F.J. Wagner küssen oder doch lieber pupsen?

Schwere Entscheidung.
Bis zu seinem unsäglich verurteilenswürdigen Geschreibsel von wegen Marco W. täte ihm leid, da er in seinem jugendlichen Alter ja noch nicht wissen könne, daß Frauen „nein“ und „ja“ öfter mal verwechseln, war mir als Nicht-Bildzeitungsleserin der Herr nicht mal bekannt.
Jetzt hört man nochmal von ihm und diesesmal auf eine Art, die mich eher erheitert als zuvor.
Da ich mich weigere, zur BILD zu verlinken, hier ein Verweis auf die Mädchenmannschaft, welche das journalistische Meisterwerk auch ganz abgedruckt hat:

Liebe Charlotte Roche,
auf der „Spiegel“-Bestseller-Liste liegt Ihr Buch „Feuchtgebiete“ seit Wochen auf Platz 1, sozusagen Ihr Jakobsweg in der Unterhose. Es geht um Ausscheidungen, Kot, Urin, Sperma, Schweiß, Onanieren, Körperbehaarung, Muschiflora. Ihre Hauptaussage ist: Nicht waschen – stinken. Sie sagen, dass Sie Penisse und Muschis durch die Hose riechen wollen. Das Feuilleton bejubelt Sie. „Da kommt Mutter Natur“ (FAZ). Die SZ: das neue Parfüm.
Ich bin zu blöd für dieses neue Frauenbild. Eine Frau, die furzt, kann ich nicht küssen. Ich liebe himmlisch riechende Frauen, heilige Frauen, die nach Efeu duften. Natürlich weiß ich, dass eine Frau einen Darm hat. Aber wenn sie auf Klo muss, lege ich Mozart auf, um ihre Geräusche nicht zu hören.
„Feuchtgebiete“ hat sich jetzt schon hunderttausendfach verkauft. Anscheinend wollen viele Frauen wahrgenommen werden als furzende, stinkende, schwitzende Urgeschöpfe. Eine postmoderne Fiktion des Feminismus. Ich sehne mich nach den wohlriechenden Frauen.
Herzlichst
Ihr F. J. Wagner

Zu blöd fürs neue Frauenbild? Na, wenn er das sagt – ich will’s ihm gerne glauben. Ob er das Buch verstanden oder es zumindest gelesen hat? Ließe sich ja drüber streiten. Himmlisch-heilige, nach Efeu (Efeu???) duftende Frauen? Klingt nach Dantes Beatrice – nur war der klug genug, sich seiner philosophischen Überhöhung der Angebeteten bewußt zu sein, statt solcherlei elysische Attribute als Ansprüche an die gesamte Frauenwelt zu formulieren…
Und ich will ja niemandem was unterstellen, aber wenn einer jedesmal vor von weiblichen Därmen induzierten Geräuschen in klassische Musik flüchten muß, klingt das für mich nach jemandem, der ein echtes Problem damit hat, daß auch Frauen normal funktionierende menschliche Wesen sind. Und vor sowas Angst zu haben? Tsts… ist doch alles nicht so schlimm, Herr Wagner!


17 Antworten auf “F.J. Wagner küssen oder doch lieber pupsen?”


  1. 1 pascal 19. April 2008 um 16:41 Uhr

    das eigenartige an herrn wagner ist, dass man ihn nichtmal pauschal als idiot bezeichnen kann — die meisten texte scheinen zwar von einem geschrieben zu sein, allerdings scheint gelegentlich etwas durch, das ich als satire bezeichnen würde. evtl hat die bildzeitung ihren größten kritiker selbst unter vertrag und merkt es nichtmal… klar ist auf jeden fall, dass wagner die bildleser im wesentlichen für ihre ansichten verachtet, imo.

  2. 2 blub 19. April 2008 um 17:49 Uhr

    „klar ist auf jeden fall, dass wagner die bildleser im wesentlichen für ihre ansichten verachtet“

    wie kommst du auf so eine abwegige ansicht?

  3. 3 blub 19. April 2008 um 17:50 Uhr

    „klar ist auf jeden fall, dass wagner die bildleser im wesentlichen für ihre ansichten verachtet“

    wie kommst du zu so einer abwegigen ansicht?

  4. 4 golfen 19. April 2008 um 17:58 Uhr

    dann würde der werte herr sich selber verachten.
    more stammtisch geht nüscht.

