D.I.Y queer videoabend mit gregg araki


„The Living End“ (1992/2008) ist ein Roadmovie über zwei HIV-positive Lover, Jon und Luke, die durchs amerikanische Ödland fahren, über AIDS, Sex und Tod sprechen und hin und wieder anhalten um Sex zu haben oder Essen an der Tanke zu kaufen. Jon, der sympathische Filmkritiker von nebenan, hat gerade sein Testergebnis erfahren, als er zufällig auf Luke trifft, einen Rumtreiber mit Punk-Attitüde und einer Knarre, die er einem lesbischen Pärchen geklaut hat. Luke’s nervöser Umgang mit Schusswaffen produziert einen toten Cop, und so sind beide auf der Flucht. Zwischen Luke und Jon entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung und Jon ist hinundhergerissen zwischen Luke und dessen nihilistischem Motto „wir sterben sowieso, scheißegal was wir tun, wir haben nichts zu verlieren“ und dem Wunsch wieder in sein normales Leben zurückzukehren. The Living End ist kein sentimentaler AIDS-Film, sondern von einer verzweifelten Wut geprägt, gepaart mit Leidenschaft und viel Komik. Araki legt einen düsteren Humor an den Tag, so prangert bereits in der Eingangssequenz auf der Rückseite von Jon’s Auto ein Aufkleber mit „Choose Death“, später malt Luke ein Herz an eine Telefonzelle „Jon + Luke till death do us apart.“ Der Film portraitiert Homophobie und Heterosexismus im vielfältiger Weise, von einem Trio bewaffneter Gay-Basher bis hin zur Ehefrau, die einem One-Night-Stand von Luke mit dem Statement, es sei nicht mehr fashionable einen bisexuellen Gatten zu haben, das Messer in die Brust rammt. Obwohl einige dieser homophoben Gestalten Luke und Jon zum Opfer fallen, sind diese keine makellosen Märtyrerfiguren wie Thelma und Louise und das ist auch gut so. Dazu haben sie zu viel Sex, dazu ist die von ihnen verübte Gewalt zu beliebig, dazu passt „fuck the world“ als Grundeinstellung nicht.
Ebenfalls sehr sehenswert ist Araki’s Teen Apocalypse Triology, in der es um Beziehungen, Drogen, Sex und Gewalt geht. Das ist grundsätzlich nichts neues, spannend werden die Filme aber erstens durch ihre Skurrilität, wie beispielsweise surreale Landschaften, in denen Schilder mit Aufschriften wie „Obey“ oder „God help me“ auftauchen und zweitens durch die Breite an Beziehungskonstellationen und Sexualpraktiken die man sonst eher selten findet. Nicht zu vergessen die apokalyptische Endzeitstimmung.
P.S.:Auch schön: Mysterous Skin (2004).


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