queering menstruation?

Weil’s so schön war1, zur Einstimmung ein kleines Stück Aufklärungs-Geschichte für alle Mädchenblog-Leser_innen:

In Sachen Sexualaufklärung nahmen die USA in den 1940er-Jahren eine Vorreiterrolle gegenüber dem kriegsverunsicherten Europa ein. Während hier wie dort der Rückzug ins Private propagiert wurde, fand sich die zunehmende Notwendigkeit des wenig peinlichen Informations- und Beratungsangebotes. Wir wollen uns dabei nicht selbst betrügen, dahinter stehen natürlich auch Interessen der Verwertbarkeit. So ist „The Story Of Menstruation“ aus dem Hause Disney eine Auftragsarbeit des Hygieneartikelherstellers Kimberly-Clark zur Bewerbung der heute noch so benannten Damenbinde „Kotex“.
Ich will gar nicht viel zu dem Video sagen, sowohl die Blümchen&Bienchen-Ästhetik der biologistischen Argumentation also auch den Verweis der Mädchen und Frauen zu einem gemäßigten Lebenswandel zum Schutz des der gesellschaftlichen Reproduktion vorbehaltenen Frauenkörpers möchte ich als bestimmten zeitgenössischen Ansprüchen und Vorstellungen angemessen einordnen. Wer sich trotzdem beim Schauen geärgert hat, der_dem empfehle ich den Konsum folgenden Videos: Zum Text des TicTacToe Songs „Ich fühl mich Always Ultra“ (eine Anspielung auf die gleichnamige Slipeinlagen-Marke), wird eine männlich erscheinende Cartoonfigur gezeigt, in deren Tagesablauf so ziemlich alles schief geht und die offensichtlich „nicht ganz bei der Sache“ ist. Der Song im Hintergrund wiederum besingt das, was „A Story Of Menstruation“ als ein unerwünschtes Verhalten der menstruierenden Person gegenüber ihrer Umwelt charakterisiert: discomfort, less of pep, touch of nerves…

Zuerst dachte ich, das sei ein lustiger Übersetzungsfehler und die Person, welche den Film zusammengestellt hat, sei einfach nicht mit den deutschsprachigen Charts der 1990er vertraut, dann entdeckte ich jedoch das Stichwort „Menstruation“ bei den Tags, was mich wiederum stutzig machte. Auch ärgerte ich mich ein wenig, die Person sofort als „Typen“ eingeordnet zu haben und den vermeintlichen Widerspruch belacht zu haben. Mein Vorschlag daher ist ein queer reading der Bildinformation: Nicht jeder sog. Frauenkörper menstruiert. Nicht jeder als Männerkörper erscheinende Körper menstruiert nicht.
Nochmal in langsam: ein medizinisch als weiblich eingeordneter Körper kann so dispositioniert sein, dass er nicht menstruiert, zB weil die Organe dazu komplett fehlen oder weil der Hormonhaushalt es nicht zulässt usw. Oder aber jemand lebt in einem scheinbar männlichen Körper oder einem weiblich-operierten Körper oder, oder oder und lebt als Frau, blutet aber ebenfalls nicht. Oder nochwas anderes: der Körper blutet zwar, aber er ist keine Frau, sondern ein Trans*mann, ein transsexueller Mann, ein „wie auch immer er sich zu nennen begehrt“. Was ich also sagen möchte ist, dass Menstruation nicht nur ein naja, Tabuthema wäre zu hart zu sagen, aber doch ein tabuisiertes Thema ist2, das eben zusätzlich noch in die Ecke „Weiberkram“ geschoben wird, womit zweigeschlechtliche Vorstellungen leiblicher Existenzen erneut und meines Erachtens völlig zu Unrecht verfestigt werden. Denn zum Einen betrifft die Mens nicht alle „Frauen“ und zum Anderen sehen sich eben auch Menschen anderer Geschlechtsidentitäten mit Monatsblutungen geplagt.

Ach ja und dann noch ganz zum Schluss: das kleine rote amorphe Ding mit den Augen, das im 2. Clip um den_die Protagnist_in herumschwirrt, na, was denkt ihr wohl, denke ich, dass es ist …? hihi.

  1. zur Erklärung: als mir die Idee kam, das Video zu verlinken, habe ich natürlich vorher nochmal recherchiert und festgestellt, dass das genderblog, das Video vor 2 Jahren auch mal veröffentlich hat. Ich hab allerdings 2 Jahre für ausreichend Zeit befunden, um guten Gewissens meine Ziele verfolgen zu können ;-) [zurück]
  2. wozu auch mal ein Artikel spannend wäre… Sexualität und Menstruation zB. [zurück]

11 Antworten auf “queering menstruation?”


  1. 1 pascal 04. April 2008 um 14:47 Uhr

    Wäre es nicht mal an der Zeit, sich neue Geschlechtsbezeichnungen auszudenken? Diese Wortgleichheit zwischen biologischem und „herkömmlichem“ sozialen Geschlecht, oder wieauchimmer es die Literatur nennt, stört und führt zu übertrieben verrenkter Sprache.

