Nachts sind alle Katzen grau

Der Artikel „ I have a dream too“ ist im Mädchenblog auf große Resonanz gestoßen. Allerdings fand ich ihn und die Diskussion in einigen Punkten kritisch. Auf diese und feministische Strategien zum Thema „Angst im Dunkeln“ möchte ich im folgenden eingehen.
Problematisch an dem Text fand ich nicht, dass das Thema aufgegriffen wurde und auch nicht die persönliche Darstellung der Angst vor sexuellen Übergriffen in öffentlichen Raum, sondern dass der Artikel dabei stehen blieb und eine Einbettung in soziale Kontexte nicht stattfand. Ebenfalls kritisiere ich, dass in der Diskussion Versuche einer Rationalisierung der Diskussion teilweise abgelehnt wurden, was mich an politische Debatten erinnert, in denen „Ängste der Bürger“ als Totschlagargument fungieren. Ich halte es auch nicht per se für fortschrittlich, seine Gefühle und Gedanken mal so ins Netz zu stellen, denn das ist gängige Praxis des Unterhaltungsfernsehens (und Web 2.0).
Ich bezweifle nicht, dass der öffentliche Raum für Frauen ein Ort ist, an dem Belästigungen stattfinden und an dem Gewalt gegen Frauen verübt wird, möchte aber dennoch die Frage betonen, warum Frauen sich auf der Straße mehr fürchten, als z.B. in der Schule oder zu Hause, obwohl sie dort (Strasse) ungleich weniger gefährdet sind.
Vergewaltigungsmythen sind ein bunter Mix aus sexistischen und oftmals auch rassistischen
Behauptungen. Den Opfern wird Leichtsinnigkeit unterstellt, der Täter ist immer der Fremde, Unbekannte. Der typische Täter auf der Straße gehört der allgemeinen Vorstellung nach (oft auch im politischen und medialen Diskurs) einer niedrigen sozialen Schicht an, hat ein geringes Bildungsniveau und einen Migrationshintergrund1. Damit unterscheidet sich die Vorstellung vom typischen „Straßenvergewaltiger“ deutlich von den Nahbereichstätern, die i.d.R. aus der selben sozialen Schicht stammen wie das Opfer.

History

Aus einer historischen Perspektive betrachtet ist das Phänomen der Angst im öffentlichen Raum so alt wie die Urbanisierung selbst. Seit jeher sind es die städtischen Unterschichten, insbesondere auch Jugendliche und junge Männer, die aufgrund ihrer verunsichernden Männlichkeitskultur von den städtischen Mittelschichten als moralische und soziale Bedrohung wahrgenommen werden. Zeitgleich mit der Urbanisierung fand auch die Trennung von Privatsphäre vs. öffentliche Sphäre statt, einschließlich der entsprechenden Geschlechterordnung (Mann im öffentlichen Raum, Frau zuhause). Besonders für junge Frauen wurde der Aufenthalt im öffentlichen Raum- besonders nachts oder an unlauteren Orten- stark reglementiert. Begründet wurde dies mit der Gefährdung ihrer körperlichen Unversehrtheit und ihres guten Rufes, Moralvorstellungen spielten demnach eine wichtige Rolle. Das faktische Ausgehverbot diente der Kontrolle von Frauen und damit der Aufrechterhaltung der Geschlechterordnung. Gute Mädchen hatten auf der Straße nichts verloren, und diejenigen, die sich des nachts draußen vergnügten, waren selbst schuld, sollte ihnen etwas zustoßen. Im Zuge dieses Diskurses wurden die Unannehmlichkeiten und Gefährdungen des öffentlichen Raumes, zu Gefährdungen, denen speziell Frauen ausgesetzt sind.

