Sexuelle Entwicklung? Ist böse.

Leuts, erwartet jetzt keinen superreflektierten Beitrag von mir. Dafür reg ich mich viel zu sehr auf und wenn ich jetzt alles aufzählen und analysieren müsste, was hier alles grad in Richtung absolute Scheiße läuft, könnte ich gleich ein Buch drüber schreiben.
Um was es geht?

Experten und Juristen sind entsetzt: Die Bundesregierung will diese Woche einen Gesetzesentwurf verabschieden, wonach auch bestimmte sexuelle Annäherungen zwischen Jugendlichen verboten werden. Selbst „Bravo“ muss bangen: Auch Aufklärungsartikel könnten künftig strafbar sein.

Joa, klingt scheiße. Ist aber noch vergleichsweise harmlos mit dem, was einen noch erwartet, wenn man weiterliest.
Deshalb möchte ich dringendst anraten, den ganzen – wenn auch langen – Artikel auf Spiegel Online zu lesen. Währenddessen entschuldigt mich, so lang geh ich mir den Kopf gegen die Wand schlagen.
Ich hoffe nämlich inbrünstig, dass es sich hierbei um einen verfrühten Aprilscherz handelt. Und sollte mir jemand in den Kommentaren mitteilen, dass das alles nur Verarschung ist, umso besser.
Ich weiß gar nicht wo anfangen. Erstmal damit, dass ich froh bin, schon eine ganze Weile volljährig zu sein. Und dieses Gesetz (so es denn eins werden sollte) mich allen Ernstes davon abhalten würde, in diesem Land Kinder in die Welt zu setzen. Ganz ehrlich.
Der Mensch ist ein sexuelles Wesen, von Geburt an. Bereits Kleinkinder masturbieren und der männliche Nachkomme wurde bereits in Mamas Bauch, also VOR der Geburt mit einem Ständer gesichtet. Sexualität ist ein Teil von uns. Und somit auch ein Teil unserer Individualität. Das KANN man nicht einfach wegretuschieren bis wir 18 sind. Denn es ist immer da.
Und anstatt die Jugend damit aufwachsen zu lassen, sie zu erforschen und damit vernünftig umzugehen wird hier erwartet, dass das einfach mal ausgeschaltet wird und mit dem 18. Geburtstag dann mit einem Fingerschnippen ein Mensch mit gesunder, reifer, selbstbestimmter Sexualität dasteht, der weiß, wie damit umzugehen ist. Alles klar…
Ich muß glaub ich auch nicht darauf hinweisen, dass wohl so ziemlich alle hier Dreck am Stecken hätten und irgendwie als SexualstraftäterIn gelten würden, wären solche Gesetze in unserer Teenagerzeit gültig gewesen. Klar hat man auch manchmal Dinge getan, die man bereut hat oder hinterher als nicht so toll empfand. Aber wenn sie aus freiem Willen geschahen, dann sind sie Teil eines wichtigen Lernprozesses gewesen, das, was uns zu uns als sexuellem Wesen gemacht hat. Und es gibt auch sehr viele unglaublich schöne Erinnerungen, die keiner missen möchte.
Der Umgang mit Sexualität ist als JugendlicheR sowieso schon kompliziert in unserer Gesellschaft. Stichwort sexualisierter Körper. Daß der Körper, auch in seiner Nacktheit, nur zum Teil mit Sex zu tun hat und auch noch für zig andere Dinge gut und herrlich ist, ist leider immer noch viel zu wenig im Fokus – und dieser Gesetzesentwurf zementiert geradezu das nackter Körper=Sex. Und führt gleich weiter: Sex=Pornographie. Beziehungsweise Prostitution:

„Sexueller Missbrauch von Jugendlichen“ […] wäre nach dem neuen Gesetzeswortlaut schon der Fall, wenn ein Oberstufen-Schüler eine Bekannte ins Kino einlädt, in der Hoffnung, dass sie sich dafür dort zu sexuellen Handlungen bewegen lässt. Das Streicheln ihrer Brüste etwa könnte schon dann strafbar sein, weil die Einladung dann als „Entgelt“ gilt.

