MännerRatgeber

Wer denkt, dass die Menschheit heute wirklich soweit ist, sich von Rollenbildern und Stereotypen zu trennen, wird doch immer wieder bitter enttäuscht, so wie ich heute morgen, als ich einen Bericht auf sueddeutsche. de gelesen habe.
Darin geht es um einen Männerratgeber mit dem vielsagenden Titel „A$$HOLE“. Aha, also ein Ratgeber wie Mann wieder zum „richtigen rücksichtslosen Kerl“ wird.
Der Untertitel klingt genau so vielversprechend: “ Wie ich lernte ein Schwein zu sein und dabei reich und glücklich wurde“

Dass es so einen Ratgeber dringend braucht ist zuminderst dem Autor vollkommen klar denn,

eine Stadt wie New York dankt ihm sein nettes, rücksichtsvolles Auftreten ohnehin nicht.

Die Stadt dankt ihm also nicht und er ist zu nett, was gleichbedeutend ist mit kein Erfolg im Job und bei den Frauen.
Deshalb muss was Neues her, das dann ungefähr so aussieht:

Er will die schlechten Seiten in sich wecken, ein Macho werden, der Frauen und Geld gleichermaßen anzieht.

Aber nun frage ich mich, welcher Mann will denn bitte so sein und vor allem welche Frauen sind auf der Suche nach so einem Typen?
Ist es wirklich immer noch hip, der dauerarbeitende, immer gestresste und fiese Karrieremann zu sein?

Und hier sind man doch genau die Gefahr, die Rollenbilder nicht nur für Frauen mit sich bringen, auch für Männer hat dass Bild des geldgeilen Ernährers und Daueraufreißers negative Auswirkungen.
Der Mann wird hier komplet auf seine wirtschaftlichen Erfolge reduziert und total paradoxe Rückschlüsse, wie hast du Geld wirst du glücklich oder hast du Erfolg bekommst du Liebe, werden hier für den Mann gezogen.
Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass es unbedingt jedem Mann Spaß macht sich diesem Erfolgsdruck zu beugen und dieses überholte Klischee des erfolgreichen Karrieremanns weiterhin mitzuschleppen.

Wie „Mann sein soll“, finde ich sollte Mann selber entscheiden und sich dabei nicht von so langweiligen Stereotypen leiten lassen und schon garnicht von so bescheuerten Ratgebern, welche den Begriff „Arschloch“ zum alleinigen Identifizierungsmerkmal des Mannes machen.
Hallo, dass ist ein Schimpfwort und in meinen Augen ein nicht erstrebenswerter Titel.

Trotz allem Ärgers über dieses bescheuerte Buch, finde ich doch, dass man hier gut sieht, dass der Feminismus, ein Programm beinhalten sollte, welches gesamtgesellschaftliche Probleme anpackt von Männern und Frauen, Kindern etc.
Der Feminismus kann sich meiner Meinung nach, nicht nur an rein weiblichen Themen orientieren, sondern sollte gnerelle Missstände zwischen den Geschlechtern aufdecken.


23 Antworten auf “MännerRatgeber”


  1. 1 Teilnehmer 16. Juni 2008 um 13:08 Uhr

    Stimme dir sehr zu! Allerdings glaube ich, dass der Feminismus nicht das richtige Gefährt für diese neue Bewegung ist. Feminismus (sagt ja schon das Wort) orientiert sich an Frauen.
    Mit Gleichstellungsbeauftragten wäre eigentlich ein erster Schritt getan, nur leider laufen die nicht so, wie ich mir das wünschen würde. Letztens erst ein Plakat gesehen „Frauen-Vollversammlung: Wahl der Gleichstellungsbeauftragten“. Besten Dank auch, mein Vaterschaftsurlaub macht mir keine Probleme, und ich werde auch nie belästigt oder auf mein Geschlecht reduziert.

    Ich glaube, ein Antisexismus muss her, der neu gestaltet wird, der neu entsteht. Geht ja langsam los.

  2. 2 Jessy 16. Juni 2008 um 13:57 Uhr

    Den letzten Absatz finde ich bemerkenswert wahr. Ich finde nämlich ebenfalls, dass auch Männer oft in ein „falsches Bild“ gestellt werden. Z.b. jene, für die das Problem Frau/Mann gar nicht mehr existiert. Sie werden als Weicheier und Memmen bezeichnet. Feminismus sollte sich nicht nur mit dem Thema „Frau“ auseinandersetzen. Die Frau hat viel erreicht und es gibt sicherlich noch einiges zu tun, aber hier und da muss man auch mal über den Tellerrand schauen und andere Missstände aufdecken. Es gibt tatsächlich noch tausende Frauen, die auf die sogenannten Assholes stehen. Warum, bleibt mir bis heute unbegreiflich :) Irgendwie ist es, wie in der Wirtschaft. Die Nachfrage bestimmt das Angebot! Solange Frauen sich mit karrieregeilen, rüpelhaften, unfreundlichen und oft unterbelichteten Männern zufrieden geben, wird es sie geben :)