Safer City

Mit dem Ziel, den öffentlichen Raum, der traditionell Männern vorbehalten ist, Frauen gleichermaßen zugänglich zu machen, wurden sogenannte „Angsträume“ von der Frauenbewegung in den 1970er Jahren thematisiert. Mit Angsträumen sind jene Ort gemeint, die Frauen nur ungern durchqueren, wie z.B. Tiefgaragen und Fußgängerunterführungen. Obwohl sexuelle Gewalt vor allem im Nahbereich stattfindet, wurde damit die Vorstellung von der besonderen Gefährdung von Frauen im öffentlichen Raum bestärkt. Stadtplanerisch sollten diese Angsträume durch entsprechende Architektur, Beleuchtung und Bepflanzung bekämpft werden. Es ging also um die Reduzierung von Tatgelegenheiten. So wurden bspw. Frauenparkplätze in Parkhäusern eingerichtet, obwohl das Parkhaus ebenso wenig wie andere klassische Angsträume kein spezifischer Ort der Gewalt (gegen Frauen) darstellt. Positiv ist, dass damit ein öffentliches Bewusstsein dafür geschaffen wurde, dass Frauen das Recht haben, sich (auch) nachts frei bewegen zu können und eine Genderperspektive in die Stadtplanung eingebracht wurde. Problematisch erscheinen mir jedoch drei Aspekte. Zum einen wird die Gefährlichkeit des öffentlichen Raums für Frauen dadurch diskursiv verstärkt und sexuelle Gewalt auf Gewalt durch „Fremde“ fokussiert. Zweitens profitieren von vielen Maßnahmen, wie bspw. Taxiruf vom ÖPNV aus nur bessergestellte und drittens ist der Diskurs anschlussfähig an andere Sicherheitsdiskurse über „gefährliche Orte“, wie sie seit den 1990ern wieder verstärkt geführt werden. Letztendlich bieten Büsche, Unterführungen und „unübersichtliche“ Parkanlagen nicht nur potentiellen Tätern einen Rückzugsraum, sondern auch Obdachlosen, Jugendlichen usw.

Martial Arts

Ein anderes Mittel der Frauenbewegung war die Verbreitung von Frauenselbstverteidigungs- kursen, die es heute an jeder Dorf-VHS gibt. Ziel dieser Kurse ist einerseits das Selbstbewusstsein und damit auch das (Selbst-) Sicherheitsgefühl von Frauen zu stärken und sie andererseits auch tatsächlich in die Lage zu versetzen, sich gegen Angreifer wehren zu können. Die Frau bleibt also nicht länger in der Rolle als hilfloses Opfer gefangen, sondern lernt sich zu verteidigen. Nach außen hin kann das allerdings so wirken, als sei Sicherheit eine Frage von Martial Arts Skills. Gerade wenn man sich aber in Zuständen jenseits von gut und böse von Partys nach Hause schleppt, sind die (kampf-)sportlichen Fähigkeiten doch stark eingeschränkt. Polizeiliche Statistiken behaupten, es kommt weniger darauf an, ein Krav- Maga- As zu sein, als sich überhaupt zu wehren, um einen Angreifer abzuwehren. Aber gerade das fällt vielen Frauen aufgrund von Hemmungen oder Gefühlen des Gelähmtseins schwer. In guten SV-Kursen lernt man daher nicht nur Martial Arts, sondern bekommt
auch einfache Basics vermittelt, wie den Einsatz der Stimme oder die Verwendung von Alltagsgegenständen als Waffe. Darüber hinaus wird die Wahrnehmung für Risiken geschärft und man lernt, dass es für jede noch so ausweglos erscheinende Situation Handlungsoptionen gibt. Spezielle Frauen-SV-Kurse vermeiden zudem, dass Frauen im Training die Erfahrung machen 30kg schwereren männlichen Trainingspartnern unterlegen zu sein und dies auf Alltagssituationen übertragen.
Obwohl das Angebot an Selbstverteidigungskursen groß ist und viele Frauen auch über die Möglichkeit sich mit Waffen zu schützen informiert sind, scheint das Phänomen der Angst im öffentlichen Raum bestehen zu bleiben, der gesellschaftliche Diskurs scheint also deutungsmächtiger zu sein.
Viele Frauenselbstverteidigungskurse beziehen sich auf Angriffe im öffentlichen Raum und bieten wenig Hilfestellung für den Nahbereich. Die Hemmungen, eine bekannte Person möglicherweise schwer zu verletzen, sind höher, als bei einem Fremden. Zudem ist die Situation nicht unbedingt von Anfang an als Gefahrensituation gekennzeichnet, gerade im Nahbereich findet sexuelle Gewalt oft in Form sukzessiver „kleinerer“ Übergriffe statt. Auch spielt der Einsatz körperlicher Gewalt oft eine geringere Rolle, weil andere Mechanismen (Macht, Abhängigkeit, Vertrauensverhältnis) als Druckmittel mitwirken. Ist es im öffentlichen Raum grundsätzlich möglich, wegzurennen, ist die Barriere bei Übergriffen in der eigenen Wohnung zu fliehen und den Täter dort zurückzulassen hoch. Es geht eben nicht nur um die korrekte Schlagtechnik oder körperliche Über-/Unterlegenheit, sondern auch um subtilere Gewaltformen.