Was kann man dazu noch sagen? Was fällt einem dazu noch ein?
Daß dieser Gesetzesentwurf für alle Jugendlichen nicht nur beschissen, sondern meiner Meinung nach auch übelst schädlich ist, muß ich hier wohl nicht extra betonen.
Aber gerade für Mädels hat das einen ganz schön fiesen Backlash.
Wie wichtig es ist, dass diese Gesellschaft endlich kapiert, dass NEIN verdammtnochmal auch NEIN heißt, wurde hier ja schon öfters diskutiert. Und die Wichtigkeit diesbezüglicher Aufklärung von gewissen Kommentatoren auch eindrücklich bewiesen.
Damit ein NEIN aber als solches anerkannt wird, dass es Gewicht und Gültigkeit hat, setzt in allererster Linie erst einmal voraus, dass das jeweilige Mädchen (und auch die jeweilige Frau, aber hier geht’s ja grad um Jugendliche) über ihre Sexualität selbst bestimmt. Daß sie als ein Wesen gesehen wird, das imstande ist, über ihre Sexualität selbst zu entscheiden und aufgrunddessen zu einer Einwilligung sowie auch zu einer Ablehnung der jeweiligen sexuellen Handlung fähig ist. Aber wenn ein Gesetz nicht gelten lässt, dass ein Mädel zu einem JA fähig ist – wie kann man dann annehmen, dass ihr NEIN gültig ist? Sexuelle Selbstbestimmung ade.
Zudem befürchte ich auch klischeehafte Bewertungen der Einzelfälle. Das Stereotyp, Frauen mögen eigentlich gar keinen Sex (und müssen dazu überredet werden/worden sein) sowie das Klischee Männer/Jungs wollen immer, überall und mit jeder Sex könnte hier eine mächtige Renaissance erleben. Wenn man davon ausgeht, dass (in Bezug auf obig zitiertes Beispiel) eine männliche Brust nicht als erogene Zone gilt und SIE den Kinobesuch bezahlt hat – wird sie dann im Zweifelsfall auch angeklagt? Und wenn er bezahlt, sie aber mit dem Fummeln anfängt und er es lediglich erwidert – wer wird dann angeklagt? Läuft es dann wirklich auf das „Aber er/sie hat angefangen!!!“ raus? Oder wird wohl nicht eher er als Täter dastehen? Beschissene Situation – und zwar für beide. Egal wie man’s dreht und wendet. Er wird in die Täterrolle gedrängt und ihr wird die Sexualität abgesprochen. Und so soll Jugendschutz aussehen???

Selbst die in Zeitschriften wie „Bravo“ üblichen Aufklärungs- und Erlebnisartikel (mehr…), mit besonders freizügigen Abbildungen oder realistischen Schilderungen von Sex unter Jugendlichen, könnten künftig strafbar sein.

Jetzt bin ich kein besonders großer Fan von Bravo, nie gewesen, aber hier muß ich doch schlucken.
Kurze Rückblende in die Siebziger: Warum war Shere Hite mit ihrem Buch wohl so erfolgreich, warum war ihr Hite-Report so notwendig? Weil die Leute (besonders die Frauen) damals mit ihrer Sexualität ziemlich alleine dastanden. Es gab keinen Vergleich. Wenn eine Frau mit Handbetrieb in kürzester Zeit kommen konnte, ihr Mann es aber mit Penetration nicht schaffte, fühlte sie sich als sexuell gestört und unreif (jetzt schließt mal kurz die Augen und stellt euch vor, das wäre heute noch eure Realität. Ganz schön krass, nicht?) – warum? Weil das die herrschende Meinung war. Und die Frau hatte ja keinen Vergleich! Mit dem Hite-Report war es möglich, zu lesen, dass es ganz, ganz vielen anderen Frauen genauso geht!!! Wie wichtig das war, muß ich wohl nicht betonen.
Auch die damaligen Frauenklubs, die sich trafen, um sich selbst untenrum mit einem Spekulum zu betrachten, werden heute oft belächelt. Aber damals hatte man eben nur sich selbst zum Vergleich.
Heute gibt es Vergleiche millionenfach. Aber welche? Wenn frau sich im Teenageralter fragt, ob ihre Muschi normal ist, ob es anderen beim Sex genauso geht, muß sie lediglich ein paar Mausklicks weit ins Internet. Oder nen Playboy/ne Cosmopolitan kaufen. Geht ganz einfach und ist für eine Jugendliche auch weniger unangenehm, als die beste Freundin wirklich detailgenau über ihren Sex auszuquetschen (und ob das dann so alles stimmt, ist auch wieder so ne Sache…) oder ihr direkt in die Vagina zu schauen.
Aber was bekommt das Mädel an Vergleichen präsentiert? Ja, schon massenweise Sextips und nackte Frauen – aber haben die was mit der Realität zu tun????? Mitnichten. In einer Welt, in der heranwachsende Jugendliche an fast jeder Ecke mit Gina Wild lookalikes bombadiert wird, ist es doch erfrischend und wichtig, dass sie in der Bravo ECHTE AltersgenossInnen sehen, die genauso wenig Ähnlichkeit mit Dolly Buster haben wie sie selbst. Oder Berichte lesen, in denen andere Jugendliche erzählen, dass ihre Sexualität sie genauso verunsichert und ihre diesbezüglichen Ausflüge genauso wenig perfekt und reibungslos wie in einem Porno ablaufen.

