No Paradise! Never ever!

Alter Falter, ich pack’s nicht: das Ums Ganze…-Bündnis hat sich bemüßigt gefühlt, eine passend zu ihren Schuhen und Sonnenbrillen gelayoutete Mobilisierungs-Kollektion gegen den sogenannten „Anti-Islam“-Kongress in Köln im September diesen Jahres zu entwerfen. Natürlich erfreulich, dass die Stylepolizei mal wieder markiert hat, dass die Super Mario und Co.-Plakate der vor Ort aufrufenden Gruppe mit ihrem neongrün optisch völlig daneben sind – immerhin wird in der Stadt des Frohsinns auf derart peinliche Implikationen der Frauenfeindlichkeit und des Antisemitismus wie sie Ums Ganze… forcieren verzichtet.
Da wäre zum Einen der unüberlesbare Titel „Paradise Now“, der heute wie gestern an den gleichnamigen Film erinnert, der antisemitische Selbstmordattentate zu „Verzweiflungstaten“ klein redet und als legitimen Widerstand gegen die israelische Besatzung rechtfertigt. Opfer und Folgen dieser Verbrechen werden systematisch ausgeblendet. Die Empathie, welche der Film für antisemitische Mörder_innen erheischt, ist gerade hierzulande nicht zu haben ohne Hass auf Jüd_innen und Israel.1
Deutlicher noch aber ist die christlich-sexistische Bildkomponente: die nach einem goldenen Apfel greifende Hand. Die Geschichte vom Sündenfall begründete über die letzten Jahrhunderte, ja, Jahrtausende eine über das Religiöse weit hinaus reichende, zutiefst in der christlichen und westlichen Gesellschaft eingeschriebene Frauenfeindlichkeit. Zur Erinnerung an die Begründung:

Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. […] Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben. Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. […] Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein „ein“ Fleisch. Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht. Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten. Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß. Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.[…] Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. (1.Mose 2-3)

Das Bild der Frau als Verführerin zum Sündenfall hat in der gesamten jüdischen und christlichen Tradition fatale Folgen für die Lebensumstände von Frauen nach sich gezogen. Im allgemeinen Glauben, alle Frauen hätten von der biblischen Eva auch deren Schuld und Sünde geerbt, wurde zur Konsequenz die Ansicht, alle Frauen seien unglaubwürdig und moralisch minder. Menstruation, Schwangerschaft und Geburt wurden als gerechte Bestrafung für die ewige Schuld des verfluchten weiblichen Geschlechts angesehen. So heterosexuell und nach männlichen Nachfolgern strebend der Mensch respektive Mann sich auch gab – weibliche Körperlichkeit, Schönheit und Verführung waren immer auch ein Pfad zur Sündhaftigkeit. Gerade im Christentum ist die Ankreidung der Erbsünde an Eva allein ein Schlüsselmoment, denn nach christlicher Auffassung ist ein Grund für das Auftreten Jesu auf Erden, die Ungehorsamkeit Evas gegenüber Gott. Sie hatte Adam zur Sünde verführt. die beiden vererbten diese Sünde, die ihnen von Gott nicht vergeben worden war, an all ihre Nachkommen und daher sind alle Menschen in Sünde geboren. Um die Menschenwesen von dieser „Erbsünde“ zu reinigen, opferte Gott seinen Sohn.
Heute wird von vermeintlich emanzipationswilligen Theologie-Student_innen gerne argumentiert, Adam trüge genqauso viel Verantwortung wie Eva oder aber Jesus von Nazareth sei an der Befreiung von Mann und Frau gleichermaßen interessiert gewesen. Ich finde derartige Literaturinterpretationen ja auch wichtig und schön – es ändert wohl kaum etwas an zahlreichen expliziten und impliziten intertextuellen Bezügen auf die oben zitierte Geschichten, mit welchen von den Kirchen jahrhundertelang reale Frauenunterdrückung begründet und befördert wurde.

Wie nun aber die Menschen bei Ums Ganze… darauf kommen, es sei eine gute Idee, das christliche Paradies als kommunistische Utopie abzufeiern und eine Bildsprache zu verwenden, deren Implikationen eben jene nationalen und religiösen Kollektive, welche sie „kippen“ wollen bis heute stützen und stärken (Christentum, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus), bleibt mir nach wie vor ein Rätsel, das ich mit flauem Gefühl im Magen wohl vorerst beiseite legen muss.

  1. ausführlichere Kritiken finden sich bei Café Critique Wien, bad weather HH sowie dem Bündnis gegen Antisemitismus Rhein/Ruhr[zurück]

75 Antworten auf “No Paradise! Never ever!”


  1. 1 hn 13. August 2008 um 18:36 Uhr

    Also man kanns mit dem durchgendern auch übertreiben, und wenn „Jüd_innen“ im Text vorkommt ist genau dieser Punkt erreicht. Schreibt halt „Juden und Jüdinnen“ oder einfach grammatikalisch korrekt nur „Juden“ (ja pff das ist halt so, wers nicht mag soll halt „jews“ schreiben das ist neutral). Aber das ist absolut falsch und stört den Lesefluss gewaltig.

  2. 2 unentschieden 13. August 2008 um 18:37 Uhr

    habe sicherlich schon tollere kampagnenlayouts gesehen, aber ich würde das genau umgekehrt interpretieren:
    hier wird nicht das christliche paradies mit einer kommunistischen utopie (oder einer anarchistischen oder sonstwas für einer, mit den antifa-fahnen wird ja inzwischen recht unterschiedliches verbunden) gleich gesetzt, sondern der ausbruch aus diesem mit der positiven utopie verbunden – apfel mit antifa-fahnen.
    in diesem kontext, den „sündenfall“ als etwas revolutionäres, emanzipatorisches zu begreifen bzw. darzustellen, würde ich dann auch das motto „paradise now“ verstehen – die bestmöglichen lebensbedingungen für alle menschen gibt es nicht in irgendwelchen religiösen paradiesen, sondern in der kommunistischen gesellschaft.

    ich denke schon, dass die ums ganze!-leute das eher so meinen. sicherlich kriegen wir ja auch noch ein langes paper mit vielen fremdworten von ihnen zu lesen, da klärt sich dann ja vielleicht einiges.

    kritisch finde ich die kampagne aber insofern, dass hier mit symboliken gespielt wird, die doch sehr unterschiedlich interpretiert werden könnten und schnell falsch (siehe artikel hier drüber) oder gar nicht verstanden werden könnten. also über einen sehr kleinen linken zirkel hinaus erreicht das jedenfalls sich nicht die gewollte wirkung.

    KuK hat früher manchmal die rückseite der plakate mit langen erklärungen zu jedem noch so kleinen symbol darauf bedruckt, vielleicht kann ums ganze! doch noch was von den autonomen lernen …

  3. 3 Different 13. August 2008 um 18:47 Uhr

    Irgendwie find ich das alles ein bisschen an den Haaren herbei gezogen. Erstmal gab es den Begriff „Paradise Now“ schon vor dem Film in verschiedenen Zusammenhängen (Musikalben, Theaterstücke). Und selbst wenn der Titel des Films Inspiration für das Plakat gegeben hat, kann man das Plakat nun wirklich nicht über den Inhalt des Filmes kritisieren. Es ist wohl offensichtlich dass sich das Plakat überhaupt nicht auf den Film bezieht sondern diesen jediglich nutzt, um eine völlig andere Message als der Film zu vermitteln. Und dann noch der Kram mit dem Sexismus in der Bibel. Klar ist die Bibel sexistisch. Aber das Plakat spricht sich doch gegen Religion aus, wie kann man da dem Plakat über den Umweg der Bibel Sexismus unterstellen? Dein ganzer Text ist Kritik an einem Film und Kritik an der Bibel, aber du schreibst nix was auch nur ansatzweise mit dem Plakat zu tun hätte.

