Auch Björk bleibt nicht verschont

Björk, eine meiner absoluten Lieblingskünstlerinnen, stellt sich auf ihrer Homepage die Frage, wie es denn wohl sein kann, daß Männer die Lorbeeren für Dinge ernten, die Frauen getan haben.

i saw in the last issue of iceland’s newspaper in english : “grapevine” , that valgeir sigurðsson was credited for having written all the instrumentals for my album vespertine . could i please offer a correction: (…)
i´d like to say that he didn´t write it or produce . he was a computer programmer for a third of it and a recording engineer for a third . The other two thirds were done by other engineers and programmers .


Da ist sie sicher nicht die erste Frau, die sich die Frage stellt, weshalb ihr eigener Verdienst einem Mann angerechnet wird. Aber daß ausgerechnet Frau Gudmundsdottir, die ja wohl bekanntermaßen ein Tausendsassa im Bereich Musik ist, sich diese Frage stellen muß, finde ich irgendwie frustrierend.
Schließlich ist sie eine der wenigen Künstlerinnen, von denen ich zumindest bisher angenommen habe, daß ihre Arbeit so vielfältig und kreativ ist, daß sogar die Allgemeinheit sie einfach anerkennen muß! Über ihre Genialität kann man ja auch überall lesen, sie scheint allerorten fleißig bekräftigt zu werden und deswegen verwundert es mich doch, daß es für manche überhaupt noch Sinn zu machen scheint, Björks Verdienst schmälern zu wollen.
Ist aber scheints nicht nur ein einzelner Ausrutscher.

just read that pitchfork.com credited nico muhly for the choir arrangement of “hidden place” from vespertine . also that he has done string arrangements for me . this is not true . journalists : please read the creditlist before you write your articles

Nicht die schlechteste Empfehlung. Kriegt man das nicht schon im Volontariat beigebracht?
Wunderlich ist das schon. Und auch die Isländerin wundert sich. Und hat sich mehrere mögliche Erklärungen zurechtgelegt, hauptsächlich die, daß die Leute keine Ahnung haben oder schlichtweg Rechercheschlamper sind.
Oder eben (Tusch!) Sexismus. Diese Vermutung kommt auch nicht von ohne:

it feel like still today after all these years people cannot imagine that woman can write , arrange or produce electronic music . i have had this experience many many times that the work i do on the computer gets credited to whatever male was in 10 meter radius during the job . people seem to accept that women can sing and play whatever instrument they are seen playing .but they cannot program , arrange , produce , edit or write electronic music .

Wäre es nicht mal so laaaangsam an der Zeit, solche Vorstellungen über Bord zu werfen? Es scheint ja dringend nötig zu sein. Denn wenn man nicht mal Björk etwas zutraut, will ich mir erst gar nicht vorstellen, was andere Künstlerinnen zu diesem Thema zu sagen haben.

Via Feministing


20 Antworten auf “Auch Björk bleibt nicht verschont”


  1. 1 st_eve 27. August 2008 um 11:29 Uhr

    it feel like still today after all these years people cannot imagine that woman can write , arrange or produce electronic music.

    das ist echt immer wieder tragisch, grad auch auf technopartys/-festivals, wie minimal der frauenanteil ist. oft müssen spezielle events wo nur weibliche djs/vjs am start sind inszeniert werden, statt einfach generell sich bei der organisation nicht allein auf männliche seilschaften zu verlassen. und mindestens seit projekten wie female:pressure sollte ja eigentlich allen klar sein, dass die ausrede „es gibt aber doch kaum frauen in dem bereich“ echt nicht zieht.

  2. 2 Judith 27. August 2008 um 14:34 Uhr

    im plattenladen:
    „und wer hat dich so zur musik gebracht“
    – „äh, also ich hab mich zuerst eher so „x“ gehört, dann eine weile lang viel „y“. zurzeit finde ich „z“ ziemlich cool.“
    „ne, ich meinte jetzt eher, ich meine du hattest doch sicher mal n freund der aufgelegt hat, oder so“
    – „versteh ich jetzt nicht“
    „mädels hören doch immer eher das, was ihre freunde so hören. also, so meine erfahrung. also jetzt sag doch: du hast doch sicher einen freund, der musik macht, oder“
    – „ach weißt du was, du …“
    „ich wollt dich nicht anmachen, echt nicht.“
    – „beruhigend. das wäre auch eine zu komische anmache, mit jemandem darüber diskutieren zu wollen, ob frauen zu einem eignenen musikgeschmack fähig sind. danke.“

  3. 3 Fragende 27. August 2008 um 22:34 Uhr

    Mhm.. Musikgeschmack? Frauen? Unmöglich…

  4. 4 laylah 27. August 2008 um 23:08 Uhr

    wir kommen zwar vom thema ab, aber ich muss dringend auch eine anekdote erzählen: ich war im plattenladen und kaufte tolle funkplatten und einige sleeves. während der verkäufer (ein einigermaßen bekannter dj) diese einpackte, fiel mir ein ausgestelltes buch über dondi (rip) auf. ich meinte also zu dem typen, dass ich das auch noch gerne hätte, und der antwortete doch tatsächlich mit einem skeptischen blick und dem satz: „äh.. das ist über graffiti..“
    das war so krass, die scheiße kostete immerhin 50 euro, sowas kauft man sich doch nich mal eben. ja, so war das. björk mag ich übrigens nicht.

