.
    mach ich beispielsweise nicht.
    das hat wohl auch viel mit erziehung zu tun. um mal das klischee zu bemühen (und das ist allerorts noch allzu lebendig!): jungs spielen als kinder im wald, bauen hütten, erkunden die welt mit dem fahrrad undundund. während das für mädels „viel zu gefährlich“ ist und diese höchstens ne bude im garten bauen dürfen oder gleich mit barbies spielen.
    so, und wer von den zweien entwickelt wohl den besseren orientierungssinn/das bessere räumliche vorstellungsvermögen, hmmm? das kind, das draußen rumstreunert, oder das, das sich schön in nähe vom haus aufhält?
    eben.

  8. 8 Henry 05. November 2007 um 20:14 Uhr

    Ich denke man sollte sich in keinster Weise davon beeindrucken lassen, was die Biologie für einen bereit hält. Im Endeffekt ist es völlig egal, ob und wie sich das einzelne Individuum entwickelt, wenn es das wenigstens überhaupt tut.

    Auch kann man der Menschheit keinen direkten Vorwurf dafür machen, dass sie das, was sich über so viele tausende von Jahren hin herausgebildet hat, als Standard für ihr System der Biologie benutzt. Ich denke daher, dass man das System an sich nicht kritisieren sollte, sondern die Vorstellung davon, dass eine Abweichung davon gleichzeitig auch eine Art Krankheit darstellt.

    Wir können nun einmal nicht abstreiten, dass uns eine gewisse Aufgabe mit der Geburt zu teil wurde. Männlich und weiblich sind daher keine vorgegebenen Rollen, die man einhalten muss, sondern einfach die klassische Bezeichnung für eben die mögliche Funktion, die aus der Biologie hervorgeht.

    In Bezug zum Artikel fehlt mir irgendwie etwas. Das Ganze wirkt so, als ob der Autor einfach nur irgendwas über die Geschlechterrollen schreiben wollte, jedoch keinen richtigen Ansatz hatte und niemanden beleidigen wollte.

  9. 9 w 05. November 2007 um 20:22 Uhr

    on topic, aber off topic diskussion:

    gmx ist unglaublich scheisse. diese artikel mit tollem wissen, besser gesagt: gerücht, über geschlecht („auf was frauen wirklich stehen“, „wann ist ein mann ein mann“) gab es meiner erinnerung nach noch nicht immer, aber seit ca. einem jahr ist man als gmx-user_in einem dauerbeschuss ausgesetzt. meistens kommen sie absolut reaktionär daher, nur noch unterboten von diskussionen auf nazi-boards oder in graffiti-foren (wo „können frauen sprayen?“ eine beliebte fragestellung ist).
    interesanterweise sind manchmal artikel darunter, die zumindest auf den ersten blick sympathisch erscheinen. zb eine anleitung für frauen zur analen stimulation von männern, deren pendant zum g-punkt in dem text an der prostata verortet wurde, die auch sehr ‚tabulos‘ gehalten war.
    wahrscheinlich dienen solche lockerungsübungen aber eher dem beweis der flexibilität, mit dem man dann übertüncht, dass man eigentlich immer noch der alten geschlechterpolarität der uncoolen großeltern und urgroßeltern anhängt.

  10. 10 Henry 05. November 2007 um 22:43 Uhr

    Mein anderer Beitrag wurde vom Spam-Filter geschluckt, deshalb hier noch einmal.

    Ich denke man sollte sich in keinster Weise davon beeindrucken lassen, was die Biologie für einen bereit hält. Im Endeffekt ist es völlig egal, ob und wie sich das einzelne Individuum entwickelt, wenn es das wenigstens überhaupt tut.
    Auch kann man der Menschheit keinen direkten Vorwurf dafür machen, dass sie das, was sich über so viele tausende von Jahren hin herausgebildet hat, als Standard für ihr System der Biologie benutzt. Ich denke daher, dass man das System an sich nicht kritisieren sollte, sondern die Vorstellung davon, dass eine Abweichung davon gleichzeitig auch eine Art Krankheit darstellt.
    Wir können nun einmal nicht abstreiten, dass uns eine gewisse Aufgabe mit der Geburt zu teil wurde. Männlich und weiblich sind daher keine vorgegebenen Rollen, die man einhalten muss, sondern einfach die klassische Bezeichnung für eben die mögliche Funktion, die aus der Biologie hervorgeht.
    In Bezug zum Artikel fehlt mir irgendwie etwas. Das Ganze wirkt so, als ob der Autor einfach nur irgendwas über die Geschlechterrollen schreiben wollte, jedoch keinen richtigen Ansatz hatte und niemanden beleidigen wollte.

