Ah, how do you sleep at night?

Wenn’s um chronische Schlaflosigkeit geht, kenn ich mich aus. Alle Tricks und Kniffe ausprobiert und angewandt und wenn mir jemand mit nochmal mit „Trink doch ne heiße Milch“ oder Baldrian kommt, fang ich an zu schreien. Hat sich gottseidank um einiges gebessert – man lernt ja immer dazu, gerade wenn’s um den eigenen Körper geht. Was ich aber bis gerade nicht wußte: daß der Spaß anscheinend ein typisches Frauenproblem ist.

Before puberty, girls do not sleep worse than boys. At adolescence, though, girls become approximately two and a half times more likely than boys to have insomnia, according to a 2006 study published in the Journal Pediatrics.

Und obwohl anscheinend mehr Frauen als Männer betroffen sind, ist die Reaktion der Forscher eher mäßig.

Yet 75 percent of sleep research has been done on men, and until recently the researchers have been primarily men. The major texts for sleep studies have had, until recently, little to say about women’s sleep.

Woran das liegen mag? Es darf spekuliert werden…
Das eigentlich interessante an dem Text bei Alternet aber ist, wie er das „Verpsychologisieren“ kritisiert – gerade wenn Frauen zum Arzt gehen. So nach dem Motto Ist eh alles „nur“ psychologisch oder stressbedingt. Dazu gibt es viel zu sagen (nicht nur, wenn es um Ärzte geht, das Phänomen ist weit verbreitet, da immer noch das Klischee vorherrscht, Frauen seien ja so „emotional“ und Männer „rational“ usw.) und ich hätt mir da ein bißchen mehr gewünscht.
Stattdessen stellt Gayle Green Überlegungen an, was denn nun die wirklichen Ursachen für die erhöhten Schlafstörungen bei Frauen sein könnten und das ist sehr interessant zu lesen.

But it’s always easier to psychologize the problem — tell us we‘re stressed or depressed and pass the buck back to us — than to do the hard work of finding out what’s really going on. Since insomnia disproportionately affects women, its neglect by researchers is our neglect.


16 Antworten auf “Ah, how do you sleep at night?”


  1. 1 NARODNIK 04. Juli 2008 um 3:33 Uhr

    Ein zwei gute Bier würden da vielleicht für Abhilfe sorgen. Lesen soll aber auch müde machen, z.B. Jungle World.

  2. 2 hn 04. Juli 2008 um 10:01 Uhr

    @NARODNIK: davon kann ich nur abraten. nachdem ich mir die Jungle World-Titelseite an die Decke getackert habe, mit dem Plan, die nachts anzustarren und wieder bewusstlos zu werden, war es mir nichtmehr möglich mein Zimmer zu durchqueren ohne aus versehen einen Blick auf die Seite zu werfen und sofort umzukippen.

    Ich empfehle daher die ZEIT-Rückseite (mit dem Bericht über die Nazis. Ich meine da jetzt keine spezielle Ausgabe, ist ja auf jeder Rückseite jeder Ausgabe ein Bericht über die Nazis. Wahrscheinlich um die Spannung zu erhalten „nein, diesmal *muss* es doch was anderes sein, geschichte besteht ja nicht nur aus nazis,…. ach, offensichtlich doch.“), die ist kleiner geschrieben, das erfasst man nicht im unbeabsichtigen vorbeigehen.

  3. 3 Matze 04. Juli 2008 um 10:14 Uhr

    Mal was konstruktives von mir: Ich bin dafür, für alle medizinischen/psychologischen/soziologischen Untersuchungen in etwa 50% der Befragten/Untersuchten Männer und 50% Frauen sind. Und dass in allen Medienberichten über Studien die implziten oder expliziten Annahmen der Studienleiter dargelegt werden.

