Myspace und die Bilder


Katze Chantal: im Internet auf Katerjagd, ihre Hässlichkeit hinter einem „Myspace angle“ versteckend.

Myspace, das unbegreifliche Phänomen der neuen Internetgeneration. Man liebt es, man hasst es.
Was ursprünglich als Künstlerplattform anfing, ist jetzt oft Bühne für Selbstdarstellungen anderer Art. So weit, so gut.
Fast jeder kennt die „typischen Myspacebilder“, die Selbstporträts aus schiefen Blickwinkeln und Spiegelfotografien.
Alles nur ein Versuch, sich selbst zu knipsen von Leuten, die den Selbstauslöser nicht finden? Weit gefehlt.
Dahinter steckt eine Verschwörung gegen die Männerwelt.

Diese artistisch-dilettantisch anmutenden Bilder meist junger Mädels mit ihrer als „Myspace angle“ bezeichneten schrägen Perspektive sind in Wirklichkeit nur ein fieser Trick weiblicher List mit dem gewissenlose und urhässliche Weiber das arme Männchen versuchen in ihre Höhle zu zerren.
Doch ein Ritter des männlichen Geschlechts mit Witz und Schläue vom Kaliber eines Asterix machte sich auf, seine Geschlechtsgenossen zu warnen.
Es geht um Jungs, die sich auf Myspace (oder ähnlichen Communities) auf Partnersuche begeben, ein Mädel gefunden haben mit dem sie sich im Chat und bei Telefonaten super verstehen und beim baldigen Treffen wird ein Pamela Anderson-Verschnitt erwartet:

You know she’s hot. You’ve shown her picture to your friends and they think she’s hot. And now you’re ready to meet her. But are you prepared for what you may actually find?
Well, let this serve as a warning to you because you may have just fallen victim to the dreaded, “MySpace Angles.”

Um weiteren potentiellen „Opfern“ dieser abscheulichen Taktik die Augen noch rechtzeitig zu öffnen beginnt hier eine liebevoll kommentierte Bilderstrecke. Erst ein Bild der Dame, wie es wohl typischerweise in ihrem Mypace-Profil zu sehen ist. Dann ein „echtes“ Foto, wie sie „wirklich“ aussieht: üppiger.
Und warum das alles? Natürlich nur, um die armen naiven Männchen in die Falle zu locken.
Das große Geheimnis wird gelüftet: Menschen sind im echten Leben nicht immer so, wie sie in ihrem Internetauftritt erscheinen. Schock. Horror.
Man könnte jetzt meinen, dass das bereits bekannt ist, seit die ersten Menschen herausgefunden haben, dass die zwanzigjährige 90-60-90-Blondine, mit der sie so schön im Internet gechattet haben, in Wirklichkeit der Opi von nebenan ist…
Daß die „Negativbilder“ der geposteten Mädels nicht aussehen wie Geschöpfe direkt aus der Hölle, stört hier nicht unbedingt jeden. Es langt schon, wenn man nicht wie ein Playboybunny aussieht. Daß sich die vermeintliche „Hässlichkeit“ lediglich auf ein paar Kilos mehr bezieht, auch nicht. Irrelevant auch, dass wohl die meisten Menschen (egal welchen Geschlechts) eher Bilder von sich ins Internet stellen, auf denen sie „gut wegkommen“ und nicht die, welche ein Mitbewohner von ihnen geschossen hat, während sie mit fettigen Haaren im Bärchenschlafanzug sabbernd auf der Couch vor dem Fernseher eingepennt sind…
Denn Prämisse ist, dass all diese Mädels die Bilder nur zu einem Zweck posten: natürlich, um Typen „abzukriegen“. Und dass sie nur wegen der Jungs versuchen, sich von ihrer besten Seite zu zeigen.
Ist das jetzt oberflächlich, ein Mädel zu verachten, weil sie ihrem Internet-Casanova ein paar Speckröllchen verheimlicht hat? Neeein.
Weil, wie Autor und gewisse Kommentatoren anmerken, das ja auch ganz viele andere negative Dinge über die Mädels aussagt.

if the lovely lady of your online dreams isn’t truthful with you about herself upfront, can you be so sure you can trust her down the road?

