Archiv für Juli 2008

Frau gegen Schönheitsideale

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DieStandart.at hat einen interessanten Bericht über das neuste Projekt der östereichischen Künstlerin und Grafikerin Ulla Klopf veröffentlicht. Und zwar handelt es sich dabei um einen Animationsfilm, der für und mit jungen Mädchen entwickelt wurde, um die mediale Darstellung von Frauenkörpern kritisch zu hinterfragen.
Der Kurzfilm „Unique“ erinnert an eine Kollage, aus vermeintlich perfekten Körperteilen, ausgeschnitten aus Modemagazinen und wahllos zusammenfügt, dadurch ergibt sich statt der „perfekten Frau“, eher ein unrealistisches, steriles Bild der Weiblichkeit und Schönheit, welches jegliche Einzigartigkeit verloren hat.
Die Künstlerin will damit vorallem junge Frauen, auf die steigende Zahl an Schönheitsoperationen und deren Verharmlosung aufmerksam machen. Auch geht es ihr darum afzuzeigen, welchem Druck sich v.a junge Mädchen aussetzten um dem öffentlich vermittelten, verzerrten Frauenbild zu entsprechen. Denn immerhin sind 90% der Kosumenten an plastischen Schönheitseingriffen weiblich!

Ulla Klopf hat sich schon durch den Film „kirschen.rummel“ einen Namen in der feministischen Kunstszene gemacht und hat für ihr neustes Projekt eng mit dem „Frauengesundheitszentrum Graz“ zusammengearbeitet.
Desweiteren ist sie Mitglied der feministischen Künstlergruppe LTNC in Graz.
Unbedingt anschauen!

  1. Grafik über www.ulla.at [zurück]

Mit Geschlechterklischees zum Besucherrekord

Und wieder tut sich neues an der Geschlechterklischeefront, zuletzt würden wir ja durch den erfolgreichen Kinofilm „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ auf die kleinen Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufmerksam gemacht.
Und jetzt kommt der nächste „Knaller“, Mario Barth erreicht mit seiner Tour „Männer sind primitiv aber glücklich“ eine für einen Comedian noch nie dagewesene Besucherzahl, man spricht sogar von einem Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde. Anscheinend wollen sich ca. 70.000 Menschen im Berliner Olympiastadion mit alten Stereotypen berieseln lassen. Erstaunlicherweise verfolgten davor schon 1,6 Millionen Menschen das gleiche Szenario.

Barth „brilliert“ bei seinen Auftritten mit Sprüchen wie

Wenn Frauen aufs Klo müssen, dann müssen sie JETZT. Wenn ein Mann auf die Toilette muss, kann er noch von hier bis nach München fahren und sich dann überlegen: Ach, ein Pils nimmste noch!

oder

Frauen denken um 16 Ecken, während wir Männer teilweise noch nicht mal bis 16 zählen können! Wir Männer sind halt einfach viel direkter.

Na dann!

Feminismus und Migration?

Ist der Feminismus heutzutage zu einseitig und zielt auf die „falschen Probleme“ ab?
Dies behauptet zuminderst Meyi Kiyak in einem Zeitartikel.

Nicht ein einziges Mal tauchte in der Debatte(gemeint hier vorallem, die durch Bücher wie „Wir Alphamädchen“ oder „Feuchtgebiete“ angestoßene Auseineandersetzung mit dem Thema „neuer Feminsmus“) das Wort Migrantinnen auf. Immerhin hat inzwischen ein Fünftel der deutschen Gesellschaft eine nichtdeutsche Herkunft. Nicht ein einziges Mal tauchte der Hinweis auf, dass es Frauen in anderen sozialen Schichten gibt, die über die diskutierten Alternativen – zu Hause bleiben oder arbeiten, Kinder kriegen mit oder ohne Ehemann, allein erziehen oder doch noch einen Masterstudiengang dranhängen – gar nicht verfügen. Kein Wort davon, dass in unserer Gesellschaft Frauen leben, die über keine sexuelle Selbstbestimmung verfügen, die aufgrund ihrer Herkunft bei der Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche systematisch diskriminiert werden. Nichts über Frauen, die doppelt so häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind wie diejenigen, über die die ganze Zeit gesprochen wird. Ganz zu schweigen von all jenen, die verheiratet sind und deren Ehemänner in befristeten Arbeitsverhältnissen stehen.

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Liebe ist halt komplex

Homosexualität – eine Studie gibt sich nicht mit dem „Erziehung oder genetisch bedingt?“-Schema zufrieden.

Ah, how do you sleep at night?

Wenn’s um chronische Schlaflosigkeit geht, kenn ich mich aus. Alle Tricks und Kniffe ausprobiert und angewandt und wenn mir jemand mit nochmal mit „Trink doch ne heiße Milch“ oder Baldrian kommt, fang ich an zu schreien. Hat sich gottseidank um einiges gebessert – man lernt ja immer dazu, gerade wenn’s um den eigenen Körper geht. Was ich aber bis gerade nicht wußte: daß der Spaß anscheinend ein typisches Frauenproblem ist.

Before puberty, girls do not sleep worse than boys. At adolescence, though, girls become approximately two and a half times more likely than boys to have insomnia, according to a 2006 study published in the Journal Pediatrics.

Und obwohl anscheinend mehr Frauen als Männer betroffen sind, ist die Reaktion der Forscher eher mäßig.

Yet 75 percent of sleep research has been done on men, and until recently the researchers have been primarily men. The major texts for sleep studies have had, until recently, little to say about women’s sleep.

Woran das liegen mag? Es darf spekuliert werden…
Das eigentlich interessante an dem Text bei Alternet aber ist, wie er das „Verpsychologisieren“ kritisiert – gerade wenn Frauen zum Arzt gehen. So nach dem Motto Ist eh alles „nur“ psychologisch oder stressbedingt. Dazu gibt es viel zu sagen (nicht nur, wenn es um Ärzte geht, das Phänomen ist weit verbreitet, da immer noch das Klischee vorherrscht, Frauen seien ja so „emotional“ und Männer „rational“ usw.) und ich hätt mir da ein bißchen mehr gewünscht.
Stattdessen stellt Gayle Green Überlegungen an, was denn nun die wirklichen Ursachen für die erhöhten Schlafstörungen bei Frauen sein könnten und das ist sehr interessant zu lesen.

But it’s always easier to psychologize the problem — tell us we‘re stressed or depressed and pass the buck back to us — than to do the hard work of finding out what’s really going on. Since insomnia disproportionately affects women, its neglect by researchers is our neglect.