  4. 4 Matze 04. Juli 2008 um 10:47 Uhr

    Gerade bemerkt: Vielleicht gibt es rechtliche Gründe, dass Männer eher weniger schlafende Frauen untersuchen. Könnte ich mir in den USA absolut vorstellen, da man da auch dazu angehalten wird, nicht mit einer Frau alleine im Fahrstuhl zu fahren.
    Und wenn die meisten Forscher Männer sind, dann werden weniger Frauen untersucht.

  5. 5 Judith 04. Juli 2008 um 11:36 Uhr

    erstmal ist es natürlich einfacher studien nur bei einem geschlecht durchzu führen, dann kann man sich eben nur auf frühaufsteher vs. spätzubettbgeher, kaffeetrinker vs. teetrinker konzentrieren oder was einen sonst gerade interessiert und muss sich nicht auch noch mit möglichen geschlechtsspezifischen geschichten rumschlagen.
    es wird ja immer gesagt, man entscheidet sich bei medizinischen untersuchenungen dann lieber für nur-männer statt für nur-frauen, weil man bei frauen erstens auch noch den ganzen zykluskram mit einberechnen müsste und es außerdem häufig die ethikkomissionen so vorsehen, weil frauen ja als immer potentiell schwanger gelten (?). also echt auch oft eine rechtliche geschichte.
    das geht ja oft auch gut. in ganz vielen punkten funktioniert ein männerkörper eben biologisch doch sehr, sehr ähnlich wie ein frauenkörper. nur manchmal, und das ist doch entscheident, eben nicht, und dann kann das auch ordentlich in die hose gehen. frauen vertragen bestimmte präparate nicht, oder nur in bestimmten dosierungen oder überhaupt gehen dann spezifische frauen-themen unter. naja das thema gender und medizin soll ja im kommen sein. ich bin gespannt.
    dass das thema schlafen und psyche eng verknüpft ist und ebenso das thema schlafstörung und psychische belastung/stress ist ja doch ein alter hut. und wo die depressionszahlen bei frauen (aus unzähligen gründen)immernoch deutlich höher sind, find ich es naheliegend dass die forscher erstmal intuitiv einen zusammenhang zwischen häufiger depression und häufiger schlafstörung sehen. gut zu wissen, dass es auch forscher gibt, die sich das phänomen schlafstörung bei frauen trotzdem genauer angucken. naja. wie auch immer. wie gesagt es soll sich ja noch viel tun in dem bereich.

  6. 6 st_eve 04. Juli 2008 um 12:20 Uhr

    gibt eigentlich auch wen, die_der mit sowas wie weiblicher doppelbelastung etc argumentiert? also im kapitalismus voll funktionsfähig sein und dann noch die repro schmeißen – wenn nicht mit kind und ehemann, dann doch als emotionale wiege der linken harz4-wg?

    wobei alles auch immer auf typen und trans*geschlechtliche zutrifft, ich will nur wissen ob da jmd was zu geschrieben hat…

  7. 7 Miss Taken Identity 04. Juli 2008 um 13:13 Uhr

    Der einzige Grund aus dem für mich schlaflosigkeit des nächstens zum problem wird, ist das ich morgens evt. raus muss. wenn ich frei habe finde ich es gar nicht problematisch nachts wach zu sein und morgens erst einzuschlafen, die zeit muss nur irgendwie genutzt werden.
    ich find die pathologisierung des „nachts nicht schlafen“ schon irgendwie doof.

  8. 8 dodo 04. Juli 2008 um 14:28 Uhr

    es geht ja nicht um „nachts nicht schlafen“, sondern um „nicht schlafen können“.

  9. 9 NARODNIK 04. Juli 2008 um 16:43 Uhr

    Denk‘ ich an die Linke bei der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht :/

  10. 10 bigmouth 05. Juli 2008 um 16:35 Uhr

    @missy: wenn ich gegen am tag schlafe, schlafe ich zumindest erheblich qualitativ (und oft auch quantitativ) schlechter. helligkeit, geräusche und hormone werden da alle eine rolle spielen

  11. 11 Nichtidentisches 05. Juli 2008 um 19:32 Uhr

    Mal ne andere Frage: Wie kommst du dazu, den Antipsychologismus zu hypen? Das ist ne billige Nummer. Als wären psychische Probleme etwas, dessen man sich schämen müsste. Am liebsten hättest du es wohl, dass irgendein Hormon gefunden wird, das dafür verantwortlich gemacht wird.