Und manche Kommentatoren erblöden sich auch nicht, weitere Merkmale aus Fotos „abzulesen“:

There are many windows into the soul; the body is one of them. A person with a lot of excess weight, statistically has emotional problems (more specifically, has “deep and pervasive depression”). A person with a lot of excess weight tends to not be very active.

Ich weigere mich jetzt mal, diesen Schwachsinn zu kommentieren…

An diesem „Enthüllungsbericht“ (und erst den ganzen Kommentaren) kotzt mich so viel an, dass ich das gar nicht alles hier schreiben kann – das gäbe eine regelrechte Serie auf dem Mädchenblog.
Was mich aber am meisten stört, ist dieses dem wohl zu Grunde liegende Prinzip, dieses… „Menschenbewerten“.
Wir sind die Richter, die diese Menschen bewerten, beurteilen und verurteilen können, und sei es allein aufgrund ihres Aussehens auf einem Foto. Was ist das denn für eine Einstellung bitte???
Und es findet sich ÜBERALL, da brauch man sich gar nix vormachen. Sei es ne Horde pubertärer Jungs, die ein Mädel als fett beurteilen, weil sie nicht das Aussehen des Christina Aguilera-Posters über ihrem Bett haben – oder Frauen, die anderen Frauen vorwerfen, sie wollen sich doch nur Männern anbiedern, weil sie ein bauchfreies Top tragen. Überall schwingt man sich mit Genugtuung zum Richter, zur Jury auf.
Ich will hier gar nicht mit Küchenpsychologie à la „man macht andere runter, um sich selbst aufzuwerten“ anfangen.
Sondern einfach mal daran appellieren, über die Sache nachzudenken. Ob es wirklich notwendig ist, andauernd andere beurteilen zu müssen. Oder was das anrichtet – bei den Beurteilten, in der Gesellschaft, bei sich selbst.


18 Antworten auf “Myspace und die Bilder”


  1. 1 illith 17. November 2007 um 3:18 Uhr

    hab den original-artikel jetzt nicht gelesen, muss aber zugeben, die fotostrecke ganz unterhaltsam gefunden zu haben.
    sind die pics denn alle original?? oder für den artikel gestellt?

    Sei es ne Horde pubertärer Jungs, die ein Mädel als fett beurteilen, weil sie nicht das Aussehen des Christina Aguilera-Posters über ihrem Bett haben – oder Frauen, die anderen Frauen vorwerfen, sie wollen sich Männer anbiedern, weil sie ein bauchfreies Top tragen. Überall schwingt man sich mit Genugtuung zum Richter, zur Jury auf.

    das spricht mir aus der seele.
    wobei gerade frauen in der „richter-position“ mich ganz besonders rasend machen.
    es reicht doch schon, dass sämtliche kack-medien einer ständig vermitteln, dass man zu fett, zu hässlich und zu unvollkommen wäre. es gibt doch kaum noch ein mädchen/eine frau, die nicht irgendwelche ‚body image issues‘ am start hat. und wenn dann frauen SELBER sich auch noch so tatkräftig zur aufrechterhaltung dieses status quos engagieren — da könnt ich DURCHdrehen.
    achso und natürlich nicht nur, wenn die über ander emädchen lästern, weil sie „fett“ oder „hässlich“ wären. auch die wände hoch gehen könnt ich, wenn die wie beschissene herdentiere über jede herfallen, die sich irgendwie sexier kleidet oder sonstwie positiv auffallen könnte. wer sich nicht in die homogene herde integriert, wird gefressen. denn wenn ich mich selbst schon nicht traue, auch nur ein stückchen aus der herde herauszuragen, dann soll sich das irgendeine andere auch lieber nicht trauen — die billige schlampe.
    AAAAAAAAAAAAAHRGHL!!

