
Jetzt hab ich’s endlich auch mal geschafft, ins Kino zu gehn und mir den anzugucken. Ich glaub, den Plot hat inzwischen jedeR schon erzählt bekommen: großmäuliger Teenager wird schwanger, beschließt, das Kind auszutragen und an Adoptiveltern zu geben. So weit, so gut.
Aber das Schöne an dem Film ist, daß er sich von vielen Hollywoodklischees fernhält.
Die Schauspieler sehen erstmal wirklich wie Teenager aus (nicht so wie in anderen Produktionen… Freddie Prinze Jr., ja, dich mein ich zum Beispiel) und verhalten sich auch eher so. Das ganze ist wegen gewissen fehlenden Stereotypen nicht der typische Teeniefilm: der Sportlerboyfriend ist nicht etwa der muskelbepackte Starquarterback, sondern ein dünnbeiniger Läufer in kurzen Höschen. Die Hauptperson und irgendwie Außenseiterin wird nicht in das typische Goth/Kifferoutsiderklischee verpackt und außerdem ist sie mit nem Cheerleader befreundet. Zudem tun die Charaktere nicht unbedingt, was man von ihnen erwartet (ich geh da jetzt nicht weiter drauf ein, um niemandem was zu verderben).
Außerdem schafft der Film den (im Amiland nicht gerade unwichtigen) Spagat, die Pro choice und die Anti-abortion Leuts auf der Strecke zu lassen. Er zeigt vielmehr eine freie Entscheidungen unter vergleichsweise optimalen Bedingungen: der Freund läßt ihr diesbezüglich Bewegungsfreiheit, die Eltern zeigen sich besorgt aber unterstützend, eine Abtreibung wäre kein allzugroßer Act (während in der amerikanischen Realität viele erstmal zig Kilometer fahren müssen, um überhaupt zu einer Klink zu kommen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführt und dann noch einen Pulk aggressiver Anti choicers durchbrechen müssen, läuft Juno zu Fuß und trifft gerade mal eine, zudem recht schüchterne, Demonstrantin vor der Klinik) und als die Entscheidung dagegen fällt, wird das perfekt scheinende Paar für die Adoption in Nullkommanix gefunden.
Die Situation, die sich im Film stellt, gleicht seiner Hauptperson: Juno ist optimistisch, reif genug, um zu wissen, daß sie für Mutterschaft nicht bereit ist und sogar in der Lage, die Adoptionsgeschichte durchzuziehen, trotz unerwarteter Hindernisse. Trotz riesen Klappe aber auch verletzlich – was gottseidank nicht mit superrührseligen Szenen, sondern eher natürlich-nebenbei dargestellt wird. Etwa, als sie dem Kindsvater sagt, wie sie von allen „Wal “ genannt wird. Das hätte der Zuschauer sonst auch gar nicht mitbekommen: die ganze Story ist auf Junos Perspektive beschränkt, was bei einer derartig eindrucksvollen und charakteristischen Filmheldin auch die ganze Atmosphäre des Films mitbestimmt. Zum positiven, wie ich meine.
Was vielleicht auch an der Darstellerin von Juno liegt:
„I call myself a feminist when people ask me if I am, and of course I am ’cause it’s about equality, so I hope everyone is. You know you‘re working in a patriarchal society when the word feminist has a weird connotation.“
Noch zu erwähnen wäre ein großartiger Soundtrack (Kimya Dawson, The Kinks, Velvet Underground,…), der den Film wirklich schön unterstreicht.
„Juno“ ist lustig, ohne lächerlich zu sein und die Witze gehen nie auf Kosten der liebenswürdigen Charaktere, im Gegenteil, er nimmt sie ernst in ihrer Individualität. Auch deswegen ist die Heldin Juno der mitreißende Kopf des ganzen Schauspiels.
Trotzdem werd ich mir die DVD krallen, sobald es geht; ich hab so das Gefühl, daß die scharfen, fast schon Gilmore Girls-artigen (wenn auch mit mehr Gefluche) Dialoge bei der Synchronisation wohl nicht ganz den Absprung geschafft haben… man wird sehen.
Auf jeden Fall sehenswert!
ich dachte mir auf dem heimweg vom kino, dass juno gar nicht so ein toller, besonderer, alle-warten-auf-den-kinostart film wäre, wenn nicht die meisten anderen filme über jugendlich soooo bescheuert wären.
Apropros Ellen Page(!!!) Ich kann ja nur den „Hard Candy“ empfehlen
mh. ich finde den film ja auch außerordentlich unterhaltsam. es ist eben ein schöner liebesfilm. und ich meine dass liegt eher an dem coolen slang junos, ihrem putzigen auftreten, der serh schönen musik, den coolen eltern und dem noch viel putzigeren jungen.
dass macht ihn nicht politisch.
der junge ist auch gar nicht mit ihr zusammen im moment der entscheidung und macht deshalb keinen druck. die szene mit den fingernails, da zerschmelzen die leute ja vor dem fernseher weil es so putzig ist. aber dass ist keinewegs ein argument.
nun, wie fertig mensch sein kann mit solchen entscheidungen wie ein kind wegzugeben oder es zu behalten etc hören wir nicht. wir hören nur dass es am schönsten laufen soll. und dass tut es, da tut auch der klempner-beruf des vaters nix zur sache.
dass selbst im herbst kein wirklich schlechtes wetter ist, zeigt doch klar dass der film keinen guten beitrag zu pro choice bringt. er ist völlig kompatibel mit den kirchen.
aber dass macht doch nichts: weil schlimm ist er auch nicht.
er ist schöne unterhaltung.
