Frau, Mädchen,…


(merci an Tasha für das Bildle<3)

Es wurde zu einer DER klassischen Fragen des 3rd Wave Feminismus: Frau oder Mädchen?
Sogar die Riot Grrrls feiern inzwischen unter dem „erwachsenen“ Namen Ladyfest.
Und eine ausgewachsene Frau ist oft auch eben das Gegenteil der „Forever young“-Hysterie des allgegenwärtigen Schönheitsmythos. Eine erwachsene Frau hat auch nicht mehr automatisch das Attribut „harmlos“. Als Frau wird man eher Ernst genommen als als Mädchen. Und haben nicht allerspätestens die Spice Girls bewiesen, dass das „freche Mädchen-Image“ für den Feminismus eher kontraproduktiv ist?
Es gibt viele gute Gründe, sich ab einem gewissen Alter als Frau zu bezeichnen und das Mädchendasein hinter sich zu lassen.
Andererseits… wer zum Geier sagt eigentlich, dass Mädchen harmlos sind und nicht ernst genommen zu werden brauchen, bis sie erwachsen sind? Wer sagt, dass ihre Wut, ihre Ideen und Forderungen weniger Gültigkeit haben, nur weil ein paar Jährchen Lebenserfahrung fehlen? Ist das nicht genau eines dieser Rollenbilder, gegen die es eigentlich zu kämpfen gilt, die man nicht ohne weiteres akzeptieren sollte?
Das Ganze ist ziemlich verwirrend und wahrscheinlich läuft es im Endeffekt sowieso auf persönliche Vorlieben und Erfahrungen raus.
Relevant ist die Frage trotzdem.
Sich auch mit deutlichem Überschreiten der Volljährigkeit noch als Mädchen zu bezeichnen… warum eigentlich? Um die neue Generation des Feminismus zu unterstreichen, als Abgrenzung zur verstaubten alten Garde? Weil’s irgendwie „peppiger“ klingt? (Man stelle sich vor, dieses Blog trüge den Namen „Frauenblog“ – klingt das nicht irgendwie nach Tupperware und Burdakatalog?) Oder um das Schreckwort „Feminismus“ irgendwie weicher, weniger kampfemanzig, aber auch irgendwie unbedrohlicher wirken zu lassen? Bessere Vermarktung?
Irgendwie ist das doch schon wieder so ein blödes Gegeneinanderausspielen.
Das meiste, was heute Frau ist, war gestern Mädchen. Trennen kann man das vom Prinzip her gar nicht!
Also warum damit anfangen?
Ich selbst bin Mitte 20. Und Frau. Aber trotzdem – erwachsen fühl ich mich nicht. Das Wort Mädchen passt zu mir genauso gut wie die Bezeichnung Frau. Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass das ein Leben lang so bleibt.
Was mich angeht: ich bin gern „Frau“. Ich werde gern ernst genommen. Ich mag es, dass mein Körper ganz anders aussieht als noch vor 10 oder auch 5 Jahren. Ich bin ja auch nicht mehr dieselbe. Ich habe mehr Erfahrungen gemacht als mir lieb ist. Viele meiner Meinungen, Ideen und Ansichten hätt ich mir mit 17 nicht träumen lassen. Ich bin geduldiger, nachsichtiger, radikaler, selbstsicherer, mutiger und doch feiger geworden. Und ich weiß, was ich will und verdammt, harmlos bin ich schon gar nicht.
Und trotzdem!
Ich will beides. Ich will das Mädchen in mir in die Zukunft rüberretten.
Es gibt eine Zeit im Leben, in der es einen riesigen Strom von Idealismus und Wut gab, Teenagerjahre normalerweise. Da ist noch dieses Gefühl, dass die Welt nur auf einen wartet, darauf wartet, von einem in den Arsch getreten zu werden, dass einem die Zukunft gehört, dass man am liebsten einfach alles anzünden und dann von neuem besser aufbauen will.
Und dieses Gefühl gehört für mich in eine Zeit, in der ich ganz klar „Mädchen“ war. Ich will mir das irgendwie bewahren, diese gesunde Naivität, die einen noch an „das Gute“ glauben lässt (gern auch an dasjenige im Menschen), weil mir das immer ein bisschen Hoffnung zurückgibt. Was ja auch nicht gerade so unwichtig ist
Und ganz nebenbei ist das eine Definition von „Mädchen“, die mal so gar nix mit niedlich, harmlos und Süßlichkeit zu tun hat.
Und deswegen will ich beides sein. Mädchen und Frau (und im Übrigen noch ne ganze Menge anderer Dinge!), einfach weil sie zusammengehören und beide Ich sind. Und meiner Meinung nach alle beide hervorragende Arbeit leisten.
Und ich bin froh, dass sie beide da sind.
Und manchmal… isses auch scheißegal, ob man Mädchen, Frau oder sonst was ist. ;)


14 Antworten auf “Frau, Mädchen,…”


  1. 1 Benni Bärmann 21. August 2008 um 10:15 Uhr

    Das Problem der Infantilität ist glaube ich nicht sehr geschlechtsspezifisch, oder?

