Role Models

Nachdem sich bei meinem letzten Beitrag einige sich über folgende Formulierung

(…)Es gibt Rollenvorbilder, die einem Mut machen. Die nicht in das Weiblichkeitsklischee fallen, sei es Angie Merkel oder Nina Öger.(…)

beschwert haben (inklusive einem sich wahrscheinlich darauf beziehenden sehr verwirrenden Pingback), wollt ich das Thema nochmal ansprechen.


Ich rufe der heutigen Jugend nicht zu: Werdet wie die Angie! Ich sage auch nicht, daß genannte Personen meine persönlichen Rollenbilder sind. Sondern, daß sie in Position und Lage sind, dies für einige Mädels zu sein und ihnen Mut zu machen.

Die englischsprachige Wikipedia sagt:

The term has passed into general use to mean any „person who serves as an example of a positive behavior“.

während die deutschsprachige Seite einen ganzen Soziologieaufsatz anbietet.
Irgendwie bleibt der Begriff schwammig. Deswegen geb ich jetzt mal meinen Senf dazu.

Was für ein positives Verhalten ist denn nachahmenswert? Mal ganz objektiv, so für jeden? Auch wenn das jetzt nach einer Mischung aus Cosmopolitanpsychologie und New Age klingt finde ich, die Antwort darauf ist: ganz sich selbst zu sein, ein gutes selbst.
Aber wie geht das zusammen, einerseits ein Individuum, das seine Einzigartigkeit entdeckt und schätzt – und auf der anderen Seite Rollenvorbilder?
Naja, je nachdem wie man den Begriff „Role Model“ definiert.
Wir alle sind eingebettet in sozialen Kontext. Wenn uns das Verhalten, der Stil oder sonstwas an jemandem gefällt, sagt das auch was über sich selbst aus. Und das, was uns gefällt, wird als positiv, auch positiv für uns selbst gewertet. Manche kleinen Teile macht man zu seinen eigenen, vieles verwirft man später, einiges wird umgemodelt. „Kopieren“ sagen jetzt böse Zungen. Aber mal ehrlich: kopieren funktioniert nicht. Und kann auch nicht das glückseligmachende Ende der ganzen Weisheit sein.
Trotzdem begegnen wir immer wieder Menschen, die uns irgendwie inspirieren. Uns irgendwie, vielleicht nur ein bißchen, weiterbringen.
Time Warp.
Mit 16 hatte ich ein Rollenvorbild. Courtney Love. War ja klar.
Sie war die erste, bei der ich bewußt eine positive Frauenrolle wahrnahm; eine die mir gefiel, die zu mir eher passte als die sonstigen „Angebote“ an Role Models die mir so über den Weg liefen. Un zu der Zeit brauchte ich genau so ein Role Model wie sie: laut, bunt und Dinge rausposaunend, die niemand hören will. Auch wenn das jetzt vielleicht lahm ist, aber sie hat mich damals enorm inspiriert. Und um es wieder trockener zu sagen: ihr Verhalten schien mir in der Tat nachahmenswert.
Moment mal.

Neben ihrer Hauptbeschäftigungen, Schlagzeilen zu machen, Drogenskandale zu produzieren und ums Sorgerecht für ihre Tochter zu kämpfen, nimmt sie mit Linda Perry (4 Non Blondes) ihr erstes Soloalbum auf.