    Die Aussage des Plakates ist doch offensichtlich. Das Bündnis will nicht wie religiöse Gruppen darauf warten, nach dem Leben ins Jenseits zu kommen und dann endlich in paradiesischen Zuständen zu leben, sondern es will jetzt schon „Das Paradies auf Erden“, den Kommunismus. Verbildlicht wird das mit einem goldenen Apfel, was natürlich an Adam und Eva erinnert. Ich würde das aber eher so interpretieren, dass sich jeder nehmen können soll was er braucht, ohne vom Staat (oder einem Gott) davon abgehalten zu werden. Es wird also ein positiver Bezug auf Evas nehmen vom Baum der Erkenntnis aufgebaut. Von daher greift deine Kritik vollkommen ins Leere.

  4. 4 st_eve 13. August 2008 um 19:31 Uhr

    ich streite nicht ab, dass ums ganze… es gut meint. nur finde ich die bild-text-symbolik eben auch problematisch. klar gibt es auch anderes mit dem titel „paradise now“. nur ist es ein ausdruck, auf dessen rücken seit einigen wenigen jahren und bis heute linke debatten geführt werden – wenn zB mal wieder irgendeine lustige gruppe meint, ihn am 9. november zeigen zu müssen.
    und ich finde es eben überhaupt nicht gelungen einen positiven bezug auf christliche symboliken und inhalte zu etablieren. das christliche paradies, in dem die frau bereits dem mann qua entstehung untergeordnet war, und beide dem lieben gott als schöpfer zur unterhaltung dienten, bietet sich meines erachtens in keiner weise als positiver bezugspunkt an.

  5. 5 bigmouth 13. August 2008 um 19:37 Uhr

    es ist ja auch eher ein ironischer bezug. und leuten vorzuwerfen, dass sie nicht an einen 3/4vergessenen film denken, also leuten die abwesenheit deiner idiosynkratischen assoziation, ist doch auch blöd

  6. 6 tee 13. August 2008 um 19:51 Uhr

    ja logisch ist das ein ironischer bezug (zur bibel wie auch zum religiösen inhalt des films) – doch gerade WEIL da etwas gegen religion drunter steht. aber wenn mensch hier unbedingt was kritisieren will …

  7. 7 miss taken identity 13. August 2008 um 20:19 Uhr

    Ste_ve, die beziehen sich nicht positiv auf das alt-testamentarische Paradies. Die pflücken die Frucht vom Baum der Erkenntnis. Auf der ist ein Antifa-Logo. Die meinen das in so einem anti-religiösen, aufklärerischen Sinne. „Paradise Now!“ bezieht sich im Kontext der dargestellten Szene sicher nicht auf das Paradies was du da beschreibst – die Szene war ja Grund für den Rausschmiss.
    Deine Kritik geht vollkommen an dem Plakat vorbei.

  8. 8 miss taken identity 13. August 2008 um 20:23 Uhr

    Ach ja,

    Die Geschichte vom Sündenfall begründete über die letzten Jahrhunderte, ja, Jahrtausende eine über das Religiöse weit hinaus reichende, zutiefst in der christlichen und westlichen Gesellschaft eingeschriebene Frauenfeindlichkeit.

    Also lag’s doch an der patriarchalen jüdischen Religion, oder was?

  9. 9 miss taken identity 13. August 2008 um 20:30 Uhr

    Ich finde derartige Literaturinterpretationen ja auch wichtig und schön – es ändert wohl kaum etwas an zahlreichen expliziten und impliziten intertextuellen Bezügen auf die oben zitierte Geschichten, mit welchen von den Kirchen jahrhundertelang reale Frauenunterdrückung begründet und befördert wurde.

    Ja, ob ChristIn sein und trotzdem Sexismus falsch finden zusammengeht bereitet mir auch schlaflose Nächte. Deshalb find ich das auch gut.

  10. 10 lysis 13. August 2008 um 22:25 Uhr

    @st_eve, da steht: „nationale und religiöse kollektive kippen!“ da finde ich deine unterstellungen in richtung des „ums ganze…“-bündnisses, sie wollten am ende das christentum rehabilitieren, doch recht bizarr.

    auch das thema geschlecht ist da weit und breit nicht auszumachen. und wenn doch, dann wohl in dem sinne, dass evas rolle ins positive umgedeutet. schließlich ist sie es, die den antifa-apfel vom baum der erkenntnis pflückt.

    schade finde ich auch, dass das eigentliche thema des hier angekündigten gegen-kongresses von dir komplett ignoriert wird. und fast drängt sich einem der verdacht auf, dass es im grunde das ist, was dich stört: dass sich linke auch mal mit dem virulenten antiislamischem rassismus in diesem land befassen.

    deine unterstellung, das „ums ganze…“-bündnis forciere hier nur antisemitismus und frauenfeindlichkeit, ist jedenfalls abwegig. mal ganz davon abgesehen, dass deine deutung des filmes „paradise now“ als antisemitisches machwerk sowieso ziemlich gewagt. (lass nur mal henryk m. broder hören, dass er einen antisemitischen film lobend besprochen hätte! ;) )

  11. 11 lysis 13. August 2008 um 22:39 Uhr

    PS: wie findst du eigentlich den film „the bubble“ von eytan fox? auf den trifft dein urteil, dass er selbstmordattentate zu verzweiflungstaten verharmlose, doch viel eher zu als auf „paradise now“. nur hat ihm deshalb bislang noch keiner antisemitismus vorgeworfen.

  12. 12 /parole/ 13. August 2008 um 22:57 Uhr

    Mit der Verwendung der verhältnismäßig schwach besetzten (wie präsent ist der – wie schon erwähnt – fast vergessene Titel wirklich?) Floskel deuten umsganze… ebenjene um.
    Ziel ist die Erreichung paradiesischer Zustände. Nur dass eben der der irrationalen Vorstellung des Jenseits‘, welchem sich Religionsanhänger_innen verschreiben, eine Absage erteilt wird. Das „Paradies“ soll hier und jetzt auf Grundlage einer materialistischen Analyse erlangt werden. Daher wohl die Parolen: „Für den Kommunismus“ und „Religiöse Kollektive kippen“.
    Meiner Meinung nach ein richtiger Ansatz, der Vorstellung transzendenter religiöser Verheißung knallharten Materialismus und die Forderung nach schönem Leben im Diesseits entgegenzuhalten.
    Das Spiel mit der Bildsemantik ist natürlich verschieden interpretierbar:
    Eine Deutung ist die, dass gerade das Pflücken die Absage an die religöse christliche Verheißung ist, da ja gerade mit dem Plücken des Apfels der Bruch mit dem Christentum besiegelt wurde und Adam & Eva des Garten Edens verwiesen wurden.
    Insofern kann ich die harsche Kritik in diesen Punkten nicht teilen.

  13. 13 besserscheitern 13. August 2008 um 23:54 Uhr

    „Eine Deutung ist die, dass gerade das Pflücken die Absage an die religöse christliche Verheißung ist, da ja gerade mit dem Plücken des Apfels der Bruch mit dem Christentum besiegelt wurde und Adam & Eva des Garten Edens verwiesen wurden.“

    Nicht ganz: Das ist das alte Testament und das hat mit „Christus“ noch nix zu tun. Es geht aber tatsächlich darum, dass Adam und Eva das einzige Gesetz brechen dass ihnen auferlegt war. Im neuen Testament wird dieses Ereignis dann im Sinne des Sündenfalls neu interpretiert. ( Ganz interessant dazu:http://de.wikipedia.org/wiki/Garten_Eden#Die_Vertreibung_aus_dem_Garten )

    Zum Bild bleibt also meiner Meinung nach Folgendes zu sagen: Ums Ganze fordern auf die religiösen Gesetze zu brechen. Indem sie dies tun und Gott herausfordern, werden sie zu den Menschen die ihre eigene Geschichte machen müssen.

