Buchvorstellung „Trotz allem“

Das Buch „Trotz allem“ ist ein Selbsthilfebuch für Frauen, die sexuelle Gewalt in ihrer Kindheit erlitten haben (kann aber wahrscheinlich auch männlichen Betroffenen hilfreich sein). Es ist kein sehr neues Buch, aber immer noch aktuell. Ich hab es gelesen und will euch hier einen kurzen individuellen Eindruck über das Buch geben.

Die Autorinnen Laura Davis, selbst Betroffene, und ihre Partnerin Ellen Bass, die Workshops in den USA für von sexueller Gewalt betroffene Frauen leitet, haben in „Trotz allem“ Informationen und Tipps aus ihren Selbsthilfegruppen und Workshops zusammengetragen.

Die Einleitung begann für mich unerwartet gleich mit Details von Missbrauchserfahrungen. Erst nach dieser kam eine Seite mit dem Titel „Wie es sein wird, dieses Buch zu lesen“. Meiner Meinung nach hätte diese Seite ganz an den Anfang gesollt und mehr darauf hinweisen sollen, dass das Buch ganz schön anstrengend zu lesen sein kann und dass es manchmal vielleicht besser ist, das Buch beiseite zu legen. Ich würde empfehlen, darauf gefasst zu sein, dass das Buch bei Betroffenen von sexueller Gewalt Erinnerungen und unangenehme Gefühle auslösen kann und sich darum zu kümmern, dass mensch mit Leuten darüber reden kann, wie es einer dabei geht, das Buch zu lesen. Das Buch hat keine Hinweise oder bestimmte Kennzeichnung von eventuell erinnerungsauslösenden (triggernden) Stellen, wie es bei anderen Büchern oder Texten über sexuelle Gewalt manchmal der Fall ist.

Im ersten Kapitel geht es los mit einer Bestandsaufnahme, einem Versuch, auszumachen, wie sich die sexuelle Gewalt auf das eigene Leben ausgewirkt hat, welche Folgen noch heute da sind. Dann geht es weiter mit dem Heilungsprozess und wie mensch Verhaltensmuster ändern kann.
An verschiedenen Stellen gibt es im Buch auch Vorschläge für Schreib- und Imaginationsübungen sowie viele Listen und Fragen, die helfen, an der eigenen Situation zu arbeiten.
Im Kapitel zum Heilungsprozess gibt es einen Abschnitt über Spiritualität und Glauben, den habe ich nur überflogen, da da mir an Übermächte zu glauben nicht zusagt. Zum Glück beschränken sich esoterische Ansichten auf diesen Abschnitt des Buches (macht es einfach, ihn zu überspringen) und werden auch nicht als Notwendigkeit gepriesen.
Im Kapitel „Verhaltensmuster ändern“ wird unter anderem auch über das Verhältnis zu Familie und Verwandten und zum Täter (oder zur Täterin) gesprochen. Auch an dieser Stelle wird betont, dass es wichtig ist, was mensch selbst will und dass es keinen Sinn macht, Beziehungen nur für andere aufrecht zu erhalten.

Eine Hauptaussage, die sich durch das ganze Buch durchzieht, ist: „Heilung ist möglich.“ Der Begriff Heilung war für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Vielleicht ist er anders gemeint, aber irgendwie lässt der Begriff auf der anderen Seite vermuten, dass Menschen, die nicht geheilt sind, krank, kaputt oder verrückt sind. Ich würde mich und andere von sexueller Gewalt Betroffene nie als krank oder so ansehen.

Auch wenn ich hier ein paar negative Aspekte aufgezählt habe, finde ich, das Buch ermutigt dazu, sich selbstbestimmt mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen und über sexuelle Gewalt zu reden, sich Unterstützung zu suchen und sich von einschränkenden oder sich selbst schadenden Verhaltensmustern zu trennen. Es macht Mut, zu leben und sich weiterzuentwickeln.

Auch für Menschen, die keine Erfahrungen mit sexueller Gewalt erleben mussten, kann es hilfreich sein, „Trotz allem“ zu lesen. Vor allem der letzte Teil des Buches ist für Menschen, die Betroffene unterstützen wollen, geschrieben.


12 Antworten auf “Buchvorstellung „Trotz allem“”


  1. 1 Jessy 14. Juni 2008 um 1:13 Uhr

    Klingt interessant.
    Mich würde noch interessieren, ob man beim Lesen das Gefühl hat, dass der Schwerpunkt auf dem Thema sexuelle Gewalt in der Familie liegt? Sexuelle Gewalt in der Kindheit bezieht sich ja in den meisten Fällen auf familiäre Übergriffe. Ist dieses Buch diesbezüglich eher „allgemein gehalten“?