    ähem.
    ja, ich hab mich wieder gefangen.^^°

  2. 2 geri 17. November 2007 um 5:52 Uhr

    „Fast jeder kennt die „typischen Myspacebilder“, die Selbstporträts aus schiefen Blickwinkeln und Spiegelfotografien.
    Alles nur ein Versuch, sich selbst zu knipsen von Leuten, die den Selbstauslöser nicht finden? Weit gefehlt.“

    So zufällig scheint das ganze aber dann auch deiner Meinung
    nach nicht zu sein:

    „Das große Geheimnis wird gelüftet: Menschen sind im echten Leben nicht immer so, wie sie in ihrem Internetauftritt erscheinen. Schock.“

    Ungefähr ein genauso grosses Geheimnis wie das, dass alle
    möglichst (in ihren Augen) attraktive Partner wollen.

    @illith:

    Ich weiss gar nicht warum du da das „SELBER“ so betonst…
    Du beschreibst ja auch selbst, dass Frauen bei dieser
    ganzen Bewertungs/Verurteilungsgeschichte ganz Vorne mit
    dabei sind.

    Wenn ihr mal nen Kumpel hattet mit einigen Kilos mehr,
    wisst ihr auch was ich mein.

  3. 3 dodo 17. November 2007 um 9:09 Uhr

    ich hab sogar mehrere kumpels mit einigen kilos mehr, versteh aber trotzdem nicht ganz was du meinst…:-

  4. 4 Henry 17. November 2007 um 9:17 Uhr

    Ich denke, es ist ziemlich schwer auf alle Beurteilungen zu verzichten, denn wenn wir einen Menschen zum ersten Mal sehen, beurteilen wir ihn innerlich für uns schon. Das machen wir über Jahre hinweg und das kann man auch nicht so einfach abstellen. Auch wissen wir nicht wo der gutgemeinte Rat anfängt und wo das herablassende Heruntermachen anfängt, da beides gleichartig jemanden verletzen kann. Man weiß nie, wie die Menschen darauf reagieren und wie sie sich verhalten. Manche stecken eine Beleidigung weg und schicken im Gegenzug gleich wieder eine zurück, um ihre eigene Stellung zu festigen.

    Auf jeden Fall sollte man sich einschränken, was die Bewertung anderer Menschen anbelangt, aber Abstellen oder gar völlig Umkehren kann man es nicht.

  5. 5 Plastikstuhl 17. November 2007 um 14:10 Uhr

    hey. danke für den artikel! und: super artikelaufhänger, mit der katze.

  6. 6 geri 17. November 2007 um 14:48 Uhr

    @dodo:
    Ich mein dass zB. dicke Männer genauso mit dem Problem
    Be/Verurteilung zu kämpfen haben und das da eben
    Frauen in keiner Weise hinten anstehn.

  7. 7 illith 18. November 2007 um 0:22 Uhr

    meine meinung nach kann man das (dicke männer | dicke frauen) NICHT vergleichen.
    sicher haben auch dicke typen tendenziell unter mobbing etc. zu leiden und der druck auf männer, „gut auszusehen“ steigt seit jahren auch zunehmend.

    trotzdem wage ich zu behaupten, dass frauen nach wie vor primär nach ihrer optik beurteilt werden und männer nach ihrem status/leistung.
    da muss man sich doch nur mal angucken, wieviel alte/“hässliche“/dicke männer mit viel geld und ansehen junge/schlanke/“hübsche“ freundinnnen haben.
    und wie es in umgekehrter konstellation aussieht.
    oder wie bei allen berühmten, mächtigen etc. frauen (schauspielerinnen, politikerinnen, musikerinnen, …) allgemein immer deren aussehen thematisiert wird (war ja besonders eklig zu beobachten bei merkels kanzlerInnen-kandidatur).

    drum ist das mobben von frauen wegen ihrem aussehen m.M. existenzieller vernichtend, da das ja ihr ‚höchstes gut‘ ist.
    disclaimer: damit will ich selbstverständlich NICHT „lookistisches mobben“ von männer/jungs verharmlosen. scheiße ist sowas so oder so.

