Buchvorstellung

Cover Heute mal wieder eine Buchvorstellung. Ich möchte euch das Buch „Mehr als eine Liebe. Polyamouröse Beziehungen“ vorstellen, das mir schon vor ein paar Jahren in einer linken Buchhandlung unter die Hände gekommen ist. Damals habe ich es im Laden gelassen. Nun aber, ein paar eigene Beziehungserfahrungen später, habe ich es endlich gelesen.

Polyamory, Offene Beziehungen, Freie Liebe, Mehrfachliebe sind ähnliche Begriffe, bei denen es grob gesagt darum geht, dass ein Mensch nicht nur einen Menschen liebt, sondern eben mehr als eine (griech. polýs) Liebe (lat. amor) hat bzw. mit unterschiedlichen Menschen Zärtlichkeit oder Sexualität teilt. Anders als bei Seitensprüngen oder Affären in festen Beziehungen wird dieses Nebeneinander von Beziehungen aber bei Polyamory nicht verheimlicht, sondern bewusst gelebt.

Das Buch beschreibt verschiedene Aspekte des „poly-Lebens“. Unter anderem gibt es viele persönliche Berichte und Geschichten von Menschen mit unterschiedlichen Beziehungsformen, hauptsächlich sind es lesbische Lieben. Dazu kommen Texte zum Umgang mit Eifersucht (beliebtes Thema…) und andere theoretische Thematiken, wie etwa eine Auflistung der verschiedenen Polyamory-Zeichen, ein Manifest über die Freundinnenschaft und einen sehr interessanten Text namens „This is not a Love Song!“. Darin wird erläutert, dass sich Polyamoury oft als verantwortliche nicht-Monogamie identifiziert und dadurch andere Beziehungs- bzw. Sexualitätsformen abgewertet werden, die nicht als „verantwortlich“ oder „vernünftig“ eingestuft werden, beispielsweise sexuelle Kontakte, die nicht auf Liebe basieren. Dadurch bestätigt Polyamory (oder ein Teil der Polyamory-Szene) wieder die alten Normen von Liebe und Verantwortung, die auch schon für Zweierbeziehungen gepredigt werden und grenzt Lebensweisen aus, die sich nicht an diese Normen halten.

„Die Darstellung von Polyamoury als ‚verantwortliche Nicht-Monogamie‘ dient vor allem dem Zweck, die stereotypen Vorstellungen von nicht-monogamen Menschen als promisk, unreif und pathologisch zurückzuweisen. Anstatt jedoch die normativen Ideen und Bilder zu kritisieren, die Hinter solchen Antipromiskuitätsargumenten stehen, und die verschiedenen Gewaltverhältnisse (…) anzugreifen, die sich darin ausdrücken, begnügen sich viele damit, klarzustellen, dass der Vorwurf der Promiskuität auf sie *selbst* aber nicht zutreffen würde. Diese Argumentationsstrategie entspringt der Hoffnung, in der Gesellschaft aufgenommen zu werden, wenn mensch sich nur nicht zu weit außerhalb des Rahmens der Respektabilität bewegt.“

In dem Buch selbst werden verschiedene Beziehungs-, Liebes- und Sexualitätsentwürfe aufgezeigt, von festen Kettenbeziehungen bis hin zum wilden „durch die Gegend Poppen“. So kann mensch sich beim Lesen ein wenig selber fragen „und was will ich?“, was in meinen Augen ein sehr positiver Aspekt der Textesammlung ist. Wer sich mal einen Einblick die Welt des nicht-monogamen Lebens verschaffen möchte, ist hier also gut beraten. Das Buch eignet sich bestimmt auch dazu, neugierigen Bekannten/Familienmitgliedern was zu lesen zu geben, auch wenn nicht alle beschriebenen Lebensweisen und Praktiken jedermans Sache sind.

„Mehr als eine Liebe. Polyamouröse Beziehungen“, Laura Méritt/Traude Bührmann/Nadja Schefzig (Hg.) , 2005 Orlanda Verlag Berlin, ISBN 3-936937-32-X, Preis D: 17,50 €, A: 18,00 €, CH: 30,00 CHF1

  1. Kleiner Hinweis: In der Linkliste am Ende des Buches tauchen die zwei Projekte ZEGG und Tamera auf, die in einigen linken Kreisen kritisiert werden. Siehe dazu ZEGGsismus-Reader. [zurück]

2 Antworten auf “Buchvorstellung”


  1. 1 sofias. 13. August 2008 um 7:21 Uhr

    scheint ganz nett zu sein, das buch.

    aber bei dem titel jag es mir schauer über den rücken ^^ .
    aufgespießte herzen, ich werde wohl nie verstehen wie man so ein symbol positiv assoziieren kann ;) .

  2. 2 Christoph M 15. August 2008 um 16:02 Uhr

    gutes Buch!
    Ein Interview mit einem der Autoren findet ihr hier:
    http://www.neon.de/kat/fuehlen/sex/229049.html

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