  2. 2 Viktoria 04. April 2008 um 14:54 Uhr

    Hey!

    Na, das ist zumindest mal eine Interpretation, die garnicht so abwegig erscheint! ;) Ich habe die Tags nicht gesehen, aber gut. Ich finde, in Disneyfilmen sind die ganzen Männer – wenn man mal vom unterschiedlichen Körperbau absieht – vom Gesicht her zumindest so androgyn gestaltet, dass es wirklich auch Frauen sein könnten. Das ist mir zumindest immer so vorgekommen.

    Lg, Viktoria

  3. 3 mandy 04. April 2008 um 18:12 Uhr

    Dass die Mens auch ein Thema für Menschen sein sollte, die sie nicht haben, sehe ich genauso. (War das eigentlich die Kernaussage?? Oder die – schon recht alte – Feststellung, dass die Menstruation als Geschlechterkriterium sehr unüberzeugend ist??)
    Mir wurde das sehr deutlich, als ich anfing, auch enge Freundschaften zu Männern zu pflegen, na und später auch mit Liebhabern. Es ist blöd, wenn Themen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit ausgeklammert werden. Also mich hat das im Umgang miteinander sehr gestört und war immer sehr glücklich, wenn „Männer“ mal nicht völlig unaufgeklärt und befremdlich reagierten, wenn ich bspw. erzähle, dass mich ne Zwischenblutung beschäftigt. Einen (möglichst hilfreichen) Komentar an dieser Stelle erwarte ich von meinem Freund. Inzwischen finde ich es auch fast selbsverständlich, dass ein Vorrat an Tampons auch in „Männer“-WGs zu finden ist..
    Dass die Regelblutung im allgemeinen immer noch als Schmuddelthema behandelt wird, glaube ich auch. Allerdings ist meine Erfahrung, dass eine Mitverantwortung für die Mens in alternativen oder linken Kreisen eher verbreitet ist als anzuerkennen, dass die Kategorien Mann und Frau sozial konstruiert sind. Ich meine: Es war für mich kein Problem auf meiner Arbeitsstelle durchzusetzen, dass aus der „Kaffekasse“ Tampons bereitgestellt werden. Aber gleichzeitig glauben meine Kollegen (wie fast der ganze Rest der Menschheit) an evolotions-psychologische „Erkenntnisse“ wie die der „angeborenen monogamen Orientierung von Frauen“.

  4. 4 Sasa13 16. Februar 2010 um 15:59 Uhr

    Ich habe Manchmal Schmerzen Gegen Morgen im unterleib:((
    bitte Schreibt brauch hilfe!:(wieß echt nicht was das Beduetet.

  5. 5 illith 16. Februar 2010 um 23:45 Uhr

    naja – da müsstest du schon etwas genauer werden? (wie oft? wie lange schon? art des schmerzes? wo genau? alter? menstruierst du bereits?)

  6. 6 Sasa13 18. Februar 2010 um 0:02 Uhr

    Ja ich bin 13 Jahre die schmerzen kommen nur manschmal und ja ich menstruiere:-“ das hat angefangen vor einem Monat und Heute hatte ich wieder schmerzen im unterleib und noch mein Gewicht falls das dich auch noch Intresiet:ich wiege 41,8kg und noch was vor paar wochen hatte ich keine schmerzen aber heute wieder:(x(

  7. 7 Sasa13 18. Februar 2010 um 0:08 Uhr

    ich glaube es fühlt sich an wie Ziehen oder stechen K.P(die schmerzen)jetzt grad eben wieder jetzt wars ein Ziehen:(

  8. 8 Sasa13 18. Februar 2010 um 0:12 Uhr

    Bin 13 Jahre ja ich Menstruiere.wiege41,8 kg.hat vor einem monat angefangen fühlt sich an wie ein stechen oder ziehen.oh jetz wars grad wieder diesmal wars ein zeihen.Frage:bist du ein Mädchen?

  9. 9 Sasa13 18. Februar 2010 um 0:14 Uhr

    ah und was ich noch sagen wollte ist:das war vor einer oder zwei wochen noch ok halt Keine schmerzen.die habe ich sowieso nur manchmal.

  10. 10 Stephanie 18. Februar 2010 um 2:14 Uhr

    Wenn Du Schmerzen hast und nicht weißt, woher die kommen, geh am besten zu einer Ärztin/einem Arzt.

    Ein Stechen oder Ziehen kann jedenfalls meiner Erfahrung nach alles Mögliche sein, da dürfte eine Ferndiagnose ziemlich schwierig werden.

    Lieber Gruß,
    Stephanie

  11. 11 Sasa13 18. Februar 2010 um 14:50 Uhr

    Dankeschön für die antworten
    :d/

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