formuliert laut.de.
Ich hatte natürlich nie vor, sämtliche Eskapaden von Miss Love nachzuahmen. Einige fand ich enorm peinlich, viele gingen mir am Arsch vorbei.
Aber das hat auch gar nicht interessiert. Genausowenig wie es mich gestört hat.
Weil ich mir vom Role Model Courtney Love nur das geholt hab, was ich wollte, was mir guttat.
Wenn jetzt ein Mädchen von, keine Ahnung, 13 Jahren politisch interessiert ist, vielleicht ist es ja dann ihr Traum, Bundeskanzlerin zu werden. Da es ja schon eine von der weiblichen Sorte gibt, ist dieser Traum für das Mädchen schon realistischer als es vor 10 Jahren noch war. Vielleicht findet sie die Merkel toll, bewundert ihre Zähigkeit und ihr Durchsetzungsvermögen, den Job, die Macht, die Tatsache, daß sie sich an die Spitze gekämpft hat. Und ist inspiriert davon, will das auch schaffen. Weil die eigene Weiblichkeit dem Job zumindest mal schon nicht im Wege steht.
Daß Miss Merkel auch Scheiße baut, davon will das Mädel wahrscheinlich im Moment gerade nix wissen. Interessiert sie nicht. Sie will ja schließlich Bundeskanzlerin werden, ihr Traum ist nicht, Onlinedurchsuchungen zu fordern.
Ihr Bild von Angela Merkel ist subjektiv und hat mit der „echten“ nicht so viel zu tun.
Später entdeckt sie vielleicht, daß ihr Role Model aufgrund einiger Dinge nicht mehr zu demselben taugt. Und verwirft es wieder.
Aber für diese Zeit davor hat sie sich aus dem Rollenvorbild positive Dinge gezogen. Der Traum, Bundeskanzlerin zu werden, ist ihr näher gekommen. Auch wenn sie nicht zur Merkel werden will, als Rollenvorbild hat sie ihr Mut, Inspiration und Interesse zu verdanken.
Und sind Rollenbilder nicht genau dazu da?
Wir finden sie toll aus irgendeinem Grund, der uns anspricht. Auf den konzentrieren wir uns dann, lassen uns begeistern und bereichern. Weil es uns im Moment gerade weiterbringt irgendwie.
Ist das nicht mehr der Fall, ist das Role Model futsch. Aber man hat was mitgenommen.
Und wird trotzdem mit etwas Geschick immer mehr zu sich selbst.


29 Antworten auf “Role Models”


  1. 1 bigmouth 02. März 2008 um 13:48 Uhr

    ich finde es eher doof, wenn leute bundeskanzler werden wollen, ehrlich

  2. 2 st_eve 02. März 2008 um 14:16 Uhr

    ich finde das ja in gewissen momenten auch immer sehr ermutigend zu hören „sei einfach du selbst“ – nach in die tausende gehenden seiten diskursanalyse, poststrukturalismus, queer theory uswusf zweifle ich aber doch sehr an mir und irgendeiner person als in-dividuum, als unteilbares dasein. da ist es doch war höhnisch gesagt zu bekommen: „sei einfach du selbst“, ja, haha, welches meiner 3 dutzend selbst denn eigentlich? und zu welchem zeitpunkt? es stellt sich mir doch immer die frage, im gefühl in einem paradoxon zu stecken: wer aber ist dann die person, die selbstbewusst handelt, lässt sich das noch festlegen? wem lasse ich denn all die wirklichkeitseindrücke zukommen? wie lange halten identitäten und nicht-identitäten vor? wenn ich mir selber helfe, wieviel und wo ist „mir selber“?
    naja, das nur als anmerkungen am rande. rolemodels können vielleicht auch nur für ein bestimmtes persönliches ziel vorbild sein, so wie ich selber vieles bin, kann ich an idol_innen usw ja auch nur einen teil gut finden, andere facetten ihrer präsenz lassen mich kalt und schrecken mich ab. liegt in dieser argumentation eine gefahr?

  3. 3 heidi k. 02. März 2008 um 14:29 Uhr

    mit 13 könnte man vielleicht sogar schon von politisch interessierten mädchen erwarten, dass sie auch die inhalte mitbedenken. ich würde da eher jünger ansetzten, bevor das „politische bewusstsein“ im engeren sinne bereits entwickelt ist. so war beispielsweise für mich im grundschulalter maggie thatcher ein vorbild, einfach weil sie als frau in einer position war, wo es sonst nur männer gab. als ich dann anfing, mich wirklich für politik zu interessieren, hatte sich das dann natürlich erledigt …

  4. 4 schalkerine 02. März 2008 um 14:32 Uhr

    Also ich kann mir nicht vorstellen, dass man als 13 Jährige die Bundeskanzlerin als role model hat! Vielleicht eher jemanden wie lady bitch ray! Die wäre/ ist doch ein cooles (und auch realistischeres) role model für 13 jährige Mädels. Ein in der Pupertät steckendes Mädchen kann sehen: he da ist eine coole Frau (mit türckischer Herkunft), die ihre Sexualität voll auslebt, und mir vermittelt, dass ich stolz auf meine „Votze“ sein kann. Trotzdem muss sie nicht jeden Scheiß, denn lady bitch ray von sich gibt toll finden.