    Es geht mit Marx gesprochen darum, alles Ständische und Stehende zu verdampfen, alles Heilige zu entweihen um die Mneschen dazu zu bringen ihre Lebensstellung ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.

  14. 14 w 14. August 2008 um 0:08 Uhr

    „knallharten materialismus“

    aua

  15. 15 /parole/ 14. August 2008 um 0:21 Uhr

    @besserscheitern:
    damn, wiedermal das christentum als ausgangspunkt hergenommen (aus deren sicht stellt sich ja so dar) :-“
    stimmt natürlich was du sagst.

    @w:
    ja, mein fehler. nix besseres in der situation eingefallen.

  16. 16 Sven 14. August 2008 um 8:26 Uhr

    Gerade über die Genesis kann man auch aus feministisch-theologischer Seite nachdenken, zum Beispiel hier: http://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/.

    Ich würde das Plakat aus einer ganz anderen Richtung kritisieren, wiel es eine große Erzählung (Paradies im Jenseits durch Frömmigkeit) durch eine andere (Paradies im Diesseits durch Kommunismus) ersetzt… Immerhin gibt man endlich zu, dass die kommunistische Bewegung auch nicht mehr als eine Ersatzreligion ist.

  17. 17 dorfdisco 14. August 2008 um 10:44 Uhr

    Boa.. was ihr da alles schafft hineinzuinterpretieren. Da ist der Kreativkurs an der VHS nichts dagegen. Wäre sehr schön wenn es noch jemanden von euch gelingen würde das Plakat zu tanzen.

    Ansonsten ist es evtl ratsam den angekündigten Aufruf abzuwarten. Vielleicht steht da dann drin ob die Umsganze-Leute Ersatzreligion etablieren wollen, Judenhass propagieren, die Unterdrückung der Frau vorantreiben wollen, etc. …nur mal so, da „nationale und religiöse kollektive kippen“ ja so sehr mißverständlich ist.

  18. 18 revolution 14. August 2008 um 13:23 Uhr

    @lysis was ist denn dann der inhalt von ‚paradise now‘, wenn nicht ein verständnis für den selbstmordattentäer von morgen zu wecken ?… ob man das dann antisemitisch nennen muss oder nicht sei mal dahingestellt

    ansonsten kann ich die kritik von st_eve nicht nachvollziehen. da werden verschiedene religiöse bezüge gebrochen, weil die ‚erlösung‘ eben nicht in der religion, sondern nur im kampf für den kommunismus verwirklicht werden kann. das ist doch bei dem untertitel auch mehr als deutlich, weshalb ich deine interpretationsleistung auch einigermaßen seltsam finde.

  19. 19 Norge 14. August 2008 um 13:25 Uhr

    So, wie ich weiß, gibts den Sündenfall, bzw Adam und Eva, nicht nur im Christentum, sondern bei ALLEN großen Weltreligionen.

  20. 20 Different 14. August 2008 um 13:47 Uhr

    Norge: Was für ein Zufall, wo sie doch alle die Tora als heilige Schrift haben :d/

  21. 21 Different 14. August 2008 um 13:48 Uhr

    Äh sorry natürlich nur Islam, Christentum und Judentum, zu den Weltreligionen gehören ja noch ein paar mehr.

  22. 22 miss taken identity 14. August 2008 um 13:59 Uhr

    Was man am ehesten an den Antifa-Gegenaktivitäten zu diesem Kongress kritisieren kann, ist m.E. vorallem, dass die bundesdeutsche Antifa tatsächlich für nötig hält, klarzustellen, dass sie vom Islam auch nix hält. Wenn die Rechten da übers Judentum konferieren würden kämen die nicht auf die Idee zu sagen, dass sie das ja irgendwie auch scheiße finden. Im Gegenteil, sowas würde als Entsolidarisierung mit den von Antisemitismus betroffen gelten.

  23. 23 ♥Tekknoatze 14. August 2008 um 15:00 Uhr

    MTI: Findest du nicht, dass eine solche klare Absage an IslamistInnen/den Islam als Religion in der Linken, die in diesem Lager lange Zeit immer wieder vermeintliche FreundInnen gesehen hat statt antiemanziatorische Kollektive lange überfällig ist?
    Und nebenbei sieht man in der Mobilisierung (z.B. der Aufruf vom Initiativ e.V./der Roten Antifa Duisburg/Düsseldorf) das Gegenstand der Kritik immer der Faschismus bzw. Rechtspopulismus und sich mit den islamistischen Irren nict beschäftigt wird oder besser noch in regelmäßigen Abständen irgendwelche Befreiungsforderungen irgedwelcher „Völker“ herausposaut werden.

    st_eve: …ums Ganze Antisemitismus vorzuwerfen ist der Hammer. Wenn du wenigstens irgendwas daran argumentieren würdest. Made my day!

    ♥Tekknoatze

  24. 24 karwans paule 14. August 2008 um 15:32 Uhr

    Nun sind die wesentlichen Einwände ja bereits formuliert, und ich belasse es bei zwei kurzen Ergänzungen: Agnoli hat den oben ausführlich zitierten Sündenfall als »einen der drei zentralen Akte der Subversion im Mythos« bezeichnet, und damit wohl auch im Sinne der Plakatbastler gesprochen. Der Text ist ausgesprochen lesenswert und man kann ihn sich sogar kostenlos vorlesen lassen: Lesung der ‚Subversiven Theorie. (Kapitel 3: ‚Eva, Prometheus, Antigone – Die Subversion der Ananke‘)

    Bei ‚Paradise Now‘ (auch) an den unsäglichen Film zu denken, halte ich für weniger abwegig, als es oben behauptet wurde. Google gibt beispielsweise zweieinhalb Seiten Film- und Theatertreffer aus, bevor dann irgendwann ein zu 7/8 vergessenes ‚Krupps‘-Album erscheint. Eine böse Absicht wäre damit aber natürlich noch nicht bewiesen, und der Umdeutungsgedanke von /parole/ klingt auch für mich schlüssiger.

  25. 25 bigmouth 14. August 2008 um 15:45 Uhr

    Wenn die Rechten da übers Judentum konferieren würden kämen die nicht auf die Idee zu sagen, dass sie das ja irgendwie auch scheiße finden.

    das wäre aber vielleicht auch gerade gut. auch als in bochum die synaggoe gebaut wurde, wäre zumindest ein halber satz dazu fällig gewesen

  26. 26 dorfdisco knows best 14. August 2008 um 15:46 Uhr

    @miss taken identity

    ..und was ist jetzt daran falsch? Nur weil ein paar Fuzzis der deutschen Linken sich ständig einen auf das Judentum runterholen müssen erübrigt sich damit doch nicht die Kritik am Islamismus.

    Genau so wie es doch unsinn ist zum Islamismus zu schweigen weil das Thema gerade von Rechts bestzt wird. Wäre ja auch Unfug zum Sozialabbau die Klappe zu halten nur weils auch ein Thema der NPD ist.

  27. 27 miss taken identity 14. August 2008 um 16:32 Uhr

    Genau so wie es doch unsinn ist zum Islamismus zu schweigen weil das Thema gerade von Rechts bestzt wird.

    „Wir dürfen den Nationalismus nicht den Rechten überlassen“ sagte die KPD in den 20ern. 10 Jahre später gab es keine KPD mehr.

