Faux-Feminism im US-Wahlkampf

Wenn es darum geht mehr Frauen in die Politik zu integrieren, sind sich alle Feminist_Innen darüber einig, dass dies eine wichtige Sache ist. Die Frage ist hier nur, welche Frauen ein politisches Amt bedecken.
Bestes und aktuellstes Beispiel für ein solch misslungenes Projekt ist Sarah Palin, die Vicepresident Wahl von John McCain. Die amtierende Gouverneurin von Alaska ist bekannt als streng konservativ und anti-feministisch.
Einige Punkte ihrer reaktionären Politik sind, die Einführung des Kreationismus in Schulen, ein Verbot von homosexuellen Eheschließungen und natürlich wettert sie auch gern und allerorts gegen Abtreibung, desweiteren liebäugelt sie mit der amerikanischen Waffenlobby.
Also kurz gesagt ist sie genau das, was die Welt und vor allem der Feminismus nicht braucht.
Aber dennoch schreckt sie nicht davor zurück sich selbst als „Feministin“ zu bezeichnen und ist Mitglied der Gruppe „Feminists for Life“.
Hier ist also Vorsicht geboten, Frauen in der Politik sind nicht gleich Feministinnen, selbst wenn sie sich gern selbst als solche bezeichnen und Frauen in politischen Ämtern, betreiben nicht gleich eine Politik, welche ihrem eigenen Geschlecht förderlich wäre. Andere bekannte Beispiele sind, im Bezug auf dieses Dilemma sind, Indira Ghandi, Margaret Thatcher und „Deutschlands Lieblingsfrau“ Angela Merkel.

Nicht dass es mich sonderlich überrascht hat, dass McCain`s Wahl ein kompletter Griff ins Klo ist, aber es ärgert mich, das er die pseudo-liberale Schiene als verkappter Feminist fährt, obwohl jedem bei dieser Wahl, klar werden muss, dass bei den Republikanern nur eine Frau eine Chance bekommt, welche weiterhin gewillt sind, männliche Politik betreiben.
Zum anderen wird ihm von vielen Seiten, berechtigt wie ich finde, unterstellt, dass diese Wahl alte Hillary Anhänger_Innen rekrutieren soll nun republikanisch zu wählen. Genua diesen Wählern würde er aber damit unterstellen , Hillary nur aufgrund ihres Geschlechts und nicht ihrer Kompetenz, bzw. ihres Wahlprogrammes (Pro-Choice) wegen gewählt zu haben.

Also eine aus jeglicher Sicht ernüchternde weibliche Kandidatur.


28 Antworten auf “Faux-Feminism im US-Wahlkampf”


  1. 1 lahmacun 31. August 2008 um 9:11 Uhr

    „männliche politik“ – kannst du das mal ausführen?
    und was wäre „weibliche politik“?

    man könnte meinen, du gehst davon aus, dass frauen eigentlich „weibliche politik“ (?) machen würden, würden sie nicht daran gehindert. als könnten frauen nicht von sich aus autoritär-konservative arschlöcher sein.

    und wieso soll diese frau keine feministin sein? – kann es sein, dass du deine definition des feminismus heranziehst, um ihr abzusprechen feministin zu sein?

  2. 2 leonie 31. August 2008 um 10:52 Uhr

    Ok, auch Frauen können „autoritär-konservative Arschlöcher“ sein, da geb ich dir Recht.
    Nun kommt aber, das große Aber. Wenn wir jetzt Männer in der Politik, auch historisch, betrachten, ist/war es Gang und Gebe, egal ob von link oder rechts (siehe Studentenrevolte 68, beide Lager die alt-konservativen, ebenso wie die jung-linken haben an der alten patriarchalen Wertordnung festgehalten) ihre Vormachtstellung in Staat und Gesellschaft zu schützen. Und selbst heute achten Politiker beider Seiten, darauf, dass „der Mann“ nicht zu kurz kommt. Frau Palin hingegen spricht sich gegen Abtreibung aus, was eines der wichtigsten Grundrechte jeder Frau ist.
    Außerdem spricht sie sich auch offen gegen Lohngleichheit aus und sieht die wahre Berufung für alle Frauen in der Mutterschaft. D.h ihre Politik ist darauf ausgerichtet Frauen in dem alten Wertesystem zu halten. Nichts mit finanzieller Unabhänigkeit und Selbstbestimmung!!