  2. 2 Annie Slut 21. August 2008 um 15:19 Uhr

    Hmmm. Ich halte eben auch „Erwachsen-Sein“ und „Kind-Sein“ für konstruierte Kategorien. Und die haben ganz klar auch was mit Unterdrückung von „Kindern“ zu tun. Daher halte ich es für keine schlechte Idee, diesbezüglich für Grenzverwirbelungen zu sorgen.
    Ich bezeichne mich, wenn ich deutsch rede, aber eigentlich auch nie als Mädchen, weil ich finde, das Wort an sich enthält schon so eine Verniedlichungsform, die mir nicht in den Kram passt (ich bin nicht niedlich) und ist dann auch noch von „Magd“ abgeleitet. Ein ziemlich ätzendes Wort, wenn ich es mir näher ansehe. „Frau“ wird oft abwertend benutzt (das ist Frauen-Musik = das ist nicht hart genug für echte Kerle usw.), aber das sollte kein Grund sein, das selbst zu übernehmen und deswegen den Begriff „Frau“ abzulehnen. Ich hab‘ auch nicht wirklich das Gefühl, dass es dazu führt, dass ich ernst genommen werde, wenn ich mich als „Frau“ bezeichne.

    Aber wenn ich englisch spreche, hab‘ ich nichts dagegen, mich als „Grrrl“ oder hin und wieder als „Girl“ zu bezeichnen.

  3. 3 dodo 22. August 2008 um 13:17 Uhr

    bennie, das isn cooler eintrag!

  4. 4 Lissy 22. August 2008 um 20:09 Uhr

    hey..sehr guter eintrag..gefällt mir.(=

  5. 5 lahmacun 31. August 2008 um 9:33 Uhr

    Man stelle sich vor, dieses Blog trüge den Namen „Frauenblog“ – klingt das nicht irgendwie nach Tupperware und Burdakatalog?

    haha, du hast aber ein tolles bild von frauen! – weil die alle immer nur tupperware-parties veranstalten und im burdakatalog blättern. lässig, was dir zum stichwort „frauen“ so einfällt.

    wie viele männer nennen sich jungen? – fast keine. sowas dient, wenn es doch mal fällt, entweder der sexualisierung und/oder der abwertung. natürlich dient „mädchen“ der verniedlichung.

  6. 6 dissen 31. August 2008 um 11:43 Uhr

    Bushido benutzt „ersguterjunge“ also zur (Selbst-)Sexualisierung und/oder (Selbst-)abwertung? :-? ;)

  7. 7 lahmacun aka Laura 31. August 2008 um 12:44 Uhr

    ich registriere eben, dass das „junge“ oder „boy“ insbesondere in polit. diskussionen verwendet wird, um das gegenüber abzuwerten.
    denk dir ein „in der regel“ dazu.

  8. 8 dodo 01. September 2008 um 9:19 Uhr

    @lahmacun: die tupperware-metapher ist nicht ganz so ernst zu nehmen :)
    Was „nennen erwachsene männer sich auch jungs“ angeht – da gibt es auch viele beispiele, die nicht abwertend sind: „Ich geh mit den jungs noch ein bier trinken“ etc. (okay, vllt. nicht gerade das politischste beispiel, aber ihr kapiert schon, worauf ich rauswill…)

  9. 9 lahmacun 01. September 2008 um 9:48 Uhr

    vllt ist es in gleichgeschlechtlichen gruppen anders, es gibt ja auch frauen, die reden davon, dass sie sich noch mit ihren mädchen treffen.

    ich persönlich mag das mädchen-gerede auf jeden fall nicht. wie auch immer.

    tupperware: das hoffe ich! :)

  10. 10 nullzeitgenerator 03. September 2008 um 9:41 Uhr

    @lahmacun
    dito! „dämliche“ [sic!] selbstverniedlichung.

  11. 11 dodo 03. September 2008 um 10:55 Uhr

    Das ist ja genau die Frage: wieso ist „Mädchen“ automatisch mit „niedlich“ gleichzusetzen??:)

  12. 12 Queer ist Quatsch 24. Oktober 2008 um 3:01 Uhr

    Zum Thema „Konstruktion“ und „Diskurs“ kann ich nur eine Seite empfehlen:http://neocommunistinnen.blogsport.de/… lest es und stellt fest: Queer ist Quatsch!!!

  1. 1 Maedchenmannschaft » Blog Archive » Guten Tag, mein Name ist Mädchen Pingback am 21. August 2008 um 14:14 Uhr
  2. 2 Na denn, Frolleins… « mädchenblog Pingback am 24. Januar 2011 um 16:17 Uhr

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