  11. 11 illith 06. November 2007 um 3:54 Uhr

    sorry, falls das möglicherweise etwas offtopic geht, aber ich muss es loswerden^^:

    das hat wohl auch viel mit erziehung zu tun. um mal das klischee zu bemühen (und das ist allerorts noch allzu lebendig!): jungs spielen als kinder im wald, bauen hütten, erkunden die welt mit dem fahrrad undundund. während das für mädels “viel zu gefährlich” ist und diese höchstens ne bude im garten bauen dürfen oder gleich mit barbies spielen.
    so, und wer von den zweien entwickelt wohl den besseren orientierungssinn/das bessere räumliche vorstellungsvermögen, hmmm? das kind, das draußen rumstreunert, oder das, das sich schön in nähe vom haus aufhält?
    eben.

    solchartige beispiele führte ich früher auch öfter in gender-diskussionen (zb mit meiner mutter^^) an. aber dann ging mir mal auf, dass man solche aussagen (die vermutlich aus der 2. frauenbewegung stammen…?!) immer mal wieder auf ihre gesellschafltiche aktualität bzw. richtigkeit überprüfen muss.

    denn ich frage mich, ob die heutige situation da mittlerweile nicht evtl. ganz anders aussieht?! these: jungs hocken stumph vor PC und konsole ab während mädchen sport machen, instrumente spielen lernen etc..
    was meint ihr dazu?

  12. 12 tee 06. November 2007 um 4:16 Uhr

    soo stumpf ist das vor‘m pc hocken nur nicht. diverse strategiespiele trainieren durchaus auch abstraktes denken, mathematik und sogar soziale kompetenzen (kaum zu glauben, aber wahr) in nicht unbeträchtlichem masse …

    aber du hast schon recht, das sollte neu bewertet werden.

  13. 13 st_eve 06. November 2007 um 9:26 Uhr

    @henry:

    Das Ganze wirkt so, als ob der Autor einfach nur irgendwas über die Geschlechterrollen schreiben wollte, jedoch keinen richtigen Ansatz hatte und niemanden beleidigen wollte.

    kannst du das noch ein wenig genauer erläutert? ich verstehe nicht worauf du hinaus willst bzw gegenfragen: wen sollte ich denn beleidigen wollen? was glaubst wäre ein sinnvolles Ziel, auf dass ich hätte „hinaus wollen“ können?

    @ illith und tee:
    finde tees einwand sinnvoll, möchte aber auch nochmal in bezug auf die generation, die NICHT computer spielte betonen: so sehr das auch imme rhervorgehoben wird von weiblich sozialisierten menschen – ich glaube mittlerweile es ist überhauptnich unnormal/außergewöhnlich gewesen, dass mädchen jungsspiele gespielt haben und zeitweise viel mehr raufen wollten etc. ich stelle immer fest, dass das als argument für den erwachsenen status-quo als „irgendwie anders“ gewählt wird, frage mich aber zunehmend, ob das wirklich so als sinnzusammenhang dasteht. auch wenn diskursiv erzeugt wird „mädechen: rosa“, „jungs: braun (schlamm, matsch)“ ist es doch den meisten mädchen gesellschaftlich möglich jungsspiele zu spielen und wild zu sein (zumindest temporär). viel komplizierter wird es, wenn jung mit barbies spielen möchten, oder?
    was meint ihr?

  14. 14 dodo 06. November 2007 um 14:02 Uhr

    ich hab keine ahnung, aus „welcher frauenbewegung“ das beispiel stammen könnte; das war meine eigene überlegung.
    und ich wollte auch keinesfalls damit sagen, daß dies der einzige grund sein soll, sondern eben nur ein möglicher grund.
    sicher ist es inzwischen auch möglich, „jungsspiele“ zu spielen für mädchen, aber zum teil eben nur in begrenztem ausmaße. soweit meine persönlichen beobachtungen, was zumindest die kinder aufm land angeht. mir wars auch möglich, im wald baumhäuser zu bauen, aber den meisten von meinen freundinnen eben nicht. war halt ein persönliches beispiel.
    daß da noch zig andere faktoren mit reinspielen, ist eh klar.
    wie es mit der „heutigen, am computer spielenden jugend“ aussieht und wie sich das entwickelt muß eh erst noch beobachtet werden. die ganzen psychologischen tests werden ja mit erwachsenen gemacht und nicht mit den kindern, die jetzt im moment noch in der entwicklung stecken. vielleicht sehen deren tests später mal ganz anders aus?

