Archiv für Mai 2008

Der Mythos Jungfräulichkeit

Erst gestern habe ich einen Artikel über einen Rechtsstreit aus Frankreich gelesen, in welchem ein zielmlich mittelalterlicher Fall beschrieben wurde. Ein Mann ließ in Lille seine Ehe annulieren, da seine Liebste, trotz vorheriger Aussage, keine Jungfrau mehr war. Und erschreckender Weise fand der Richter dies einen trifftigen Grund die Ehe sofort per Gerichtsbeschluss für ungültig zu erklären.
Ein anderes Thema, dass mich erst neulich dazu gebracht hat, die Fortschritte der Aufklärung für beerdigt zu erklären, war ein Artikel über sogenannte „Father-Dauhter-Purity Balls.“ Auf solchen „Bällen“ legen meist noch minderjährige Mädchen einen Schwur vor Gott und Daddy ab, welcher beinhaltet keinen Sex vor der Ehe zu haben und auf jegliche sexuelle Handlungen zu verzichten. Allein der göttlichen „Reinheit“ ihres Körpers wegen.

Wenn man nun diese ganzen Meldungen über die, wohl am häufigsten diskutierte Sache der weiblichen Sexualität, nämlich die Jungfräulichkeit so ließt, stellt man sich doch die Frage woher dieser ganze Mist eigentlich kommt.
(mehr…)

Lisa Ortgies wird nun doch nicht Chefredakteurin bei der Emma.

Wer Barbie wirklich sein kann – und teilweise bereits ist

Auch so ein klassisches Thema (oder eher Klischee): FeministInnen lassen ihre Kinder nicht mit Barbie spielen.
Ist das wirklich so?
Okay, kurzer Prolog: meinereiner hat nicht wirklich mit Puppen gespielt. Zum Liebhaben und Knuddeln waren mir Stofftiere immer lieber und auch näher an meiner Lebensrealität. Aber Barbie (Achtung Outing!) – ja, da gab’s eine ziemlich lange Phase. Jetzt isses raus. (mehr…)

Gay marriage als US-Wahlkampfthema

Ersteinmal will ich hier dieses supergeniale Video posten, bei dem ich mehrmals laut loslachen mußte:

Hah!! Take this, McCain!
Und um den geht’s jetzt auch ein bißchen, war er doch vor kurzem erst bei der großartigen Ellen zu Gast und hat sich meiner Meinung nach reichlich blamiert. Im Gegensatz zu Hillary, die immerhin insofern gut vorbereitet war, daß sie wenigstens routiniertes Politiker-Um-Den-Brei-Reden abgelassen hat und sich selbstbewußt und locker gab (gut – auch kritisierbar, sicher! Aber man erwartet ja shon nicht ernsthaft klare und tiefgründige Antworten im US-Wahlkampf…). (mehr…)

Sind Lesben vom Mars oder was??


Lesbisch? Hetero? Bi? Grün?

Zu manchen Menschen ist es irgendwie immer noch nicht durchgedrungen, daß mensch sich nicht allein duch seine sexuellen Vorlieben definiert. Und gerade weibliche Homosexualität scheint für viele immer noch von einem anderen Stern zu kommen…
So auch in einem Interview der NY Times mit Cynthia Nixon, die nun mit ihrer Lebensgefährtin zusammenlebt, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat. Und ich stimme Jessica von Feministing zu, wenn sie sagt, das ganze liest sich so

like some weird „Ask a Lesbian!“ column.
Es würde nur noch fehlen, daß so ein Interview unter der Rubrik „Wie lebt sich’s denn so als Lesbe?“ eingestellt wird… (mehr…)

Pro-Choice: Für das Recht auf Abtreibung!