  28. 28 dorfdisco knows best 14. August 2008 um 17:17 Uhr

    Du willst mir jetzt aber bitte nicht ernsthaft weiß machen, dass es die KPD nicht mehr gab weil sie 10Jahre zu vor das Thema Nationalismus nicht den Rechten überlassen wollte?

  29. 29 bigmouth 14. August 2008 um 17:32 Uhr

    nein, er scheint zu meien, dass linke rechte damit ausschließlich und nur in die hände spielen können. ich weiß nicht.

  30. 30 ♥Tekknoatze 14. August 2008 um 17:45 Uhr

    dorfdisco: nein eher, dass die uebernahme von islamismuskritik das selbe ist wie die uebernahme nationalistischer positionen, also stinkreaktionaer.

    ♥Tekknoatze

  31. 31 lysis 14. August 2008 um 18:46 Uhr

    @revolution: verwechselst du da nicht inhalt und unterstellte absicht? „paradise now“ ist erst mal der versuch, um den topos „selbstmordattentat“ eine komödie mit tragischem ende zu konstruieren, die die politische zerrissenheit der palästinensischen gesellschaft zur schau stellt.

    was nicht stimmt, ist, dass der film selbstmordattentate als verzweiflungstaten darstellen würde. der typ, der sich am schluss in die luft sprengt, tut das aus klar nationalistischen motiven und nicht aus irgendwelchen persönlichen gefühlen.

    der film ist bis zum letzten viertel oder so gar nicht mal schlecht und enthält eine ganze reihe von elementen der selbstkritik am zustand der palästinensischen gesellschaft. aber der schluss versaut diese kritik dann wirklich komplett.

    insofern ist eine kritik am film völlig berechtigt. aber der vorwurf, er wäre antisemitisch (wo er sich in wirklichkeit sogar über antisemitische verschwörungstheorien lustig macht) oder er würde selbstmordattentate als „verzweiflungstaten“ darstellen (wo er sie vielmehr als eine bewusste politische entscheidung zeigt) geht dann doch an der sache vorbei.

  32. 32 lysis 14. August 2008 um 20:04 Uhr

    @dorfdisco:

    nebenbei sieht man in der Mobilisierung […] das Gegenstand der Kritik immer der Faschismus bzw. Rechtspopulismus und sich mit den islamistischen Irren nict beschäftigt wird

    wenn in einem arbeitszeugnis steht: XY hat sich mit dem und dem beschäftigt, heißt das: es ist nie was dabei rausgekommen. bei der linken kritik am islamismus verhält es sich ungefähr genauso: da fährt man eine kritik auf, obwohl man genau weiß, dass sie den adressaten nie erreicht, und wenn sie ihn erreicht, dann an einem ort, wo seine position im grunde irrelevant ist. da wäre es genauso sinnvoll, gegen eine wand zu reden.

    islamismuskritik in köln ist ungefähr so subversiv wie bush-kritik in teheran und für ihr objekt genauso bedeutsam wie der sack reis, der neulich wieder in china umgefallen ist.

    wenn die rechten den islam „kritisieren“, dann um eine legitimation für ihre rassistische politik zu bekommen. wenn „anti“deutsche den islam kritisieren, dann um am feindbild für den nächsten krieg zu schrauben. warum aber, um himmels willen, sollten sich wohl linke für islamkritik interessieren? damit die „anti“deutschen nicht mehr auf ihnen herumtreten können? sieht man ja, was es nützt!

  33. 33 ♥Tekknoatze 14. August 2008 um 21:04 Uhr

    Das Zitat war von mir.
    Klar kannst du sagen:“ach hier in Deutschland macht das doch keinen Sinn, die AdressatInnen der Kritik sind ja im Nahen Osten und hoeren uns nicht. Was aber keinewegs etwas daran aendert, dass IslamistInnen ebenfalls in Koeln, Rostock oder sonstwo sitzen und diese eben unabhaengig von ihrem Wohnort scheisse sind. Das sollte die Motivation von Islamismuskritik sein und nicht irgendwelchen Hanseln mit ihrer Bahamas „ach haut trampelt nicht auf uns rum zu sagen. Mal abgesehen davon, dass die heutige Antideutsche“bewegung“ eineN wohl eher zustickern wuerde ;).

    ♥Tekknoatze

  34. 34 scheckkartenpunk 14. August 2008 um 21:44 Uhr

    die logik ist schon eine interessante – eine islamismuskritik wäre hier falsch verortet, weil der gegenstand der kritik ganz woanders wäre. aber der krieg der soll sein feindbild hier verpaßt bekommen und zwar von genau denen, die dort wo er ja anscheinend statt finden soll mit ihrer kritik angeblich nichts erreichen können.

    was der ganze wust an projektion dann aber mit der veranstaltung rechter rassisten und der gegenveranstaltung zu tun haben soll, darüber muss nicht gesprochen werden.

  35. 35 lysis 14. August 2008 um 21:55 Uhr

    @scheckkartenpunk: äh? ein feindbild braucht man, um leute für einen krieg mobilisiert zu bekommen ganz unabhängig davon, wo der stattfinden soll. wo ist da eigentlich dein verständnisproblem?

    @tekknoatze: islamisten haben in deutschland doch überhaupt keine relevanz. jedenfalls nicht mehr als tausend andere sekten, mit denen sich die linke ebenfalls nicht befasst.

  36. 36 Unknown Wimp 14. August 2008 um 22:26 Uhr

    @Lysis: Zweifelsohne ist es richtig, dass Islamisten keine Relevanz in Deutschland als politische Bewegung haben, aber gerade eine Linke die den Gegenstand des Rechtspopulismus nicht nur ankratzen, sondern auch analysieren will, kommt nicht darumherum einerseits die Kulturalisierung der Rechtspopulisten auf der anderen Seite aber auch die Selbstkulturalisierung der Migranten nachzuvollziehen. Absolute Zustimmung aber, dass es natürlich hundsdämlich wäre den Islamismus zu kritisieren nur weil die Rechtspopulisten keine materialistische Kritik am Selbigen liefern.

  37. 37 lysis 14. August 2008 um 23:22 Uhr

    „Selbstkulturalisierung“ ist doch erst mal nichts als ein Effekt rassistischer Ausgrenzung. Es ist einfach zynisch, Einwanderkinder dafür verantwortlich zu machen, dass sie hierzulande nicht als „Inländer“ akzeptiert werden, selbst wenn sie in der dritten oder vierten Generation hier leben.

    „Islamkritik“ verstärkt diesen Ausgrenzungsprozess nur noch weiter, indem Leute jetzt auch noch über ihren religiösen Hintergrund „fremd“ gemacht und als Gefahr für die Gesellschaft konstruiert werden. Dabei reicht es den sog. Islamkritikern schon, jemanden als „Türken“ identifiziert zu haben, um ihm gleichzeitig noch die Rolle des Moslems zuzuschreiben (siehe hier!).

    Und wenn die Soziologie etwas herausgefunden hat, dann dass solche Zuschreibungen self-fulfilling prophecies sind: Leute können ihren Stigmata nicht ewig ausweichen; sie sind gezwungen, sich irgendwann damit abzufinden, dass sie „als solche“ gelten, und müssen sehen, dass sie das beste daraus machen. Die „kulturelle Identität“, die da angeblich gewählt wird, ist doch in Wirklichkeit schon immer das Produkt spezifischer Etikettierungstechniken der Mehrheitsgesellschaft. Wenn die sich entschließt, ihre Ausgrenzung ab jetzt über den Islam laufen zu lassen statt über den Status „Türke“ oder „Ausländer“, dann darfst du dreimal raten, was die Folge für die Selbstkonstruktion der „Rassifizierten“ sein wird.