  8. 8 dodo 18. November 2007 um 3:42 Uhr

    ich denke der unterschied ist, daß zwar alle übergewichtigen menschen fieserweise gemobbt werden – aber während frauen oft schon „fett“ genannt werden, sobald zwischen ihren oberschenkeln keine handbreit platz ist, passiert es im prinzip nie, daß beispielsweise ein mann mit bierbäuchlein „fett“ genannt wird.

  9. 9 illith 18. November 2007 um 7:35 Uhr

    stimmt, das kommt noch dazu.

    obwohl sich das auch grade wandelt, denk ich.
    mich nerven seit einigen jahren haufenweise (ex-)freunde und kumpels ab, dass sie abnehmen wollen (mit zweifelhaften methoden). und das ohne, dass die (in meinen augen) übergewichtig gewesen wären.
    das nervt ganz FÜRCHTERLICH ab! :((

  10. 10 geri 18. November 2007 um 15:01 Uhr

    Jo deswegen rennen grad auch alle Typen wie wahnsinnig in die
    Fitnesscenter.

    „trotzdem wage ich zu behaupten, dass frauen nach wie vor primär nach ihrer optik beurteilt werden und männer nach ihrem status/leistung.“

    „drum ist das mobben von frauen wegen ihrem aussehen m.M. existenzieller vernichtend, da das ja ihr ‘höchstes gut’ ist.“

    Für Merkel war also das Rumgeeier über ihre Frisur existenziell
    Vernichtend? Merkels höchstes Gut ist ihr Aussehen?

    „da muss man sich doch nur mal angucken, wieviel alte/”hässliche”/dicke männer mit viel geld und ansehen junge/schlanke/”hübsche” freundinnnen haben.“

    Und das machen die Frauen, weil sie die Männer nicht so
    lookistisch beurteilen wie andersrum? Oder etwa weil
    sie genauso oberflächlich sind nur halt das Geld
    Priorität hat?

  11. 11 Sickboy 19. November 2007 um 10:02 Uhr

    auch wenn man die bewertung von männern und frauen nicht vergleichen kann, muss ich trotzdem sagen, das mir die blicke, wenn ich abends weggehe reichen… ich mein gut, das spielt sich vllt. auch alles größtenteils in meinem kopf ab, wäre möglich, aber ganz falsch kann ich da auch nich liegen…

    naja, wie dem auch sei, selbst wenn bei männern eher auf status etc. geguckt wird, wodurch wird dieser denn ausgedrückt? erstma doch übers aussehen, also klamottentechnisch z.b. nimmt sich also letztlich auch nich viel, es wird nur was anderes über das äußere bild eines mannes transportiert als bei frauen. bei frauen halt wie „vorzeigbar“ etc. sie is und bei männern halt der status. anfangs geht das bei beiden ja über das äußere…

  12. 12 Lim 10. Dezember 2007 um 14:57 Uhr

    1. Geht es auf der besprochenen Seite nicht nur um das Gewicht. Aber die ganze Diskussion zielt drauf ab.
    2. Myspace ist eine Seite, auf der man sich darstellt. Jede Form von Darstellung darf kritisiert werden, vor allem wenn die Darstellung einseitig ist. Und das ist sie bei Myspace. Es werden großteils keine Menschen dargestellt. Nur coole Produkte eines Lifestyles, zu dem auch der „Myspace-Angel“ gehört.

    Und Nur weil der Autor sich nun auf weibliche Mitglieder bezieht ist das nun furchtbar, sexistisch, böse? Er entlarvt nur einen Wahn. Der trotz Feminismus noch immer präsent ist. Diesen Wahn, diese Sucht zu „passen“, diese Sucht sich anders darzustellen als man ist nur um einem Klischee gerecht zu werden, das solltet ihr bekämpfen. Und vor allem die, die den Wahn leben: die lieben Frauen.

    Aber nein: daran sind ja auch die Männer schuld. Sogar an dem, was ihr lieben Frauen Euch selbst antut.