Wenn man mal genauer im deutschen Strafrecht stöbert, wird man früher oder später auf §218 stoßen, der besagt, das ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland mit bis zu drei jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe bestraft wird.
Ja genau so steht es Wort wörtlich in unseren Strafgesetztbuch.
Nicht schlecht oder?
(mehr…)

Kein Fußball dem Sexismus

Es heißt, während Männerfußball-Großereignissen steige die Zahl sexualisierter Übergriffe im häuslichen Nahbereich um rund 30%. Erschreckend, wenn eine_r bedenkt, dass in Deutschland bereits alltäglich

mindestens jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren, die in einer Partnerschaft lebt oder gelebt hat, (…) körperliche (23 Prozent) oder – zum Teil zusätzlich – sexuelle (7 Prozent) Übergriffe durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner mindestens ein- oder auch mehrmals erlebt. (…) (Desweiteren hatten) insgesamt 58,2 Prozent aller befragten Frauen Situationen sexueller Belästigung erlebt, sei es in der Öffentlichkeit, im Kontext von Arbeit und Ausbildung oder im sozialen Nahraum. 27 Prozent aller befragten Frauen und knapp die Hälfte (49 Prozent) derjenigen, die sexuelle Belästigung erlebt hatten, haben Situationen von sexueller Belästigung erlebt, in denen sie sich ernsthaft bedroht fühlten oder Angst um ihre persönliche Sicherheit hatten. 9 Prozent aller befragten Frauen, die sexuelle Belästigung erlebt haben, gaben an, dass eine oder mehrere dieser Situationen auch zu einem ungewollten Geschlechtsverkehr oder zu körperlicher Gewalt geführt haben.

So die Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen“ hier zitiert nach dem BMFSJS.
Während der Männerfußball-WM 2006 hatte ich das Gefühl, arbeitete linke Kritik sich vornehmlich an Themen wie Sicherheitswahn und Nationalismus ab, in Sachen Antisexismus wurde gelegentlich erwähnt, Fußball sei männerbündisch und damit sexistisch und homophob, oder aber die Mediendiskussion um sogenannte „Zwangspostitution“ kritisiert. (mehr…)

Weibliche Sexualität

Auf der „Emotion“-Seite ist ein sehr interessantes Interview mit der Sexualwissenschaftlerin Dr. Beverly Whipple bezüglich der weiblichen Sexualität veröffentlicht. hier nachzulesen.

im missy-blog äußert sich chris köver zur aktuellen feminismus-debatte

Let me introduce to you…

Malcolm Rollick. Also mein erster (offizieller) Versuch, eine Künstlerin und ihr Album vorzustellen, also das, was man gemeinhin „Rezension“ nennt. Und zwar auf englisch, damit Malcolm das auch schön lesen kann. Here we go:
I got to know Malcolm through the work on my grrrlzine in which she will be represented with an interview. She seems like a really nice lady and I got all giddy when I found her package in my mailbox the other day, in which was included her latest CD „lo-fi(ction)“ (2007, 307 Knox Records).

(mehr…)

22. bis 25. Mai 08: Ladyfest Mülheim

Endlich gibt es ein nicht-kommerzielles Ladyfest im Ruhrgebiet. Fast anderthalb Jahre wurde diskutiert, geplant, Soli-Clittails ausgeschenkt. Vom 22. bis 25. Mai 08 lädt die Ladyfestgruppe Mülheim a.d. Ruhr Ladie_z and friends ins Autonome Zentrum (AZ) Mülheim.

„Ich finde es gut, dass es mit dem Ladyfest eine Veranstaltung von FrauenLesbenTrangendern für FrauenLesbenTransgender gibt. Die Szene ist sonst trotz hohen Ansprüchen an sich selbst sehr männerdominiert“, sagt Kenny aus der Ladyfest-Vorbereitung. Und deshalb soll das offene Ladyfest auch für Männer Reflexionsmöglichkeiten bieten: In einem men-only-Workshop „Subkultur und Männlichkeit“ wird das Verhältnis von Geschlechtsidentität und politisch-kultureller Arbeit hinterfragt. Ansonsten sind die Veranstaltungen zwar offen, aber dennoch Ladyfest-like: Es gibt eine Veranstaltung zur Einführung in die Theoriegeschichte des Feminismus und einen Vortrag über die Geschichte der riot grrl- und Ladyfestbewegung. Es ist an jeder Workshopgruppe, zu bestimmen, ob sie ladie_z only, oder offen für alle ist.