    Männer würden im Gegensatz zu einigen dieser Frauen, nie eine solche, ihr Geschlecht benachteiligende Politik, betreiben und wenn diese Prämisse beide „Geschlechter-lager“ hatten, könnten wir endlich mal eine Gendergerechte Politik führen.

    ach und jetzt zum Thema Feminismus, schlag mal den Duden auf und lies die Definition von „Feminismus“…

  3. 3 lahmacun 31. August 2008 um 11:25 Uhr

    Männer würden im Gegensatz zu einigen dieser Frauen, nie eine solche, ihr Geschlecht benachteiligende Politik betreiben und wenn diese Prämisse beide “Geschlechter-lager” hatten, könnten wir endlich mal eine Gendergerechte Politik führen.

    ne, die beuten ja arbeiter nicht aus und legen sie mit h4 an die kandare. nie! und bürgerliche mittelschichtsfeministinnen verlieren auch nie arbeiterinnen ausm blick! na klar!

    ach und jetzt zum Thema Feminismus, schlag mal den Duden auf und lies die Definition von “Feminismus”…

    :((

    als gäbe es nicht nen differenzfeminismus, der frauen als gebärende und mütter (weibliche mütterlichkeit blabla) in den mittelpunkt rückt. zum beispiel. duden-verweise sind etwas peinlich, by the way.

    :d

    es gibt nicht nur einen feminismus, sondern viele feminismen – und da spielt dann die sonstige politische verortung eine große rolle.

  4. 4 leonie 31. August 2008 um 11:37 Uhr

    bye the way, du hast diesen Post nicht begriffen, viel Spaß beim Abschweifen…
    und bye the way No.2

    „ne, die beuten ja arbeiter nicht aus und legen sie mit h4 an die kandare. nie! und bürgerliche mittelschichtsfeministinnen verlieren auch nie arbeiterinnen ausm blick! na klar!“

    I`ve never ever said this, honey and I don`t disagree!

    nur darum gehts leider nicht!

  5. 5 lahmacun aka Laura 31. August 2008 um 12:41 Uhr

    ein klassiker wäre: gleichberechtigung ist erst erreicht, wenn genauso viele dumme frauen an der macht sind wie männer. – so konsequent willst du nicht sein. gleichzeitig aber willst du dich vom system auch nicht verabschieden.

    und was ist denn jetzt eigentlich „weibliche politik“? dass die wohlhabende frau mit dem hausmädchen, das sie sonst immer schindet, gemeinsame sache macht, oder wie?

  6. 6 leonie 31. August 2008 um 13:38 Uhr

    weibliche Politik versucht, endlich die seit tausenden von Jahren fehlenden weiblichen Grundrecht in der Politik und damit in der Gesellschaft zu verwirklichen, siehe Abtreibung.

    „dass die wohlhabende frau mit dem hausmädchen, das sie sonst immer schindet, gemeinsame sache macht, oder wie?“

    das ist eher ein selbstgerechtes, Bonzenspezifisches Problem weniger ein Geschlechtsspezifisch, da es auch den vergewaltigenden Hausmann gibt und die den Knecht prügelnde Frau.
    Da geht es eher darum, dass Menschen sich aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, oder ihres Einkommens für etwas besseres halten und quasi „das Recht“ haben auf alle „Untergebenen“ einzuschlagen.

  7. 7 Different 31. August 2008 um 13:46 Uhr

    „weibliche Politik versucht, endlich die seit tausenden von Jahren fehlenden weiblichen Grundrecht in der Politik und damit in der Gesellschaft zu verwirklichen, siehe Abtreibung.“

    Und wenn ein Mann das macht betreibt er weibliche Politik? Der Begriff ist doch total daneben.

  8. 8 schokolade 31. August 2008 um 14:57 Uhr

    „ein klassiker wäre: gleichberechtigung ist erst erreicht, wenn genauso viele dumme frauen an der macht sind wie männer. – so konsequent willst du nicht sein.“
    laura, du hast den post nicht verstanden glaub ich. aber hauptsache unterstellen und rumpöbeln ;)

  9. 9 lahmacun aka Laura 31. August 2008 um 17:18 Uhr

    @schoko:
    1. ne, der punkt ist, dass das schlicht und ergreifend nicht haltbar ist. es haben NICHT alle männer in der politik, politik gegen frauen gemacht.