  13. 13 dodo 10. Dezember 2007 um 19:09 Uhr

    schnuggiputz: niemand gibt hier „den männern“ die schuld.
    und auch du begehst den fehler anzunehmen, daß alle bilder, die einen von der guten seite zeigen, in einem „wahn“ begründet sind.

  14. 14 Viktoria 04. April 2008 um 16:16 Uhr

    Hi!

    Also einerseits denke ich schon, dass es etwas frustrierend sein kann, wenn man eben ein solches Bild sieht, auf dem eine Person eben äußerst „perfekt“ ausschaut und dann in real eben doch ganz anders ist. Sei es jetzt, weil sie sehr dick ist, was so nicht ab zu sehen war, sie schwarze Zähne hat, oder sonst was in die Richtung. Stellt Euch mal vor, Euch würde sowas passieren. Ich meine dies nicht nur vom vermeindlichen Schönheitsfaktor her, sondern auch, weil man sich ja doch schon ein „Bild“ von der Person gemacht hat, eine Vorstellung davon hat, wie sie in etwa aussieht. Wenn dann die Realität wirklich erheblich davon abweicht, würde ich mich auch veräppelt vorkommen.

    Andererseits sehe ich ebenfalls nicht die Art ein, in der die Frauen bei Myspace, die sich dieser „vorteilhaften“ Art des fotographierens bedienen, verurteilt werden. Vielleicht ist da ja schon die ein oder andere mit einer „ha ha – reingefallen!“ Attitüde dran. Ich glaube aber, dass die meisten eben das verstecken wollen, was die Gesellschaft als hässlich bezeichnet. Jeder definiert sich zum Teil auch über sein Aussehen – in welche Form auch immer. Und auch ich freue mich über Komplimente bezüglich meines Aussehens.

    Die Chance, dass man einen kleinen Flirt im Internet eingehen kann, erhöht sich nunmal, wenn man gut aussieht. Und die Fotos sind ja nun auch nicht megamäßig bearbeitet – nur von einem anderen Blickwinkel aus fotographiert. Es sind ja immernoch die selben Frauen. Somit werden sie sich durch die Komplimente am Foto auch selbst positiv angesprochen fühlen. Und das gibt einen kleinen Kick fürs Ego.

    Schade, wenn man auf solche Mittel zurückgreifen muss, weil einem sonst nichtmals dieser einfache Flirtspaß zu Teil wird, weil die angesprochenen Männer eben nur auf bestimmte Typen ansprechen. Man kann das Thema ja von beiden Seiten beleuchten.

    LG, Viktoria

  15. 15 rather ripped 07. April 2008 um 16:33 Uhr

    auf den artikel bezogen: wer sich im internet präsentiert WILL doch bewertet werden, er oder sie setzt sich auf den entsprechenden seiten in szene und hofft auf positive resonanz. meiner meinung nach ist eben das sinn und zweck von myspace und co, denn wenn man/frau nur darauf bedacht ist menschen kennen zu lernen, kann er/sie sich auch einfach in chatrooms auf die suche begeben. aber nein; man gibt lieber direkt allerhand von sich preis, sei das jetzt der musikgeschmack, literatur an der mensch gefallen gefunden hat, hobbys oder eben ein foto. aufgrund dieser informationen geht niemand unvoreingenommen an die sache; es wird gefiltert, bevor kontakt aufgenommen wird.

    und wenn nun jemand ein foto ins netz stellt, muss er/sie davon ausgehen auch danach bewertet zu werden. beziehen wir uns hier mal auf eine andere kategorie: literatur. der/die auserwählte gibt auf ihrer/seiner seite an, von nietzsche über hesse bis hin zu schopenhauer alles schon gelesen zu haben. die person wird angeschrieben, und sehr bald muss der interessent feststellen, dass besagte person scheinbar noch nie eines dieser bücher über die ersten drei seiten hinaus gelesen hat – wenn überhaupt. wäre es da verwerflich wenn der/die desillusionierte person das interesse verliert?

    es ist doch nunmal so – im internet erstellt so gut wie jedeR ein idealbild von sich selbst. mensch will klüger, belesener, schöner, mutiger oder was auch immer erscheinen. wer glaubt was er/sie dort zu sehen bzw. lesen bekommt, der ist selber schuld. ich persönlich kann auch nicht verstehen wieso menschen das internet zur partnersuche verwenden anstatt einfach mal vor die tür zu gehen. wer sich seine welt in einer seifenblase baut, sollte sich nicht wundern wenn diese beim zusammenstoß mit der realität zerplatzt.