    Deutsche „Islamkritik“ ist also in Wirklichkeit nichts als die Methode, aus den „Ausländern“ die „Muslime“ zu machen. Und es wäre ein Armutszeugnis, wenn die Linke sich an diesem neuen Ausgrenzungsregime auch noch selbst beteiligen würde statt es zum Gegenstand ihrer Kritik zu machen.

  38. 38 lasterfahrerei 15. August 2008 um 0:39 Uhr

    paradies wird es niemals geben, auch nicht mit dem kommunismus. daran muss schon eine relegionskritik ansetzen wenn sie was kippen will. die idee auf was zu hoffen was nie eintreten wird. damit ist das plakat peinlich.
    das mit dem apfel ganz hübsch. ich dachte immer gott wollte das die menschen ihn lieben sollen, das diese es aber nur mit eigenem willen können, daher das verbot mit dem apfelbaum. durch das pflücken des apfel haben die menschen ihren eigenen willen bekommen. und was war eigentlich jetzt nochmal mit der ersten frau von adam?
    egal, puh. wie man sich gegen die diskriminierung von menschen wegen bestimmten merkmalen einsetzen kann, aber gleichzeitig diese merkmale kritisieren will ist ein nicht so leichtes unterfangen. wird bestimmt aufregend auf da in köln und alle seiten werden am ende meinen das sie »ihrem paradies« vielleicht näher gekommen sind.

  39. 39 miss taken identity 15. August 2008 um 1:08 Uhr

    Du willst mir jetzt aber bitte nicht ernsthaft weiß machen, dass es die KPD nicht mehr gab weil sie 10Jahre zu vor das Thema Nationalismus nicht den Rechten überlassen wollte?

    Nein. Aber daran das es die KPD 10 Jahre später nicht mehr gab, sieht man dass offensichtlich etwas ganz anderes anstand als „den Nationalismus nicht den rechten zu Überlassen“. Nämlich eine Kritik am Nationalismus die sich gewaschen hat.
    Übertragen: Warum sollte man hier den Islam/ismus kritisieren, wenn grade eine Phalanx aus sog. „Rechtspopulisten“, demokratischen Parteien, Verfassungsschützern usw. grade gegen Muslime mobil macht?
    Offensichtlich geht bei denen die Einschätzung der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse total schief. Aber was rede ich, wenn das nicht so wäre, wären sie keine Antifas sondern KommunistInnen.

  40. 40 ♥Tekknoatze 15. August 2008 um 4:57 Uhr

    Lysis: Du redest von einer „Islamkritik“ worum es mir geht ist aber nicht dieser Punkt. Der Islam gehoert natuerlich auch kritisiert aber das ist nun mal Effekt einer kommunistischen Religionskritik, die Islamophobie, die du da witterst kann mir gestohlen bleiben. Wovon ich geredet habe ist eine Islamismuskritik. Und zwar den Islamismus als rektionaere politische Bewegung.
    Was soll dadran bitte falsch oder ueberfluessig sein?

    Wir koennen aber auch einfach auf den Aufruf warten und dann wissen wie wo was kritisiert wird.

    ♥Tekknoatze

  41. 41 Das geprüfte Argument 15. August 2008 um 8:29 Uhr

    da fährt man eine kritik auf, obwohl man genau weiß, dass sie den adressaten nie erreicht, und wenn sie ihn erreicht, dann an einem ort, wo seine position im grunde irrelevant ist. da wäre es genauso sinnvoll, gegen eine wand zu reden.

    islamismuskritik in köln ist ungefähr so subversiv wie bush-kritik in teheran und für ihr objekt genauso bedeutsam wie der sack reis, der neulich wieder in china umgefallen ist.

    Da is zwar was dran, allerdings trifft es die „Kritik“ der Linken am Islamismus leider nicht. Weil die nämlich schon mal gar nichts trifft. Die behaupten ja immer, sie kritisieren den Islamismus im Rahmen einer „allgemeinen Religionskritik“. Komischerweise kommt dieser Anspruch dann gar nicht mehr vor: Die legen die ganze Zeit ihre linken Moralmaßstäbe an den Islamismus an und lassen ihn durchfallen. Da ist der dann antisemitisch, reaktionär, patriarchal. Was an Religion verkehrt ist o.ä., sowas kommt jedenfalls nirgends vor.

    Mal das hier http://www.gegenstandpunkt.com/msz/html/84/84_7/christ.htm lesen könnte bei an einer Religionskritik interessierten Personen vielleicht die Sache etwas graderücken.

  42. 42 lysis 15. August 2008 um 9:45 Uhr

    Wovon ich geredet habe ist eine Islamismuskritik. Und zwar den Islamismus als rektionaere politische Bewegung.
    Was soll dadran bitte falsch oder ueberfluessig sein?

    Daran ist überhaupt nichts falsch oder überflüssig. Nur ist es wahnwitzig, daraus in Deutschland eine politische Priorität der Linken zu machen — nicht nur weil sie hier ihren Adressaten verfehlt, sondern weil der Zuhörer, den sie schließlich bekommt, das rassistische Arschloch von nebenan ist.

    Bei der sog. Israelkritik siehst du das ja auch ein.

  43. 43 bigmouth 15. August 2008 um 9:50 Uhr

    dem islamismus mit einer allgemeinen religionskritik beizukommen, ist aber verkehrt. das ist eine moderne politische bewegung, und nicht einfach besonders echter islam, wie die vertreter selbst behaupten. da geht man denen volle kanne auf den leim

  44. 44 chica 15. August 2008 um 10:49 Uhr

    Die sogennante Bürgerrechtsbewegung betreibt gar keine Islam-/Islamismuskritik, sondern hetzt gegen „Islamisierung“ was soviel heisst wie „Überfremdng“. Dass es da weniger um „Islamkritik“ als um die Verteidigung einer homogenen Volksgemeinschaft geht, wird auch deutlich wenn Türkischunterricht problematisiert (Pro Köln) wird oder beklagt wird das Geld für „Multikultiprojekte“ rausgeschmissen wird (Jugend Pro NRW). Der einzige ‚islamrelevante Punkt, den die Jugend PRo NRW fordert ist das Kopftuchverbot, und auch das ist in erster Linie rassistisch motiviert.
    Ansonsten wird das ganze rechtspopulistische Spektrum abgedeckt(Kriminalität,Multi-Kulti-Problem), einschliesslich antikommunistischer Verschwörungstheorien.

    Insofern ist die Behauptung, eine linke Islamismuskritik würde hier irgendwem in die Hände spielen absurd. Dazu kommt, dass die Rechte zwar Ausländer und Moslems nicht besonders mag, dennoch aber flirtet die NPD mit islamistischen Organisationen um gemeinsame Interessen, insbesondere Anti-Amerikanismus und Anti-Semitismus, zu verfolgen.

  45. 45 mr. twoflowers 15. August 2008 um 11:19 Uhr

    vielleicht sollten sich ein paar der protagonistInen mal mit einfachen Definitionen beschäftigen … ich fasse mal grob zusammen
    Apfel->> altes testament, somit zur realitätsdeutung bei juden christen und muslimen zu finden ….

    so und nun sachen die nur polemisch kurz zu fassen sind , deswegen bücher schnappen, googlen , phase2 archiv hilft auch oder oder oder
    Kulturalismus … Zievielgesellschaft(lich) … Krise … schmunzel… doch ein kleiner einschub >> … lösungaansätze …. regressiver antikap … islamismus ….mhhh religon habe ich glaube ich als fetschisiertes moment vergessen … viel spaß in der virtuellen welt

  46. 46 st_eve 15. August 2008 um 11:23 Uhr

    schön, dass sich die platzhirsch_innen (aka platzrehkühe) der blogsport-sphäre hier tummeln. natürlich gebe ich allen recht, die sagen „ey, ums ganze sind aber gar nicht antisemitisch und gott finden sie sicher auch nicht gut!“, genauso wie ich mich über die geschehene rückendeckung freue und aus beiden gründen nicht auf die mokierten punkte weiter eingehen werde.
    letztlich ist der anlass des ganzen eben jener: ich finde es wichtig, bildsprache und auch bestimmte ausdrücke genau auf ihre implikationen zu überprüfen und mich eben auch zu fragen, welcher tradition ich folge, wenn mir ein goldener apfel mit antifalogo drauf die erlösung verspricht. und ich finde eben nicht, dass ein motiv sich lohnt, dass nur darum „gut“ ist, weil ich eine menge porblematischer referenzen und intertextueller bezüge radikal aus meiner lesweise ausklammere.