    2.

    Wenn es darum geht mehr Frauen in die Politik zu integrieren, sind sich alle Feminist_Innen darüber einig, dass dies eine wichtige Sache ist.

    und weiter:

    Also kurz gesagt ist sie genau das, was die Welt und vor allem der Feminismus nicht braucht.

    ja, was jetzt? – doch lieber ein mann? einer, der vllt sogar „weibliche politik“ macht?

    entweder es ist wichtig und richtig, dass mehr frauen in der politik sind – dann kann man auch gegen diese frau nichts sagen (und das ist auch der grund, weswegen schwarzer für merkel war/ist). oder aber man ist der meinung, dass die politische haltung entscheiden sollte – dann sollte man aber nicht rumquacken, dass nur frauen „weibliche politik“ machen können.

    3. hat der begriff der „weiblichen politik“ eine unschöne vergangenheit, stammt er doch aus dem nähkästchen der differenzfeministinnen, ist auf tiefste mit der mütterlichkeits-ideologie verwoben und natürlich auch essentialistisch.

    4. integrieren ist das stichwort – die perspektive eines grundlegendes gesellschaftlichen wandels wurde schon längst aufgegeben zugunsten eines liberal-demokratischen gender-mainstreaming.

  10. 10 leonie 31. August 2008 um 20:55 Uhr

    Natürlich ist es nicht haltbar, dass Männer NUR Politik gegen Frauen gemacht haben/machen, behauptet aber auch niemand. Es gibt Gott sei Dank einige Gegenbeispiele.

    Die Frage ist auch nicht die ob man eine Frau aufgrund ihreres Geschlechtes wählen soll oder nicht, wo ich im Allgemeinen dagegen bin, sondern die warum sich Frauen wenn sie politische Macht haben, so unsolidarisch mit ihrem eigenen Geschlecht zeigen und zu „Frauenthemen“ einfach die Meinung ihrer männlichen Mitstreiter übernehmen.

    Ich will mich jetzt auch nicht am Begriff „weibliche Politik“ aufhängen, was ich damit meine ist einfach eine politische Vertretung von weiblichen Interessen, egal ob durch Frauen oder Männer.

  11. 11 Different 31. August 2008 um 21:32 Uhr

    Wie definierst du denn weibliche Interessen? Es haben doch nicht alle Frauen auf Grund ihres Geschlechts gemeinsame Interessen? Es gibt Frauen für die ist Abtreibung Mord oder eine Todsünde oder sonstwas, so ganz von sich aus, ohne das von Männern unreflektiert übernehmen zu müssen. Das Recht auf Abtreibung ist kein weibliches Interesse, es ist ein Interesse von Frauen die die Möglichkeit haben wollen legal abzutreiben wenn sie schwanger werden.

  12. 12 MPunkt 31. August 2008 um 21:52 Uhr

    Die Frage ist auch nicht die ob man eine Frau aufgrund ihreres Geschlechtes wählen soll oder nicht, wo ich im Allgemeinen dagegen bin, sondern die warum sich Frauen wenn sie politische Macht haben, so unsolidarisch mit ihrem eigenen Geschlecht zeigen und zu “Frauenthemen” einfach die Meinung ihrer männlichen Mitstreiter übernehmen.

    Weil sie – genau so wenig wie ihre männlichen Mitstreiter – da im Interesse der Frauen oder der Männer unterwegs ist, sondern im Interesse des Staates. Den voranzubringen hat sie sich schließlich zur Aufgabe gemacht und dafür will die gewählt werden.

    Noch mal prinzipieller: Dein Artikel weist deshalb den von laura kritisierten Widerspruch auf, weil er sich nicht mal zwischen der feministischen Affirmation der demokratischen Herrschaft und einem Demokratieidealismus auf feministisch entscheiden kann. Geschweige denn zu kapieren, warum beides verkehrt ist.

    Was die feministische Forderung nach 50% Frauen in den politischen Ämtern angeht, ist in dieser doch schon vom Inhalt deren Politik abstrahiert. Denn um die geht es eben nicht, wenn Frau das Argument sein soll. Was soll dann aber die Forderung nach 50% Frauen in den Ämtern, wenn es gar nicht um politische Inhalte geht, welche darüber zu ändern sind? Neben der eigenen Karriere doch um den Repräsentationsgedanken. Und zwar nicht im Sinne einer inhaltlichen Repräsentation, sondern dass über die Besetzung von politischen Ämtern mit Frauen gezeigt wird/ werden soll, dass die Frauen ein anerkannter Stand im Staat, als vollwertige Staatsbürger anerkannt, sind.

