„Der Postfeminismus ist eine hinterhältige Sau“

Bei der Mädchenmannschaft wird ihr bald erscheinendes Buch „Wir Alphamädchen“ mit einer Leseprobe vorgestellt.
Auch wenn ich an einigen Ecken was zu kritisieren hätte (andererseits: wer hat schon zu 100% dieselbe Meinung?), freue ich mich auf das Buch: endlich scheint was vorwärtszugehen in Sachen Feminismus hierzulande! Das Missy Magazine ist auf dem Weg und schließlich finden sich auch junge Frauen bereit, feministische Publikationen nicht nur Alice Schwarzer zu überlassen. Während in den USA beispielsweise Jessica Valenti und Konsorten schon längst viele Herzen gewonnen haben und Zeitschriften wie Bitch Magazine schon seit langem Abonnenten haben, ist hier erst noch alles irgendwie im Aufbruch – was allerdings auch tierisch aufregend ist!
Gerade weil das negative Stereotyp der männerhassenden Feministin hierzulande noch ziemlich stark ist.

»Ich bin keine Feministin, aber …« Schluss mit dem Quatsch! Wir sind Feministinnen. Alle. Weil wir doch alle genau das wollen, was auch der Feminismus will: gleiche Verhältnisse für Frau und Mann. Also sollten wir auch etwas dafür tun!
Das Problem: Viele halten Feministinnen für hässlich, spaß- und männerfeindlich, ironiefrei und unsexy. Das alles wollen wir uns natürlich nicht nachsagen lassen, und deswegen streiten die meisten von uns lieber ab, irgendetwas mit »den Emanzen« zu tun zu haben. Dabei ist der Feminismus laut Definition der Encyclopedia Britannica nur: »the belief in the social, economic, and political equality of the sexes«, also »der Glaube an die soziale, ökonomische und politische Gleichheit der Geschlechter«. Alles, was über diese Definition hinausgeht, ist oftmals Vorurteil, Klischee. Also etwas, das kluge Menschen kritisch hinterfragen sollten.

Schön gesagt.
Daß trotz vielen Fortschritten in Sachen Gleichberechtigung noch einiges im Argen liegt, wird auch deutlich:

Wir wollen gar nicht klagen, das haben wir hinter uns, gegenüber unseren Freunden, Eltern, Kollegen. Als der männliche Kollege wieder einmal bevorzugt wurde. Als sich der Idiot an der Bar nicht verkneifen konnte, uns an die Brust zu fassen. Als die dritte Freundin wegen der Kinder zu Hause blieb und sagte, dass sie und ihr Freund es eben so beschlossen hätten. Uns jungen Frauen reicht es nicht mehr, immer und immer wieder nur festzustellen, dass etwas falschläuft, aber absolut orientierungslos zu sein bei der Frage, wo wir anfangen sollen, etwas zu ändern.

Wie das aussieht, muß jedeR für sich selbst entscheiden. Aber am Anfang steht das Denken, die „Lage überblicken“ – und dazu können Bücher wie dieses dienen (zumindest, was ich nach dieser Leseprobe gesehen habe). Als Inspiration, als Ideenpool sozusagen. Und das ist meiner Meinung nach notwendig – nicht daß noch mehr Menschen dem konservativen Backlash verfallen.

Also ignorieren wir, dass wir so frei eben doch noch nicht sind und dass es immer noch Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern gibt. Der Rückschritt ist ein schwer zu bekämpfender Gegner, wenn alle so tun, als gehöre die Welt schon zur Hälfte den Frauen, aber in Wirklichkeit eben nicht alles frei wählbar ist. Der Postfeminismus ist eine hinterhältige Sau.


20 Antworten auf “„Der Postfeminismus ist eine hinterhältige Sau“”


  1. 1 vogelfrei 11. März 2008 um 1:23 Uhr

    Das Problem des Feminismuses liegt in der eigentlich nicht vorhandenen Defintion. Es wurde im Lauf der Zeit viel in einen Topf geworfen und kräftig gerührt, wobei nicht wirklich auf widerspruchsfreie Argumente und Logik geachtet wurde.
    „Alles, was über diese Definition hinausgeht, ist oftmals Vorurteil, Klischee.“
    Leider ist genau das eben nicht der Fall & der Beweis wurde mir am Samstag Abend fast schon zu klischeehaft serviert.

    Auf Wikipedia findet man dieses überaus passende Zitat zu Feminismus als echte Theorie:
    „Es gibt Feminismus und es gibt Wissenschaft, aber keine feministische Wissenschaft.“
    Wissenschaftlich gesehen sollte man sich eher nach Dingen mit dem Label ‚gender studies‘ umsehen.