  47. 47 lysis 15. August 2008 um 11:36 Uhr

    Ist doch komisch, chica, warum sich, wenn linke Islamismuskritik mit der rechten Islamisierungskritik nichts zu tun haben soll, die auf dem Kongress eingeladenen linken Islamkritiker plötzlich als Leute herausstellen, die mit Nazis und Holocaust-Leugnern gemeinsame Sache machen. Und das ist wirklich keine Ausnahme: PI bezieht sich auf „Linke“ wie Wertmüller und Maul; Broder, der von der Redaktion der „Jungle World“ umworben wird, hetzt mit Herre gegen die Islamisierung Deutschlands und referiert vor Schweizer Rechtsradikalen über die „europäische Appeasement-Politik gegenüber dem Islam“, während seine Bücher im ADF-Forum monatelang als Lesetipp für Linke herumgereicht werden. Währenddessen veröffentlicht der Autor Matthias Küntzel, bekannt aus allerhand „anti“deutschen Publikationen, seine Bücher in einem amerikanische Querfront-Verlag, der sonst eigentlich nur die Werke der Neuen Rechten von Carl Schmitt bis Alain de Benoist ins Englische übersetzt. KONKRET-Autor Horst Pankow wiederum verteidigt das Interview des Neuköllner SPD-Bürgermeisters Heinz Buschkowsky in der „Jungen Freiheit“ und fordert pauschal, Muslimen die deutsche Staatsbürgerschaft zu verweigern, während er in Loblieder über Aufgeklärtheit und Universalismus der Baden-Württemberger CDU ausbricht.

    Soll ich weiter machen? Willst du deine These, dass linke und rechte „Islamkritik“ nichts miteinander zu tun hätten, wirklich noch aufrecht erhalten? Ich kann dir noch ein paar Beispiele mehr nennen.

  48. 48 chica 15. August 2008 um 12:21 Uhr

    Ich habe behauptet, dass auf dem Anti-Islamisierungskongress keine Islamkritik vertreten wird, sondern nur schnöder rechtpopulistischer Rassismus, wie ja auch die Top-Acts aus dem Ausland deutlich machen.
    Und ferner, dass Teile der extremen Rechten eine Affinität zu islamistischen Organisationen haben.
    Die Besetzung des linken Kongresses habe ich mir nicht genauer angeschaut und die Präsenz der von Dir kritisierten Redner will ich nicht verteidigen; insgesamt wirkt das Antifa-Programm aber doch recht vielseitig und thematisiert u.a. auch antimuslimischen Rassismus etc.

  49. 49 xxy 15. August 2008 um 12:30 Uhr

    @lysis
    „Daran ist überhaupt nichts falsch oder überflüssig. Nur ist es wahnwitzig, daraus in Deutschland eine politische Priorität der Linken zu machen — nicht nur weil sie hier ihren Adressaten verfehlt, sondern weil der Zuhörer, den sie schließlich bekommt, das rassistische Arschloch von nebenan ist.“

    wo verortest du denn die adressaten? irgendwo im „ausland“? erstens wohnen hier nicht nur „deutsche“, daher spielt der islam(ismus) hier auch ne rolle (für seine anhänger_innen, für oppositionelle, die gegen ihn sind, für mädchen, die zwangsverheiratet werden, etc. etc). zweitens gehts ja auch um eine kritik an der linken und ihrem positiven rassismus. klar muss man critical whiteness-perspektive bzw. den eigenen „eurozentristischen“ blick im hinterkopf haben, aber sein gegenüber nicht ernst zu nehmen bzw. ihn und seine standpunkte prinzipiell nicht zu kritisieren, sondern sogar kritiklos bündnisarbeiten zu machen, ist genauso rassistisch.
    islamismuskritik hat also schon mit der deutschen linken zu tun, mit fehlender verständnis von antismitismus und fehlender internationaler antisexistischer solidarität; außerdem damit, welche bündnispolitik man macht und wie man sich international verortet. und wie gesagt, die deutsche linke besteht auch aus menschen mit migrantischem hintergrund. und mit islam(ismus)-kritik meine ich übrigens sowohl manche inhalte im koran, als auch im speziellen, wie er gerade in manchen ländern umgesetzt wird bzw. für was er politisch instrumentalisiert wird (zb. im iran).
    und zu deiner verknüpfung von linker und rechter „islamkritik“: könnte dir jetzt mindestens ebenso viele beispiele von überschneidungen linker und rechter antiimperialismus-kritik (oder antizionistischer kritik oder kritik an der usa oder der moderne im allgemeinen) bringen… aber ich lass es mal.

  50. 50 lysis 15. August 2008 um 13:04 Uhr

    @xxy: da fängt’s ja schon an. du schmeißt einfach alles in einen topf. zwangsverheiratungen z.b. werden von islamisten klar und deutlich abgelehnt. in berlin hat sich jetzt sogar eine islamistische initiative gegen zwangsverheiratungen gegründet. und in ägypten kommt die kritik u.a. auch aus dieser ecke.

    und wo du hier „critical whiteness“ und so hervorhebst, finde ich es schon bemerkenswert, dass du migrant_innen als „gegenüber“ konstruierst, dass auch mal kritisiert werden muss, wenn’s nötig ist. sowas ist bereits ein akt der ethnisierung und des othering, den man als solchen unbesehen zurückweisen sollte. also ich meine jetzt z.b. leute wie udo wolter, die allen ernstes vom „islamismus in migranten-communities“ sprechen, was ungefähr genauso blöd ist, als würde ich vom christlichen fundamentalismus in der weißen deutschen community faseln.

    und das ist dann auch noch mal ein seltsamer punkt: warum christliche fundamentalisten nicht annähernd so unter beschuss geraten wie die in deutschland doch viel marginaleren gruppen der so genannten islamisten. man kann das sehr schön daran sehen, dass webseiten wie kreuz.net und kath.net seit jahren in richtig großem umfang homophobe hasspropaganda betreiben, das aber (wahrscheinlich sogar zu recht!) niemanden interessiert, während die deutsche presse völlig ausflippt, wenn sie spitz kriegt, dass auf irgendeiner unterseite der ahmadiyya-gemeinde der satz steht, der verzehr von schweinefleisch fördere die homosexualität.

    ich finde, da ist das verhältnis überhaupt nicht mehr gewahrt. und man sollte sich doch mal fragen, warum das so ist!

  51. 51 dodo 15. August 2008 um 13:05 Uhr

    Ich hab jetzt nur ein paar Kommentare gelesen, also sorry falls ich da was wiederhole oder so.
    Erstmal find ich’s doof, den Film Paradise Now auf terrorverherrlichende antisemitische Rechtfertigungspropaganda zu reduzieren. Der Film ist sicher kontrovers – aber das wird ihm nicht gerecht und ist zu einfach. Aber hier geht es ja gar nicht um den Film (und ich glaub auch nicht, daß sich das Plakat auf den bezieht).