Eher praktisch orientierte Workshops werden sich mit diesen Dingen beschäftigen: Wie bewegen sich Männer, wie bewegen sich Frauen? Geht das auch anders? Wie krieg ich Linux auf den Rechner? Und wie baue ich mir aus Silikon ein Dildo, ein Harness aus einem Fahrradschlauch? Auch einen Workshop zu Siebdruck wird es geben, und jede Menge Zeit zum Ausprobieren.

„Das Ladyfest Leipzig habe ich besucht, und fand es toll. Unterwegs von einer Veranstaltung zur anderen bin ich vielen interessanten Menschen begegnet“, sagt Kenny. „Ich bin jetzt aber gespannt, wie sich die Atmosphäre entwickelt, wenn die Workshops, das Schlafen, die Party und das Essen alles so nah beieinander sind. Alles findet in einem großen AZ statt, und die Leute können ihre Bekanntschaften vertiefen und neue Projekte anstoßen.“ Neben privat-politischem Schnack können sich so auch an einer Kommunikationswand Leute zu Spontan-Treffen und Workshops verabreden.

Viele Bands, Performancer und Workshop-Ausrichter_innen haben schon zugesagt. Aber wir wünschen uns durchaus noch mehr Dynamik, Inhalte und Mithelfer_innen. Für die Vorbereitung gibt es noch einiges zu tun. Und auch auf dem Ladyfest selbst können wir noch helfende Hände gebrauchen.

Wer Fragen zu Schlafplätzen, Inhalten, Mitmachen und anderem hat, kann dem Ladyfest-Team gerne schreiben:
ladyfest(*at*)az-muelheim.de
Ladyfest @ Myspace

Nachts sind alle Katzen grau

Der Artikel „ I have a dream too“ ist im Mädchenblog auf große Resonanz gestoßen. Allerdings fand ich ihn und die Diskussion in einigen Punkten kritisch. Auf diese und feministische Strategien zum Thema „Angst im Dunkeln“ möchte ich im folgenden eingehen.
Problematisch an dem Text fand ich nicht, dass das Thema aufgegriffen wurde und auch nicht die persönliche Darstellung der Angst vor sexuellen Übergriffen in öffentlichen Raum, sondern dass der Artikel dabei stehen blieb und eine Einbettung in soziale Kontexte nicht stattfand. Ebenfalls kritisiere ich, dass in der Diskussion Versuche einer Rationalisierung der Diskussion teilweise abgelehnt wurden, was mich an politische Debatten erinnert, in denen „Ängste der Bürger“ als Totschlagargument fungieren. Ich halte es auch nicht per se für fortschrittlich, seine Gefühle und Gedanken mal so ins Netz zu stellen, denn das ist gängige Praxis des Unterhaltungsfernsehens (und Web 2.0).
Ich bezweifle nicht, dass der öffentliche Raum für Frauen ein Ort ist, an dem Belästigungen stattfinden und an dem Gewalt gegen Frauen verübt wird, möchte aber dennoch die Frage betonen, warum Frauen sich auf der Straße mehr fürchten, als z.B. in der Schule oder zu Hause, obwohl sie dort (Strasse) ungleich weniger gefährdet sind.
Vergewaltigungsmythen sind ein bunter Mix aus sexistischen und oftmals auch rassistischen
Behauptungen. Den Opfern wird Leichtsinnigkeit unterstellt, der Täter ist immer der Fremde, Unbekannte. Der typische Täter auf der Straße gehört der allgemeinen Vorstellung nach (oft auch im politischen und medialen Diskurs) einer niedrigen sozialen Schicht an, hat ein geringes Bildungsniveau und einen Migrationshintergrund1. Damit unterscheidet sich die Vorstellung vom typischen „Straßenvergewaltiger“ deutlich von den Nahbereichstätern, die i.d.R. aus der selben sozialen Schicht stammen wie das Opfer. (mehr…)