    Versteh(t) mich nicht falsch…ich bin für Emanzipation.
    Sehr sogar. Aber Emanzipation beschränkt sich bei weitem nicht auf die Geschlechterfrage und wird doch viel zu oft darauf reduziert.
    Im westlichen Kulturkreis sind wir meines Wissens auch schon um einiges weitergekommen, was die (geschlechterbezogene) Emanzipation angeht.
    Aber solche Bücher werfen immer drei Fragezeichen auf…welche nur bedingt durch persönliche Erfahrungswerte (die vielen Klischees widersprechen) wieder entfernt werden können…meistens nur eins oder zwei. Die verbleibenden werden verdrängt und kommen dann an beliebigen Samstag Abenden wieder zum Vorschein.

    Ich gebe Recht, wenn beklagt wird, dass in identischen Positionen der Mann (oftmals) besser bezahlt wird als die Frau. Wieso das so ist weiß ich nicht und ich glaube auch, dass sich diese Sache langsam bessert. Bezahlung sollte generell nur von einem Faktor abhängen:
    Der erbrachten Leistung.

    Wenn allerdings jemand bemängelt, dass ein Mann für eine längerfristige Anstellung einer Frau vorgezogen wird, frag ich mich manchmal, ob irgendwer nicht den biologischen Aspekt der Reproduktion vergessen hat…

    Als letztes ‚heißes‘ Thema bleibt eigentlich nur mehr Gleichberechtigung in Beziehungen übrig und die Pille für den Mann.
    Wobei ersteres jedem Individuum (bzw jedem Paar aus Induviduen) überlassen werden sollte, ist zweiteres pharmakologisch noch nicht umsetzbar. Die Gründe sind vielfältig und eigentlich (zu kleinen Teilen) auch recht offensichtlich.

    Ich wünsch dir viel Erfolg in deinem Bestreben eine emanzipierte Gesellschaft zu erlangen. Ich teile es mit dir.
    Aber Feminismus ist keine Antwort und schießt über das Ziel hinaus, bzw daran vorbei.

    Cheers!

    ps: Als sich der Idiot an der Bar nicht verkneifen konnte, uns an die Brust zu fassen.
    Die Quelle dieser Zeilen geht meiner Meinung nach einfach in die falschen Bars. (Und sollte von unnützen und klischeehaften Verallgemeinerungen absehen.)

  2. 2 cyborg* 11. März 2008 um 1:45 Uhr

    ich bin gerne hässlich und unsexy, meinetwegen auch behindert und ab-norm-al. macker-männlichkeit find ich auch scheisse und für jeden spass bin ich sowieso nicht zu haben. ein stück vom mainstream-kuchen will ich nicht. also ich wäre ja eher für einen queeren feminismus ohne ausschlüsse

  3. 3 Lune 11. März 2008 um 2:22 Uhr

    Und wenn Frau in der Bibliothek an den Po gefasst wird, geht man in die falschen Bibliotheken? Und wenn man Nachts auf der Straße verfolgt wird, dann ist auch die Frau schuld, denn sie hat sich garantiert zu freizügig angezogen. Und wenn sie einen langen Rock trug findet sich sicher ein anderer Grund wieso wieder die Frau schuld ist. ;-)

    „Wenn allerdings jemand bemängelt, dass ein Mann für eine längerfristige Anstellung einer Frau vorgezogen wird, frag ich mich manchmal, ob irgendwer nicht den biologischen Aspekt der Reproduktion vergessen hat…“

    Ja, die blöden Frauen, wieso brauchen sie auch so lange um einen neuen Erdenbürger auf die Welt zu bringen. Mensch, da können sie so viel für, das wir die Männer gleich bevorzugen müssen. Männer wollen sich sowieso nicht um ihre Babys kümmern. ;-)

  4. 4 dodo 11. März 2008 um 4:14 Uhr

    @cyborg: wo findest du denn hier ausschlüsse?