  15. 15 only aa but xxx 06. November 2007 um 14:47 Uhr

    @st_eve:
    ich habe nicht dich, sondern deine argumentation dumm genannt, das ist ein unterschied ums ganze.
    ich besuche mangels abitur keine bio-seminare, von daher kann ich dazu wenig sagen. aber meiner meinung nach kann man die biologie, als wissenschaft, nicht für den biologieunterricht an schulen verantwortlich machen. genausowenig wie man der germanistik jene verbrechen, die als deutschunterricht firmieren, vorwerfen darf. schullehrpläne haben erstmal gar nix mit wissenschaft zu tun, also sollte die kritik auch nicht auf diese abzielen.
    was kritisiert gehört ist, dass über die biologische kategorie, die man wohl als „sex“ kennt, auf eine gesellschaftliche, die man als „gender“ kennt, geschlossen wird. nach dem motto gender follows sex. das widerum ist aber ein gesellschaftliches und kein problem der naturwissenschaften.
    im übrigen versuche ich mich nicht so zu „inszenieren“ „als wüsste“ ich „was richtig(er) ist“, genausowenig, wie ich dich dumm genannt habe. vielmehr weiß ich, und habe es versucht zu zeigen, was falsch ist. (negativität; schon mal gehört, oder?)

    @pia:
    mir war nicht ersichtlich, dass st_eve an „einer neuen sprache“ arbeitet. sollte sie das tsächlich tun, sind die inhaltlichen einwände, die ich hatte, darauf auch nicht zu beziehen. unter stilistischen gesichtspunkten finde ich den text noch deutlich schlimmer als inhaltlich. jedoch hatte ich das hier nie als literaturwissenschaftliches projekt gesehen.
    „schade“ finde ich es, dass entgegen deinem vorwurf, st_eve nicht die „falschen“ begriffe verwendet, sondern keine. denn damit schafft man eben keine „kommunizierbare“ sprache, sondern einen wörterberg, den eine jede für sich verstehen kann. also jede kommunikation über den inhalt vorsätzlich verhindert wird.
    es passiert also genau das, was ich in den beiden obigen kommentaren versucht habe zu problematisieren.

  16. 16 st_eve 06. November 2007 um 15:16 Uhr

    hm only, irgendwie wirfst du jetzt auch die dinge durcheinander.
    also:
    - dass von sex auf gender geschlossen wird ist ein altbekanntes, vielzitiertes problem. das kannst du gerne kritisieren, würde ich dich auch jederzeit drin unterstützen. ich wollte aber auf die ebene gehen, dass selbst „sex“ eine gesellschaftlich überformte kategorie ist.
    - ja, wir haben alle schon festgestellt, dass es schwierig ist mit den begriffen, mich einschließlich. aber eben darum würde ich sagen:
    - naturwissenschaftliche probleme SIND gesellschaftliche probleme und auch wenn biologie oder meinetwegen auch medizin als akademische elfenbeinturmwissenschaft schon längst festgestellt hat, dass menschliche körper sich nicht auf 2geschlechtlichkeit zuschneidern lassen, ist davon noch NIX in irgendwelchen nicht-akademischen ausdrucksformen ebendieser wissenschaften angekommen. es hilft ja auch nichts, jede wissenschaft aufs blut zu verteidigen, nur weil auch poststrukturalistische ansichten darin irgendwo vertreten werden, nicht? mir ging es um das, was im nicht-akademischen meinungsbild ankommt.

    last but not least ein vorschlag, der diese ganze diskussion erleichtern würde: meld dich doch als autor_in hier an und verfasse einen text, der möglichst niedrigschwellig und deinem sehr umfassenden anspruch gerecht, die konstruktion von zweigeschlechtlichkeit thematisiert ohne auszuufern. das fände ich saustark.

  17. 17 Henry 06. November 2007 um 16:17 Uhr

    @st_eve: Es geht nicht um dich, sondern um den angesprochenen Artikel bei GMX. Das zweite war, dass der Autor dieses Artikels sich einfach nur auf ein paar ohne Hintergrund herausgewühlte Forschungsergebnisse (ohne Quelle) verlässt. Es scheint demnach so, als ob der Autor keinen richtigen Ansatz gefunden hätte und anstatt eine vielleicht fehlerhafte Meinung zu verbreiten und damit jemanden zu beleidigen, einfach einen mittelmäßigen Artikel geschrieben hat.

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


vier × zwei =