Nachtrag: Transgender Day Of Remembrance

Seit 1999 wird der 20. November weltweit in transgender Communties als Gedenktag an und Hinweis auf Transgenderpersonen genutzt, die durch trans- bzw. polyphobe Gewaltverbrechen ums Leben kamen. Begonnen hat das kollektive Gedenken in San Francisco mit einer der 1998 ermordeten Rita Hester gewidmeten Gedenkveranstaltung. Heute finden weltweit Infotage, Demonstrationen, Filmabende oder Mahnwachen statt. Gemeint sind viele Verschiedene: transsexuelle, crossdressende, genderqueere Menschen – Opfer sind sie des gleichen Vorurteils: Transphobie. Die Website gender.org hat unter Remembering Our Dead eine eigene (us-amerikanisch dominierte) Gedenksektion eingerichtet und weist darauf hin:

There is no “safe way” to be transgendered: as you look at the many names collected here, note that some of these people may have identified as drag queens, some as heterosexual crossdressers, and some as transsexuals. Some were living very out lives, and some were living fully “stealth” lives. Some were identifying as male, and some, as female. Some lived in small towns, and some in major metropolitan areas.

Medien schreiben in der Regel wenig oder nur verzerrt über stattgefundene Gewaltverbrechen. Als im Februar 2006 Gisberta S. in Portugal von eine größeren Gruppe minderjährigen Jugendlichen tagelang zu Tode gefoltert und vergewaltigt wurde, sprachen viele Medien vor allem1 von den fehlgeleitetend Jungen und wiesen auf den Eigenschuldanteil der transsexuellen Migrantin hin, weniger auf die Hintergünde der Tat. Hinzu kam die Benennung Gisbertas als männlichen Transevtiten – Hohn in der Ohren all jener, die sich solidarisieren oder mitgemeint fühlen müssen.

Natürlich reicht es nicht, Diskriminierung jeglicher Art nur einmal im Jahr anzumerken. Ich selbst habe in diesem Jahr gemerkt, wie wichtig Politiken zur Verbreitungen von Informationen über transgender Personen sind, wie unbemerkt ein Datum wie der 20.11. verstreicht und wie wenig überhaupt trans*-Angelegenheiten praktisch thematisiert werden. Ich hoffe, der Gedenkveranstaltungen werden mehr werden, auf dass sie möglicherweise Initialzündungen für weitere kleine Schritte sein werden, trans* eine Öffentlichkeit zu schaffen, die Stereotypen abbaut und Klarheiten kommuniziert.

  1. das Phänomen der Dethematisierung und Schuldzuweisung an Betroffene/Opfer betrifft nicht nur transphobe Gewalt, sondern auch rassistische, antisemitische, homophobe, sexistische etc. Übergriffe. Oft sind sie auch erst eine Nachricht „wert“, wenn ein Mensch ums Leben kommt [zurück]

1 Antwort auf “Nachtrag: Transgender Day Of Remembrance”


  1. 1 Kim 30. Dezember 2007 um 0:03 Uhr

    „Ich selbst habe in diesem Jahr gemerkt, wie wichtig Politiken zur Verbreitungen von Informationen über transgender Personen sind, wie unbemerkt ein Datum wie der 20.11. verstreicht und wie wenig überhaupt trans*-Angelegenheiten praktisch thematisiert werden.“

    Seit zwei Jahren versuche ich, bislang vergeblich, von den deutschen sexualwissenschaftlichen Instituten (u.a. Deutsche GEsellschaft in Sexualforschung) eine Antwort darauf zu bekommen, warum denn transsexuelle Frauen bislang während ihrer medizinischen Behandlung als Männer mit psychischer Störung behandelt werden und man ihnen über die komplette Verfahrensdauer den Personenstand verwehrt, den sie ja nun einmal haben. Es kam keine Antwort. Vielleicht liegt das ja u.a. daran, dass die deutsche Sexologie immer noch daran festhalten will, dass Geschlecht lediglich eine soziale Konstruktion ist und nichts weiter. So wird die verheerende Logik klar… eine transsexuelle Frau ist keine Frau… sondern sie wird als Mann betrachtet, der sein „gender“ oder aber auch sein „sex“ wechseln will – so stellen sich die Deutschen das vor. Das schlimme daran ist nicht nur, dass transsexuellen Frauen hiermit bislang ihr Geburtsgeschlecht verwehrt wird – laut Sexologie haben sie ja keines, ausser das körperliche, das dann bitteschön als männlich zu gelten hat – was in der Praxis zu einer bis dato Nichtanerkennung gebürtiger transsexueller Menschen führt (Transsexualität, das gäb es nicht von Geburt an wird behauptet… klaro, würde es das geben, dann gäbe es ja so etwas wie ein angeborenes Geschlecht und das passt heir anscheinend nicht in die ach so queeren Gendertheorien). Zudem, und das ist das wirklich bittere hat diese Nichtanerkennung schwerwiegende Folgen in der Praxis: Da wird…