„Jugendpornografie“ betreibt dann prinzipiell auch ein 15-Jähriger, der von seiner gleichaltrigen Freundin ein Foto im Bikini schießt – wenn sie „aufreizend“ posiert und ihre „Schamgegend“ dabei mehr oder weniger offen „zur Schau“ stellt.

Noch so was, wo ich die Wand hochgehen könnte. Wie keusch sieht man denn schon bitte in einem Bikini aus? Muß frau sich jetzt bis zur Volljährigkeit in einen Ganzkörperbadeanzug hüllen oder ganz auf Strandurlaubsbilder verzichten, um den eigenen Freund nicht zu kriminalisieren?
Muß sie sich überhaupt schämen, wenn sie so oder so rumläuft/posiert? Sind wir wirklich wieder so weit, dass Mädels sich derart mit Scham beladen lassen müssen? Und wer bestimmt hier eigentlich, was als „aufreizend“ gilt? Leider wieder mal NICHT das Mädchen selbst.
Und noch eine andere Frage: wie genau hat ein männlicher Teenager auszusehen, damit er als „aufreizend“ genug gilt? Auch Ganzkörperbadeanzug? Nackte männliche Oberkörper können schließlich genauso erotisch sein wie weibliche. Oder ist das mal wieder gaaaaaanz was anderes? Weg mit den 80erJahre-Männerbadehöschen und nur noch schlabbrige Boxershorts, damit sich das Glied ja nicht irgendwo abzeichnet? Was, wenn ein Mädel mit ihrem Fotoapparat aus Versehen den unfreiwilligen Ständer mitknipst?
Eine leise Stimme flüstert mir zu, dass Jungs wohl weniger als „aufreizend“ bezeichnet werden. Was einerseits ganz schön beleidigend für diese ist und auch mal wieder von Doppelmoral und der ach so beliebten Zwangssexualisierung weiblicher Körper schon im Teenageralter zeugt.
Außerdem lenkt es übelst von ECHTER Kinder/Jugendpornografie ab. Wie viele Menschen hätten nach diesem Gesetz einen Eintrag zu Jugendpornografie oder sexuellem Missbrauch in ihrer Akte? Denn mal ehrlich: egal von der Gesetzeslage, Teenager werden sich auch weiterhin sexuell aktiv gebären. Das war schon immer so (auch zu Zeiten der prüdesten Gesetze, die man sich vorstellen kann) und wird sich nie ändern. Ist schließlich menschliche Natur. Wie viele? Mindestens die Hälfte schätz ich mal (wird sich auch nicht jeder erwischen lassen). Wenn bei so vielen Leuten da ein Eintrag steht, fällt es dann überhaupt noch auf, wenn eineR zur Spezies der wirklichen Kinderschänder gehört???
Ich mach jetzt hier mal Schluß. Auch wenn ich noch ewig weiterschreiben könnte.
Kurz: Ich halte diesen Gesetzesentwurf nicht nur für absolut realitätsfern, sondern auch schlichtweg für gefährlich.
Und ich verlange nicht weniger als einen lauten, hörbaren Aufschrei dagegen.