    In dem Artikel steht, dass dieses Buch eine Parodie auf die ganzen ernst gemeinten Männerratgeber, á la „In 30 Tagen zum Millionär“ oder „So kriegst du jede ins Bett“, ist. Dennoch gibt es diese „hilfreichen“ Ratgeber ja tatsächlich zu Hauf. Im Übrigen auch für Frauen ;)

  3. 3 chica 16. Juni 2008 um 16:04 Uhr

    „An solchen Stellen fragt man sich, was das für ein Ratgeber sein soll, der klingt, als würde er das ganz normale Sozialverhalten in Berlin beschreiben.“ (V. Meyer in der zitierten SZ-Rezension):d

  4. 4 Peter 16. Juni 2008 um 16:18 Uhr

    @Jessy

    Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass es unbedingt jedem Mann Spaß macht sich diesem Erfolgsdruck zu beugen und dieses überholte Klischee des erfolgreichen Karrieremanns weiterhin mitzuschleppen.

    Stimmt, das macht nicht jedem Spaß. Eigentlich sind es sogar nur die wenigsten, die das als Lebensziel sehen. Es ist ein Hamsterrad, aus dem die wenigsten Männer ausbrechen können. Schließlich sind Geld/Macht/Status und damit verknüpft Erfolg bei Frauen in der öffentlichen Wahrnehmung die einzigen allgemeinen Bewertungskriterien.

    Alle anderen (sportliche Höchstleistungen oder besondere Begabungen) landen allzuschnell in der Freak-Ecke

  5. 5 dodo 16. Juni 2008 um 17:11 Uhr

    Schließlich sind Geld/Macht/Status und damit verknüpft Erfolg bei Frauen in der öffentlichen Wahrnehmung die einzigen allgemeinen Bewertungskriterien.
    Alle anderen (sportliche Höchstleistungen oder besondere Begabungen) landen allzuschnell in der Freak-Ecke

    das möcht ich doch mal anzweifeln…

  6. 6 Jessy 16. Juni 2008 um 19:04 Uhr

    Ich glaube schon, dass es viele Frauen gibt, die auf sogenannte „Arschlöcher“ stehen. Mir selbst ist dieses Phänomen nicht erklärbar. Für mich käme ein Mann nicht in Frage, der in seinem Job versinkt und mit einer „Arschloch-Haltung“ durchs Leben geht.

  7. 7 Fragende 16. Juni 2008 um 19:07 Uhr

    Wenn Mann will kann Mann doch mit „Arschloch-Haltung“ durch’s Leben gehen. Frau genauso.
    Es sollte nur nicht als ein Ideal gelten, worüber sich „Männlichkeit“ definiert.

  8. 8 rather ripped 16. Juni 2008 um 22:44 Uhr

    was mir aufgrund der überschrift („“Sex and the City“ auf Testosteron“) als erstes in den sinn gekommen ist, ist ein ganz anderer kritikpunkt. und zwar, dass hier wiederholt darauf hingewiesen wird dass diese lektüre eine parodie ist – eine parodie, die zwar auf geschlechterklischees beruht, aber sich mehr oder weniger als real-satire versteht. etwas zum amusement, nicht zur identifikation.

    und sätze wie: „Der Haupttitel besteht nur aus einem Wort, nämlich „Asshole“. „Asshole“ ist ein Männerbuch, und Männerbücher haben meistens nur ein Wort als Titel. Andere erfolgreiche Männerbücher heißen zum Beispiel „Millionär“ oder „Vollidiot“, was leicht zu merken ist.“ geben dem ganzen artikel doch einen ironischen beigeschmack.

    wie wäre ein ähnlicher artikel über eine herkömmliche FRAUENlektüre im sex and the city stil verfasst? natürlich würde eben jener von zeitung zu zeitung variieren, die lektüre an sich würde aber ganz anders aufgenommen. sie würde keine parodie, sondern ein ideal beschreiben, etwas mit dem frauen sich nicht nur zu identifizieren versuchen sondern was sie viel mehr glorifizieren, ein leben, wie es sein sollte, ein ratgeber, den frau aber unmöglich umsetzen kann.

    und das sehe ich wenn dann als viel eher stereotyp; bei den männern wird auf den humor abgezielt, bei den frauen auf den hang zum träumen und schwärmen….

  9. 9 benny 17. Juni 2008 um 12:42 Uhr

    Imho deutet Parodie immer auf Identifikation hin.