  2. 2 dodo 14. Juni 2008 um 13:12 Uhr

    muß eine verdammt schwierige aufgabe sein, so ein buch zu schreiben…
    und ja, triggerwarnungen sollten an den anfang.
    ich war zwar selbst nie opfer sexualisierter gewalt, aber als ich das not just boys fun zine über das thema gelesen hab (überigens super! traurig… aber sehr gut), hat’s mich ganz schön gerissen… ich will mir nicht vorstellen, wie das ist, wenn da noch persönliche erlebnisse auftauchen…:(

  3. 3 kim 15. Juni 2008 um 21:34 Uhr

    @ Jessy: Ja, an vielen Stellen – aber nicht nur – geht es um sexuelle Gewalt im familiären Bereich oder von anderen bekannten Vertrauenspersonen, da dies nach den Erfahrungen von Beratungsstellen etc. die häufigste Form ist, in der sexuelle Gewalt gegen Kinder stattfindet. Aber in dem Buch kommen ganz unterschiedliche Frauen mit verschiedenen Erfahrungen vor.
    Der Kapitelteil über das Verhältnis zur eigenen Familie bezieht sich sehr darauf, dass der Täter ein Verwandter oder der Familie bekannt ist.

  4. 4 fine 16. Juni 2008 um 2:15 Uhr

    ich hatte das buch auch mal angefangen zu lesen und mich hat dis erste kapite wirklich soweit abgeschreckt, dass ich es erstmal wochenlang liegenließ. beim späteren lesen, fand ich die tipps, kreativ mit dem thema unzugehn auch nicht besonders hilfreich für mich persönlich. ich stimme dodo insoweit zu, dass es wirklich schwer ist, solche bücher zu schreiben, da es so viele unterschiedliche betroffene erreichen soll. es ist meiner meinung nach auch keine alternative zu einer therapie (ob selbsthilfegruppe oder professionelle). bleibt nicht alleine, holt euch hilfe und verbündete!
    meiner meinung nach ist in diesem und ähnlichen büchern mißbrauch (außerhalb der familie) in beziehungsähnlichen verhältnissen eher unterrepräsentiert. kein wunder, schließlich ist es erst mitte der 90ger als möglicher straftatbestand diskutiert worden:
    http://dip.bundestag.de/btd/13/003/1300323.asc

  5. 5 yasmeen 05. Juli 2008 um 10:24 Uhr

    was ich an dem buch auch total wichtig fand, war das kapitel „Wenn du einer überlebenden helfen willst“ mit tipps fürs umfeld. als unterstützerin habe ich da viel draus ziehen können.

    @dodo „aber als ich das not just boys fun zine über das thema gelesen hab“
    hast du dazu nen link? würd ich auch gern mal lesen

  6. 6 dodo 05. Juli 2008 um 12:36 Uhr
  7. 7 libelle 21. Juli 2008 um 21:19 Uhr

    ich glaube, wenn die autorin von „heilung“ spricht, meint sie nicht, dass die betroffenen „krank“ sind, sondern dass sexueller missbrauch eine verletzung ist; wunden zufuegt – die geheilt werden koennen.

  8. 8 Die Unscheinbare 16. August 2010 um 17:42 Uhr

    Hey ihr,

    ich wurde auch sexuell Missbraucht und man sagt mir auch ständig
    ich soll eine Therapie anfangen, aber darüber reden ist schwer. Vielleicht würde das Buch mir ja auch helfen, aber glauben kann ich das nicht!Ich werde es aufjedenfall versuchen! Und ich hoffe das es mir helfen kann.

  9. 9 AminahAndreaEsther 28. Juni 2017 um 10:48 Uhr

    /:) Hallo an alle,
    Ich werde missbraucht,
    es begang,ich habe auch Mariuahna geraucht.
    Ich wurde als Kind und auch noch heute (50) blutig geschlagen,
    denn „sie“ können meine eigene Meinung nicht ertragen.
    Ich las Trotz allem und von Louise Gesundheit für Körper Geist und Seele,

  10. 10 AminahAndreaEsther 28. Juni 2017 um 11:02 Uhr

    (Sorry ich wurde Unterbrochen)
    Louise Gesundheit für Körper Geist und Seele,
    was ich jedem, von Euch empfehle.
    Mein Vater und meine Mutter arbeiteten wie ein Tier,
    darum verzeihe ich es Ihm und Ihr.
    Nicht nur Sie, fast die gesamte Verwandtschaft hat geschlagen,
    darum soll dieses auch niemand Sagen.

    darum verzeihe ich es Ihm und Ihr.

  11. 11 AminahAndreaEsther 28. Juni 2017 um 11:14 Uhr

    (klappt nicht am stück sorry)
    Narben ziehren meinen Körper, auch zwei im Gesicht,
    was mir meine Liebe und meine Meinung nicht bricht.
    Alles wird mir zur Zeit, auch die Schriften gestohlen,
    so wollen Sie mich in Ihre Zwangs Atmosphäre zurück holen.
    Opfer dies sind Sie von mir
    und mit diesen Diebstählen „beweisen“ Sie es Dir

  12. 12 AminahAndreaEsther 28. Juni 2017 um 11:23 Uhr

    ( :(( )
    Auch ich habe kurze Zeit meinen Sohn/Tochter geschlagen,
    doch ich konnte den Schritt zum Psychologen
    wagen.
    Ich habe von diesem Tage nicht mehr geschlagen,
    dies konnte ich nicht bei Notwehr sagen
    Ich liebe meine Kinder sehr,
    der abschied von meiner Tochter fällt mir

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