Von Jugendtraumata und Analfissuren

Jetzt hab ich’s doch endlich geschafft, Charlotte Roches Feuchtgebiete zu lesen. War mir ja erst gar nicht sicher, ob ich mir das Buch zulegen soll – der ganze Hype darum ist schon recht verwirrend.
Aber ich hab’s getan und bin glücklich darüber.


Vor allem, weil das Buch anders ist als von mir erwartet. Wenn man Berichte/Kritiken darüber liest (nehmen wir den hier für diesen Blogeintrag mal als ultimatives Beispiel), ist meist die Rede von Provokation, expliziter Sexualität, Überschreitung von Ekelgrenzen usw.
Joa, das ist alles drin.

Besonders originell ist das nicht.

sagt das Deutschlandradio. Und damit hätte es ja auch recht, wenn es der guten Charlotte nur um den Schockfaktor ginge.
Aber mal ehrlich: die detaillierte Auseinandersetzung mit weiblicher Sexualität außerhalb der Seifenoper- und Cosmopolitan-Norm ist auch in Zeiten nach Sex & the City äußerst dürftig. Und dann entweder sehr seriös-wissenschaftlich (was die Identifizierung mitunter schwer macht) oder in rosa-duftendem Blümchenoutfit, damit auch ja alles von A wie Analsex bis Z wie zusammen masturbieren kuschlig-sauber präsentiert wird.
Warum? Denn seien wir mal ehrlich: sexuelle Handlungen SIND schmutzig. Und das meine ich jetzt gewiss nicht moralisch – aber es hat nur allzuoft etwas mit Körperflüssigkeiten zu tun. Manchmal auch unerwünschten. Schweiß, Sperma, Scheidenflüssigkeit, Speichel, Menstruationsblut, Smegma, Kacke,… kann alles auftauchen – klingt aber nicht seidig-blumig genug, um es beim Namen zu nennen.
Roche hingegen hat einen ehrlichen Umgang damit. Manchmal sogar etwas zu ehrlich. Aber kann das ein Fehler sein, wenn es sonst totgeschwiegen oder rosa und himmelblau übertüncht wird? Nö. Von wegen. Mitten in die Fresse rein, jetzt erst recht.
Der Frauenkörper wird auch heute noch so derart mystifiziert und verjungfräulicht, daß es eine Wohltat ist, wenn jemand damit mal aufräumt, auch wenn’s manchmal wehtut.

Hygiene wird bei mir kleingeschrieben

heißt es in dem Buch und das ist auch im übertragenen Sinne Programm. Denn auch „Worthygiene“ ist nicht zu erwarten, hier wird nix schöngeschrieben. Helen, die Protagonistin von „Feuchtgebiete“, beschäftigt sich nunmal intensivst mit sich selbst. Denn ja, auch Frauen tun das! Und auch bei Frauen sieht das nicht immer lasziv-erotisch aus; als Helen beschließt, hinter ihrem Krankenhausbett in aller Ruhe und Abgeschiedenheit zu masturbieren, klingt das nicht nur recht unbequem, sondern geht auch ziemlich schief, nachdem ein Wasserglas auf sie herunterfällt, die Putzfrau hereinkommt etc. Nicht gerade porno-like. Aber wahrscheinlich realistischer. Das war ja auch noch eine relativ harmlose Szene, aber Fazit ist: auch Frauen stellen so allerlei mit sich an, das in keinem Aufklärungsbuch stehen würde. Oder sonst einem Roman. (?)
Und wenn Charlotte Roche sich schon den Kampf gegen die Hygienehysterie auf die Fahnen geschrieben hat, dann macht sie das auch richtig:

[Ich habe mich also] zu einem lebenden Muschihygieneselbstexperiment gemacht. Mir macht es einen Riesenspaß, mich nicht nur immer und überall bräsig voll auf die dreckige Klobrille zu setzen. Ich wische sie auch vor dem Hinsetzen mit meiner Muschi in einer kunstvoll geschwungenen Hüftbewegeung einmal komplett im Kreis sauber.