  5. 5 erteert 02. März 2008 um 17:19 Uhr

    Was soll eigentliches dieses „Angie“ die ganze Zeit?

    „Es gibt Rollenvorbilder, die einem Mut machen. Die nicht in das Weiblichkeitsklischee fallen, sei es Angie Merkel oder Nina Öger.“

    „Ich rufe der heutigen Jugend nicht zu: Werdet wie die Angie! Ich sage auch nicht, daß genannte Personen meine persönlichen Rollenbilder sind. Sondern, daß sie in Position und Lage sind, dies für einige Mädels zu sein und ihnen Mut zu machen.“

    Dodo… viel Text um Nix… beantworte doch einfach
    die Fragen die bigmouth und misstakenidentity aufgeworfen haben.

    Wer es ermutigend findet, dass für die alten und neuen
    Zumutungen jetzt „in erster Reihe“ eine Frau
    verantwortlich ist, der sieht doch wirklich nur noch
    Frau/Mann sonst nichts mehr.

  6. 6 dodo 02. März 2008 um 19:44 Uhr

    die angie diente als beispiel, weil sie im anderen text halt auch schon zufällig vorkam.

    Wer es ermutigend findet, dass für die alten und neuen
    Zumutungen jetzt “in erster Reihe” eine Frau
    verantwortlich ist, der sieht doch wirklich nur noch
    Frau/Mann sonst nichts mehr.

    *seufz*
    GENAU DARUM hab ich den post geschrieben. wenn ein mädel mit dem fakt aufwächst, daß es für frauen politisch keine grenze mehr nach oben gibt, kann ihr das mut machen, sich selbst politisch zu betätigen.
    wenn man in der politik immer nur männer in den wichtigen positionen sieht, kann das ein mädel entmutigen – und das ist jetzt nicht mehr so der fall. die vorgelebte tatsache, daß auch eine frau bundeskanzlerin werden kann, ist das entscheidende, daß eine grenze abgebaut wird. es geht dabei nicht um die einzelnen dinge, die die angie alle tut.
    und überhaupt war die angie gar nie zentraler bestandteil der debatte, ich hab halt die nächstbeste erfolgreiche frau als beispiel genommen.

  7. 7 erteert 02. März 2008 um 20:17 Uhr

    Ich rede davon was das soll, dass du sie „Angie“ nennst…

    „die nächstbeste erfolgreiche frau“

    Jo… und was ist für dich „erfolgreich“?
    Die die den Machtkampf in Staat und Kapital für sich
    entschieden haben.

    Danke, Nein!

    Und ja, du sagst: „es geht dabei nicht um die einzelnen dinge, die die angie alle tut.“
    Das ist genau der Vorwurf der dir gemacht wird.

  8. 8 dodo 02. März 2008 um 21:00 Uhr

    1. weil es schneller zu tippen ist als „angela merkel“ und eh jeder weiß, wer gemeint ist.
    2. „erfolgreich“ ist für mich eine person, die ihre ziele erreicht hat. ob ich ihre ziele gut finde ist in dem fall irrelevant, da es ein beispiel ist, nicht mehr.
    2. ich sag ja nicht, daß du übernacht zum merkelfan werden und in die cdu eintreten sollst. „Danke, nein!“? ich hab dir kein angebot gemacht. auch keinen vorschlag. ich habe nur ein beispiel beschrieben, was irrrrgendein mädel eventuell für ein role model haben könnte. das muß ja nicht das deinige sein, wer sagt das, mein role model isses bestimmt auch nicht.
    3. dann versteh ich den vorwurf nicht. ich dachte, ich hätte im originaltext deutlich gemacht, daß das betrachterinnen-individuell subjektiven „role model“ A. Merkel nicht gleich die echte, handelnde Realperson A. Merkel ist.
    Ich kann einen Menschen, der meiner Meinung nach sowohl gute als auch beschissene Dinge tut, trotzdem zum Vorbild nehmen, wenn die „gute“ seite meiner persönlichen meinung nach „überwiegt“, der inspiration so dienlich ist, daß man die eher negativen sachen ignorieren, mal beiseite legen kann. deswegen kann ich ihnen trotzdem noch kritisierend gegenüberstehen. ich kreiere mein role model aus den von mir gefilterten positiven aspekten, nicht nach der echten, reellen „ganzperson“.
    wenn susi p. aus hintertupfingen mit 13 vom role model der angela m. inspiriert wurde, sich weiterhin politisch zu engagieren, sich nicht den mund zu verbieten lassen, nur weil man weiblich ist, wenn sie dann politisch karriere macht usw. … wird sie inzwischen womöglich andere role models haben. und die welt wahrscheinlich eh anders sehen als noch mit dreizehn. und wird in 40 jahren bundeskanzlerin, die es schafft, den weltfrieden herbeizuführen oder so.
    und dann liegt das nicht direkt an der realperson a. merkels, sondern höchstens an dem bild, das sie sich mit 13 mal von ihr gemacht hat.
    DESWEGEN ist die angie #1, die real ist und viele doofe sachen macht, nicht die gleiche wie angie#2, das positive rollenvorbild.
    hier relevant ist aber angie#2, da es ja um Rollenvorbilder geht.