  1. Ich beziehe mich hier auf US-amerikanische Studien, denke aber dass sich aus einer BRD-Medienanalyse und sicherheitspolitischen Diskursen ähnliche Schlussfolgerungen ableiten lassen. [zurück]

17 Antworten auf “Nachts sind alle Katzen grau”


  1. 1 laylah 02. Mai 2008 um 16:18 Uhr

    was ist das denn immer für eine paternalistische art?! ich wurde und werde im „privaten“ raum (zuhause, arbeit, schule) viel weniger belästigt als in der öffentlichkeit, und daher rühren meine ängste und die sind vollkommen legitim. aburteilerei hier, echt.
    was den überwachungsscheiß angeht, geb ich dir recht. alle 2,34 meter ein baum sieht übrigens auch schlimm aus.
    zur selbstverteidigung: ich war nur mal mit 12 in sonem kurs, und da haben die uns durchaus beigebracht, dass wir uns vom onkel nicht küssen lassen müssen und dass der lehrer sich auch nicht von hinten über uns beugen braucht und wie wir denen gegenüber auftreten können.

  2. 2 shlomo 03. Mai 2008 um 2:14 Uhr

    nur weil du das aus deinen persönlichen erfahrungen für dich sagen kannst, heißt das doch nicht, dass es allen andern frauen auch so geht. von daher finde ich es n bißchen verkürzt, dass du (scheinbar) allen andern absprichst, belästigungen/grenzverletzungen/übergriffe (vor allem) im privaten bereich erfahren zu müssen.
    und ich glaube, dass es (auch) für frauen gut sein kann, im training nem „30kg schwereren männlichen trainingspartner“ gegenüber zu stehen. denn wenn frau die techniken etc. nur mit anderen frauen zusammen übt, kann es in der konkreten bedrohungssituation sein, dass sie nicht mehr weiß, wie sie sich da verhalten soll. und auch besagte 30kg schwerere männer haben so nette schwachstellen wie weichteile, knie, hals, nase oder augen…

  3. 3 shlomo 03. Mai 2008 um 2:16 Uhr

    mist, da fehlt am anfang meines beitrags noch noch das blockquote-zitat „was ist das denn immer für eine paternalistische art?! ich wurde und werde im “privaten” raum (zuhause, arbeit, schule) viel weniger belästigt als in der öffentlichkeit, und daher rühren meine ängste und die sind vollkommen legitim. aburteilerei hier, echt.“

  4. 4 laylah 03. Mai 2008 um 4:30 Uhr

    wie bitte? ich wehr mich dagegen, dass frauen das recht auf ihre ängste abgesprochen wird, und du wirfst mir grad ma das gegenteil vor? lächerlich.

  5. 5 shlomo 03. Mai 2008 um 10:36 Uhr

    gut, dann war das mißverständnis und ich muss meine aussage revidieren. für mich klang es so, als wolltest du mit deiner aussage ausdrücken, dass übergriffe im privaten umfeld im vergleich zu welchen auf offener straße seltener passieren. deine auf persönlichen erfahrungen beruhende erhöhte angst vor übergriffen in der öffentlichkeit möchte ich dir oder anderen nicht absprechen, meine aber, dass das so im text auch nicht rüberkommt. es wird lediglich darauf hingewiesen, dass statistisch gesehen (ja, ich weiß, ist scheiße bei nem subjektiven angstgefühl) halt mehr übergriffe durch freunde, verwandte oder nachbarn passieren, als durch wildfremde.

  6. 6 J. 03. Mai 2008 um 10:49 Uhr

    Ach, wunderbarer Artikel – ich lese *so* gern hier, das ist immer alles so präzise und facettenreich. Best regards!