Jetzt muß man diese Auffassung von Riesenspaß ja nicht unbedingt teilen und die 18jährige Helen ist schon ein kleines Schweinderl. Trotzdem behaupte ich jetzt mal, daß es für jede(n) Szenen in dem Buch gibt, die einem alltäglich und bekannt vorkommen.

Das ist die Situation, die Mama so fürchtet. Die Unterhose ist so gefaltet, dass der Schritt obenauf liegt. Natürlich auf rechts, nicht auf links. Und trotzdem kann ich den getrockneten Muschisaftfleck leicht durchschimmern sehen. Mama findet, das wichtigste für eine Frau, die ins Krankenhaus kommt, ist, saubere Unterwäsche anzuhaben. Ihr Hauptargument für übertrieben saubere Wäsche: Wenn man angefahren wird und ins Krakenhaus kommt, ziehen die einen aus. Auch die Unterwäsche. Oh mein Gott. Und wenn die dann sehen, dass die Muschi da ihre normale Schleimspur hinterlassen hat, dann… Was dann?

Und was sagt unser Paradeexempel Deutschlandradio dazu?

Ursprünglich als Sachbuch über den Reinlichkeitswahn unserer Sagrotan ergebenen Gesellschaft konzipiert, versucht ihr Roman „Feuchtgebiete“ gezielt, das Ekelreservoir der Weltliteratur mit neuem Stoff aufzufüllen.

Hm. Während ich durchaus bereit bin zuzugeben, daß ich – anders als die Romanheldin Helen – nach einer Operation an meinem After nicht unbedingt das rausoperierte Stückchen betatschen wollen würde, geschweige denn, meine Hände danach sauberzulecken, um dann das Corpus delicti neben meine Pizzaschachtel zu legen – Roche vorzuwerfen, ihr Roman sei nur eine Ansammlung an Ekel-und Schockszenen, wird den „Feuchtgebieten“ nicht gerecht. Vieles darin hat auch einfach nur mit Neugier, individuell gelebter Selbstbestimmung oder – oh Schock, oh Horror – stinknormalen weiblichen Körperfunktionen zun tun.
Und – jetzt wär ich fast selber in die Falle getappt – es geht in dem Roman meiner bescheidenen Meinung nach eigentlich überhaupt gar nicht ums Schockieren. Nö. Es geht um Helen Memel, die Icherzählerin.
Denn im Prinzip tut sie nichts anderes, als von ihrer Zeit im Krankenhaus sowie den Dingen und Erinnerungen, die ihr dort durch den Kopf gehen, zu erzählen. Und da das Mädchen – trotz überraschender Schüchternheiten wie dem nicht gehört werden wollen auf öffentlichen Klos – Eigenschaften und Gedankengänge sowie eine Sprache hat, die in unserer Gesellschaft als obszön gelten mag, liest sich das Buch nun auch konsequent so.
Was nämlich die meisten der Herren und Damen Kritiker übersehen haben, ist, daß hinter Helen mehr steckt als eine verbale und vaginale Dreckschleuder, die sich zum Vergnügen der Leser in exhibitionistischen Wortschwällen ergießt. Ein Mensch nämlich.
Das hat auch das Deutschlandradio nicht kapiert.

Doch wie es so ist mit Missionen in der Literatur: Sieht man vom Schockvokabular der „Feuchtgebiete“ ab, hat dieser Roman erzählerisch und stilistisch nicht viel zu bieten. Reibt man an Helens so rau wirkender Schale, zeigt sich, wenig überraschend, ein weicher Kern. Denn Helens wahllose Beilager („Jeder ist besser als keiner“) haben – wer hätte es gedacht? – mit ihrer Kindheit, der Scheidung ihrer Eltern und einem mehr angedeuteten als erzählten Schreckenserlebnis in ihrer Jugend zu tun.

