Miß Nin und ihre Erbinnen


Alles andere als in Vergessenheit geraten zu sein scheint die Autorin und Lebenskünstlerin Anaïs Nin. Wer ihre Bücher bis dato noch nicht gelesen hat, sollte das unbedingt nachholen!
Aber anstatt von Miß Nins Talent zu schwärmen, werden wir ihr hier anderweitig Tribut zollen: mit ihren Nachfolgerinnen, die die Tradition, als Frauen erotische Literatur zu verfassen, in dem Projekt Anais weiterführen möchten.
Nach dem Hüpfer ein Interview mit Victoria und Jennifer, den Köpfen hinter der Anais-Reihe.

Wer seid ihr überhaupt?

Wir, das Team von ANAIS, sind:
Jennifer Hirte, Programmleiterin und Expertin zu weiblicher Selbstbefriedigung
Ulrike Fischer, Lektorin
Sylvia Gelinek, zuständig für die Lizenztitel und Lektorat
Victoria Groß, Presseassistentin und Lektorin für ANAIS

Für euer Projekt stand offensichtlich die Frau der weiblichen erotischen Literatur, Anaïs Nin, Patin. Weshalb gerade sie? Was verbindet ihr mit ihr?

Anais Nin hat tolle lustvolle Kurzgeschichten aus der Pariser Bohème geschrieben. Sie war die erste Autorin, die mit ihren Büchern die Männerdomäne erotische Literatur übernommen hat, sie hat lust- und niveauvoll über Sex geschrieben, und das machen wir mit ANAIS jetzt auch.

Was ist das eigentlich Faszinierende an dem Themenkomplex „Frauen und erotische Literatur“ oder „Frauen und Sex“ allgemein? Wie lässt sich diese Nische ausbauen, was ist ihr Potenzial?

Unsere Leserinnen sind natürlich in erster Linie Frauen, ebenso wie die Bücher nur von Frauen stammen. Wir bringen realistische Geschichten aus der Gegenwart mit Identifikationspotential. ANAIS steht für spannende, intelligente und lustvolle Romane und Erzählbände. Die Heldinnen sollen normal sein, nachvollziehbar und interessant. Sprachlich wünschen wir uns, dass die Texte nicht nach schmissiger Meterware klingen, sondern nach einer eigenen Erzählstimme. Und ein Sinn für Humor hat auch noch nicht geschadet. Diese Mischung hat uns auf dem nationalen Buchmarkt einfach bisher gefehlt.

Wie kam euch überhaupt die Idee zu „Anais“? Gibt es da eine Story dahinter?

Mich, Jennifer, hat das Thema Frauensexualität seit Jahren beschäftigt, ich hab meine Magisterarbeit in der Europäischen Ethnologie zu Frauen und Selbstbefriedigung geschrieben, und erotische Bücher find ich einfach toll. Als wir dann hier im Verlag immer mehr Texte von tollen Autorinnen bekommen haben, die quasi autobiographisch, aber mit eigener Sprache ihre Storys erzählten, haben wir gedacht, dass wir das jetzt einfach mal aus dem Sachbuch rausholen und eine ganz eigene Reihe dafür machen – und daran haben wir jetzt sehr gründlich gearbeitet. Wir hatten es einfach satt, ins Klassikerregal greifen zu müssen, um richtig gute Erotika zu bekommen. Und wir wollen keine Schnulzen mehr. Wir wollen unterhalten werden mit aufregenden Storys, interessanten Charakteren und allen denkbaren sexuellen Vorlieben. Und mit neuen Stimmen in der erotischen Literatur!

Wie kommt eure Auswahl zustande?

Wir suchen realistische Geschichten aus der Gegenwart, mit denen sich Frauen gern identifizieren, so kann man es auf den Punkt bringen. Viele Texte machen wir nicht, weil wir den Eindruck haben, dass Sex da nicht wirklich lustvoll empfunden wird, sondern als Pflicht, also nicht aus einem „wollen“ heraus passiert, sondern aus einem „müssen“. Das sehen wir absolut nicht bei ANAIS.

Gibt es irgendein Motto, irgendwelche bestimmten Prinzipien?

Wir wollen explizite erotische Literatur, kein Versteckspiel, aber auch keinen Porno. Alles was Spaß macht, egal in welcher Spielart, von zartestem Vanilla bis zu härterem S/M.

Wer kann alles für „Anais“ schreiben? Was genau wollt ihr nicht?

Wir suchen ständig neue Autorinnen. Frauen, die gern Sex haben und auch darüber schreiben möchten. Die Themen, die wir suchen, dürfen gern sehr explizit sein, kein verschämtes Wischiwaschi. Aber natürlich auch keine »Lustgrotten«, keinen »Pfahl«, keinen »Prügel« und pseudo-poetischen Phantasiewörter. Die Schwänze müssen auch nicht gigantisch sein, die Brüste nicht riesengroß. Das langweilt.

Wie seht ihr die zukünftige Entwicklung des Projekts? Irgendwelche Pläne, Wünsche, Utopien?

Erotische Romane können wir Frauen selbst am besten schreiben. Davon sind wir überzeugt. Von daher gibt es ein unglaubliches Potential erotischer Geschichten, die nur darauf warten, erzählt zu werden. Wir wünschen uns zur Zeit mehr Autorinnen, die tatsächlich auch mal ganz romantische Romane schreiben, mit ganz normalem Vanilla-Sex, der trotzdem aufregend erzählt wird. Das können die angloamerikanischen Autorinnen richtig gut, und sie verlieren auch nicht den Sinn für Humor beim Erzählen. Sowas hätten wir sehr gern mehr im Programm von deutschen Autorinnen, die auch offen und mit ihrem Namen und Gesicht zu ihren Texten stehen.

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Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal herzlich für das Interview bedanken! <3


2 Antworten auf “Miß Nin und ihre Erbinnen”


  1. 1 leonie 09. September 2008 um 0:03 Uhr

    „Lustig“ auch die deutsche Wikipedia-Seite zu Anais Nin, dort wird ihr literarisches Werken nur sehr kurz erwähnt, ihre „vielen“ Männergesichten sind dafür genauerstens und ausführlichst aufgelistet.

  2. 2 Different 09. September 2008 um 0:54 Uhr

    Das Wikipedia-Motto lautet „Sei mutig!“. Such dir ein paar Quellen und ergänze den Artikel, lösche irrelevantes raus!

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