Der böse Mann mit dem kleinen Bart ist noch gar nicht tot

Das ist jetzt nicht unbedingt „Mädchenblogspezifisch“, aber wichtig. Und deswegen wird’s jetzt auch gepostet: In einem taz-Artikel wird eine Studie zu Fremdenhass vorgestellt.

Geklärt wurde, wie es zur Relativierungen rechter Gewalt kommt. Wieso es akzeptiert wird, wenn Andersartigkeit mit Gewalt bestraft wird? Dazu wurden von Leipziger Wissenschaftlern zwölf Diskussionsrunden durchgeführt – wie die in Herdecke. Das Ergebnis wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt und ist alarmierend: Denn der Nährboden für rechtsextreme Tendenzen liegt mitten drin in der deutschen Gesellschaft.


Ist jetzt leider nicht überraschend, aber der Artikel ist trotzdem echt lesenswert. Vor allem, weil die Studie sich, ganz ungewohnt, auch intensiv mit den Individuen beschäftigt.

Mit der jetzt erschienenen Studie sind die Wissenschaftler einen zweiten Schritt gegangen: weg von den anonymen Zahlenreihen, hin zu den Lebensgeschichten dieser Menschen. „Wir wollten die politische Aussagen mit den Lebensläufen der befragten Personen in Verbindung bringen“, erläuterte Oliver Decker von der Universität Leipzig.
(…) „Es hat uns auch interessiert, aufgrund welcher Einflüsse diese einzelnen Personen politische Einstellungen entwickeln, die rechtsextremen genauso wie die demokratischen“, sagte Dietmar Molthagen, Projektkoordinator für Rechtsextremismus der Friedrich-Ebert-Stiftung. Und am Ende bestehe die Mitte der Gesellschaft aus nichts anderem als aus vielen solchen Einzelpersonen.“

Meiner Meinung nach wird es Zeit für einen solchen Ansatz. Hinter Zahlen und Diagrammen versteckt es sich leicht; einzelne, individuelle Vorurteile aufzudröseln ist schon schwieriger. Und schmerzhafter. Und genau deswegen so wichtig.
Die bisherigen Kommentare sprechen zum Teil ganz offensichtlich dafür, daß die Sache dringend weiter erörtert werden sollte. Und die Statistik sowieso:

Die nun veröffentlichte Studie ist eine Fortsetzung. Schon 2006 haben die Leipziger Forscher 5.000 Deutsche zu rechtsextremen Einstellungen befragt. Das Ergebnis damals unterscheidet sich kaum von dem jetzigen: Rechtsextremismus war längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. 37 Prozent glaubten, dass Migranten nach Deutschland kommen, um „unseren Sozialstaat auszunutzen“. Rund 39 Prozent fanden „Deutschland von Ausländern überfremdet“. 26 Prozent sehnten sich nach einer „einzigen starken Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“.

Klingt schon beängstigend genug? Dann setzen wir mal noch einen drauf:

„Offenbar wurde die Ausländerfeindlichkeit in der ersten Studie unterschätzt“, sagte die Psychologin und Co-Autorin der Studie, Katharina Rothe. „Mit besorgniserregender Selbstverständlichkeit“ wurden sie auch von denjenigen Personen formuliert, die in erster Linie nicht durch rechtsextreme Äußerungen aufgefallen waren. Derartige Ressentiments finden sich bei Jung und Alt, bei Bürgerlichen wie auch bei Rechten und selbst ernannten Linken und sie lassen sich keinesfalls nur auf den Osten beschränken. Offenbar, so folgerten die Forscher, sei die rechtsextreme Einstellung gesellschaftsfähig geworden.


6 Antworten auf “Der böse Mann mit dem kleinen Bart ist noch gar nicht tot”


  1. 1 Psychopapst 20. Juni 2008 um 11:14 Uhr

    Wenn man sich mal anschaut, dass unter einem rechtsextremen Regime nicht nur „Fremde“, sondern auch Demokrat_innen zu leiden haben, dann wird es auch sehr schnell Mädchenblogspezifisch. Denn eine Gleichberechtigung die darin besteht, dass am Ende beiden Geschlechter nur das Recht bleibt, in Ruhe gelassen zu werden, wenn man die Fresse hält, ist zwar formal eine selbige, praktisch aber ziemlicher Murks.

    P.S. Die Studie gibt es übrigens unter
    http://library.fes.de/pdf-files/do/05433.pdf

  2. 2 bigmouth 20. Juni 2008 um 14:05 Uhr

    der hitler-verweis im titel ist überflüssig, und widerspricht doch glatt einem wichtigen punkt der studie

  3. 3 blackone 23. Juni 2008 um 12:48 Uhr

    meines wissens geht es aber in dem gleichnamigen jan delay song gerade darum, dass nazismus auch ohne hitler ganz gut weiterlebt, insofern würde das schon ganz gut passen

  4. 4 bigmouth 23. Juni 2008 um 17:33 Uhr

    die studie will aber gerade betonen, dass diese positionen sich ja gerade nicht nur bei leuten finden, die sich selbst als nazis oder rechtsextremisten sehen, sondern bspw auch pds-wählern usw

  5. 5 H.M. 23. Juni 2008 um 22:36 Uhr

    …als ob es etwas neues währe, dass in gewissen sich selbst als „links“ bezeichnenden Kreisen Rassismus (wie auch Sexismus und Homophobie) glänzend gedeiht…
    Ansonsten muss ich sagen dass ich die Anlehnung an den Delay-Titel recht passend finde.

  6. 6 Le Vill 25. Juni 2008 um 1:03 Uhr

    Dieses Ergebnis ist leider ganz und gar nicht überraschend, wenn ich mir schon jeden Tag migrant_innenfeindliche Sprüche, Diskussionen, Schlagwörter und Parolen von einigen Bekannten und manchmal sogar von Verwandten anhören muss.
    Ist aber gut, dass es mal Leute gibt, die erklären, dass rechtsextremes Gedankengut in den Köpfen und im Denken der Menschen einen Platz gefunden hat.
    Endlich mal der Hauch eines Beweises, dass menschenfeindliche Gedanken nicht nur von einer kleinen Minderheit vertreten wird.
    Leider suchen sich die Leute immer den einfachsten Weg, um jemandem die Schuld für ihre Probleme zu geben.
    „Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“"Die Ausländer liegen unserm Staat nur auf der Tasche“"DIe Ausländer schänden unsere Frauen“ Bla bla bla.
    Aber es war schon immer so und wer weiß, wie lang es noch so bleiben wird…
    Libertäre Grüße
    Le Vill
    independentfilm.blogsport.de

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