Na was denn – jemand hat einen weichen Kern? Wer denn nicht? Das Buch erzählt schlißlich nicht von einer Superheldin à la Red Sonja, sondern von einem 18jährigen Mädel!
Und diese Szenen mit dem „weichen Kern“ sind der eigentliche rote Faden des Buches. Und mindestens so wichtiger Bestandteil ihrer Persönlichkeit wie sämtliche Obszönitäten zusammen. Es ist die eigentliche Geschichte des Buches. Und die ist sehr ernst, für manche (leider) genauso alltäglich und eigentlich der Plot, der wirklich schockieren sollte. Aber es ist halt einfacher, sich von Worten wie „ficken“ und „Fotzenfleisch“ provozieren zu lassen, gell, meine lieben KritikerInnen??
Deshalb plädiere ich dafür, „Feuchtgebiete“ in allererster Linie als Porträt zu sehen; als Porträt eines verletzten, aber saumäßig starken Mädchens, das ihren Weg geht no matter what, das von Helen Memel.
Charlotte – schreib meinetwegen nur ruhig weiter Bücher – ich werd sie lesen und mir werden sie guttun!

**************
Die Zitate aus Feuchtgebiete aus Charlotte Roche: Feuchtgebiete, DuMont Buchverlag, Köln 2008


26 Antworten auf “Von Jugendtraumata und Analfissuren”


  1. 1 schokolade 09. April 2008 um 3:43 Uhr

    ich habe das buch angefangen zu lesen und hatte irgendwann keine lust mehr weiterzulesen. ich fand es unglaublich schlecht geschrieben und bis auf die „skandal“-stellen vielleicht auch noch ziemlich langweilig. und mit der protagonistin identifizieren ging irgendwie auch gar nicht, die scheint als sex-und-selbstbewusstseins-profi auf die welt gekommen zu sein, also doch eher superheldin. so wie charotte roche vl gerne mit 18 gewesen waere?

  2. 2 pascal 09. April 2008 um 9:26 Uhr

    daß hinter Helen mehr steckt als eine verbale und vaginale Dreckschleuder, die sich zum Vergnügen der Leser in exhibitionistischen Wortschwällen ergießt. Ein Mensch nämlich.

    Das ist eigentlich nicht so, nachdem die Autorin ja betont, Helen sei nicht ihr alter ego. Also steckt hinter Helen kein Mensch, alles was in ihr steckt, steht in dem Buch, darüber hinaus besteht sie aus gar nichts. Wenn also menschliche Eigenschaften nur angedeutet werden etc, dann kann man schon davon sprechen, dass die Figur flach und farblos bleibt etc. Denn sie definiert sich eben ausschließlich durch das über sie geschriebene…
    (werde es trotzdem irgendwann mal lesen, wenn ich nichts bezahlen muss dafür; schlimmer als Dan Brown kanns nicht sein…)

  3. 3 Judith 09. April 2008 um 11:00 Uhr

    laaangweilig! an die „ekel-passagen“ hab ich mich dann doch erstaunlich schnell gewohnt und was bleibt dann?
    ein mädchen verzweifelt auf der suche nach annerkennung und aufmerksamkeit. sein sex-leben beliebig nach den ausgefallenen wünschen der sex-partner zu gestalten wirkte auf mich auch nie wirklich feministisch-selbstbestimmt. letzlich gings dann dieser helen doch immer nur um darum den männern in ihrem leben zu gefallen. dass ihre strategie dabei smegma-parfum und demonstrierte „tabulosigket“ ist, ändert nichts daran.
    dieses vezweifelte lieber-pfleger-finde-mich-doch bitte-bitte-ganz-doll-aufregend hat mich eigentlich eher traurig gemacht. feminismus? pustekuchen