UPDATE: Die Taz gibt teilweise Entwarnung. Toll hört sich das Ganze aber immer noch nicht an…


22 Antworten auf “Sexuelle Entwicklung? Ist böse.”


  1. 1 vera 11. Dezember 2007 um 11:43 Uhr

    Deinen unmut kann ich nachvollziehen, aber die argumentation mit „natuerlichkeit“ stinkt.

  2. 2 die hand die an deiner stirn klepbt 11. Dezember 2007 um 12:11 Uhr

    http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/858/gruppensitzung_mit_bettgenossen.html

    wird wohl zeit das wir auch mal wieder die klotüren aushängen

    nur das wir nicht unsere nazi eltern zum feindbild haben sondern die medienwelt die das frauenbild immer polarisierter und obszöner verkaufen muss

    und deshalb prüde politiker dazu anstiftet sich solchen unsinn einfallen zu lassen
    um mal wieder „für sitte und anstatt zu sorgen“

    [teil des kommentars von der admin gelöscht]

    der trend das diese gesetze immer undurchdachte und grauzoniger werden hält ja weiterhin an
    (wenn mann sich überlegt wie lange das grundgesezt und das arbeitschutzrecht usw sich schon hält) heutige gesetze haben ein verfalls datum von monaten danach müssen sie nachgebessert werden weil nich anständig vorausgedacht wurde

    und die masche den menschen die sexuelle mündigkeit abzuschreiben
    ist ja nu ein alter hut

    das hat schon die kirche gemacht um mit eiserner furch zu regieren und die nsdap hat auch solche gesetzte erlassen

    den die sexualität des menschen tangiert seine seele wer die sexualität kontroliert oder bricht verfügt über den gebrochenen menschen

    und jugendliche ranzuzuüchten die keinerlei selbsvertrauen(das hat nehmlich sehrviel mit innerer selbstzufriedenheit zu tun) haben und sich nicht weren gegen gotgegeben gesetzes beschlüsse und mindestlohn ausbeute passt doch wunderbar in das bild der globaliesierung und der entwicklung der freien welt zum polizeistaat

    da schließt sich der kreis nehmlich doch wieder

    ach da könsch mi uffräschgen

  3. 3 st_eve 11. Dezember 2007 um 15:17 Uhr

    grrrrrr, krass! :o ich teile deine empörung. also mit dir und ich teile meine mit anderen
    nur so ne kluggeschissene ergänzung: ich wette auch föten mit sog. weiblichen körperbau haben erektionen im mutterleib…

  4. 4 dodo 11. Dezember 2007 um 17:14 Uhr

    @vera: was genau meinstn du?

  5. 5 st_eve 11. Dezember 2007 um 20:30 Uhr

    was in dieser debatte bzw.dem spiegel artikel und auch debatten um sexualisierte gewalt fehlt: eine ausführliche diskussion zum begriff des konsens‘!

  6. 6 lenni 11. Dezember 2007 um 21:00 Uhr

    Nehme mal an, dass Vera mit ihrer Kritik hierauf abziehlt.

    „Der Mensch ist ein sexuelles Wesen, von Geburt an. Bereits Kleinkinder masturbieren und der männliche Nachkomme wurde bereits in Mamas Bauch, also VOR der Geburt mit einem Ständer gesichtet. Sexualität ist ein Teil von uns.“

    Was hier postuliert wird, ist eine „natürliche“ Entwicklung von Sexualität. Schon das Konzept der Natürlichkeit an sich wird aber von Menschen, wie zB Anne Fausto-Sterling sehr kritisch gesehen. Tatsächlich entwickeln zb Kinder, die a la Kasper Hauser isoliert aufwachsen, eben keine in unserem Sinne „normale“ Sexualität. Entscheident für die Entwicklung ist vielmehr die gegenseitige(!) Einflussnahme von äußeren Faktoren und körperlichen Gegebenheiten.:)>-

  7. 7 dodo 11. Dezember 2007 um 22:38 Uhr

    neneneneneeee… ich sag nur, daß wir immer schon sexuelle wesen sind und nicht erst ab 18.
    klar ist die „gegenseitige einflußnahme von äußeren faktoren und körperlichen gegebenheiten“ für die entwicklung entscheidend. das ist ja gerade mein punkt. wenn – durch dieses gesetz – die äußeren gegebenheiten so sind, daß sie die sexuelle selbstbestimmung immens einschränken, kann man nicht erwarten, daß schwupps mit der volljährigkeit eine selbstbestimmte sexualität da ist. weil die umstände ja so ziemlich entwicklungshemmend waren diesbezüglich.