  7. 7 miss taken identity 03. Mai 2008 um 12:41 Uhr

    Was soll ein Recht auf Angst sein? Sorry, Laylah, aber dein Tour ist saublöde. Nur weil du von irgendwas betroffen bist oder Opfer von irgendwas bist heißt das noch lange nicht das du die Sache richtig beurteilst. Deshalb ist dein Einwand von oben in dem es wieder nur um deine persönlichen Empfindungen geht auch keiner. Das wurde in dem Beitrag selbst auch Recht deutlich gemacht, wenn ich den nicht ganz missverstanden hab.

  8. 8 laylah 03. Mai 2008 um 13:47 Uhr

    ja, leute, die von einer sache NICHT betroffen sind, können diese mit sicherheit viel besser einschätzen, ne. dummes bürgerliches wissenschaftsverständnis.
    das ding mit dem „recht“ ist eine verkürzte formulierung dafür, dass frau nicht belächelt, sondern erstma respektiert werden soll, wenn sie solche ängste äußert (rationalisierungsbla kann man dann immer noch bringen) – wenn du dir mal die kommentare zu „i have a dream too…“ durchliest, checkst du, warum ich das betone. der blogeintrag hier hingegen kritisiert, dass dort „versuche einer rationalisierung der diskussion teilweise abgelehnt“ wurden – das ist quatsch, gerade viktoria, die jenen ja geschrieben hatte, war sehr offen für kritik; die tendenz, ängstliche frauen als hysterische weiber darzustellen, war viel stärker.
    die vielzitierte „statistik“ kann ich schlecht kritisieren, weil sie stets nur in form der unantastbaren „statistik“ erscheint und nicht etwa in form einer studie, deren kriterien man auch ma kritisch beleuchten könnte. ich behaupte zb, dass die ART der übergriffe im öffentlichen und im privaten raum sich unterscheidet – niederschwellige übergriffe im privaten raum wären unerwünschte / übertriebene umarmungen, küsse, „zufällige“ berührungen, unangenehme „komplimente“, etc. – niederschwellige übergriffe im öffentlichen raum wären respektlose „anmachen“ und an-den-arsch-packen. alles, was darüber ist, passiert im privaten raum sicherlich öfter, für MICH PERSÖNLICH sind aber die sachen im öffentlichen raum SUBJEKTIV ein viel größeres problem, weil ich mich gegen leute, die ich kenne, besser wehren kann und noch nie was schlimmeres passiert ist.

  9. 9 Rob 04. Mai 2008 um 12:28 Uhr

    Ich spreche diesem Thema ausdrücklich nicht die Berechtigung ab, ganz im Gegenteil.

    Dennoch kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass das für einen Grossteil der Weltbevölkerung eine „Luxusdebatte“ wäre, weil in den meisten Gegenden überhaupt niemand sorglos durch dunkle Strassen laufen kann.

  10. 10 Viktoria 04. Mai 2008 um 13:23 Uhr

    @Chica: also abgesehen davon, dass Du nochmal betonst, dass Übergriffe aus dem Bekanntenkreis und familiären Umfeld wesentlich höher sind, dass Frauen Ängste systematisch eingeflößt bekommen um brav zuhause zu bleiben und dass Selbstverteidigungskurse das Selbstvertrauen stärken können, sodass Frau souveräner auf der Straße nachts auftreten kann, während Veränderungen in der Städteplanung weniger Sinn machen, habe ich jetzt nicht das Gefühl, dass Du die ultimative Lösung für das Problem hast. Im Grunde verstehe ich auch garnicht, wieso Du meinen Artikel kritisierst – ich habe nie geleugnet, dass Übergriffe im näheren Umfeld wesentlich öfter vorkommen. Ich habe diese nur ausgeklammert, es ging einfach nicht darum. Warum sollte ich über etwas schreiben, was für mich überhaupt nicht relevant ist? – Was nicht heißt, dass es generell nicht relevant ist! Auf keinen Fall! Aber ich bin in meinem Umfeld, was Familie und Bekannte angeht nur einmal von einem „Freund“ bedrängt worden – zu dem hatte ich noch nicht einmal eine solche Vertrauensbasis und seitdem habe ich ihn auch nie wieder gesehen.
    Über ein solches, ziemlich delikates Thema sollte lieber wer schreiben, der eine Ahnung davon hat. Ich gehöre glücklicherweise nicht dazu und könnte höchstens falsch mit dem Thema umgehen.