  10. 10 hn 17. Juni 2008 um 17:37 Uhr

    gibt es nicht auch „anleitung zum unglücklichsein“ etc? in denen dargelegt wird, was man tun sollte um sich am besten in den abgrund zu katapultieren etc, wobei die leser dann einige punkte der anleitung an sich selbst erkennen und plastisch das endresultat vorgeführt bekommen… eigentlich sind bücher dieser art doch immer recht lustig, das heißt, sofern man über das mindestmaß an ironie-erkennungsfähigkeit verfügt, das leonie offensichtlich abgeht.

  11. 11 leonie 17. Juni 2008 um 20:19 Uhr

    Oh ja genau, mein IRONIE-DETEKTOR muss mir irgendwie abhanden gekommen sein…#-o

  12. 12 laylah 18. Juni 2008 um 13:52 Uhr

    hn: lies gefälligst das buch, bevor du leute anpisst!

  13. 13 rather ripped 18. Juni 2008 um 14:07 Uhr

    @ laylah: habt ihr denn das buch gelesen?

  14. 14 laylah 18. Juni 2008 um 17:21 Uhr

    haben wir denn leute angepisst?

  15. 15 mandy 18. Juni 2008 um 18:09 Uhr

    Ich denke nicht, dass man sich hier nicht mit einem „ist doch nicht so gemeint“ abfinden sollte. Der „Caveman“ ist auch ironisch angelegt, und im Publikum (zu dem ich auch gehören musste) war überall zu hören :“So ist es wirklich: Frauen sammeln, Männer jagen“.
    Schließlich ist die Atraktivität eines solchen „Arschlochs“ nach wie vor real auffindbar..wird nicht neuerdings in den Medien von „verweichlichten Männern“ gesprochen, die neue „richtige Vorbilder“ brauchen?
    Übrigens wird immer gern Humorlosigkeit unterstellt, wenn frau sich über „typische“ Männlichkeiten kritisch äußert..

  16. 16 Matze 18. Juni 2008 um 18:46 Uhr

    Gibt es hier auch eineN SehendeN, die über Farben schreiben möchte? ;-)

  17. 17 ameise 19. Juni 2008 um 13:26 Uhr

    @teilnehmer:
    finde nicht das feminismus sich zwangsläufig an frauen orientiert. feminismus ist in erster linie gegen das patriarchat gerichtet, welches, wie du gemerkt hast nicht nur frauen unterdrückt, sondern die menschen.

    emanzipation muss auch bei männern stattfinden, den rollenbildern funktionieren nie einseitig. stattdessen erschafft das patriarchat eine bipolarität welches die menschheit in zwei pole aufteilt. dies dient dem ziel die menschen gegeneinander auszuspielen. viel zu oft führt dies zu schlussfolgerungen wie: nur die männer sind böse, es gibt keinen sexismus von frauen etc.
    in bern gibt es die männerpartei, welche sich allen ernstens davor fürchtet vom feminismus in ihrer freiheit eingeschränkt zu werden ein auto zu kaufen welches einfach geil aussieht, und nicht einfach nur praktisch ist.
    diese art von „emanzipierung“, die in meinen augen völlig falsch ansetzt, führt dazu die patriarchalen strukturen zu reproduzieren. dasselbe gilt für frauen, welche es als selbstbefreiung erachten präsidentin, chefin oder kanzlerin zu werden. das einzige was dabei erreicht wird, ist die herrschaftsstrukturen neu zu besetzen, eine frau übernimmt die gesellschaftlich konstruierten charaktereigenschaften des mannes. doch angela merkel herrscht nicht besser oder schlechter als ein mann in dieser position. denn für die ausgebeuteten und unterdrückten ist es egal, wer an der macht ist, wichtig ist nur dass sie von unten bekämpft werden muss.

  18. 18 only aa but xxx 19. Juni 2008 um 16:49 Uhr

    „dies dient dem ziel die menschen gegeneinander auszuspielen.“

    liebe ameise,
    herrschaftsformen wie das patriachat verfolgen keine ziele. oder sitzen da irgendwo leute, die sich das patriachat zum erreichen irgendeines zieles ausdenken?
    wer sind die? wie bringen die das unter die leute?