  5. 5 Jay 19. April 2008 um 18:16 Uhr

    „Anscheinend wollen viele Frauen wahrgenommen werden als furzende, stinkende, schwitzende Urgeschöpfe“
    Kommt dem Idealbild vieler auf ihre Männlich- und Anders(als Frauen)artigkeit beharrenden Männder auch ziemlich nahe.
    :-?

  6. 6 Daniel Weigelt 19. April 2008 um 19:02 Uhr

    Was soll man schon von jemanden halten, der schreibt: „Wie schön ist es, unter dem Schatten eines Baumes zu schlafen – und ein Affe zu sein.“

  7. 7 revolution 19. April 2008 um 19:21 Uhr

    eigentlich glaube ich, der hat einfach nur angst, dass es so ne generation frauen tatsächlich geben könnte und damit seine traumwelten von disziplinierten frauenkörpern zusammenbrechen würde.

  8. 8 blub 19. April 2008 um 20:25 Uhr

    eine generation von frauen á la roche wäre aber auch keinerlei verbesserung. nur weil man in büchern erzählt, man würde stinken, ist man noch lange nicht feministisch oder fortschrittlich unterwegs…

  9. 9 jojo 19. April 2008 um 22:36 Uhr

    Haha! Efeu. Lange nicht so gelol‘t. :) Wann hat der Typ denn mal an Efeu gerochen? Das riecht im besten Fall nach nichts, wenn ich mich richtig erinnere.

  10. 10 illith 20. April 2008 um 2:46 Uhr

    offenbar ist das ja das, was er sich wünscht ;)
    mein g#tt, was für pfosten! haha

  11. 11 revolution 20. April 2008 um 11:07 Uhr

    @blub ich halte es schon fürn fortschritt, wenn solche rigiden rollen aufgebrochen werden und sich dadurch nicht nur für frauen neue spielräume ergeben, sondern auch der engstirnige horizont eines herren wagner durcheinanderkommt.

  12. 12 unkultur 20. April 2008 um 12:28 Uhr

    Nee nee, diese modernen Zeiten. Da bleibt nur noch die Flucht in die Kunst, wo die hohen Ideale unbefleckt von der materiellen Existenz bestehen.

  13. 13 Körpergeruch 20. April 2008 um 13:56 Uhr

    Ja, ich will als „furzendes, stinkendes, schwitzendes“ Wesen gesehen werden, ich will als Mensch gesehen werden. Kann doch nicht sein, dass Frau nur auf’s Klo gehen darf um sich „frisch zu machen“.

  14. 14 blub 20. April 2008 um 15:11 Uhr

    @revolution: roche bricht aber niemals rollenklischees auf. haßt du sie schon mal im tv oder live gesehen? die macht das unterwürfige kleine mädchen so perfekt, dass wagner einer abgehen würde. das buch ist nur billige pop-provo, um nicht ganz in vergessenheit zu geraten und noch ein paar euro abzugreifen. und schreiben kann sie, bzw. ihre ghostwriterin auch nicht. vielleicht ist das auch absicht, um die anvisierte leser-gruppe nicht zu überfordern…

  15. 15 dodo 20. April 2008 um 17:08 Uhr

    ähm… sorry aber ich zähle mich auch zur anvisierten lesergruppe. muß ja nicht alles wie hochliteratur klingen.
    und unter einem „unterwürfigen kleinen mädchen“ versteh ich niemand, der seinen falschen zahn durch die luft jongliert und über dammassagen vor der schwangerschaft diskutiert. aber das ist vllt. ansichtssache…

  16. 16 revolution 21. April 2008 um 17:23 Uhr

    @blub billige provo… die will halt ihr buch verkaufen. aber immerhin provoziert sie, in dem sie gängige klischees und tabus verletzt (auch wenn das vielleicht n bisschen plump rüber kommt, immer nur über rosseten-bleeching zu reden) und damit räume öffnet, die eigentlich im öffentlichen diskurs nicht so direkt thematisierbar sind. deswegen ist sie keine galleons-figur des feminismus, aber eben der stachel im arsch eines herren wagner und das ist mehr und besser als das meiste andere medial wahrnehmbare zu dem thema.

  1. 1 Hinterm Mond gleich links Trackback am 22. April 2008 um 13:56 Uhr

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