    Ich glaube das Problem bei familiären Übergriffen ist, dass diese schon im voraus taburisiert werden. Wenn überhaupt, so wird erst seit ein oder zwei Generationen den Kindern wirklich beigebracht, was sie sich alles nicht gefallen lassen sollen, dass sie mit den Eltern über alles reden können – auch wenn anderes behauptet wird.
    Meine Eltern haben mir, als ich ganz klein war die Möglichkeit der Entscheidung gegeben, von welchem Verwandten ich mich küssen lasse oder nicht (was im Baskenland allgemein sehr üblich ist). Von vielen Mädchen wird einfach verlangt, dass sie sich küssen lassen, oder selber einen Schmatzer verteilen – weil es einfach höflich ist. Ich denke, eine Sensibilisierung beginnt eben schon bei so kleinen Dingen. Niemand muss sich irgendwas aus Höflichkeit gefallen lassen.
    Ich halte es allerdings für falsch, pauschal zu sagen, dass jeder Verwandte und Bekannte ein potenzieller Missbraucher ist, nur weil der Missbrauch innerhalb dieses Kreises wesentlich höher ist. Doch wenn dann das Kind etwas äußert, darf man auf keinen Fall die Augen davor verschließen, oder das nicht für voll nehmen. Leider geschieht dies allerdings immer noch.

  11. 11 chica 04. Mai 2008 um 13:49 Uhr

    Mein Ansatz besteht darin, den historischen und sozialen Kontext des Vergewaltigungsmythoses (damit meine ich jetzt nicht, dass Vergewaltigungen auf offener Strasse nicht existieren, sondern das soziale Konstrukt von einer spezifischen Gefährdung von Frauen nachts im öffentlichen Raum, weshalb diese besser zu Hause bleiben sollen) aufzuzeigen, und damit der Frage nachzugehen, woher die Angst denn kommt. Das „Wissen“, dass es nachts gefährlich ist, allein auf die Straße zu gehen und sich das Risiko noch erhöht, wenn ich eine bestimmte Kleidung trage, haben Mädchen und Frauen ja nicht bewusst gelernt, sondern es wird als implizites Wissen, also als eine Art „gesunder Menschenverstand“ über Familie und Medien weitergegeben und damit nicht in Frage gestellt.
    Und ich denke auch, dass dieses „Wissen“ sexistische Belästigungen, wie Hinterherpfeifen, dummer Kommentare und Anmachen, nachts so bedrohlich erscheinen lässt, während sie tagsüber vielleicht nur Brechreiz und Wut erzeugen.
    Stadtplanerische Interventionen und SV-Kurse habe ich nicht diskutiert, weil ich sie für die Lösung halte, sondern weil sie die bekanntesten feministischen Interventionen waren/sind, die heute fest im Mainstream institutionalisiert sind, mit allen Vor- und Nachteilen.

  12. 12 cyborg* 04. Mai 2008 um 15:24 Uhr

    ich finde auch, dass dein artikel letztendlich mehr ergänzung+historische einbettung als krasser gegenentwurf zu dem von viktoria war. daher habe ich mich ehrlich gesagt beim lesen auch ein bisschen gefragt, was -außer sich zu „batteln“– die genaue funktion der ständigen wiederholung, dass du ihren artikel kritisierst, sein sollte (was nicht heissen soll, dass ich es prinzipiell nicht okay und auch konstruktiv finde, in so einem blog meinungsverschiedenheiten zu artikulieren und auch auszutragen)

  13. 13 Judith 04. Mai 2008 um 19:39 Uhr

    ach chica und viktoria, nicht streiten! ;-) ich hab eure beiden artikel sehr gerne gelesen.
    @viktoria wie ich bei deinem artikel schon kommentiert hatte, find ich’s wichtig darauf einzugehen, in wie weit diese ängste, die ich auch gut kenne, gesellschaftlich gepusht und instrumentalisiert werden, um frauen in ihrem bewegungsfreiraum einzuschränken.
    deine haltung einfach über die dinge schreiben zu wollen, die du kennst und selber erlebst find ich sehr sympathisch und ist vom stil her auch eher mein ding. trotzdem freu ich mich, dass chica ein bisschen theoretischer die zusammenhänge analysiert. eine „lösung“ für das problem, muss sie meiner meinung nach auch nicht bringen. also: vertragen, ja?!