    Das Problem ist: bei fast allen psychischen und psychosomatischen Störungen sind Frauen in der krassen Mehrheit, in einigen Krankheitsbildern sogar um 90 %.
    Nun kann man diese Befunde, die einem jede Ärztin aus der Borderline-Klinik oder der Psychosomatik bestätigen kann, als sexistische Aussage denunzieren. Dadurch ist allerdings keinem geholfen.
    Was wäre also deiner Meinung nach so schlimm daran, wenn man für Schlafstörungen weit vor Drogenkonsum primär psychische Ursachen festgestellt hat und somit davon auszugehen ist, dass mehr Frauen als Männer unter psychischen Problemen leiden? Wäre dann dein Bild von Weiblichkeit gekränkt?
    Oder wäre es nicht vielmehr möglich, das als Ansatz einer feministischen Kritik an Umständen zu verstehen, die sich gewaltförmig als psychische Probleme besonders in Frauen äußern.

  12. 12 dodo 06. Juli 2008 um 13:31 Uhr

    „Mal ne andere Frage: Wie kommst du dazu, den Antipsychologismus zu hypen? Das ist ne billige Nummer. Als wären psychische Probleme etwas, dessen man sich schämen müsste. Am liebsten hättest du es wohl, dass irgendein Hormon gefunden wird, das dafür verantwortlich gemacht wird.“

    was für ein ausgemachter blödsinn, ich frag mich wie du auf sowas kommst! nur weil psychische ursachen sehr wohl ernst zu nehmen sind, sollte man sich aber nicht nur auf diese beschränken, wenns um die ursachenforschung geht, sonst wird das ergebnis schnell einseitig. und nicht unbedingt hilfreich.

  13. 13 Nichtidentisches 08. Juli 2008 um 15:15 Uhr

    Schlaflosigkeit hat nun mal psychische Ursachen und der Artikel hängt sich eben daran auf. Er versucht nicht, mögliche körperliche Ursachen zu erörtern, sondern macht aus dem Benennen psychischer Ursachen einen Skandal, der Frauen das Ressentiment des Überemotionalen zukommen ließe. Genau das macht dann der Artikel implizit, indem er nämlich psychische Ursache und Ressentiment dagegen vermengt und so die psychischen Erkrankungen, die vor allem Frauen betreffen wiederum als kränklich oder schandhaft interpretiert.

  14. 14 dodo 08. Juli 2008 um 18:22 Uhr

    dann ham wir den artikel aber ganz schön verschieden verstanden. meiner meinung nach geht es darum, frauen nicht nur mit einem „ist halt psychisch/stress“ abzuspeisen, wie es oft getan wird, sondern die ursachen genau zu erörtern (psyche und physis gehn eh hand in hand – und das im artikel benannte menopausen-beispiel läßt sich eben auch nicht als rein psychisch abstempeln).

  15. 15 Judith 08. Juli 2008 um 19:03 Uhr

    dodo, das problem ist dann aber das „is h a l t stress“ und das „abspeisen“ und weniger das vermuten psychischer ursachen bei beschwerden, die in aller regel psychische ursachen haben, oder?

  16. 16 dodo 08. Juli 2008 um 22:49 Uhr

    ich denke, es geht um die herangehensweise.
    man sollte nicht von vorne rein mit dem „is halt stress, entspannen sie sich mal“-bild im kopf an einen patienten rangehen, sondern ALLE ursachen abklären. und offensichtlich gibt da bei frauen (mit)ursachen, die vernachlässigt werden.

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