  4. 4 mandy 09. April 2008 um 11:45 Uhr

    dass diese charlotte-will-nur-schocken-kritiken blöd sind, steht außer frage. ich habe das buch mit viel vergnügen gelesen, mich an vielen stellen widerfinden können (vor allem sprachlich) und muss jetzt ein bisschen darüber grübeln, dass judith hellen doch als kleine tussi entlarvt..
    hellen will/kann nicht allein sein und ist pausenlos auf der suche nach bett- und sexualpartner/innen. ist das antifeministisch?
    das smegma-parfüm habe ich eher ironisch gelesen. wenn ein typ diesen alters bewusst körpergeruch bei einem mädel diesen alters wahrnimmt, hundert pro: er findet das abstoßend; ob popper oder punker, im alter von 18 gilt: alle körpereigenen gerüche sind ekelig.
    ich habe manchmal das gefühl, dass die suche nach nähe und/oder einem partner unberechtigterweise als antifeministisch gelesen wird. genau wie die einstellung unter den ganzen alternativos, dass mensch ja seine/ihre autonomie in einer paarbeziehung verlieren würde. deshalb darf mensch nur noch durch die gegend ficken? ganz nach dem motto „wer zweimal mit dem gleichen pennt, gehört schon zum estableshment“? albern.
    nähe wollen und zulassen können (und das kann helen), ist völlig in ordnung, eine schöne qualität, auch wenn es scheinbar „nur“ auf kindheitserfahrungen beruht. immernoch angenehmer, als die restlichen 90 prozent „der szene“, die aufgrund von vergangenen erlebnissen kaum noch gefühle, geschweige denn liebe kennen und leben (wollen).
    das schöne an helen ist doch, dass sie dabei denkbar unkonverntionell vorgeht und bei allem, auch bei der geschichte mit dem pfleger, voll nach vorn stürmt und dabei natürlich risiken eingeht. sie sitzt nicht im bett und zwirbelt sich die löckchen, sondern lässt sich erstmal den arsch fotographieren. also ich finde diese art von partnerselektion ist mutig und macht dem gegenüber klar, wie frau selbst drauf ist. gar nicht antifeministisch, finde ich.
    ich hatte auch eher das problem, dass mir helen ein bisschen zu selbstbewusst ist. aber sonst find‘ ich’s super, und würde dieses buch jeder jungen frau, die gängigen weiblichkeiten kritisch gegenüber steht, ans herz legen.

  5. 5 klokunst 09. April 2008 um 15:24 Uhr

    Das Buch finde ich deutlich weniger spektakulär, als es der allgemeine Hype erwarten ließ. Meistens finde ich die Beschreibungen eher bemüht und angestrengt, zuweilen nervt das junge Ding. Auf der einen Seite ist es verblüffend, der Heldin gerade mal 18 Lebensjahre zu gönnen, da sie viel zu viel erlebt hat und zum anderen ist es wieder verwunderlich der Figur schon 18 Lebensjahre zu verleihen, da sie doch sehr kindlich, naiv und dümmlich erscheint.

    Nach 2 Wochen hatte ich das Buch endlich ausgelesen. Schnell liest man die erste Hälfte, wo der Hype seinen Ursprung findet, über immer ausgefallenere und dabei immer verkrampftere Provokationen. Danach wurde dem angedachten Sachbuch noch ein alltäglichen (leider) geschichtlichen Rahmen gegeben um das Ganze gerade mal auf 220 Seiten Roman (mit gefühlter Schriftgröße 14) zu strecken. Es fehlt einfach an stilistischer und sprachlicher Versiertheit seitens der Autorin. Nach den Provokationen, die den Höhepunkt und auch den Lesewert bilden, liest man eine abgeflachte langweilige Geschichte mit einem doch sehr zu Wünschen übrig lassenden Ende. Schade, man hätte aus einer doch anfänglichen guten Idee mehr machen können.

  6. 6 dodo 09. April 2008 um 15:55 Uhr

    @pascal: mit „dahinter steckt ein mensch“ habe ich nicht charlotte roche gemeint(auch wenn diese gesagt hat, ca. 80% seien autobiographisch oder so). ich meinte den fiktiven menschen helen memel.

  7. 7 st_eve 10. April 2008 um 0:37 Uhr

    ich mag das buch. weil es grenzen überschreitet. und grenzen benennt. und weil es mich über meine eigenen mal wieder hat nachdenken lassen ;-)
    dass alle diese ausagen zutreffen zeigt für mich der ärger über das buch – und die zuneigung für es. zugleich.

  8. 8 klimbim 10. April 2008 um 13:35 Uhr

    Charlotte war, ist und bleibt einfach nur langweilig und wahnsinnig überschätzt.

  9. 9 besserscheitern 10. April 2008 um 19:57 Uhr

    Ich stimme st_eve zu. Man kann sich von dem Buch unterhalten lassen, man kann schauen, ob man sich identifiziert aber am Ende hatte Frau Roche eine Mission. Dabei geht es ihr, meiner Meinung nach, nicht darum genau das zu bewerben, was die Kunstfigur Helen tut, sondern das Reden über Sexualität zu entkrampfen. Die Provo-Schiene steckt da nicht um ihrer selbst Willen drin, sondern entkrampft die Kommunikation mit allem was unterhalb der neuen Ekelgrenze liegt die „Helen“ setzt.