    Die Metapher „Sündenfall“ ist weitaus mehr als nur eine Story aus der Bibel, sondern in kulturellem/literarisch/künstlerischen Kontext eine klassische Metapher, die zu verwenden meiner Meinung nach erstmal nicht unbedingt auf den Themenkomplex „Christentum“ verweisen muß und mit der sich außerdem oft gut arbeiten läßt.

    Ich habe keine Ahnung, was für ein Verein das überhaupt ist, aber nur aufgrund des Plakats hätt ich die Message so verstanden: „Ja, wir begehen die ‚Sünde‘, nach dem AntiFa-Apfel der Erkenntnis zu greifen und uns damit ins Paradies zu beamen“ (spiegelverkehrter Ablauf sozusagen ;) )

  52. 52 xxy 15. August 2008 um 13:40 Uhr

    @lysis
    „zwangsverheiratungen z.b. werden von islamisten klar und deutlich abgelehnt. “
    kannste mir dafür nen beleg geben, dass dies von „den islamisten“ generell abgelehnt wird? und es ist doch nicht zu verleugnen, dass sowas in stark islamisch geprägten ländern desöftern die heiratspraxis ist, oder? oder willste damit implizieren, dass zwangsheiraten sowieso eh gar nix mit dem islam zu tun haben?
    und ja, ich habe schon versucht deutlich zu machen, dass ich es schwierig finde, klar zwischen „dem islam“ (basierend auf dem koran), islam als politisches staatsprogramm und fundamentalem islamismus zu unterscheiden, weil es zwar sehr viele unterschiede, aber schon auch zusammenhänge gibt. und finde alle drei nicht besonders toll…
    „und das ist dann auch noch mal ein seltsamer punkt: warum christliche fundamentalisten nicht annähernd so unter beschuss geraten wie die in deutschland doch viel marginaleren gruppen der so genannten islamisten.“
    weiss nicht, was du unter „islamisten“ verstehst, aber würde dich nicht als „viel marginalere gruppe“ einschätzen. aber davon abgesehen gebe ich dir recht. das ist wirklich etwas seltsam und zeigt klar die problematische tendenz, das „eigene kollektiv“ auf kosten andere aufzuwerten. finde es auch absurd, dass zb. gegen den 1000-kreuze-marsch (diese christliche anti-abtreibungsdemo) so gut wie nix unternommen wird.

    „und wo du hier “critical whiteness” und so hervorhebst, finde ich es schon bemerkenswert, dass du migrant_innen als “gegenüber” konstruierst, dass auch mal kritisiert werden muss, wenn’s nötig ist.“
    das sehe ich ganz anders.. die „deutsche linke“ kritisiert sich ständig gegenseitig und ich finde (konstruktive) kritik auch ne ziemlich sinnvolle sache. aber bestimmte leute und ihre politische aussagen kategorisch NICHT zu kritisieren bzw. mit ihnen darüber zu diskutieren, nur weil sie nen migrantischen hintergrund haben, genau das ist doch „othering“!

  53. 53 lysis 15. August 2008 um 14:19 Uhr

    „die deutsche linke“ kann ja wohl kaum mit „den migrant_innen“ in eins gesetzt werden. das eine ist ’ne politische kategorie, an der die leute selber herumwerkeln, das andere eine zuschreibung, die durch die rassistischen praktiken der mehrheitsgesellschaft hervorgebracht und dauerhaft reproduziert wird. so bekleiden leute, die in der dritten oder vierten generation hier leben, noch immer den status des sog. migranten und werden den vermutlich auch in der 7. oder 8. generation nicht verlieren. und wenn dieser status tatsächlich irgendwann mal flöten gehen sollte, weil er ja schon jetzt nichts als ein schlechter witz ist, dann hat man mit der neuen zuschreibung „moslem“ schon gleich für den passenden ersatz gesorgt.

  54. 54 bigmouth 15. August 2008 um 14:40 Uhr

    es ist doch auch voll bescheuert zu glauben, dass irgendwelche marginalen radikalen linken es leisten könnten, die natürlich notwendige kritik von religion unter muslimen für die (sozusagen als dienstleistung) zu leisten. wie stellt man sich das eigentlich vor? man macht n teach-in in neukölln, und legt flyer in den örtlichen moscheevereinen aus? und dann kommen die muslime an, um sich von mehrheitlich christlich sozialisierten, atheistischen leuten, die in mehrzahl aus ganz anderen verhältnissen stammen, den islam kritisieren zu lassen?

  55. 55 lysis 15. August 2008 um 18:47 Uhr

    xxy: also, ich weiß ehrlich nicht, wie du auf die absonderliche idee kommst, eltern würden ihre kinder aus religiösen motiven zwangsverheiraten. und arrangierte ehen gibt es natürlich auch außerhalb muslimischer länder, z.B. in indien, nur dass es da keinen interessiert, weil sich das thema nicht für ein feindbild instrumentalisieren lässt.

    die historische besonderheit ist nicht die arrangierte ehe, sondern die liebesheirat, die sich im europa des 18. jahrhunderts entwickelt hat. die liebesheirat ist eigentlich ein ziemlich komisches konstrukt, weil es in der ehe nun einmal nicht um liebe, sondern um ökonomische tatbestände, nämlich den oikos als wirtschaftseinheit geht.

    man kann davon ausgehen, dass sich die liebesehe im zusammenhang mit der trennung von produktions- und reproduktionsbereich entwickelt hat. vielleicht hat es auch damit zu tun, dass es bei proletarisierten menschen eh egal ist, wen sie heiraten, da sie sowieso keinen besitz haben, den sie durch eine kluge heirat vermehren könnten.

    wie auch immer: die arrangierte ehe hat jedenfalls nichts mit religion, sondern mit der praktischen regelung von besitzverhältnissen zu tun. wobei man hinsichtlich der arrangierten ehen, die hierzulande noch angebahnt werden, mal daran denken könnte, ob das nicht auch der versuch ist, die restriktiven einwanderungsgesetze des deutschen staates zu umgehen, der eine reguläre migration gar nicht zulässt.

    aber dass dieses thema in das feindbild islam hineingepackt wird, zeigt doch recht deutlich, wie bescheuert und reduktionistisch das verfahren ist, das hier unter „islamkritik“ firmiert. es erinnert mich ehrlich gesagt eher an den versuch, sich ein weltböses zu schaffen, mit dem man muslimische immigrant_innen als permanente bedrohung für die deutsche gesellschaft inszenieren kann.

    und hier wären wir wieder bei den schnittmengen zwischen linker und rechter islamkritik, die sich am ende halt doch oft gleichen wie ein ei dem anderen.

  56. 56 lasterfahrerei 15. August 2008 um 20:18 Uhr

    auch wenn jetzt eventuell einige igitt rufen, kennt jemand eigentlich den text Millenium von Hakim Bey?

    http://deoxy.org/hakim/

    damals als der rauskam dachte ich : backe jetzt dreht er aber ab. vom heutigen punkt finde ich interresant das der text 1996 veröffentlicht wurde. der link da oben ist beschissen auf schwarzem grund mit (ich glaube) güner (oder so) schrift gesetzt. hat aber ein paar zusätze die ich jetzt so nicht zusammengepackt gefunden hab.

  57. 57 dorfdisco knows best 15. August 2008 um 21:17 Uhr

    @ miss taken identity

    Warum sollte man hier den Islam/ismus kritisieren, wenn grade eine Phalanx aus sog. “Rechtspopulisten”, demokratischen Parteien, Verfassungsschützern usw. grade gegen Muslime mobil macht?
    Offensichtlich geht bei denen die Einschätzung der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse total schief.