  8. 8 Lune 12. Dezember 2007 um 16:41 Uhr

    http://www.bmj.bund.de/enid/4f8a4acc0d0360fa43c3c36c7ea45af5,a4ccda706d635f6964092d0934383531093a0979656172092d0932303037093a096d6f6e7468092d093132093a095f7472636964092d0934383531/Pressestelle/Pressemitteilungen_58.html
    Entschuldigt bitte, wenn ich so einen riesigen Link reinknalle, aber es ist in diesem Fall wichtig sich nicht auf die Medien zu verlassen, bzw. nach anderen Quellen zu suchen. Auch normalerweile halbwegs seriöse Zeitschriften können Mist schreiben. ;-)

  9. 9 dodo 13. Dezember 2007 um 7:45 Uhr

    hey lune, danke für den link (puh, was bin ich froh). auf meiner quellensuche bin ich nur auf berichte gestoßen, die imprinzip den spiegelartikel weitergeben.
    trotzdem – jetzt würds mich doch mal brennend interessieren, was in dem dingens jetzt genau wirklich drinsteht!

  10. 10 henteaser 15. Dezember 2007 um 23:00 Uhr

    Aus der BMJ-Klarstellung:
    "Der Rahmenbeschluss hat zum Ziel, Kinder und Jugendliche vor dem Abgleiten in die Prostitution zu schützen. Deshalb muss die Vornahme sexueller Handlungen mit einem Kind, also mit einer Person unter 18 Jahren, unter Strafe gestellt werden, wenn dafür Geld oder sonstige Gegenleistungen geboten werden."

    Mal abgesehen vom schwammigen ’sonstige Gegenleistungen‘ – Ich dachte, die ach so schreckliche Prostitution wäre in Deutschland erlaubt? Wie kann man/frau in einen anerkannten Beruf abgleiten?

  11. 11 illith 16. Dezember 2007 um 1:45 Uhr

    *gg*

    naja, der punkt ist wohl, dass es hier nicht um mann/frau sondern um kind/jugendlicheR geht ;)

  12. 12 henteaser 16. Dezember 2007 um 23:11 Uhr

    Ich weiß das. Komisch nur, dass Zypries und Co. zwar gegen sexuelle Ausbeutung von Jugendlichen vorgehen, aber nicht gegen Ausbeutung durch Schulpraktika oder Lehranstellungen. Will sagen: Mir leuchtet der Unterschied zwischen dem Verkauf ‚der Unschuld‘ und dem Verkauf von täglich acht Stunden Lebenszeit nicht ein.

    Für moralisch einwandfrei halte ich beides nicht, aber ich würde auch niemanden verdammen, der/die mit Körpereinsatz in kurzer Zeit viel Geld verdienen will.

    Von Obrigkeiten verordnete Prüderie in Zeiten der weltweiten Vernetzung auch des Sexualwissens halte ich sowieso für lächerlich. Geben wird es solche Verordnungen immer, aber auf lange Sicht haben sie keine Chance, wenn sie nur von genug Menschen missachtet werden.

    Als Nebeneffekt von Verboten wird die Übertretung selbst wird zur ‚Perversion‘ oder zumindest zur Mutprobe – z.B. gäbe es ohne Schul- oder Cheerleader-Uniformen keine diesbezüglichen Fetische.

    Ob Frau Zypries ahnt, dass es so etwas wie Ageplay gibt? Und das nicht nur in Second-Life-Avatarform. Wie werden Ageplayer zukünftig bestraft?