    [admin: link klickbar gemacht]

  5. 5 bigmouth 28. August 2008 um 15:08 Uhr

    argh. nehme an, dass es an deien klamotten lag, ist auszuschließen? :-?

  6. 6 scheckkartenpunk 28. August 2008 um 16:24 Uhr

    @st_eve: dann führ doch ne frauenquote im line up ein. frauen im line up ziehen viel besser – das ist sexistisch, aber das funktioniert im clubkontext. das widerspricht aber deiner darstellung.

  7. 7 st_eve 29. August 2008 um 11:26 Uhr

    @scheckkartenpunk: so what? es hat niemand behauptet, antisexismus wäre widerspruchsfrei möglich oder irgendwie leicht… meinst du also im zirkelschluss, dass nur darum meistens ausschließlich „männer“ auflegen, weil die veranstalter_innen weibliche djs vor sexismus schützen wollen? :-?

  8. 8 scheckkartenpunk 29. August 2008 um 12:48 Uhr

    ja, die wollen bei ihren regulären nächten die weiblichen djs schützen und machen deshalb dann ab und an mal extra „ladies night“, damit die weiblichen djs den sexismus zwar konzentriert aber dafür selten ertragen müssen.

  9. 9 Fragende 29. August 2008 um 14:22 Uhr

    Ist das jetzt Ironie?

  10. 10 laylah 29. August 2008 um 19:41 Uhr

    yup.

  11. 11 yas 31. August 2008 um 15:31 Uhr

    witzig, witzig

  12. 12 gtz 01. September 2008 um 16:04 Uhr

    ich weiss ja nich, wo ihr euch so rumtreibt, aber zumindest da wo ich hin und wieder versacke sind durchaus ein gerüttelt maß der djs weiblich. weibliche vjs hab ich in der tat nur sehr selten bemerkt.

    falls jemand ausm berliner raum lust hat, sich mal als vjane zu versuchen, drop me a mail.

  13. 13 scheckkartenpunk 02. September 2008 um 12:33 Uhr

    da gibt es welche: http://www.vanderdan.com

  14. 14 gtz 03. September 2008 um 17:55 Uhr

    am rande und unabhängig vom thema dieses artikels:

    das hier gefällt mir: http://www.vanderdan.com/visuals/mahn/mahn.html
    werdich mir mal n paar ideen von abkucken.

    den rest finde ich persönlich nich besonders ansprechend, vielleicht noch das von elixia (http://www.vanderdan.com/visuals/elexia/elexia.html).

  15. 15 gtz 04. September 2008 um 18:32 Uhr

    nochmal am rande: gibts nen grund, warum mein angebot gelöscht wurde?

  16. 16 admin 04. September 2008 um 18:45 Uhr

    @gtz: aus unerfindlichen gründen (vielleicht teilweise zu viele links?) landen einige deiner kommentare leider im spamfilter, teilweise auch nachträglich. ich habe da schon einige rausgefischt, ich hoffe, das war es erst mal – wenn noch was fehlt, sag bescheid. mit der zeit sollte sich durch das nachträgliche freischalten auch dein spam karma verbessern.

    sorry auf jeden fall, war keine absicht!

  17. 17 gtz 05. September 2008 um 11:54 Uhr

    ja, das is erst so, seit ich beim pillen-artikel stellung gegen die unsägliche position lunes bezogen hab. seltsam.

  18. 18 wwtyd 08. September 2008 um 15:46 Uhr

    Aber sie sagt doch: „i saw in the last issue of iceland’s newspaper in english : “grapevine” , that valgeir sigurðsson was credited for having written all the instrumentals for my album vespertine . could i please offer a correction: (…)“

    Und dann:
    „i´d like to say that he didn´t write it or produce . he was a computer programmer for a third of it and a recording engineer for a third .“The other two thirds were done by other engineers and programmers .“

    Heißt dass dann eigentlich nicht eher dass Vageir 1/3 der Instrumentals geschrieben hat und 2/3 irgendwelche anderen? (Also nicht Björk) Das schreibt sie zumindest hier… also meint sie mit der Nichterwähnung vielleicht andere weibliche „engineers und programmers“ und nicht sich selbst? Oder wie ist das zu verstehen?

  19. 19 Different 09. September 2008 um 0:52 Uhr

    Nein, sie schreibt doch wörtlich, dass er die gerade nicht geschrieben hat („didn‘t write or produce“). Er war nur ein Drittel der Leute die Aufnahmetechniker und Programmierer für die (wohl unter anderem am Computer entstandenden) Instrumentals waren. Die haben genauso wenig die Musik geschrieben, wie irgendein Streicher der im Studio „Für Elise“ einspielt dieses Stück geschrieben hat.

  1. 1 Verdienstplus » Blog Archive » Re: Sklavenhandel - SAP-Chef: “Indien wird langsam teuer” Pingback am 21. September 2008 um 8:03 Uhr

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