    Ähhh, offensichtlich geht bei dir gerade was bei der Beurteilung des Plakates total schief. Da steht halt schon „nationale (sic!) und religiöse Kollektive kippen!“.
    Wo ich dir recht geben würde ist, dass die Kritik am Islamismus ruhig hinten anstehen sollte. Aber vielleicht warten wir einfach den angekündigten Aufruf ab um uns nicht ständig im Bereich der Spekulation zu bewegen ;-)

  58. 58 miss taken identity 15. August 2008 um 21:21 Uhr

    @unidorftype:
    Ich bezog mich auf die Antifa-Mobilisierung gegen die sog. „Rechtspopulisten“. Die kommt tatsächlich nicht ohne Beteuerung der eigenen Gegnerschaft zum Islam aus.

  59. 59 lasterfahrerei 15. August 2008 um 22:07 Uhr

    Kippen steht für:
    1. den Wechsel zweier stabiler Zustände, daraus folgend etwa das Umkippen eines Sees
    2. einen einfachen Entladevorgang beispielsweise von Gütern, etwa bei offenen Güterwagen
    3. eine umgangssprachliche Bezeichnung für Zigaretten oder abgerauchter Zigarettenstummel
    4.eine alte Bezeichnung für Biegedrillknicken
    5.ein traditionelles Spiel, bei dem Ostereier gegeneinander gestoßen werden, siehe Ostereiertitschen

    Siehe auch:
    Umkippen (Begriffsklärung)

    wahrscheinlich ist das unter siehe auch gemeint (also flapsig ausjedrückt), aber was ist wen die wider gegen allen erwartungen wieder aufstehen?

  60. 60 dorfdisco knows best 15. August 2008 um 22:55 Uhr

    @ lasterfahrerei

    Kippen!!! Hallo, die meinen Kippen!!! Noch nie was von Zigaretten gehört???

  61. 61 bikepunk 089 16. August 2008 um 0:12 Uhr

    @xxy

    finde es auch absurd, dass zb. gegen den 1000-kreuze-marsch (diese christliche anti-abtreibungsdemo) so gut wie nix unternommen wird.

    Dann tritt deinen Genoss_innen in den Arsch und zeige halt mal ein bisschen Sportsgeist! Von Salzburg lernen heisst siegen lernen!

    klar muss man critical whiteness-perspektive bzw. den eigenen “eurozentristischen” blick im hinterkopf haben,

    Mit im Hinterkopf meinst du wohl gut versteckt, was? In denbisher veröffentlichten Aufrufen jedefalls thematisieren die mobilisierenden Antifa-Zusammenhänge nicht, was ihre eigene Rolle und Position in dem derzeit herrschenden kulturalistsichen Diskurs ist.
    Die (eigene), scheinbar „normale“, normsetzende und deshalb nicht thematisierte Position machtkritisch zu hinterfragen (was, by the way, ohne die Wissensproduktion von „nicht weissen“ (um im Duktus der critical whiteness studies zu bleiben, hier müsste es um Leute gehen denen ein Muslimischer Hintergrund zugeschrieben wird) nicht zu haben ist), darauf lässt sich bislang kein Zusammenhang der nach Kölle mobilsiert sichtbar ein.

  62. 62 abdel kader 16. August 2008 um 0:43 Uhr

    Insofern ist die Behauptung, eine linke Islamismuskritik würde hier irgendwem in die Hände spielen absurd.

    Es gibt auch rechte Blogs (http://fredalanmedforth.blogspot.com, man beachte auch die Bildchen am Ende der Seite), die ziemlich eifrige auf linke bzw. antideutsche „Islamkritiker“ verlinken.

    Es geht natürlich darum, was als „linke Islamismuskritik“ gilt. Aber die Positionen derer, die meinen eine solche zu vertreten, kann man meines Erachtens zu 95% vergessen.

  63. 63 Das geprüfte Argument 16. August 2008 um 13:06 Uhr

    dem islamismus mit einer allgemeinen religionskritik beizukommen, ist aber verkehrt. das ist eine moderne politische bewegung, und nicht einfach besonders echter islam, wie die vertreter selbst behaupten. da geht man denen volle kanne auf den leim

    Stimmt schon. Ich wollte ja nur auf den Widersprich der sich selbst so nennenden Linken hinweisen, die eben behaupten, eine Religionskritik am Beispiel Islam zu betreiben.

  64. 64 oh gott 16. August 2008 um 13:24 Uhr

    Was ein selten dummer Beitrag, Webaster_in von maedchenblog.
    Mal ernsthaft: wieso führst du den Text über Adam und Eva an und erklärst ausfürhlich, warum „Paradise Now“ ein scheiß Film ist?

    Das dürfte doch all deinen Lesern bekannt sein. Der Punkt ist:
    Dass dich die Kampagnenbetitelung an den Film erinnert, ist das ja durchaus okay und nachvollziehbar. Man könnte …ums ganze auch vorwerfen, dies nicht gründlich genug bedacht zu haben. Genau wie die Apfelgeschichte. LEtztlich bleibt aber: es ist deine Konnotation und deine Assoziation, die keinerlei objektiven Ansatzpunkt in dem Plakat hat.

    Und wer Sprüche wie „eine passend zu ihren Schuhen und Sonnenbrillen gelayoutete Mobilisierungs-Kollektion gegen den sogenannten “Anti-Islam”-Kongress in Köln im September diesen Jahres zu entwerfen“ bringt, sollte sich vllt mal seinen Blog anschauen.

    Du bist genauso identitär, benutzt den Vorwurf gegenüber anderen aber, um dir selber zu vergewissern, dass du ja zu den Guten, antilookistischen gehörst.

    NAZI

  65. 65 Keta Minelli 16. August 2008 um 14:08 Uhr

    Jetzt machen die auch noch eine Veranstaltung! Nämlich die hier: http://top-berlin.net/?p=80
    Und auf eine Broschüre zum Thema weisen sie auch noch hin: http://www.megaupload.com/de/?d=RS0C4NFV
    Unfassbar!

  66. 66 ♥Tekknoatze 16. August 2008 um 17:40 Uhr

    dga:

    Stimmt schon. Ich wollte ja nur auf den Widersprich der sich selbst so nennenden Linken hinweisen, die eben behaupten, eine Religionskritik am Beispiel Islam zu betreiben.

    Islam ist auch etwas anderes als Islamismus.
    Und Religionskritik am Beispiel Islam ist halt etwas anderes als den Islamismus als rektionaere Bewegung zu kritisieren.
    Naja whatever.

    keta: unverschaemtheit!

  67. 67 st_eve 17. August 2008 um 11:24 Uhr

    ich lass das mal so stehen mit dem „Nazi“…

  68. 68 Sonnebrillenträger mit schönen Schuhen 18. August 2008 um 19:02 Uhr

    So, der ..ums Ganze!-Aufruf zu Köln ist veröffentlicht. St_eve hat natürlich recht, da stehen lauter antisemitische und frauenfeindliche Sachen drin… und die Forderung nach Ersatzreligionsvorderungen. Logisch ;-)

  69. 69 Turnschuhsonnenbrille 18. August 2008 um 20:57 Uhr

    Inzwischen gibt es noch einen Aufruf von umsGanze!. Wie ein paar ganz schlaue Menschen hier schon vermutet haben natürlich genau so antisemitisch, frauenfeindlich, rassistisch und Religiös wie da Plakat, logo ;-)

    Für alle anderen: ab nach Köln, es geht ums Ganze!

  70. 70 loverboy 666 30. August 2008 um 18:13 Uhr

    als kleines hartz 4 äffchen kann ich mir keine schicken schuhe leisten und laufe deshalb in köln wohl in den hinteren reihen …

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