  14. 14 rather ripped 04. Mai 2008 um 20:36 Uhr

    ich denke eher dass viktoria gar nicht unbedingt um die zusammenhänge wusste (so gings mir nämlich auch) und die gründe/zusammenhänge deiner angst zu erkennen ist ja ein wichtiger schritt sie irgendwann besiegen zu können. ich finde dass die diskussion allgemein betrachtet sogar als ziemlich erfolgreich betrachtet werden kann, schade nur die verbalen feindlichkeiten die hier teilweise zu tage kamen/kommen. gerade an einem ort wie diesem sollte man doch offen über dinge die eineN bewegen reden können, ohne gleich als hysterisch, überempfindlich oder sonstwas runter gemacht zu werden. ich fand viktorias post außerdem sehr mutig, denn wer etwas von sich selbst preisgibt macht sich immer verletzlich, ganz im gegenteil zu jemanden der seine ausführung auf fakten stützt. außerdem hat viktoria jegliche kritik bereitwillig angenommen, die art wie ihr teilweise begegnet wurde ist also echt das letzte.

  15. 15 Viktoria 04. Mai 2008 um 23:26 Uhr

    @Judith: Also ich bin die Letzte, die sich streiten möchte. :) Auch Chica macht mir nicht den Eindruck, darauf hinaus zu wollen. Sie hat mich aufgrund meiner Darstellung des Themas kritisiert und ich habe ausgeführt, weshalb ich mich für eine bestimmte Art der Auseinandersetzung entschieden habe, und nicht für eine andere. Das ist bestenfalls eine Diskussion, aber kein Streit. Bei einem Streit kochen die Emotionen über, ein Streit wird schnell irational und persönlich. Das kann man von dieser Auseinandersetzung ja nicht sagen. ;) Und so wie sie Kritik an meiner Ausführung genommen hat (was ja ihr gutes Recht war), so habe eben auch ich Kritik geäußert.

    @Chica: Aber das Aufzeigen an sich ist ja auch noch lange keine Lösung. Es ist kann ein erster Schritt sein, aber darauf muss aufgebaut werden – über Selbstverteidigung hinaus.

    @rather ripped: ich danke Dir für Deine Worte. :)

  16. 16 Tammy 11. Mai 2008 um 16:15 Uhr

    Angst in der Dunkelheit ist so alt wie die Menschheit. Die heutige Angst vieler Frauen in einer Stadt bei Nacht rührt teilweise auch noch aus diesen Zeiten her, als sich weder Mann noch Frau nachts raus trauten, denn nachts sehen Menschen schlechter als Raubtiere die nachtaktiv sind. Allein schon aus dieser Angst – man könnte sie Urangst nennen – ergibt sich der Konsens der altbekannten „Angst im Dunkeln“. Darüberhinaus gab es immer Menschen, die diese überwinden konnten. Das heute und in nicht all zu ferner Vergangenheit vemehrt den Frauen die Angst vor Dunkelheit eingeredet wird, hat sicherlich unterschiedliche Gründe. Einmal könnte ich mir gut vorstellen das Frauen damals nicht nur des „Kurzhaltens“ wegen bei Einbruch der Dunkelheit das Haus nicht mehr verlassen durften, sondern auch durch Schutz (Fortpflanzungsmöglichkeiten erhalten). Später, als es keine gefährlichen Raubtieren gab und die Städte immer größer wurden, die Menschen immer mehr… da kam der böse schwarze Mann ins Spiel, der nun anstelle des Raubtieres die Frauen und Kinder (nicht die Männer) jagt. Daraus entstand die Möglichkeit den Frauen die Neugier auf die Nacht auszutreiben.

  17. 17 Tammy 11. Mai 2008 um 16:17 Uhr

    was ist denn mit meinem Beitrag passiert? Kann mir das jemand bitte hinbiegen? :“>

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