  9. 9 nonogender 02. März 2008 um 21:42 Uhr

    ich find dodo macht schon verständlich, wie sie das meint und gleich mit hitler zu kommen find ich auch ein bisschen überzogen.
    aber die frage bleibt ja schon ob die position bundeskanzler-in ein positiver bezugspunkt sein sollte, da diese mit einem aus unterschiedlichsten gründen kritikwürdigen machtsystem verbunden ist.
    generell hab ich die kritiken auch eher so verstanden (oder meine ist es auf jeden fall), dass ein bezug zu deutschland generell problematisch ist; und dieser bezug ist ja im letzten beitrag schon etwas unkritisch passiert. erstens durch den titel „neue männer braucht das land“ (warum?also deutsch-land braucht gar nix, dann eher noch deutschland muss sterben oder so.. mal davon abgesehen, warum nur für deutschland ‚neue männer‘ fordern?) und dann durch den positiven bezug zur bundeskanzlerin, die ja quasi als chefin des deutschen kollektivs agiert

  10. 10 erteert 02. März 2008 um 22:39 Uhr

    Ich denke nicht dass es drum geht hier irgendwie positiver
    Bezug zur Bundeskanzlerin. Es geht drum wie man sich
    hier im Mädchenblog Feminismus vorstellt.
    Und hier heisst das wohl dann: immer wenn ne Frau ihre
    Ziele durchsetzt taugt sie als „Rollenvorbild“.
    Was dahinter steht ist völlig egal.
    Darauf macht auch der Hitler Einwurf aufmerksam.
    Ob das jetzt irgendwas bringt, dass sich irgendnen
    Mädchen Merkel oder Öger zum Vorbild nimmt, völlig egal.
    Solange eine Frau irgendwie ihre Ziele durchsetzt
    kann das zumindest einem Mädchen Mut und Inspiration und
    was weiss ich nicht geben.

  11. 11 dodo 02. März 2008 um 23:01 Uhr

    @nonogender:
    ob die bundeskanzlerin unserer meinung nach ein positives rollenbild ist, ist gar nicht der punkt. für uns trifft das ja offensichtlich nicht zu.
    ich habe frau merkel NICHT als besipiel gewählt, wei, sie mit deutschland zu tun hat, sondern weil sie naheliegend schien. einflußreiche frau? angie merkel. fällt einem halt ein. na mei. hätt auch wer anders sein können.
    und die 13jährige (ich führ das bsp. einfach mal damit fort) verbessert vielleicht später mal das kritikwürdige machtsystem. wer kann das schon wissen. wird vllt. nicht bundeskanzlerin, sondern die nächste ausgabe von ghandi. wer weiß das schon.
    der titel war halt schick wegen der liedzeile, die jeder kennt, als blickfänger. find ich aber auch nicht problematisch, denn ich fasse den begriff „land“ nicht unbedingt synonym mit „nation“ auf.
    @erteert:
    ich weiß nicht wie das mädchenblog sich feminismus vorstellt. ich bin ja nicht das mädchenblog. nur ein teil davon. ich weiß, wie ICH mir feminismus vorstelle und das hat mit dem von dir zitierten vorwurf mal echt nix zu tun.
    auch männer taugen zum rollenvorbild und wie bei frauen als auch bei männern gibt es rollenvorbilder, die ich als gut oder schlecht oder extrem scheiße bezeichnen würde.
    ausgangspunkt warursprünglich, daß es lange zeit eine mickrige auswahl an weiblichen role models gab und eine vielfältige für männer. jetzt ist auch die auswahl für frauen vielfältiger. beispielsweise in der politik. das war’s. wenn die merkel wen dazu inspiriert, sich politisch zu engagieren, gut. wenn eine mir sympathischere person das role model sein sollte, besser.
    es sei denn du bist der meinung, alle sich von merkel inspiriert fühlenden wollen automatisch das 4. reich aufbauen, dann ergäbe deine theorie sinn.
    halte ich aber für recht unwahrscheinlich.
    abgesehen davon finde ich die hitlervergleiche hier hetzerisch und, mal gelinde gesagt, fehl am platz.