    Die demokratieidealistische Variante hält demokratische Repräsentation gerade für inhaltliche Repräsentation. Weshalb es ihr auch nicht auf das Geschlecht der Kandidaten um die Herrschaftspositionen ankommt, sondern auf deren Inhalte („weibliche/ feministische Politik“, bspw.)

    Dabei wählt man doch gerade die personelle Besetzung der Herrschaft über sich. Dass man der mit der Wahl eben keine Vorschriften macht (wäre ja auch eine seltsame Herrschaft, welche von den Untertanen beherrscht wird), kann man schon der Tatsache entnehmen, dass die Gewählten nur ihrem Gewissen unterworfen sind, also souverän entscheiden können, was für ihre Aufgabe, den Staat voranzubringen, jetzt ansteht. Was man übrigens auch schon dem Wahlakt entnehmen kann, denn im Wahlkreuz hinter einer Person und/oder einer Partei sind die Gründe, weswegen man die wählt, schon gar nicht mehr zu erkennen. Und das Resultat der zusammengezählten Wahlkreuzchen ist immer eine Ermächtigung zur Herrschaft, welche sich den Inhalt des Wählerwillens, auf den sie sich als Titel bezieht, erfinden kann (und muss). Kommt bspw. eine große Koalition heraus, dann hat der Wähler diese Stabilität gewollt und die Politik muss sich leider danach richten, kommt hingegen bei gleicher Stimmenverteilung eine Jamaika-Koalition heraus, dann wollte der Wähler ein Aufbrechen des verkrusteten Lagerdenkens gegen den gesellschaftlichen Stillstand. Wobei der (idelle Gesamt-)Wähler, dessen Wille hier konstruiert wird, nicht nur aus den Wählern der herausgekommenen Koalition besteht, sondern auch aus denen der anderen Parteien, denn das hat ja zu dieser Stimmenverteilung geführt, die so eine Koalition „nötig“ machte.

    back to topic: Du wirfst wie gesagt beide Fehler zu einem zusammen. Von der Forderung nach 50& Frauenanteil willst Du nicht lassen, weswegen Du die Nominierung der Trulla erst einmal gut findest, weil sie eine Frau ist. Vom demokratieidealistischen Gedanken der inhaltlichen Repräsentation willst Du aber auch nicht lassen, weshalb Du die Nominierung der Trulla auch wieder nicht gut findest, weil die ja nicht Deine Inhalte teilt. Um beides zusammen zu bringen, musst Du einen weiteren Idealismus aufmachen, der konsequenter Weise nur biologistisch zu „begründen“ wäre. 50% Frauen soll dann eben auch für 50% feministische Politik stehen, ganz, als müsste die sich aus deren Frau-Sein ergeben. Damit ist schon unterstellt (und Du schreibst es ja auch ganz explizit), dass Frauen eigentlich weibliche Politik machen müssten, die sie als Inhalt dann wohl im XX-Chromosom haben, oder sowas. Nun machen die das einfach nicht und dann lässt Du – immer diese Widersprüche – vom Biologismus gleich wieder ab, freilich ohne von Deiner idealistischen Eigentlichkeitsvorstellung abzulassen. Jetzt sollen Frauen nämlich schon bewusst Inhalte fassen können und wenn sie die fassen, welche Dir nicht passen, dann sind sie Verräterinnen an den Frauen (und an ihrem Frau-Sein?). Dazu s.o.

  13. 13 kopfschmerzen 31. August 2008 um 23:02 Uhr

    MPunkt: Ich verstehe nicht, warum du die einzige Lösung für den „Widerspruch“ in einer biologistischen Argumentation siehst. Möglicherweise tendieren als Frauen sozialisierte Personen eher dazu, Interessen zu verfolgen, die ihnen in ihrer sozialen Rolle als Frauen Vorteile verschaffen? Ich wüsste nicht, was daran unwahrscheinlich sein soll. (Und ich spreche bewusst nur von einer Tendenz; selbstverständlich haben unterschiedliche Frauen unterschiedliche Interessen, außerdem handeln Menschen nicht immer nur nach dem, was augenscheinlich in ihrem Interesse liegen müsste etc. etc.)

