Pressespiegel

Eine feministische Zeitschrift bringt ein Dossier zum Thema Internet, ein Online-Magazin macht ein Themenspecial zu Feminismus. In beiden Medien gibt es dabei jeweils einen Artikel zu feministischen Blogs. Dass deren Anzahl begrenzt ist, wird daran deutlich, dass beide Autor_innen unabhängig voneinander mehr oder weniger dieselben Blogs besprechen. So sind auch beide an uns herangetreten, und ja, nach reiflichen Überlegungen haben wir uns entschlossen, ihnen Antworten auf ihre Fragen zu geben.

Seit einigen Tagen schon in der Printausgabe (das Genderblog berichtete bereits), ist der Emma-Artikel „Hier bloggen wir!“ von Susanne Patzelt seit gestern auch online verfügbar. Über das Mädchenblog heißt es da:

Gewaltig genervt von Parolen der Jugendmagazine wie „Mit sexy Outfit den Traumtyp angeln!“ oder „Stars tricksen auch! Wie du dich größer, fitter und schlanker schummeln kannst“ waren die AutorInnen vom Mädchenblog, einem queer-feministischen Weblog, das sich vor allem an Jugendliche richtet.

„Wir verstehen uns als Gegenpol zu Mädchenzeitschriften“, sagt Pia, eine von rund 25 aktiven AutorInnen, die jene Jungs-müssen- dies-machen-und-Mädchen-sollen-so-sein Mantras strikt ablehnen. „Wir wollen unseren eigenen Weg finden, als Junge, als Mädchen, als Mensch, der sich irgendwo dazwischen wiederfindet.“

„Mädchenblog“ ist eigentlich eine abfällige Bezeichnung für Blogs, die Männer für Mädels einrichten, weil die es technisch nicht draufhaben. Die Mädels tippen dann Geschichtchen über Ponyhöfe und Freundschaftsbändchen und stellen sie ins Internet, während sich die Netzkultur darüber lustig macht. Die Mädchenbloggerinen spielen dieses augenzwinkernde, ironische Spiel mit den gängigen Vorurteilen. Sie treten frech und selbstbewusst auf, provozieren bewusst und demontieren mit Witz und Kampfgeist die gängigen Geschlechterrollen.

Ihre Beiträge sind politisch und sie vertreten einen ähnlichen Ansatz wie das Genderblog. Doch ihre Inhalte sind weniger akademisch und oftmals persönlicher. Konsequenterweise legen die MädchenbloggerInnen sehr großen Wert auf ihre Anonymität. „In Zeiten, in denen ArbeitgeberInnen Informationen über MitarbeiterInnen oder BewerberInnen im Internet suchen, muss man sich schützen, wenn man zum Beispiel frei über seine Sexualität schreibt.“

Eine Autorin, die sich schlicht „sie“ nennt, beschreibt in „Niemand ist sicher“, wie ihr „erstes Mal“ mit einem Mann zugleich ihre erste Begegnung mit sexualisierter Gewalt wurde, die sie gerade noch abwehren konnte. Ihr Artikel gehört zu den Blogeinträgen mit den meisten Kommentaren. Denn die heile Welt der Mädchen und Jungen in Bravo und den Eva-Prinzipien zeigt im Real-Life Risse. Und diese Risse finden im Netz eine Öffentlichkeit.

Die Illustrationen vom Mädchenblog, die eine_r von uns praktisch auf Bestellung angefertigt hatte, hat die Emma übrigens kommentarlos nicht abgedruckt. Das finden wir ziemlich dreist, eine Entschuldigung oder Erklärung hätte wenigstens drin sein können, wenn man schon Leute ohne Geld arbeiten lässt. Nein, nein, das ist nicht der Feminismus!

Seit heute steht nun auch der fluter.de-Artikel „Emma Reloaded?“ von Haidy Damm im Netz. Darin steht über uns:

„Egal, ob du dich als Mädchen fühlst oder nicht, herzlich willkommen beim Mädchenblog!“ (http://maedchenblog.blogsport.de) Hier schreiben über zwanzig Autoren/innen über Themen wie Körper, Beziehungen, Sexualität und Freundschaft sowie Psychologie, Pop- und Subkultur, Politik, Schule und Ausbildung. Das Gemeinschaftsprojekt sieht sich als Antwort auf das, was „normale“ Jugend- oder Mädchenzeitschriften immer predigen. Über 50.000 Besucher/innen hatte das Weblog im vergangenen Jahr. Die Autoren/innen haben überwiegend übers Internet zusammengefunden. Eine von ihnen ist Dodo. „Feminismus heißt, zu merken, dass in der Gesellschaft die Geschlechter verschieden behandelt werden, das zu analysieren und was dagegen zu tun“, erklärt die Bloggerin, die schreibt, wann immer sie etwas Interessantes entdeckt. Voll-Nuß dagegen hat sich erst vor kurzem beim Mädchenblog angemeldet. Sie fand es über einen Aufkleber in der Uni-Toilette. „Für mich ist das eine Chance, mich mit Gleichgesinnten, egal welchen Geschlechts, über Feminismus und Genderfragen auszutauschen“, beschreibt die 21-Jährige ihre Motivation.