    …öffentlich denunziert wa das Zeug hält (Medien können ja ganz simpel aus transsexuellen Frauen/Mädchen „Jungs“ machen, die „Frau bzw. Mädchen werden wollen“ obwohl sie es ja längst sind… )… „duziduzi, du willst also ein Mädchen sein? Ich bin da tolerant, ist ja deine Entscheidung“… ach wie oft ist sowas zu hören, aber ehrlichgesagt steckt dahinter leider eine Scheintoleranz oder besser: Pseudoakzeptanz… schliesslich unterstellt man den transsexuellen Mädchen eine Entscheidung zum Geschlechtswechsel… „aha, damit es Röcke tragen kann, gell?“… RICHTIG WÄRE: Es ist keine Entscheidung eines Jungen, sondern eine Angeborenheit. Das Mädchen war immer ein Mädchen.

    …wird von den sexualwissenschaftlichen Instituten weiterhin fleissig an einer TSG-Reform gearbeitet, die sie in die Situation bringen soll noch mehr wie bisher geschlechtliche Zwangszuweisungen zu betreiben… „Diese Männer haben eben eine Geschlechtsidentitätsstörung“ (ausgehend davon, dass Geschlecht nur anerzogen ist, hätten diese Menschen nun ein Problem mit ihrer Rolle – ich frag mich nur: Ach Rolle? Ich dachte, wir wären da schon weiter und würden nicht mehr solche Klischees wollen?)… RICHTIG WÄRE: Transsexuelle Frauen sind als Frauen geboren – ein Penis ist nicht immer „männlich“. Dummerweise leiden aber viele Frauen darunter, dass sie mit einem Penis geboren wurden bzw. gegengeschlechtlich zugeordnet wurden, obwohl sie als Mädchen das Licht der Welt erblickt haben. Interesse an dieser rechtlichen Anerkennung von Seiten der Sexualwissenschaftler? Fehlanzeige. Lieber wird da weiter an der Theorie der „sozialen Konstruktion der Geschlechter“ gebastelt und das Leben und die Existenz transsexueller Menschen weiter missbraucht.

    …durch die bisherige rechtliche Nichtanerkennung Menschen der Zugang zum Rechtssystem verwehrt, was in der Praxis zu medizinischen Behandlungen führt, in denen sexueller Missbrauch durch Psychologen fast schon gang und gäbe ist – tja, leider passiert so etwas hinter verschlossenen Türen. Einer Frau, die als Frau anerkannt wäre… der würde man vielleicht glauben, doch einem „Mann mit Geschlechtsidentitätsstörung“?. So ist es kein Wunder, dass hier das Wegschauen zum System erklärt wurde – auf Kosten der Betroffenen, wird ihnen bis dato ihre rechtliche Anerkennung verwehrt, weil man sagt, sie würden sich ein „neues Geschlecht wünschen“ anstatt anzuerkennen, dass diejenigen, die wirklich von Transsexualität betroffen sind – so erlebe ich es – an einem Geschlechtswechsel kein Interesse haben. Ja, sie wollen Hilfe des Medizinsystems – körperliche Korrektur ihrer körperlichen Fehlbildung, ja, sie ändern eine Geschlechtsrolle, doch ihr Geburtsgeschlecht ändern sie nie.

    So ist, um mal auf den Artikel einzugehen, die Schuld nicht alleine bei den Politikern zu suchen, sondern in aller erster Linie einmal bei denen, die die Existenz gebürtiger transsexueller Menschen imemr noch abstreiten – egal aus was für Gründen – ob das politische Gründe sind, Machtgründe, oder nur deswegen, weil sie an eine Gendertehorie glauben, die besagt „Geschlecht ist ein soziales Konstrukt“.

    Im Prinzip ist mir das egal, wenn jemand meint, sein Geschlecht wäre konstruiert und künstlich… ich, eine betroffene transsexuelle Frau, bin ein Mensch. Ein Mensch aus Fleisch und Blut. Ein Mensch der als Frau geboren wurde – wenn auch mit Penis und Hoden. Und ich bin ein Mensch, der sich nicht mehr von Menschen missbrauchen lassen will, die behaupten mich gäbe es nicht. Die eugnung von Menschen die tatsächlich existieren ist kein neues Phänomen, doch würde ich diese deutsche Eigenschaft wohl eher nur im Zusammenhang mit der Zeit zwischen 1033 und 1945 sehen wollen – aber nicht mehr im Jahr 2007.

    Es gibt Mädchen, die mit einem Penis geboren werden.
    Es gibt Jungs, die mit einer Gebärmutter geboren werden.
    Sie wissen wer sie sind.
    Es wird Zeit dies anzuerkennen. Es wird Zeit Menschen anzuerkennen, die mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen geboren werden.

    Mehr dazu: http://mut23.org

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