  12. 12 pia 02. März 2008 um 23:10 Uhr

    „hier im Mädchenblog“ gibt es vielleicht auch ganz viele unterschiedliche vorstellungen vom feminismus. und „hier im Mädchenblog“ soll eigentlich der raum sein, diese untereinander zu diskutieren. und das sollte auch auf der ebene möglich sein, dass man gedanken zur diskussion stellt, ohne dafür gleich angepöbelt zu werden und mit vorwürfen überzogen zu werden. da kommt dann meistens nicht viel bei raus, wenn es nur noch darum geht, anderen ein imaginiertes homogenes weltbild zu unterstellen und argumentation zur verteidigung werden muss.

  13. 13 erteert 03. März 2008 um 2:41 Uhr

    Ja… meinetwegen was dodo sich vorstellt…
    „Hitlervergleich“ gabs keinen.

  14. 14 Crash 03. März 2008 um 7:39 Uhr

    Warum müssen Mädchen eigentlich Frauen als Role Models haben und Jungs Männer? Kein ein Mädchen nicht gleich Ghandi als Vorbild haben? Muss sie erst den Umweg über Merkel gehen, weil Merkel eine Frau ist?

  15. 15 dodo 03. März 2008 um 8:38 Uhr

    nö, müssen tut sie das nicht. vielleicht fällt ihr das aber leichter.

  16. 16 chica 03. März 2008 um 11:35 Uhr

    Der Unterschied zwischen Courtney und Merkel liegt darin, dass
    erstere zumindest provokant ist und sich über soziale Normen hinwegsetzt. Und ich finde es gut, wenn Jugendliche Rollenmodelle haben, die die Gesellschaft zumindest ansatzweise hinterfragen. Merkel ist dagegen erzkonservativ und 100%konformistisch, und wenn ich nicht mal mehr mit 13Jahren rebelliere, wann dann? Ich finde es auch nicht okay, von den politischen Inhalten zu abstrahieren, Thatcher gab es lange vor Merkel, und „Werte“ wie Durchsetzungsvermögen und Zähigkeit im Kampf für die eigene Karriere sind ja Neoliberalismus pur.

  17. 17 bigmouth 03. März 2008 um 14:51 Uhr

    hey, wer hat meinen hitlervergleich gelöscht? der war vielleicht polemisch, aber das war einfach eine zuspitzung.

    ich glaube nicht, dass rollenvorbilder so abstrakt-nichtinhaltlich wirken. wenn eine 13jährige angie zum vorbild nimmt – wird sie sich dann nicht auch inhaltlich an ihr orientieren? bei courtney love kann man sehr viel projezieren, weil die ja nich zu allem was sagt, und man schon mit 13 irgendwie mitkriegt, dass jemand ein popkulturelles produkt ist. das bringt immer distanz mit sich. bei einer politikerin ist das was anderes. die

  18. 18 salz 03. März 2008 um 15:02 Uhr

    >> Warum müssen Mädchen eigentlich Frauen als Role Models haben und Jungs Männer? Kein ein Mädchen nicht gleich Ghandi als Vorbild haben? Muss sie erst den Umweg über Merkel gehen, weil Merkel eine Frau ist?