  5. 5 cyborg* 11. März 2008 um 13:27 Uhr

    „Das Problem: Viele halten Feministinnen für hässlich, spaß- und männerfeindlich, ironiefrei und unsexy“ – und diese klischees sollen widerlegt werden. diese „vorurteile“ sind so schlimm, dass man sich umbedingt davon abgrenzen muss.
    keine frage,es gibt viele feministinnen, die nach mainstream-standpunkt sexy schön sind, doch ist es wirklich so wichtig, sich von denen abzugrenzen, die oft als nicht-schön gelten (zum beispiel weil dick oder nicht feminin genug, weil trans oder butch)?
    das argument spassbremse wird meist eingesetzt, wenn man keine lust hat, sich mit themen kritisch auseinanderzusetzen. muss ich das jetzt widerlegen, in dem ich jeden „spass“ verstehe?
    das argument der männerfeindlichkeit ist auch nicht so weit hergeholt. für mich ist feminismus eine kritik an hegenomialer männlichkeit. das bedeutet nicht,alle zu hassen, die zufällig einen pimmel haben, aber die, die sich stolz auf ihre traditionelle männlichkeit beziehen.
    für mich ist das problem also ganz im gegenteil, dass man sich umbedingt von diesen attributen abgrenzen will, anstatt sie sich positiv anzueignen.

  6. 6 dofk 11. März 2008 um 15:04 Uhr

    „Ja, die blöden Frauen, wieso brauchen sie auch so lange um einen neuen Erdenbürger auf die Welt zu bringen. Mensch, da können sie so viel für, das wir die Männer gleich bevorzugen müssen. “

    Dem Kapitalist ist das total schnurz, ob die Frau
    was „dafür kann“ oder nicht. Er beurteilt Frauen
    unter genau dem selben Massstab, Nutzen für ihn.
    Schwanger nutzt die Arbeitskraft wenig bis nichts,
    fertig ist die Laube. Schönes Beispiel für
    die von Feministen geforderte Gleichberechtigung.

  7. 7 dodo 11. März 2008 um 17:08 Uhr

    @cyborg: dann hast du den text anders verstanden als ich. ich denke, es ging den autorinnen vielmehr darum zu sagen, daß viele mädels angst vor zurückweisung und dissen haben, wenn sie sich als feministinnen bezeichnen, weil sie dann auf die stereotype reduziert werden. und daß es (auch im feministischen sinne) eine art von „sexy“, „spaß verstehen“, „männer lieben“ etc. gibt, die NICHT in das patriarchale muster passt und daß feminismus einem erkennen hilft, daß man sexy/spaßig/… sein kann, indem man normen wie „du bist eine spaßbremse, weil du nicht über nen sexistischen witz lachst“ oder „du bist unsexy weil du eher aussiehst wie roseanne barr als wie pamela anderson“ erkennt und in den arsch tritt.

  8. 8 ping 19. März 2008 um 18:50 Uhr

    Cyborg hat schon völlig recht. Mit diesem anbiedernden luschi-feminismus dessen größtes ziel es ist bloß nicht anzuecken und der teilweise schon bedauernswert nach männlicher bestätigung heischt („so schlimm sind wir doch gar nicht, oder ?“) kann ich auch nichts anfangen.

    Das geht ganz simpel schon mit der eigenen Bezeichung los … Mädchen. Sorry, aber jede Frau jenseits der 21 die sich immer noch als „Mädchen“ bezeichnet kann ich sowieso nicht ernst nehmen. Was soll das denn bedeuten? Harmlos, nicht ernst zu nehmen, noch nicht vom richtigen Mann zur Frau gemacht, für immer 17 oder wie? Schon dieses blinde Getappe in eins der größten patriarchalen Rollenmuster disqualifiziert fast alles andere.

  9. 9 dodo 27. März 2008 um 16:07 Uhr

    ich kann erstmal leute nicht ernstnehmen, die das wort „mädchen“ als beleidigend empfinden und damit automatisch worte wie „harmlos“ assoziieren…

  10. 10 mareike 09. April 2008 um 13:06 Uhr

    habe den text auch eher wie dodo verstanden! die forderung besteht doch gar nicht darum, „sich von denen anzugrenzen, die oft als nicht-schön gelten“ (cyborg), sondern darum, dass man nicht unbedingt „nicht-schön“ sein muss und trotzdem für gleichberechtigung sein kann! ich für meinen teil finde mich selbst eigentlich ganz gutaussehend, kann mich aber trotzdem mit dem feminismus identifizieren. soll ich mich jetzt picklig schminken und 20 kilo zunehmen, damit mir ja kein kerl hinterschaut?

  11. 11 Viktoria 09. April 2008 um 15:46 Uhr

    Hm… was bringt es denn zudem auch bitte, wenn Feministinnen sich untereinander zerfleischen, weil die eine doch auch gerne sexy ist und die andere das vollkommen unfeministisch findet?

    Es sollte eher an einem Strang gezogen werden. :)>-

  12. 12 not-sexy 09. April 2008 um 16:50 Uhr

    Bedeutet das Wort „sexy“ nicht, dass man sich entsprechend der heterosexistischen Geschlechternormen verhält? Je mehr man das tut, um so sexier ist man dann. Deshalb ist sowas als Kriterium fürs eigene Aussehen und Verhalten schon auf jeden Fall abzulehnen.