    Außerdem hat das Buch noch mehr zu bieten als nur Provokationen. Gerade die Schilderung der hochneurotischen Mutter ist total großartig. Das Kunstfigur Helen sich noch in Robin verlieben muss, kann man auch verzeihen, denn dadurch bekommt das Buch überhaupt eine fortlaufende Handlung und besteht nicht in Assoziationen. Das Buch liest sich im ganzen ein wenig als wenn da viele Fanzine-mäßige Kurzgeschichten aneinandergehängt wurden. Insofern ist es vom Umfang auch völlig ok. Wäre es länger würde es langweilig werden.

  10. 10 peter 11. April 2008 um 16:07 Uhr

    Tut euch doch lieber was Gutes und lest Jonathan Littells „Die Wohlgesinnten“. Die bessere Neuerscheinung der letzten Zeit.

  11. 11 Körpergeruch 13. April 2008 um 1:14 Uhr

    „wenn ein typ diesen alters bewusst körpergeruch bei einem mädel diesen alters wahrnimmt, hundert pro: er findet das abstoßend; ob popper oder punker, im alter von 18 gilt: alle körpereigenen gerüche sind ekelig.“

    Dem muss ich widersprechen. Auch wenn leider der Großteil der Menschheit in dem Alter so eingestellt ist, so gibt es doch Ausnahmen von der Regel.

  12. 12 mandy 13. April 2008 um 17:36 Uhr

    du brauchst mir gar nicht widersprechen, weil ich NIE von 100% ausgehe, wenn ich mich zu bestimmten menschengruppen äußere. ich gebe dir völlig recht, dass es ausnahmen von der regel geben muss. für mich heißt „alle“ „die meisten“. mir ging es in diesem zusammenhang ja um die bedeutung des smegma-parfüms; ich glaube einfach nicht, dass dieses bei der genannten gruppe (oder den meisten dieser gruppe) so gut ankommt.

  13. 13 dissi 14. April 2008 um 18:48 Uhr

    spätestens ab dem punkt, wo sich helen das pedal ihres krankenbettes absichtlich in die noch unverheilte operationswunde drückt, auf daß diese aufplatzen möge, damit sie länger im krankenhaus bleiben könne, ist klar, daß es hier überhaupt nicht um role modelling geht. oder um feminismus.
    helen ist eher bemitleidenswert, sie ist vollkommen fixiert auf ausscheidungen aller art, fühlt sich dazu geneigt, ohne jeden erkennbaren grund mit ihrem speichel vermischtes mineralwasser anderen zum trinken zu verabreichen und ihre von blut und anderen sekreten getränkten mullbinden im aufzug zu hinterlassen. sie genießt die vorstellung, wie ihr keilförmig ausgeschnittener rest hämorrhoiden unerkannt und verbotener weise im hausmüll landet, statt im krankenhaus-sondermüll…
    mit anderen worten: ein psychopathologe oder auch eine psychopathologin würden ihre freude an helen haben.

  14. 14 mandy2 16. April 2008 um 9:59 Uhr

    „du brauchst mir gar nicht widersprechen, weil ich NIE von 100% ausgehe, wenn ich mich zu bestimmten menschengruppen äußere.“

    dann darfst du aber auch nicht „hundert pro“ schreiben

  15. 15 McKracken 17. April 2008 um 14:47 Uhr

    Für mich war Feuchtgebiete ein unterhaltsamer Coming of age Roman. Zugegeben: literarisch nicht unbedingt erste Liga, aber flott geschrieben. Und klar, der PR-Rummel rund um das Buch nervt. Andererseits spricht die Medien-Resonaz, speziell die aufgebauschte „Ekel-Debatte“ nicht unbedingt für (den Mainstream unserer) Gesellschaft. Will sagen: wie kann man sich wegen dem harmlosen Kram so ereifern?