    Ich denke mal, die Argumentation bezieht sich auf die breite Gesellschaft, nicht auf die schon total dekonstruierten Linken. Und in der Gesellschaft ist es halt mal unbestreitbar so, daß ein wahnsinnig großer Unterschied zwischen „Frauen“ und „Männern“ gemacht wird. Wenn so ein „normales“ Mädel jetzt an die Politik denkt, und sich einen geschlossenen Kreis von Anzugträgern vorstellt, ist es für sie sicher schwerer, sich ein „mitmachen“ zum Ziel zu setzen, als wenn da schon ein paar Frauen dabei sind. Daher „Rollen“vorbild: Das Mädchen will jetzt nicht Frau Merkel werden. Aber es weiß, daß „jemand wie es“ es schonmal zum Erfolg gebracht hat.

  19. 19 erteert 03. März 2008 um 15:31 Uhr

    @bigmouth:

    Wenn du das als „Hitlervergleich“ gemeint hast, muss
    ich dich falsch verstanden haben. Wen oder was
    vergleichst du denn mit Hitler?
    Ich hatte das als einfaches Schlussfolgern interpretiert,
    welches zeigt was passiert wenn man sich darauf einlässt
    jeglichen Inhalt zu ignorieren, solang das „Role Model“
    nur „erfolgreich“ ist und über die eigenen Geschlechtsmerkmale
    verfügt.

    An der Stelle dann auch die Frage an dodo: Wo war denn
    da die Hetze? Wie hast du das interpretiert?

    Dieses Löschen macht doch keinen Sinn, die Diskussion
    ist jetzt nur für Leute die dazukommen schwerer nachzuvoll-
    ziehen. Meinst du denn wirklich bigmouth will dich
    irgendwie in die Nähe von Hitler rücken?

  20. 20 bigmouth 03. März 2008 um 17:56 Uhr

    ich habe angela merkel mit hitler verglichen, indirekt. gleichzeitig is das natürlich eine übertreibung als stilmittel

  21. 21 Nick 03. März 2008 um 23:00 Uhr

    Die Debatte ist doch schon mehr als hundert Jahre alt.

    Lustig: Bei Mädchen wird akzeptiert, dass sie sich bei ihren Role Models „nur holen, was sie brauchen“. Bei den Jungs aus „bildungsfernen Schichten“ ist ein und dasselbe auf einmal das „rekurrieren auf männliche Vorrechte“ und Folge des „grassierenden Männlichkeitswahns“. (Welche Vorrechte soll denn ein Junge aus „bildungsfernen Schichten“ eigentlich haben?)

    Das auf klassistische Vorrechte rekurrierende weibliche Role Model ist natürlich Positiv in dem Sinne, dass es den Mädchen das nötige Selbstbewußtsein verschafft, um sich ihren Platz in einer ungerechten Gesellschaft zu erstreiten. Alles klar.

    Das ist der Machtkampf der Mittelschichtfrauen, die mit dem System ansonsten recht zufrieden sind. Das hat schon Clara Zetkin erkannt, als sie darauf hinwies, dass die „Frauenfrage“ ein Nebenwiderspruch sei. Man muss kein Marxist sein, um dem zuzustimmen.

  22. 22 dodo 04. März 2008 um 1:14 Uhr

    Bei den Jungs aus “bildungsfernen Schichten” ist ein und dasselbe auf einmal das “rekurrieren auf männliche Vorrechte” und Folge des “grassierenden Männlichkeitswahns”. (Welche Vorrechte soll denn ein Junge aus “bildungsfernen Schichten” eigentlich haben?)

    Wo zum Geier liest du denn das bitte??? Ich glaub, du kommentierst auf dem falschen blog oder so…

  23. 23 Nick 04. März 2008 um 14:59 Uhr

    Wenn Du konstatierst, dass das Land neue Männer brauche, damit die Jungs im Bildungsbereich nicht mehr den kürzeren ziehen (Es sind die Jungs aus „bildungsfernen Schichten“, die den kürzeren ziehen), dann kann man doch wohl davon ausgehen, dass Du der Meinung bist, die Jungs bräuchten andere Role Models. Was soll denn Erziehung auch sonst sein, wenn sie nicht unlösbar mit Role Models verknüpft ist? Gleichzeitig kannst Du unserer von McKinsey gebrieften Bundeskanzlerine als Role Model positives abgewinnen.