  14. 14 leonie 01. September 2008 um 0:01 Uhr

    „Weil sie – genau so wenig wie ihre männlichen Mitstreiter – da im Interesse der Frauen oder der Männer unterwegs ist, sondern im Interesse des Staates.“

    Ich glaube beim besten Willen nicht, dass jeder Politiker diese Absichten hat, auch wenn du sie ihm gern unterstellst, von daher ist mein Post auch gar nicht so widersprüchlich.
    Sicherlich gibt es diese aber, selbst die müssen im Interesse ihrer Wähler und ihrer Lobbyisten handeln und die handeln bekanntlich nicht sehr staatlich, sondern eher nach eigener Gewinnmaximierung, des halb klappt die Überlegung von dir nicht bis zur letzten Konsequenz, dafür ist das System, voller Widersprüche in dem sich Politiker befinden viel zu komplex, glaub mir selbst wenn sie wollten müssten sie mal hier mal da unstaatlich handeln.
    Es stecken also doch Menschen hinter der Politik und nicht ein so abstraktes System wie „der Staat“.

    so jetzt genug Off Topic

    was ich sagen will ist, liebe Politikerinne werdet solidarisch mit eurem eigenem Geschlecht! ( auch wenns für einige hier utopie ist)

  15. 15 leonie 01. September 2008 um 0:15 Uhr

    noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Palin und Weiblichkeitaufassung hier ein Bild aus alten Collegezeiten, wo sie ein T-Shirt trägt, mit der vielsagenden Bedeutung:
    I may be broke, but I am not flat busted.

    will heißen „ich bin zwar pleite, hab aber keinen kleinen Busen“.

    Aha..

  16. 16 lahmacun 01. September 2008 um 7:33 Uhr

    MPunkt hat recht. – das gequatsche von „weibl. politik“ ist tendenziell biologistisch, weil es eben differenzfeministisch ist!

    Gleichheitsfeministinnen fordern Frauenquoten in der Regel unter Rekurs auf Gerechtigkeitsargumente; gleiche Anteile von Frauen und Männern z.B. in Parlamenten sind kein Mittel zum Zweck, sondern gleichstellungspolitisches Ziel.
    Die differenzfeministische Forderung solcher Quotierungen hingegen ist in der Regel durch die Annahme oder Hoffnung geleitet, durch eine gleichberechtigte Partizipation von Frauen und Männern
    z.B. in einem Parlament könne sich Inhalt und Stil der Politik verändern – denn erst in einer solchen Situation sei es Frauen möglich, ihre geschlechtsspezifischen Interessen und ihren eigenen Zugang zum Amt in angemessener Form umzusetzen.

    das problem am differenzfeminismus ist aber:

    Der Differenzfeminismus setzt also geschlechterdifferenzen auf einer anthropologischen oder zumindest
    identitären Ebene voraus.

    - es ist von daher auch nicht verwunderlich, dass die quotenregelung massiv von differenzfeministinnen gestützt wurde, weil da argumentiert wird, dass „die frauen“ anders politik machen; sonst würde die forderung auch gar keinen sinn machen.

    es ist doch der verdienst von butler, dieses „die frauen“ kritisch reflektiert zu haben; oder von lorde weitere differenzen betont zu haben – class und race, sexuelle identität und alter.

    last but not least:

    For the master’s tools will never dismantle the master’s house. They may allow us temporarily to beat him at his own game, but they will never enable us to bring about genuine change. And this fact is only threatening to those women who still define
    the master’s house as their only source of support.

    -audre lorde-

  17. 17 lahmacun 01. September 2008 um 7:59 Uhr

    off topic/thema schwangerschaftsabbruch:

    das thema schwangerschaftsabbruch hat auch mit der klassenfrage zu tun. – arbeiterinnen haben doch recht schnell mitbekommen, dass sich wohlhabende frauen erstens verhütung leisten können und zweitens zur not „urlaub“ in einem „sanatorium“ machen. des weiteren stellt sich doch auch die frage, wer die abbrüche zahlt. was nützt denn die legalisierung, wenn sich ne frau oder ein mädchen den abbruch nicht leisten kann, weil der – wie zB hier – 400€ kostet?
    da geht’s erstens darum, wer die kosten trägt; zweitens hat das ganze nen bevölkerungspolitischen hintergrund. oder warum darf man „behinderte“ bis zur geburt abtreiben? – wiederum wegen der kosten. („(un)produktives leben“)

    heute werden verarmte frauen eher dazu angehalten, abzutreiben, etwa wenn das kind sehr wahrscheinlich „behindert“ ist. wohingegen wohlhabende sich zusätzliche pflegekosten etc ja leisten können. pränataldiagnostik gibt’s zumdind. hier auf krankenschein. denn sonst muss ja noch der staat cashen.

