„Selber schuld“

Es ist nichts neues, daß Opfern von Vergewaltigung vorgeworfen wird, sie seien in gewisser Weise „selbst schuld“, weil sie Alkohol getrunken haben. Und obwohl es so unglaublich offensichtlich hanebüchen ist, scheint diese Meinung noch immer verdammt populär zu sein.
Meist wird das nur mehr oder weniger transparent angedeutet, was an und für sich schon ekelhaft genug ist.
Aber immer mal wieder taucht jemand aus der Versenkung auf, der sich nicht zu blöd ist, diesen absurden Unsinn offensiv zum Besten zu geben:

Peter Hitchens (…) has now thrown his two pence into the Daily Mail’s stupendously thoughtful salon on how women should stop getting themselves raped.

Und die drucken das auch noch ab.
Gott sei Dank gibt es Menschen wie Melissa McEwan, die ihre Wut nicht verbergen und dagegen anschreiben. Immer wieder, bis es vielleicht auch mal dem/der letzten klar wird.
(Vorsicht, Triggerwarnung).


10 Antworten auf “„Selber schuld“”


  1. 1 Judith 19. August 2008 um 13:52 Uhr

    be jezebel.com schreibt megan dazu:

    „…You see, of course drunken women are partially culpable for their rapes because if they were sober, they could‘ve fought back and wouldn‘t have been raped in the first place. It’s sorta like how a woman can avoid culpability in domestic abuse by keeping the back talk to a minimum and practicing their sandwich-making skills…“

    netter vergleich;)

  2. 2 planeten 20. August 2008 um 21:34 Uhr

    Das erinnert mich an einen Artikel im Kölner Stadtanzeiger, wo eine Richterin (!) einem jungen Mädchen, das von einem Mann an der Brust begrabscht wurde, folgendes sagte: Na, so wie Sie angezogen sind, brauchen Sie sich nicht zu wundern.

    Laut Reporter: Pinkfarbener Slip heraushängend aus weißer durchsichtiger Hose.

    Tenor: Die Schlampe! Was zieht sie sich auch so an. Da braucht sie sich nicht zu wundern, wenn sie am hellichten Tag in einer Menschenmenge begrabscht wird.

    Und das von einer Richterin :(

  3. 3 lisa 21. August 2008 um 18:51 Uhr

    @planeten
    Oha, eine (aufgepasst, jetzt kommt’s) _RICHTER__IN__ :o

    1) Warum sollte eine Richterin anders entscheiden als bspw. ein Richter? Aus dem reinen Unterdrückungsverhältnis folgt eben noch überhaupt keine richtige Erkenntnis. Nur weil jemand Opfer sexistischer Gewalt ist, heißt das doch noch lange nicht, dass die Person selber nicht sexistische Gewalt ausübt geschweige denn eine richtige Kritik an den Untersrückungsverhältnissen hat.

    2) Und dass die rechtssprechende Gewalt in diesem Staat die herrschende Gesellschaftliche Meinung äußert, sollte auch nicht überraschen.

  4. 4 notwendig 21. August 2008 um 20:07 Uhr

    @lisa: Warum ist denn eine Richterin per se Opfer sexistischer Gewalt?

  5. 5 lisa 22. August 2008 um 10:30 Uhr

    @notwendig: Sexismus ist immer gewaltvoll, ansonsten wäre es kein Sexismus. Ich meinte damit nicht zwingend körperliche Gewalt

  6. 6 notwendig 22. August 2008 um 11:18 Uhr

    Versteh ich nicht. Wäre denn ne sexistische Einstellung eines machtlosen Einzelnen, der nicht in der Lage ist, die irgendwie wirksam werden zu lassen, kein Sexismus?

    Worauf ich eigentlich raus wollte: Eine Richterin erlebt sicher auch Sexismus (z.B. unter Kollegen), hat aber eine ganz andere Lebensrealität als z.B. ein Mädchen aus der Unterschicht. Ich frag mich, wie jemand drauf kommt, die müsse sich mit der dann besonders gut identifizieren können, weil sie auch eine Frau ist.

  7. 7 Erika 22. August 2008 um 11:44 Uhr

    Sexismus ist immer gewaltvoll, ansonsten wäre es kein Sexismus.

    Da fehlt so ein bisschen der Nachweis, wo denn am Sexismus selbst die Gewalt dran ist. So ist das nur tautologisch: Sexismus ist Gewalt, weil es ja Gewalt ist.

    Ich glaube ja, Du trennst da nicht korrekt zwischen einem falschen Gedanken über die Geschlechter (der tatsächlich für sich keine Gewalt ist) und dessen Übergänge in die Organisation des Willensbruchs (Gewalt). Dass das bei m Sexismus passiert, stimmt ja. Dass der Sexismus selbst schon die Gewalt ist, jedoch nicht.

    Anders gesagt: Eine Sexismuskritik ist nicht erst dann relevant, wenn der Sexismus von Gewalt geprägt ist. Zumal Gewalt für sich auch kein Argument gg. irgendwas ist. Eine Frau, die ihren Vergewaltiger verkloppt, würdest Du ja auch nicht wegen der Gewalt kritisieren.

  8. 8 lisa 22. August 2008 um 11:51 Uhr

    @notwendig:

    Absatz 1: Verstehe dich nicht. Wenn jemand sich sexistische Gedanken macht, diese aber nicht äußert oder/und umsetzt, erfahre ich das doch gar nicht. Solange diese Gedanken eben nicht dazu beitragen dass jemand leidet oder eine Schädigung erfährt ist es auch kein Sexismus.

    Absatz 2: full ack.

  9. 9 laylah 23. August 2008 um 19:22 Uhr

    lisa, natürlich ist das sexismus. es ist halt keine diskriminierung.

  10. 10 Fragende 23. August 2008 um 23:38 Uhr

    War es „planeten“ überhaupt wichtig, dass es eine RichterIN war? ich hatte es so aufgefasst, dass es „planeten“ wichtig war, dass es eine den Beruf „Richterin“ ausübende Person war und nicht das Geschlecht der Person.

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