„ich finde den film ja auch außerordentlich unterhaltsam.“
so sollte ein Film ja auch sein…
hört sich aber gut, vllt schau ich mir den auch mal an!
aprospos Film, könnt ihr hier vllt mal ein paar Filmempfehlungen zum Thema Feminismus posten. Wäre toll!
@grace: das meinte ich auch: es ist kein pro choice film. aber auch kein anti choice film – er schert sich gar nicht darum, sondern zieht seine eigene story durch.
um mit den kirchen kompatibel zu sein, müßte er allerdings anders aussehen: stichwort familienbild. die familie mit stiefmutter, die ansichten vertritt, die sämtliche hardcorechristen mit größter sicherheit scheiße finden, kommt als sympathisch rüber – während das vermeintlich perfekte spießige pärchen sich zum schluß… naja, ich schreib jetzt nicht weiter wg. spoiler.
Hey,
das hört sich wirklich nach einem guten Film an! Ich mag Komödien ja eigentlich nicht so – wobei mich „Little Miss Sunshine“ auch sehr angesprochen hat. Geht „Juno“ auch in eine ähnliche Richtung?
Mal schauen, wann ich zwischen den Abiprüfungen die Zeit finde.
Einen lieben Gruß,
Viktoria
War klar, dass dieser Schrott bei den post-pubertären Blagen des Mädchenblogs gut ankommt.
Klügere Menschen haben den Film zielsicher auf Platz 1 der 10 schlechtesten Filme 2007 gesetzt:
Kurz: Dreck für Leute die schon bei Garden State vor Entzückung geschluchzt haben.
@w.i.
falls du nicht lesen kannst: „And did I mention that the little whore has a hamburger phone?“
klar, das ist sexistisch und vor allem ist es peinlich. aber dass war ja genau deine zielstellung, wohl. rambo und rocky balboa kamen doch letztens?! vielleicht geduldiger warten lernen oder doch the other hobby?
hast du schonmal eine wirklich kritischen film gesehen?
sicherlich freust du dich jetzt dass du mit deinen sexistischen, frustrierten männer-kommentaren überhaupt eine antwort erreichen konntest, aber den gefallen tue ich gerne.
viele mögen eben auch popindustrie die weich zeichnet,
Also ich fand den Film, jetzt so aus ganz unpolitischer Sicht, sehr schön und lustig. Klar sind die Dialoge recht künstlich lustig und schlagfertig gehalten, aber das hat man bei Komödien ja nun meistens. Wäre die Wirklichkeit immer lustig, bräuchte man ja keine Komödien oder andersrum: realistische Komödien wären nicht lustig.
@8 elenore: Matt Cale, der Kritiekr bei ruthless, der das geschrieben hat, mag ein sexist sein, er hat aber definitiv auch sehr viel ahnung von filmen, und ist kein großer fan v dummen action-kino. und der verweis auf garden state zeigt auch, was er meint: eine bestimmte form v indie-selbstbespiegelung
Als ich aus dem Film raus kam, war ich auch nicht so begeistert, aber dadurch das die Person Juno einen doch so mitreißt und die Geschichte nicht so aufgesetzt wirkt, ist es ein schöner Film. Rein gehen lohnt sich!
„Aber das Schöne an dem Film ist, daß er sich von vielen Hollywoodklischees fernhält.“
Was genau unterscheidet denn ein Hollywoodklischee vom Klischee über Hollywood? Und was wäre schlimm an einem Hollywoodklischee, wenn es sich substantiell von einem UFA-Klischee unterscheidet?
M.E. sind Produktionen wie Juno durchaus auch in Hollywood vorstellbar und die Stereotypen, die du nennst, sind großenteils dort gefertigt worden – eben der schlacksige looser, der am Ende doch über den sportlichen Prince Charming triumphiert, weil er ehrlicher ist.
ah und elenore: „rambo und rocky balboa kamen doch letztens?! vielleicht geduldiger warten lernen oder doch the other hobby?
hast du schonmal eine wirklich kritischen film gesehen?“
Du widersprichst dir: Rambo und Rocky Balboa sind (wirklich) kritische Filme.
Neulich gesehen. Netter Film.
buddyhead.com
da hat aber tief in seine polemik-kiste gegriffen, nur um sich über einen film auszulassen, der – für seinen geschmack – zu wannabe-indie ist.
wer angst hat, dass ihm bei unterhaltungsfilmen gehirnzellen absterben, soll halt weiterhin filme von jim jarmusch und ken loach kaufen, und musik hören, die am besten noch nicht mal auf cd gebrannt ist, weil so indie.
kritiken können hilfreich sein, aber wenn sie von polemik nur so strotzen, dann sagen sie mehr über den kritiker, als über das objekt seiner kritik.