  16. 16 bigmouth 17. April 2008 um 18:26 Uhr

    ich denke, roche will den rummel nicht nrur um des geldes wegen, sondern weil sie das als literarisch verpacktes pamphlet versteht, wie die interviews ja auch belegen

  17. 17 blub 19. April 2008 um 20:29 Uhr

    nicht nur des geldes wegen, sondern auch um mal wieder kurz aus der versenkung auftauchen zu können. selbstverständlich hält sich roche für wichtig, und ihre auswürfe (auch in buchform) ebenfalls. trotzdem ist das ganze wohl mehr als gezielter provokationspop gedacht. irgendeine agenda hatte die frau noch nie.

  18. 18 Körpergeruch 20. April 2008 um 14:00 Uhr

    Was heißt den hunder pro, wenn es nicht 100% heißen soll?

  19. 19 Dino 20. April 2008 um 17:29 Uhr

    Endlich mal jemand, der das Buch verstanden hat. Ich wusste es gibt noch Hoffnung. Großes Lob an die Autorin dieses Blogs!

    Seltsamer Weise kann man beobachten, dass die welche Feuchtgebiete, als ekelhaft emfinden, meist die sind, die sich für Sexuell aufgeklärt halten, aber sich so dermaßen prüde benehmen, das man das genaue Gegenteil von Ihnen annehmen muss. Und meistens so habe ich zumindest das Gefühl, weichen diese Leute darauf aus, dass es ja angeblich so schlecht geschrieben sein soll und fixieren sich komplett nur auf das was sie sehen wollen, nähmlich Begrifflichkeiten, welche im Raum stehen und nur wargenommen werden, die natürlich niemand benuzt, weil sie ja alle so „anständig“ sind. Liebe Leute, das mit dem sich selbst bescheißen, hat schon in der Schule nicht funtioniert, dann wird es auch im richtigen Umgang mit sich selbst auch nicht funtionieren. Meist sind das aber auch Persohnen die sich garnicht für die Botschaft interessieren und so Themen genauso Oberflächlich behandeln, wie sie Bücher lesen oder Musik hören. Gelegentlich und zur Unterhaltung und wenn sie sich nicht unterhalten fühlen, dann ist es immer gleich doof, sagen diese Festangestellten Trottel. Das Buch wird aus der sicht der 18 Jährigen Hellen Mämel erzählt und die Sprache ist nichts anders als die Sprache der jüngern, wie sie heute gesprochen wird!?! Also ist in diesem Sinn, die Beuhrteilung -schlecht geschrieben- lächerlich. Was erwarten die Leute? Das sie die Geschichte einer 18 Jährigen lesen, die sich äußert wie ein Spießiger mit 40er, mit Famielie und Einbauküche? Der Fänger im Roggen wird auch aus der Sicht enes Halbstarken erzählt. Diese Bücher sind nicht schlecht erzählt, sondern realistisch. Hört auf euch hinter diesen verangezogenen, peilichen pseudoesken Knigge Floskeln zu verstecken, nur um sich nicht mit der Botschaft eines Textes/einer Arbeit/ also eurer selbst, beschäftigen zu müssen. Ps: Matin Walser hat mal gesagt, dass Leser nie das Buch des AutorsInn lesen, sondern Ihr Buch, ich finde dise These kommt hier ganz schön zu tragen.

  20. 20 mandy 24. April 2008 um 20:53 Uhr

    @körpergeruch

    Ich bin davon ausgegangen, dass hier nicht von „x+y ist immer z“-Aussagen ausgegangen wird, wenn von Menschengruppen die Rede ist. Von daher erübrigte sich für mich wages Rumgelaber..Ich finde es schwierig, die scheinbar „genau passenden“ Formulierungen zu wählen. Dann müsste ich unendlich viel einschränken und sehr wage schreiben..viele Begriffe wie „Männer“ und „Frauen“ stünden in Anführungszeichen. Das macht handlungslahm und stumm. Abgesehen davon sind ALLE Formulierungen immer Einschränkungen von dem, was mensch ausdrücken möchte.
    Da ich hier keine wissenschaftliche Abhandlung vornehme, sondern versuche, in alltäglicher Sprache zu kommunizieren, verzichte ich auf vermeintliche Korrektheiten, die sowieso nie vollständig sein können. Es ging oben ja auch nicht um „Zahlen“, sondern um die Veranschaulichung meiner „These“ über die „Bedeutung“ des Smegma-Parfüms. „Hundert pro“ heißt, wenn du eine Übersetzung möchtest, „so gut wie immer“.