Während die einen Zeit mit dem Schreiben verbringen, hat die Administratorin, die das Mädchenblog verwaltet, mehr regelmäßige Arbeit, sitzt durchschnittlich ein bis zwei Stunden täglich vor dem Rechner. „Heute sind es schon mehr als drei Stunden, aber es gibt auch Tage, da gucke ich nur kurz, ob es was Neues gibt.“ Mal ist das Neue ein Text über David Beckham, der zum „männlichsten Mann der Welt gekürt wurde“, mal der „Kotzbrocken des Monats“. Oder der Beitrag von Dodo über den ersten Kongress Schwarzer Europäerinnen in Wien. Darin schreibt sie: „Während es in Amerika in feministischen Bereichen längst gang und gäbe ist, sich auch mit dem Zusammenhang Rassismus – Frauenhass auseinander zu setzen, geht das in Europa (auch hier in Deutschland) zuweilen ziemlich unter.“

Gut, so viel Neues werden regelmäßige Mädchenblog-Leser_innen jetzt nicht aus den Artikeln erfahren haben. Aber die eventuellen neuen Leser_innen, die über einen der Artikel zu uns gefunden haben, begrüßen wir natürlich herzlich. Momentan scheinen es noch nicht so viele zu sein, welcher Artikel mehr Besucher_innen herbringt, wird sich dann in der Referer-Liste unten auf unserer Startseite zeigen.


11 Antworten auf “Pressespiegel”


  1. 1 st_eve 06. November 2007 um 12:42 Uhr

    oh, bei „aufkleber in der uni-toilette“ fällt mir ein, dass ich solche auch gerne hätte :d

  2. 2 pia 06. November 2007 um 12:53 Uhr

    ich glaube, die meisten sind in berlin geblieben, ich habe auch nur mal zufällig ein paar auf einem infotisch gefunden. keine ahnung, ob noch welche übrig sind, wenn nicht, sollten wir vielleicht nochmal über eine neuauflage nachdenken!
    die erste auflage sah auf jeden fall so aus.

  3. 3 Krempel 06. November 2007 um 19:56 Uhr

    boah, ich will auch mädchenblog-sticker in meiner schule anpatschen, so kurz bevor ich abi mache. *g* her damit, schulen haben es nötig! :O

  4. 4 Voll-Nuß 06. November 2007 um 20:47 Uhr

    Der Fluter ist nicht nur ein online-Magazin. Den kann man auch kostenlos bei der Bundeszentrale für politische Bildung in Heftform abonnieren. Wir haben den in der zehnten oder elften Klasse im Gemeinschaftskundeunterricht zum erstn Mal in die Hand bekommen und ich habe mein Abo seitdem immer wieder verlängert…
    So, genug Werbung!

  5. 5 Mütterforum 10. November 2007 um 15:10 Uhr

    “Stars tricksen auch! Wie du dich größer, fitter und schlanker schummeln kannst”

    Die Magazine würden solche Themen nicht produzieren, wenn die Anzeigenkunden nicht drauf stehen würden. Ohne „Kauf dies und das und Du siehst aus wie ein Star“ Themen wäre die Anzeigenwerbung nicht relevant und würde fehl am Platz wirken. Die haben die Wahl: weniger verdienen und sinnvolle Themen produzieren oder mehr verdienen und das Volk verdummen. Es geht ums Geld.

  6. 6 dodo 10. November 2007 um 19:07 Uhr

    es geht weniger um die anzeigenkunden als um die anzeigensteller.
    vor allem bestimmen die anzeigen schltenden konzerne auch, was gedruckt wird. denn ohne anzeigen und deren geld sind die magazine im arsch und schlichtweg nicht zu machen. deswegen sind frauenmagazine ja auch im prinzip nix anderes als anzeigenblättchen für unilever und co.

  7. 7 pia 10. November 2007 um 19:39 Uhr

    @dodo: ich glaube, mütterforum meinte mit anzeigenkunden auch diejenigen, die die anzeigen schalten, und nicht die, die damit angesprochen werden sollen. also meint ihr beide wohl auch dasselbe.
    und wir können froh sein, dass das mädchenblog keine produktionskosten hat und keinen gewinn erzielen will und wir uns deshalb keine gedanken darüber machen müssen, welche potentiellen anzeigenkunden wir mit unseren artikeln verschrecken könnten ;-)

  8. 8 Bea 22. Mai 2010 um 18:04 Uhr

    YOO, her mit dem mädchenblog-sticker!!! ich brau den. *Yaak* her damit! :O:d:d

  1. 1 gender@wiki im zweiwochendienst | Gender@Wiki Pingback am 06. November 2007 um 17:23 Uhr
  2. 2 Wie es sich anschickte, etwas aus Frischebestand und trockenen und dies auch nur teilweise vorhandenen Vorräten zu kreieren, zur Feier der Einweihung unserer Backofenreparatur mittels eines nunmehr beschafften Ersatzteiles, welches uns davor bewahrte v Pingback am 06. November 2007 um 19:09 Uhr
  3. 3 Genderblog » Genderblog bei fluter.de Pingback am 06. November 2007 um 23:48 Uhr

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