    Außerdem: Dürfen Teeniebands wie Die Lollipops noch auftreten? Wird Lazy Town abgesetzt, weil es Slashfiction davon gibt? Schreiten die SittenwächterInnen ein, sobald ein Vogue-Model zu kindchenschematisch aussieht? Was sagt der Gesetzgeber zu unnatürlich körperbetonten minderjährigen Zeichentrickmädels wie Sailor Moon (14-16) oder Arielle (16)? usw. usf.

    Fazit: Gut gemeinte Lächerlichkeit, die mit Sicherheit nach hinten losgeht und hoffentlich derbe Stimmverluste für die abnickenden Parteien nach sich zieht. (Siehe auch die Vorratsdatenspeicherung, ‚Raubkopierer sind Terrorischde‘, ‚Killerspieler sind Vergewaltiger‘ und andere Kurzsichtigkeiten.)

    PS: Während ich dies schreibe / während Du das liest, sterben hunderte Menschen – nicht nur Kinder – durch kriegerische Gewalttaten, Unterernährung und besoffene Autofahrer. Soviel zum Thema politische Prioritäten.

  13. 13 illith 18. Dezember 2007 um 17:16 Uhr

    öhm, versteh ich das richtig, für dich ist es „das gleiche“, ob eine jugendliche person unbezahlt praktikum im supermarkt macht oder bezahlt anschaffen geht? :-

    und es gibt slashfic von lazy town? @-) *google anschmeiß*

  14. 14 henteaser 18. Dezember 2007 um 23:47 Uhr

    Nun ja, es ist nicht das Gleiche, aber zumindest vergleichbar. (Au weia, das habe ich doch nicht wirklich so abgeschickt…) Wohlmeinende Politiker reden von Prostitution im klassischen Sinn und übersehen(?), dass jede Form des ‚Zu-Markte-tragen-der-eigenen-Haut‘ Anschaffen ist.

    Und die Antwort auf Frage Zwei gibt Rule 34: If it exists, there is porn of it. No exceptions.

  15. 15 Caroline-NL 24. Dezember 2007 um 17:57 Uhr

    Das Gesetz ist erstmal verschoben worden, auch aufgrund der Kritik der Bürger, der Medien, ob Printmedien oder Blogs. Allerdings wird es fast unverändert Ende Januar vom Bundestag abgesegnet werden.
    In den Niederlanden haben wir dieses schwachsinnige Gesetz schon seit über 5 Jahren, allerdings wird davon kaum Gebrauch gemacht.
    Einige erwischte es dann aber doch, z.B. eine 15-jährige, die sich vor der Webcam alleine „vergnügt“ hat, bzw. eine 19-jährige, die eine 14-jährige Freundin hatte usw.
    In D haben die Oberstaatsanwälte schon angekündigt, dieses § BUCHSTABENGETREU anzuwenden. Übrigens waren unsere Mädchenzeitschriften ( in den Niederlanden ) so explizit, daß man sie nach dem neuen § alle als „Kinderpornographie“ bezeichnen könnte. Auch harmlose Zeitschriften in D, wie Bravo Girl, Mädchen, Sugar usw. könnten nach dem neuen § als „Jugendpornographie“ eingestuft werden. Zypries will Besitz/(Ver)kauf/Vertrieb und Herstellung von „Jugendpornographie“ mit einer bis zu 5jährigen Haftstrafe (!) verfolgen lassen.

    Wie gut, daß ich mittlerweile in den Niederlanden lebe…..

    Leider ist dieses § aber auch ein Resultat der (weitgehend) entpolitisierten Jugend. Da in den Jugendverbänden der Parteien
    nur noch Karrieristen sitzen, haben die Politiker keine Ahnung
    mehr vom relaen (Sex-)leben.
    Mehr Infos gibts hier : http://schutzalter.twoday.net

  16. 16 illith 25. Dezember 2007 um 1:32 Uhr

    Auch harmlose Zeitschriften in D, wie Bravo Girl, Mädchen, Sugar usw. könnten nach dem neuen § als “Jugendpornographie” eingestuft werden.

    das tat ich schon mit 12J. :d

  17. 17 henteaser 26. Dezember 2007 um 10:17 Uhr

    Hier noch ein Lesetipp zum aktuellen Schlag gegen diesen kürzlich aufgeflogenen ‚Pädosexuellenring‘: Vom ‚Himmel‘ in die Hölle

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