Archiv für Mai 2008

22. bis 25. Mai 08: Ladyfest Mülheim

Endlich gibt es ein nicht-kommerzielles Ladyfest im Ruhrgebiet. Fast anderthalb Jahre wurde diskutiert, geplant, Soli-Clittails ausgeschenkt. Vom 22. bis 25. Mai 08 lädt die Ladyfestgruppe Mülheim a.d. Ruhr Ladie_z and friends ins Autonome Zentrum (AZ) Mülheim.

„Ich finde es gut, dass es mit dem Ladyfest eine Veranstaltung von FrauenLesbenTrangendern für FrauenLesbenTransgender gibt. Die Szene ist sonst trotz hohen Ansprüchen an sich selbst sehr männerdominiert“, sagt Kenny aus der Ladyfest-Vorbereitung. Und deshalb soll das offene Ladyfest auch für Männer Reflexionsmöglichkeiten bieten: In einem men-only-Workshop „Subkultur und Männlichkeit“ wird das Verhältnis von Geschlechtsidentität und politisch-kultureller Arbeit hinterfragt. Ansonsten sind die Veranstaltungen zwar offen, aber dennoch Ladyfest-like: Es gibt eine Veranstaltung zur Einführung in die Theoriegeschichte des Feminismus und einen Vortrag über die Geschichte der riot grrl- und Ladyfestbewegung. Es ist an jeder Workshopgruppe, zu bestimmen, ob sie ladie_z only, oder offen für alle ist.

Eher praktisch orientierte Workshops werden sich mit diesen Dingen beschäftigen: Wie bewegen sich Männer, wie bewegen sich Frauen? Geht das auch anders? Wie krieg ich Linux auf den Rechner? Und wie baue ich mir aus Silikon ein Dildo, ein Harness aus einem Fahrradschlauch? Auch einen Workshop zu Siebdruck wird es geben, und jede Menge Zeit zum Ausprobieren.

„Das Ladyfest Leipzig habe ich besucht, und fand es toll. Unterwegs von einer Veranstaltung zur anderen bin ich vielen interessanten Menschen begegnet“, sagt Kenny. „Ich bin jetzt aber gespannt, wie sich die Atmosphäre entwickelt, wenn die Workshops, das Schlafen, die Party und das Essen alles so nah beieinander sind. Alles findet in einem großen AZ statt, und die Leute können ihre Bekanntschaften vertiefen und neue Projekte anstoßen.“ Neben privat-politischem Schnack können sich so auch an einer Kommunikationswand Leute zu Spontan-Treffen und Workshops verabreden.

Viele Bands, Performancer und Workshop-Ausrichter_innen haben schon zugesagt. Aber wir wünschen uns durchaus noch mehr Dynamik, Inhalte und Mithelfer_innen. Für die Vorbereitung gibt es noch einiges zu tun. Und auch auf dem Ladyfest selbst können wir noch helfende Hände gebrauchen.

Wer Fragen zu Schlafplätzen, Inhalten, Mitmachen und anderem hat, kann dem Ladyfest-Team gerne schreiben:
ladyfest(*at*)az-muelheim.de
Ladyfest @ Myspace

Nachts sind alle Katzen grau

Der Artikel „ I have a dream too“ ist im Mädchenblog auf große Resonanz gestoßen. Allerdings fand ich ihn und die Diskussion in einigen Punkten kritisch. Auf diese und feministische Strategien zum Thema „Angst im Dunkeln“ möchte ich im folgenden eingehen.
Problematisch an dem Text fand ich nicht, dass das Thema aufgegriffen wurde und auch nicht die persönliche Darstellung der Angst vor sexuellen Übergriffen in öffentlichen Raum, sondern dass der Artikel dabei stehen blieb und eine Einbettung in soziale Kontexte nicht stattfand. Ebenfalls kritisiere ich, dass in der Diskussion Versuche einer Rationalisierung der Diskussion teilweise abgelehnt wurden, was mich an politische Debatten erinnert, in denen „Ängste der Bürger“ als Totschlagargument fungieren. Ich halte es auch nicht per se für fortschrittlich, seine Gefühle und Gedanken mal so ins Netz zu stellen, denn das ist gängige Praxis des Unterhaltungsfernsehens (und Web 2.0).
Ich bezweifle nicht, dass der öffentliche Raum für Frauen ein Ort ist, an dem Belästigungen stattfinden und an dem Gewalt gegen Frauen verübt wird, möchte aber dennoch die Frage betonen, warum Frauen sich auf der Straße mehr fürchten, als z.B. in der Schule oder zu Hause, obwohl sie dort (Strasse) ungleich weniger gefährdet sind.
Vergewaltigungsmythen sind ein bunter Mix aus sexistischen und oftmals auch rassistischen
Behauptungen. Den Opfern wird Leichtsinnigkeit unterstellt, der Täter ist immer der Fremde, Unbekannte. Der typische Täter auf der Straße gehört der allgemeinen Vorstellung nach (oft auch im politischen und medialen Diskurs) einer niedrigen sozialen Schicht an, hat ein geringes Bildungsniveau und einen Migrationshintergrund1. Damit unterscheidet sich die Vorstellung vom typischen „Straßenvergewaltiger“ deutlich von den Nahbereichstätern, die i.d.R. aus der selben sozialen Schicht stammen wie das Opfer. (mehr…)