  21. 21 Viktoria 29. April 2008 um 1:27 Uhr

    Hi!

    Wie man hier meinem Pingback entnehmen kann, habe ich mich nun auch mal den Feuchtgebieten gewidmet. Ich fands auch wirklich nicht so provokant, wie ich angenommen hatte. Weder die Sprache, noch die Handlungen – wenn man jetzt mal vom Aufnehmen und Verbreiten von Bakterien absieht. Das war schon etwas übertrieben und ekelig. Aber mein Gott, das ist doch Roches Sache, was ihre Heldin tut oder nicht tut.

    Ich fand es vollkommen befreiend, eher Dinge zu lesen, die so ziemlich alle Menschen tun. Klamheimlich natürlich, die somit allerdings vollkommen normal sind – komischer Weise jedoch zum Tabu erklärt werden. Es zeigt auf, wie gestört das gesellschaftliche Empfinden bezogen auf bestimmte Körperfunktionen, -gerüche und -ausscheidungen ist. Wie oft ließt/sieht man, dass der/die HeldIn kackt oder in der Nase bohrt? Ich finde Feuchtgebiete somit – trotz Helens anderen, übertriebenen Handlungen, wesentlich realistischer als so manch anderen Kram, der nicht unter SFI oder Fantasy vermarktet wird. Und nicht zuletzt wegen der Sprache, die Verwendet wird. Wer sich von Arsch und Muschi schocken lässt, der sollte lieber sich selbst überdenken, als das Buch zu verteufeln.

  22. 22 kimy 29. Mai 2008 um 23:46 Uhr

    ich habe das buch bis jetzt leider noch nicht gelesen, sondern bin gerade in der österreichischen sendung „willkommen österreich“ (stermann und grissemann) darauf aufmerksam geworden, charlotte roche war geladen und hat ihr buch präsentiert. es klingt äußerst spannend, ich kann nicht genau sagen aus welchem grund, ich denke 1.) ich will wissen wie realitätsnah das ganze geschrieben ist, 2.) tabuthemen interessieren doch jeden, v.a. sex und je mehr verschiedene ansichten publik werden, desto besser, so kann jeder für sich eine sichtweise finden, mit der er sich am besten identifizieren kann.

    zu den anderen kommentaren:

    irgendjemand hat geschrieben, dass eine 18jährige noch nicht so viel erlebt haben kann, andere, dass die sprache flapsig und drittklassig ist usw.
    ich habe jetzt nur einen kleinen ausschnitt, eine leseprobe im internet gelesen, und ich muss sagen: egal, was man von charlotte roche halten mag:
    die sprache ist (leider) ziemlich realistisch, selbst in den „besten“ und „elitärsten“ schulen verwenden 13-18jährige burschen UND mädchen „fotze“ und „ficken“ usw. ein tabuthema ist es natürlich trotzdem, zumindest auf diese weise gesehen.
    zu den erlebnissen des jungen 18jährigen mädchens:
    ich habe einige freundinnen, die schon sehr viele (teils auch absurde) beziehungen durchlebt haben, körperliches und sexuelles erfahren haben, dass ich mir nie hätte vorstellen können, und die sind zb erst 16,17…….

    ich kann nicht beurteilen, ob das eine gute entwicklung ist, den sex der frau einmal so darzustellen, aber realistisch ist es irgendwie schon.

  23. 23 anika 11. August 2010 um 12:35 Uhr

    ich finde, das buch genial. einfach geschrieben. na und ? muss ein buch immer tiefgründig sein ? es ist witzig, ekelig, und es erzählt die wahrheit.
    ich habe mir das buch sofort gekauft, und bis heute 5 mal gelesen, und immer wieder muss ich mich schieflachen :D
    bei den ekelstellen muss ich manchmal das buch zu machen, aber sonst lese ich es durch.
    und ich finde es schade, dass das buch so viel schlechte kritik bekommen hat.
    von daher bekommt charlotte roche von mir ein 1000 faches dickes lob, :)

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