    das ist was, was vollkommen ausgeblendet wird in diesen debatten; – zurecht wird das von barbara duden thematisiert. innerhalb dieses systems – private fürsorge, eigenverantwortung etc – geht’s in die richtung, dass wohlhabende kinder haben, die anderen nicht.
    das ist ja auch ne forderung: akademikerinnen sollen mehr kinder kriegen; da gibt’s dann auch ein paar erleichterungen, am lohn orientiertes kindergeld etc. dahinter steckt aber, wie eigentlich kaum zu übersehen ist, die bevölkerungspolitische annahme, dass kinder von akademikerinnen mehr wert sind – produktiver für die nation.

    ich bin für abtreibung, aber man sollte sich schon bewusst sein, dass das im kapitalismus äußerst negative folgen haben kann. – es kommt so selten ja nicht vor, dass frauen eigentlich nen kinderwunsch haben, aber sich dessen bewusst sind, dass es ihrer karriere schadet und sie nach ner kinderpause auf der straße sitzen. es wäre an der zeit, dass man, neben der befürwortung der legalisierung der abtreibung, auch mal gedanken darüber macht, was das für ne ekelige gesellschaft ist, in der man sich nicht mehr kinder leisten kann, obwohl man sie eigentlich möchte.

  18. 18 leonie 01. September 2008 um 9:56 Uhr

    @lahmacun, ich bin zwar kein Profi im Gesundheitssystem, aber alle Frauen die ich kenne und die abgetrieben haben, haben es zu 100% von der Krankenkasse/Sozialämtern erstattet bekommen.
    Diese zahlen wie es so schön heißt so lange der Abbruch nicht rechtswidrig ist, siehe §218 und §218a.

    Natürlich hast du Recht, wenn du sagst das Frauen aus verschiedenen Schichten, ganz anderen Realitäten gegenüber gestellt werden, im Bezug auf ihre Verhütungskontrolle, sowie auch der Mutterschaft.
    Zum einen sind das sehr oft leider finanzielle Probleme, wenn es aber um das Thema Fruchtbarkeit geht ist es sehr wichtig auch den kulturellen Aspekt zu beleuchten, da dieser v.a im Bezug auf Abtreibung eine enorme Rolle spielt.
    Das Problem sich keine Kinder leisten zu können und deshalb einen Abbruch durchführen zu lassen, sollte eigentlich wirklich ein riesen Thema sein, interessiert hier aber wirklich niemanden so recht…

  19. 19 dodo 01. September 2008 um 15:23 Uhr

    können wir nicht einfach statt „männliche politik“ „patriarchale politik“ sagen? das wäre treffender, weniger differenzfeministisch und überhaupt habe ich das gefühl, daß es das ist, was du ursprünglich sagen wolltest?
    dieses weiblich-männlich-gegenüberstellen-dingens find ich nämlich auch recht daneben…

  20. 20 leonie 01. September 2008 um 16:06 Uhr

    Nein, es geht mir eher um männliche/weibliche Interessenvertretung.
    Die Differenzierung hier halte ich in unserer heutigen Gesellschaft, leider noch für nötig, freue mich aber auch schon auf die Zeit wo Differenzierungen wegfallen, ich bin auf jeden Fall die letzte die daran festhält.

  21. 21 bigmouth 01. September 2008 um 16:37 Uhr

    gibt es denn überhaupt „weibliche interessen“, die qua geschlecht alle frauen verbinden? bestehen die interessen einzelner nicht abhängig von klasse, „rasse“ und anderen faktoren, und sind zusätzlich von indivudellen einstellungen abhängig?

  22. 22 kousheru 01. September 2008 um 18:28 Uhr

    ich glaube, ich weiß, was leonie sagen will – aber der grausige begriff „weibliche politik“ löst so einen klischeesturm in meinem kopf aus, daß mir nix mehr einfällt.