  16. 16 Nico 24. Oktober 2008 um 0:19 Uhr

    Es ist nunmal so, dass dieses Phänomen überwiegend bei Frauen zu beobachten ist. Ich persönliche halte auch nicht viel von Diffamierung, aber ein gewisses Belächeln kann ich mir ebenfalls nicht verkneifen.
    Davon abgesehen, dass ich einige der Beispiele, die der Autor nennt, bei Weitem nicht so tragisch finde wie er sie darstellt (sprich, die „realen Frauen“ gar nicht so überaus unansehnlich), denke ich, dass die Polarisierung von Männern als arme Opfer der MySpace-Angle-Medusen eher einen sarkastisch-komödiantischen Charakter haben soll.

    Das zentrale Thema ist dennoch, wie hier auch schon angeklungen: Alle, egal, wie sie aussehen, möchten sich möglichst gleich darstellen. Legt mir 5 Fotos von Frauen im MySpace Angle vor und ich könnte euch nicht sagen, ob es tatsächlich fünf verschiedene sind.

    Dieses selbstgewählte Einreihen in eine „Kultur“ handwerklich grottenschlechter und einen selbst beinah anonymisierender Bilder, das ist wohl das Kernproblem. Dass da natürlich die Lästerer nicht weit sind, ist Naturgesetz.

    Natürlich stellt man sich im Internet ein wenig übernatürlicher dar als man ist, aber diese MySpace-Angle-Manie ist wirklich ein krasses Phänomen.

    Und wenn Männer nur auf bestimmte Typen Frau ansprechen, dann weiß man als Frau doch schon von vorne herein, dass man nicht mit ihnen warm werden kann. Ob man sich nun verfälscht darstellt und irgendwann „auffliegt“ oder ob man sich gleich so darstellt, dass Mann möglichst gut sieht, woran er ist.. Läuft doch aufs Selbe hinaus. Kein Mann zwingt eine Frau dazu sich besser zu präsentieren als sie ist – wenn sie das tut, wird er sie, wenn er die Wahrheit erfährt, nur verachten. Und das ist wahrscheinlich sogar schlimmer als erst gar nicht mit ihr in Kontakt zu kommen.

  17. 17 ameise 19. November 2008 um 16:48 Uhr

    „denn wenn man/frau nur darauf bedacht ist menschen kennen zu lernen, kann er/sie sich auch einfach in chatrooms auf die suche begeben.“

    @rather ripped und alle anderen:

    Ich finde diese ganze Entwicklung sehr bedenklich, die durch Facebook, Myspace etc. losgetreten wurde. Neue Freunde finden funktioniert per Mausklick, es geht nicht darum Menschen kennenzulernen, ihre Sorgen und Freuden zu kennen, an ihrem richtigen Leben teilzuhaben, sondern nur darum, per Mausklick Tausende Freunde zu sammeln. Vielleicht gibt es tatsächlich noch Menschen die diese Portale einfach zur Kommunikation nutzen, aber zu einem grossen Teil wird dort nur die Bedeutung von Freundschaft ad absurdum geführt. Die kapitalistische Leistungs- und Wachstumslogik wird auf Freundschaften übertragen. Wichtig ist möglichst viele, möglichst beliebte Freunde zu haben, statt einige Freunde, die man wirklich mag. Dass dabei solche Geschichten entstehen wie im Artikel beschrieben, ist nicht weiter verwunderlich.

  1. 1 University Update - Pamela Anderson - Myspace und die Bilder Pingback am 17. November 2007 um 4:49 Uhr

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