Happy Birthday, Simone!

Heute wär Simone de Beauvoir hundert Jahre alt geworden, was sämtliche Medien dazu veranlasst hat, über sie zu berichten (die Mädchenmannschaft hat übrigens eine schöne Leseliste zusammengestellt) und ich fand, das Mädchenblog darf da auf keinen Fall fehlen.
Aber was soll man schon großartig über diese Frau sagen außer dem Wort „großartig“?
Wer sich mit ihr noch nicht (oder nur oberflächlich) beschäftigt hat, sollte das unbedingt nachholen. Denn es gibt meiner Meinung nach nichts an ihr, was uninteressant wäre: sowohl ihr Werk als auch ihre Biographie, die Interviews mit ihr oder auch die unterschiedlichen Darstellungen ihrer Person sind aufschlußreich und bringen einen vor allem zum Denken.
Am Bekanntesten dürfte wohl ihr Satz „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“ („On ne naît pas femme, on le devient“) sein, der mit seiner revolutionären These (und man bedenke: noch heute haben die meisten Leute Probleme mit dieser Äußerung – man kann sich also denken an wievielen Barrieren er 1949 gerüttelt haben muß!) den zweiten Band von ihrem Buch „Das andere Geschlecht“ einleitet und wichtige Grundlage der heutigen Gender Studies ist.
Wie relevant dieses Buch auch heute noch ist, kann man gar nicht genug betonen. Die Frau ist auch jetzt noch viel zu oft das andere Geschlecht, das von der „männlichen Norm“ abweicht, das von der Abhängigkeit zum Mann definiert wird. Dies zu erkennen und in seinen ganzen Facetten zu durchforsten finde ich persönliche als eine wichtige Aufgabe des Feminismus, ach was, eigentlich der ganzen Gesellschaft (Optimismus ahoy…); denn in unserer Gesellschaft, in der sich die Strukturen der patriarchalen Norm (zugegebenermaßen viel zu langsam und einigen Rückschlägen) stetig auflösen, in der Dinge Normalität sind, die zur Zeit des Erscheinens von de Beauvoirs bekanntestem Werk oft noch nicht mal denkbar gewesen wären, in der es für junge Frauen außer Frage steht, erstmal eine wie auch immer geartete Karriere anzustreben, in der es Väter gibt, die daheim auf Haus und Kinder aufpassen, Abtreibungen nicht mehr als anrüchig gelten und geschminkte Männer nicht nur in Rotlichtvierteln zu finden sind – in einer solchen Gesellschaft ist es eine akute Notwendigkeit, sich von alten Geschlechterrollen zu lösen, da diese einfach so nicht mehr funktionieren.
Machos mit der Erwartungshaltung, daß Frauen sich sowieso nur zum Männerfang an den Universitäten einschreiben, haben keine große Zukunft mehr.
Jungs, die nach dem altväterlich-patriarchalen Muster erzogen werden scheitern in der Schule.
Eßstörungen sind längst nicht mehr ein reines Frauenproblem. Und so weiter.
Fazit: neue Wege müssen her, eine neue Orientierung ist vonnöten, das gründliche Überdenken der noch immer viel zu tief verwurzelten Geschlechterstereotype ist unumgänglich.
Simone de Beauvoir war eine, die damit angefangen hat, die Augen hinsichtlich dieser Debatte zu öffnen und ihr Werk ist meiner Meinung nach noch immer unentbehrlich, wenn es darum geht, in eine fundierte Analyse von Geschlechterkonstruktion zu tauchen.
Auch wenn ich kompaktere Bücher zu feministischen Themen durchaus zu schätzen weiß, finde ich, daß um Simone de Beauvoirs Wälzer „Das andere Geschlecht“ kein Herumkommen ist. Wer sich bloß aufgrund der Masse des Buchs abschrecken lässt, ist selbst schuld und tut sich damit keinen Gefallen, bringt sich – auch als beleseneR FeministIn – um etliche Aha-Momente.
Alles in allem sollte es kein Jubiläum wie de Beauvoirs Hundertsten brauchen, um sich mit ihrer faszinierenden Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Immerhin haben wir ihr so einiges zu verdanken.


6 Antworten auf “Happy Birthday, Simone!”


  1. 1 MPunkt 09. Januar 2008 um 22:38 Uhr

    […] in einer solchen Gesellschaft ist es eine akute Notwendigkeit, sich von alten Geschlechterrollen zu lösen, da diese einfach so nicht mehr funktionieren.

    Willst Du jetzt die Roberta Kurzine des Feminismus werden? Das „Argument“ „funktioniert nicht (mehr)“ ist aus mehreren Gründen keins:

    1.) Der Erfolg einer Sache sagt nix über ihren Inhalt aus.
    2.) Stellt man sich damit dennoch affirmativ zu einem Gegenstand, solange er nur funktioniert. Was da wie funktioniert und wen das ggf. warum schädigt, interessiert einen da schlicht nicht mehr.
    3.) Passend dazu, das man nicht inhaltlich bestimmen will, was da funktioniert, sondern funktionieren selbst als Kriterium hat, wird die Sache dann an den eigenen, ihr sachfremden, Maßstäben gemessen, ob sie diese erfüllt. Bei Kurz ist es, dass der Kapitalismus keine Arbeit mehr einsaugen könne. Als würde das irgendein Kapitalist vorhaben und nicht, Geld in mehr Geld zu verwandeln. Bei Dir ist es halt die Verhinderung von Essstörungen und solcher Kram. Selbst das „Funktionieren“ (oder nicht) ist also geschummelt, weil man das höchstens nach dem den Gegenstand immanenten Zwecken beurteilen könnte.

  2. 2 dodo 10. Januar 2008 um 4:41 Uhr

    das ist sehr wohl ein argument. zwar nicht gerade das ultimativ ausschlaggebende lieblingsargument für dich und mich, warum gender studies wichtig sind, aber dennoch ein argument.
    und womöglich das einzige argument, bei dem der mainstream mitzieht.

  3. 3 bigmouth 10. Januar 2008 um 11:14 Uhr

    oh, toll

  4. 4 MPunkt 10. Januar 2008 um 15:19 Uhr

    und womöglich das einzige argument, bei dem der mainstream mitzieht.

    Na wenn Deine Kriterien für „Argument“ alle so sachfremd sind, muss ich mich ja nicht weiter wundern, warum Du es für eins hälst.

  5. 5 st_eve 11. Januar 2008 um 10:18 Uhr

    MPunkt, schlag du doch mal ein gelungenes Argument vor. Und zwar eines, dass ich auch meiner Mudda mit Volkschulabschluss vortragen kann…

  6. 6 bigmouth 11. Januar 2008 um 13:54 Uhr

    es macht leute unglücklich und beschränkt sie in ihren ausdrucksformen und -möglichkeiten?

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