Archiv für November 2007

Dildo ist POP

Beatriz Preciado hat den Dildo in Mode gebracht, indem sie zeigte, welche historischen und sozialen Umstände die Produktion von Sex beeinflussten. Sie tut dies mit Hilfe einer Genealogie und stellt dar, wie der weibliche Orgasmus von unterschiedlichen Regimen beeinflusst wurde.

Einerseits mit Hilfe von Maschinen verhindert, andererseits mit dessen Hilfe erzeugt. Allerdings blieb er immer etwas, was nie der Frau selbst gehört, sondern immer das Ergebnis einer repressiven oder produktiven Technologie war.

Preciado analysiert diejenigen Dispositive, in denen Sexualität als „normal oder abweichend konstruiert“ (69) wird. Sexuelle Erregung und der Orgasmus sind demnach nachträgliche Produkte bestimmter sexueller Technologien. Diese bedienen sich einer asymmetrischen Aufteilung der Macht anhand der binären Aufteilung der Geschlechter. Bestimmte Körperteile werden im Rahmen dieser Technologie hervorgehoben, um daraus Signifikanten zu machen.

So bekommt der Penis die alleinige, privilegierte Position als mechanisches Zentrum der sexuellen Triebproduktion zugeschrieben.
Preciado bezieht sich dabei auf Foucault und dessen, in der Geschichte der Sexualität identifizierten vier großen Technologien (Hysterisierung des weiblichen Körpers, Pädagogisierung des kindlichen Sexes, Sozialisierung des Fortpflanzungsverhaltens, Psychiatrisierung der perversen Lust). Foucault selbst entwickelte jedoch nie eine Genealogie derjenigen Dispositive die auf Frauenkörper wirken.

In der Kontra- Sexualität wird die Dildotektonik zur Gegen-Wissenschaft, in der die Widerstandstechniken entwickelt werden. Es existieren keine vorgeschriebenen Kategorien, der ganze Körper wird zur Oberfläche, an der Sexualität stattfindet. Preciado zeigt an Hand von Zeichnungen in „Dildotopia“, dass Kopf, Bein, Arm, oder der ganze Körper zum Dildo werden können.

Die Folge ist die Auflösung der diskursiv entstandenen Zentren der Lust.

Sie grenzt sich, indem sie den Dildo in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen stellt, von denjenigen Feministischen Theorien ab, die diesen „Alien“ als Tabu sehen, da sie ihn mit dem Penis gleichsetzen und somit behaupten, der Dildo führt im lesbischen Sex die Heteronormativität weiter. Preciado stimmt dieser Theorie zwar zu, denn auch sie geht davon aus, dass in unserer Gesellschaft der Penis auch gleichzeitig Phallus ist, dennoch ist für sie der Dildo nicht automatisch mit dem Penis gleichzusetzen und gerade weil es für sie nicht gleichzusetzen ist, sieht in ihm den Befreiungsweg. “Wenn der Penis für die Sexualität das ist, was Gott für die Natur ist, macht der Dildo den Tod Gottes den Bereich der sexuellen Verhältnisse wirksam.“(66). „Er ist der Tod, der den lebenden Penis bedroht“(63) und Preciado macht diesen „Tod“ dadurch möglich, da sie den Dildo symbolisch auf den ganzen Körper überträgt.

Ebenfalls im theoretischen Teil des Manifestes analysiert sie zunächst den medizinischen Diskurs um die chirurgische Konstruktion von Geschlecht, der historisch maßgeblich von wenigen Personen beeinflusst wurde. Da Intersexuelle Personen die mechanische Arbeit auf dem „Operationstisch“ (Foucault) der Zuschreibungen stören, dem sich alle Menschen von dem Beginn des Lebens an unterziehen müssen, treffen Mediziner schnell die „notwendige Entscheidung“. Diejenigen Geschlechtorgane, die äußerlich nicht als „normal“, männlich angesehen werde, fallen in die Monstrosität der Weiblichkeit. Phalloplastik bleibt medizinisch nach wie vor ein fast nicht zu realisierender Eingriff, wohingegen weibliche Geschlechtsorgane relativ „einfach“ chirurgische hergestellt werden können, die „von „normalen“ Organen kaum zu unterscheiden sind“ (89). Spannend zu lesen dieses „Kontrasexuelle Manifest“ und irgentwie animiert es zum shoppen gehen und hat so den Dildo zu einem Teil der Popkultur gemacht!

„Wir“ sind nicht Deutschland

Die FAZ kündigt jetzt schon (sic!) das deutschnationale Abfeiern zur Frauenfußball-WM 2011 an. Dass ebendieses Szenario kein emanzipatorisches, frauenpolitisches Anliegen sein wird, deutet sich schon in der zitierten Floskel „Wiedersehen unter Freunden“ an, erste treffende Hinweise auf die Notwendigkeit eines rechtzeitiges feministisches Einschreiten zur Problematik von Frauen in der medialen Öffentlichkeit vs. Deutschland-Hype liefert der girlsetsfire-Blog am heutigen Tage. Ich lege euch den dortigen Beitrag hiermit an Herz.
Say it again and again: Germany – Never again!