  23. 23 leonie 01. September 2008 um 20:12 Uhr

    Abtreibung ist ein weibliches Interesse, gäbe es von heute auf morgen keine Frauen mehr stände das wohl kaum mehr zur Debatte.
    Genauso wie es in unserer Gesellschaft auf den heutigen Stand, ein hauptsächlich von Männern getragenes Interesse ist, Sorgerechtsfragen umzuverteilen oder das Scheidungsrecht zu reformieren.
    Solang unsere Gesellschaft noch in 2 Pole geteit ist, männlich & weiblich, werden diese beiden sich immer anderen Realitäten ausgesetzt sein und deshalb andere Interessen artikulieren.

    Wichtig dabei ist nicht die Frage ob man wiebliche Politik sagen darf oder nicht sondern wie man es schafft diese beiden Realitäten zu vereinen und beide Pole für die Probleme der anderen Seite zu sensibilisieren.
    Darin liegt die Aufgabe wenn wir endlich von dem schwarz/weiß männlich weiblich wegwollen.
    Es bringt aber meiner Meinung niemanden weiter wenn man verleugnet, dass heute diese unterschiedlichen Realitäten noch gegeben sind und sie totschweigt!

  24. 24 bigmouth 02. September 2008 um 10:35 Uhr

    und wie passt da eine organisation wie „feminists for life“ rein, der Palin angehört?

  25. 25 MPunkt 02. September 2008 um 14:00 Uhr

    @ leonie: Die gewählten Berufsnationalisten müssen überhaupt nicht auf Lobbyisten eingehen. Wäre ja auch komisch, bei den ganzen Lobbys mit verschiedenen und teils gegensätzlichen Interessen, die es gibt. Das ist doch, selbst wenn sie es machen, deren souveräne Entscheidung, auf welche Lobby die hören. (Umgekehrt umgekehrt versuchen die Lobbyisten denen daher das von ihnen vertretene Partikularinteresse in ein allgemeines zu übersetzen.) Das ist doch auch klar, wenn die dem Gewaltapparat über diese Gesellschaft vorstehen.

    Dass Politiker auch mal ihre privaten Interessen in ihre Politik einfließen lassen, mag schon sein. Nur ist das im bgl. Staat eben eine Abweichung von ihrer Funktion, nämlich den Staat nach vorn zu bringen. Das Alberne ist, dass Du den Idealismus einer guten Herrschaft – von den „lieben Politikerinnen“ – aufmachst, welche ausgerechnet darin bestehen soll, dass die vom Herrschaftszweck abweicht. Denn wenn Du den Herrschaftszweck, wie Du behauptest (?) nicht teilst, wieso hoffst Du dann auf die Besetzung der Herrschaftsfunktionen mit (den) richtigen Frauen, damit die von diesem abweichen, statt Dir mal den bgl. Staat vorzunehmen?

  26. 26 dodo 08. September 2008 um 12:11 Uhr
  27. 27 Nichtidentisches 12. September 2008 um 14:43 Uhr

    McCain dachte sich eben: Warum kriegt Obama mehr Stimmen als ich? An den Inhalten kanns kaum liegen, da kommt nur Geholze, das ich schon seit Wochen auseinandernehme. Es muss also etwas anderes sein.
    Also guckt er sich das Foto von Obama an und sagt sich: Naklar! Der Typ ist jung, hübsch, „Migrationshintergrund“, ein flotter Feger, eine Identifikationsfigur, ein Sexsymbol.

    Wer wird also von McCain zum Vice President in spe ernannt? Eine Schönheitskönigin mit „Migrationshintergrund“, nein falsch, sie ist irgendwo mal Inuit gewesen oder so ähnlich. Wen juckt es da, was sie sagt und denkt, solange sie auf den Plaketten genauso gut aussieht wie Obama?
    Im übrigen sind die Pfingstkirchen, der Palin angehört, gar nicht so beliebt bei den „aufgeklärteren“ Protestanten, aber was solls. Und sie soll auch gegen ein Antihomosexuellengesetz gestimmt haben, nungut. Ich halte nix davon und nicht dass ich mir etwas von einem Staat erwarten würde, aber McCain war schon mal überzeugender.

  1. 1 Sarah Palin: John Mcain’S Right-Wing Covergirl Pingback am 31. August 2008 um 0:04 Uhr

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


zwei × = sechs