  19. 19 rather ripped 19. Juni 2008 um 20:31 Uhr

    @ only aa but xxx: hast dich scheinbar noch nicht sonderlich mit gesellschaftskritik/ herschafftskritik auseinandergesetzt ;)

  20. 20 hn 20. Juni 2008 um 1:43 Uhr

    @laylah: ah, mein anpiss-threshold ist woanders. den kommentar hätte ich noch als konstruktive kritik bezeichnet. und leonie hat ja auch gleich erste anzeichen von besserung gezeigt. es besteht hoffnung.
    @mandy: stimmt, dann ändere ich meine meinung; es ist eigentlich egal, ob ironie die intention des authors war, letztlich geht es ja um die leserschaft, und wenn die dann völlig unironische lehren ziehen, ist die sache eindeutig nach hinten losgegangen und sollte ensprechend kritisiert werden. (wobei ich dann trotzdem lieber mich über die leser lustig mache, kann ja nicht jeder „harald schmidt“ auf dem cover stehen haben, als ironie-tag-ersatz…)

  21. 21 ameise 20. Juni 2008 um 2:20 Uhr

    @only aa but xxx:
    richtig! anders formuliert führen diese herrschaftsformen dazu dass das oben beschriebene passiert, ohne von oben gelenkt zu werden. trotzdem passiert es aber im interesse einiger die dadurch macht gewinnen.

  22. 22 unGeDuLdig 21. Juni 2008 um 4:49 Uhr

    Es ist schon auffällig, welch reissenden Absatz diese Bücher finden, die Leuten mit verlorengegangener Geschlechtsidentität als Kompass zugedacht sind. Es stellt sich aber die Frage, ob all die harten Hechte, Rambotypen und Egomanen, die in der Realität Dominanz erreichen, überhaupt sowas lesen würden. Pimping/Bossing/Mobbing for dummies? Ist es nicht so, dass ein von vornherein soziopathischer und manipulierender Drang beim Zuchtverfahren, das man geminhin Karriere nennt, gefördert und in der sozialdarwinistischen Athmosphäre von Grossraumbüros und Dienstbesprechungen fast unweigerlich an die Macht kommt?

    Das Publikum für diese Ertüchtigungsanleitungen ist eher wie die Kandidaten im Film „Fight Club“ ausgerichtet, d.h. sie sehnen sich, etwas zu sein, was sie wohl nie gewesen sind und zu dem zu werden sie anders als im Film den Preis nicht wirklich zu zahlen bereit sind – die meisten jedenfalls. Oder vielleicht sind es solche, die es noch nicht zur benötigten Ausprägung des Arschlochseins gebracht haben, weil ihnen diverse Hemmungen und Schwächen, sogar Gewissensbisse, hinderlich im Wege stehen?

    Eine Nebentheorie dazu wäre, dass die verunsicherten und identitär entkernten Männlichkeitsnachsitzer auf ihre bescheuerte Weise die Konsequenz aus einem langsam eskalierenden low-level-Sozialkrieg ziehen, von dem sie ahnen, dass sie bald unter seine Räder kommen werden. Dabei ist die subjektiv wahrgenommene Bedrohung durch die anderen Höhlenbewohner wohl eher eine Projektion der eigenen Ressentiments und Rachewünsche, ein Vorwand zur persönlichen Aufrüstung im Kampf um die letzten Futtertröge, der verzweifelte Rückgriff auf eine geschlechtliche Hackordnung, die die empfundene „Verweiblichung“ rückgängig macht. Die dazu anleitende Literatur ist sogar noch armseliger als Al Bundys „NO MA‘AM“-Initiative, die wenigstens gegenseitigen Trost und Nestwärme spendet und sich meistens im Sixpacksaufen und Footballgucken erschöpft. Das a$$hole aber ist allein unter Feinden, von denen der schlimmste das eigene Ich mit seinen Zweifeln ist. Die Wahrheit hinter den kokainösen Karrieristen und Ellenbogeneinsetzern ist m.E. ein Abgrund von Einsamkeit und Versagensangst, der mit der Aussenwelt im Extremfall nur noch durch die Mittel von Konkurrenz und Rache kommuniziert. Befreiung aus dieser selbstverschuldeten Unmündigkeit wird dadurch erschwert, dass die a$$hole-Charakterzüge perfekt in eine warenförmige Konkurrenzgesellschaft passen und von ihr oft belohnt werden, wenn auch nicht so oft, wie die Ratgeber es vortäuschen. Grosse Lose sind äusserst selten, so dass wir im Alltag häufig mit den misslungenen Exemplaren, den frustrierten Nieten, konfrontiert sind, die immer wieder kurz davorstehen, ihre Machtwünsche, die sich nicht erfüllen lassen, auf die nächstbeste Männlichkeitsikone, den nächstbesten Helden zu übertragen und das eigene Drängen wenigstens stellvertretend auszuleben. Zur Zeit steht dafür Herr Schweinsteiger zur Verfügung, es kann aber im Bedarfsfall auch etwas politischer und gefährlicher werden.

  1. 1 Dear Jessy - Dear me! » Du bist echt nett, aber… Pingback am 16. Juni 2008 um 20:21 Uhr

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