    Damit ist klar, dass Du das (angebliche) Rekurrieren auf männliche Vorrechte anders bewertest als das Rekurrieren auf klassistische Vorrechte:

    Vielleicht findet sie die Merkel toll, bewundert ihre Zähigkeit und ihr Durchsetzungsvermögen, den Job, die Macht, die Tatsache, daß sie sich an die Spitze gekämpft hat. Und ist inspiriert davon, will das auch schaffen.

    Vielleicht findet er den Schröder toll, bewundert seine Zähigkeit und sein Durchsetzungsvermögen, den Job, die Macht, die Tatsache, dass er sich als Volksschüler aus armen Verhältnissen an die Spitze gekämpft hat?

    Nein, das ist wiederum kein positives Role Model. Neue Männer braucht das Land..

    Die „Frauenfrage“ wird so zum Hauptwiderspruch (im Sinne von gesellschaftlichem Gegensatz), andere Widersprüche werden ausgeblendet. Folgerichtig deklarierst Du die benachteiligten Jungs zu Opfern ihrer eigenen „Verhaltensmerkmale“.

    Damit begibst Du Dich in die Tradition der von Clara Zetkin kritisierten wilhelminischen Bürgersdamen. Von der Haltung dieser vorgeblich für Frauenrechte kämpfenden feinen Damen zu Kolonialismus und Krieg will ich lieber gar nicht reden.

  24. 24 Nick 04. März 2008 um 18:37 Uhr

    P.S.: Natürlich hast Du das alles mal wieder gar nicht gesagt, Dir ging es nur um die armen kleinen Jungen..

  25. 25 illith 08. März 2008 um 23:05 Uhr

    komisch, ich hab das gefühl, ich versteh hier als einzige dodo (in ihrem sinne) richtig.^^

    toller artikel :)

  26. 26 dodo 09. März 2008 um 21:54 Uhr

    danke

  27. 27 vogelfrei 11. März 2008 um 1:42 Uhr

    Der Begriff des ‚Role Models‘ ist der konformistischen Pop(un)kultur entprungen. Was verwunderlich ist, wo dieser Blog (offensichtlich) genau davon weg und zu einer (geschlechtlich) emanzipierten Gesellschaft hinwill.

    Wie wäre es mit dem Begriff ‚Selbstbild‘?
    Dort ist auch bereits der Begriff ‚Selbst‘ enthalten. Ein sehr wichtiger Begriff, was Entwicklung angeht. Immerhin ist man mittlwerweile über die Ansichten von Monsieur Piaget hinweg, dass der Mensch zwar aktiv an seiner Entwicklung teilhat, aber die Wahl des Weges nicht in seiner Hand liegt.

    Einen einzelnen Menschen, den man mal eben aus der Bildzeitung oder noch einschlägigeren Medien entnommen hat, nachzueifern führt zu nichts, was man an dem Durchschnitt der Jugend in unserem Kulturkreis deutlich sehen kann.

    Viel mehr sind Inspirationsquellen gefragt, die Informationen liefern wie das ‚Selbstbild‘ zukünftig aussehen soll und hier hat Crash Recht. Es ist ein Unding Geschlechter hier abgrenzen zu wollen und alles andere als zielführend. Ein stabiles Selbstbild findet man nicht durch Nachahmung von (eigentlich) unbekannten Rampenlichtpersonen. Es ist der falsche Weg. Viel mehr wäre es interessant nennens- und wünschenswerte Faktoren zur Entwicklung eines gesunden und widerspruchsfreien Selbstbildes aufzuzählen.
    Als Bonus dazu wären diese sogar geschlechterunspezifisch…denn immerhin ist die Entwicklungspsychologie bereits wunderbarst emanzipiert. Anders als MTV oder die Tagesthemen.

    Deine Message mag richtig und schlüssig sein. Allerdings ist sie tragischerweise weder schlüssig, noch verallgemeinernd und auch irgendwie leicht oberflächlich. (Einzige für dich in Frage kommenden Personen als ‚Role Models‘ sind konstruierte Figuren aus der Popkultur…aber es gibt auch noch solch eine tolle Erungenschaft wie ‚Familie‘ und ‚Eltern‘.)

    Cheers!

  28. 28 dodo 11. März 2008 um 4:10 Uhr

    hab ich eltern und familie je ausgeschlossen?

  1. 1 Courtney Love verliert Sorgerecht von gemeinsamer Tochter mit Kurt... Pingback am 15. Dezember 2009 um 13:01 Uhr

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