  13. 13 pia 09. April 2008 um 17:11 Uhr

    @not-sexy: für mich bedeutet es das absolut nicht. „sexy“ heißt für eher so etwas wie „sex-appeal ausstrahlend“, „attraktiv“, „begehrenswert“ usw. wie das dann jeweils gefüllt ist, liegt im auge der betrachter_in, und das kann sowohl im rahmen als auch quer zu den heterosexistischen geschlechternormen liegen – schließlich ist begehren nicht per sé heterosexuell, und selbst heterosexuelles begehren muss nicht zwangsläufig heterosexistisch sein.

  14. 14 Viktoria 09. April 2008 um 17:52 Uhr

    da schließe ich mich ausnahmslos der Pia an. Genau so sehe ich das auch.

  15. 15 Körpergeruch 13. April 2008 um 1:56 Uhr

    „Dem Kapitalist ist das total schnurz, ob die Frau
    was “dafür kann” oder nicht. Er beurteilt Frauen
    unter genau dem selben Massstab, Nutzen für ihn.
    Schwanger nutzt die Arbeitskraft wenig bis nichts,
    fertig ist die Laube. Schönes Beispiel für
    die von Feministen geforderte Gleichberechtigung.“
    Und jede Frau wird automatisch schwanger..

    „Als letztes ‘heißes’ Thema bleibt eigentlich nur mehr Gleichberechtigung in Beziehungen übrig und die Pille für den Mann.“
    Und wie wäre es damit die quasi existente „Pillenpflicht“ für Frauen abzuschaffen und Frauenärzte, die ein Nein zur Pille nicht akzeptieren wollen (außer Frau will schwanger werden natürlich..), weil sie dann nichts mehr an Frau verdienen zu entlassen?

  16. 16 dofk 13. April 2008 um 14:07 Uhr

    „Und jede Frau wird automatisch schwanger..“

    Es ist total egal ob jede Frau schwanger wird.
    Bei ihnen ist die Chance höher als bei Männern,
    das reicht vollkommen.

  17. 17 (not) pregnant 13. April 2008 um 15:18 Uhr

    Das mit der ach so schlimmen Schwangerschaft hat heute immens an Bedeutung verloren. Als 50 Jahre im selben Job noch Normalfall waren, und Unternehmen auf solche Erwerbsbiografien fixiert, mag das noch Bedeutung gehabt haben. (Mal abgesehen davon, dass es sowas wie die Pille gibt) Heutzutage ist ständige Fluktuation in Unternehmen normal und wird von den Chefetagen forciert. Ich kenn kaum Leute, die irgendwo länger als sechs Monate Vollzeit gearbeitet haben. Vielleicht liegt das ja an meinem Umfeld (mehrheitlich Hochschulabsolventen), aber auf unterster Ebene scheints nicht anders abzugehen. Die ständige Drohung der Unternehmen, auf billigere und effizientere Arbeitskräfte als dich zu setzen, ist ernst gemeint. Und ein Unternehmen, das jedes halbe Jahr die Belegschaft von einer noch billigeren Zeitarbeitsfirma ankarrt, oder sowieso nur „Praktikanten“ anstellt, kann auf das Risiko von Schwangerschaften scheißen.

  18. 18 Isolde (Dolly) Hüther 24. April 2011 um 17:49 Uhr

    :)Hallo, liebe MISSY FRAUEN, im Moment habe ich in meiner EMMA Eure Diskussion fertig gelesen. Vieles was da diskutiert wurde sind welche, mir aus dem Herzen gesprochen. Ich möchte gern in Kontakt mit Euch kommen.Frage:
    Was kostet mich eine ganzseitige Anzeige meines neuen Buches?
    Ihr sagt doch, daß Ihr mit den Großmüttern, die feministisch denken im Gespräch bleiben wollt. Ich bin eine.Braucht Ihr ein Exemplar? Prüft auf meiner Web – Seite, ob ich in Euer Raster passe.
    Ich bin zwar eine nicht reiche Rentnerin, aber eine Rezension oder eine Anzeige, wäre toll.
    Das Thema Mädchen, ist seit langem auch meines.
    Darf ich Euch meine Meinung dazu schicken? Zur Zeit sammle ich Titulierungen von Kate zu der Hochzeit in London.
    Ich freue mich auf eine Antwort.
    Herzlich frauenfreundlich Dolly Hüther

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