Die Macht der Frauen?

In einem kleinen türkischen Dorf üben sich die Frauen neuerdings im rebellieren, Grund hierfür ist die Wasserknappheit der letzten Monate, welche den Brunnen in Kicaköy zum austrocknen brachte. Um jetzt an trinkbares Wasser zu kommen, müssen die Frauen täglich eine Wegstrecke von 13km zurücklegen.

Davon haben sie jetzt aber die Nase gestrichen voll und fordern nun, von den männlichen Dorfbewohnern Hilfe. Da sich diese aber vorerst unbeeindruckt von ihren mürrischen Frauen zeigten, beschlossen diese nun gesammelt in einen Sex-Streik zu treten.
Den Männern wird also der Geschlechtsakt verweigert bis sie sich einverstanden erklären den Damen zu helfen und den dörflichen Brunnen wieder auf Vordermann zu bringen.

Die Idee ist nicht neu, schon um 411 v. Chr. beschrieb Aristophanes eine ähnliche Geschichte, in der seine Titelheldin Lysistrata die Frauen Spartas und Athens dazu auffordert, solange Sex zu verweigern, bis ihre Männer zu Freidensverhandlungen bereit sind. Und sie hatten damit Erfolg.

Die Frauen von Kicaköy werden wohl auch ein Erfolgserlebniss erzielen, schon allein deshalb weil sie durch ihren Streik, ganz Europa unterhalten.

Aber kann man nun von Emanzipation oder der „wirklichen Macht der Frauen“ reden , wenn Frauen mit Abstinenzerklärungen „durchkommen“?
Für mich eine klare Sache, NEIN!

Und zwar deshalb, weil sich dadurch zeigt, dass Frauen keine andere Möglichkeit haben ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, als auf ihren Körper zu setzen.
Zum anderen kommt es mir bei diesen weiblichen Sex-Streiks oft so vor, als ob Frauen nur ihren Männer zu liebe Sex haben, weibliches Verlangen ist nicht erwünscht. (Wohl eher eine traurige Nachricht!)
Hat man schon mal von einem männlichen Sex-Streik gehört?
Wohl kaum, denn Männer können ja auch nicht „ohne“.

Die Nachricht sollte uns also eher dazu dienen über alte Rollenklischees nachzudenken, als zur Dienstagabend-Belustigung!


22 Antworten auf “Die Macht der Frauen?”


  1. 1 gtz 10. September 2008 um 10:51 Uhr

    es mag durchaus sein, dass das da in den anatolischen bergdörfern mit der aufklärung im allgemeinen und geschlechteremanzipation im besonderen nich weit her is. in dem kontext kann das schon aufsässig und streitbar anmuten, wenn frauen überhauüt auf die idee kommen, gegen sonen patriarchalen wahn aufzubegehren. ich kenn die zustände in dem dorf nich, aber ich hielte das nich für unmöglich, dass nich nur die frauen da wenig mehr als ihre körper haben, um irgendwelche druckmittel zu konstruieren.

    richtig is natürlich, dass diese anekdote den zustand der gesellschaft in diesem dorf nich gerade paradisisch dartellt.

  2. 2 dodo 11. September 2008 um 11:50 Uhr

    Ich find deren Idee nicht schlecht. Der „Streik“ ist ja nicht deren erste Wahl gewesen, sondern eher eine Notlösung in der Überzeugungstaktik. Und scheint effektiv zu sein. Also warum nicht?
    Belustigend ist das nicht gerade – es geht schließlich nicht darum, daß die Frauen das aus Spaß an der Freude machen, sondern es geht um Wassermangel – und das ist in diesen Gegenden eine sehr ernste Angelegenheit.
    Aber ja, es ist schon frustrierend, daß diese Taktik offensichtlich erfolgversprechender zu sein scheint als eine vernünftige Auseinandersetzung, da geb ich dir recht!
    Ein Zeichen von erreichter Emanzipation ist das natürlich nicht. Aber man muß doch zugeben, daß die Frauen sich immerhin abgesprochen haben, sich etwas einfallen ließen, die Sache angegangen sind (anstatt die Situation kuschend zu akzeptieren) und solidarisch genug untereinander sind, um die Sache durchzuziehen (ist auch nicht gerade selbstverständlich). Ich finde es daher nicht zu viel gesagt, das immerhin als einen fruchtbaren Boden für Emanzipation zu sehen.
    Ich finde auch nicht, daß das eine rein körperliche Sache ist (Sex ist meist nicht nur „pur physisch“), es hat auch viel mit Durchsetzungsvermögen und erzwungener sozialer Auseinandersetzung zu tun (das Thema wird ja nicht aufhören, sobald man die Füße vor die Schlafzimmertür setzt). Es wird nicht nur „körperlich“ etwas bewegt, um es mal so zu formulieren.
    Warum das allerdings implizieren soll, daß die Frauen nur ihren Gatten zuliebe Sex haben, versteh ich nicht ganz.
    Ein männlicher Sexstreik wäre auch insofern unsinnig, als daß es in der Regel ja die Benachteiligten sind, die streiken (müssen) – und in einer patriarchalen Gesellschaft sind das eben nicht die Männer (zumindest was die Handlungsfähigkeit angeht).
    Au, und hier nochmal ein Link zu einer Originalnachricht, zwecks Vollständigkeit:
    http://www.taz.de/1/was-fehlt/1/einem-tuerkischen-dorf-sex-und-wasser/

  3. 3 laylah 11. September 2008 um 12:49 Uhr

    das impliziert schon, dass frauen männern zuliebe sex haben – wäre der streik für die frauen genau so schlimm zu ertragen wie für die männer, wäre er ja kaum ein druckmittel.

  4. 4 gtz 11. September 2008 um 13:28 Uhr

    zumindest impliziert dieses vorgehen, dass die frauen weniger gerne mit ihren jeweiligen ehemännern sex haben, als diese ehemänner mit der jeweiligen frau. das kann jetz mannigfaltige gründe haben, und das solln die leute da doch am besten unter sich ausmachen.

  5. 5 dodo 11. September 2008 um 15:41 Uhr

    dem möchte ich widersprechen – wenn die Motivation groß genug ist (und fehlendes Wasser ist eine verdammt große Motivation!), kann man auch auf etwas verzichten, das einem eigentlich verdammt viel Spaß macht!

  6. 6 dodo 11. September 2008 um 15:45 Uhr

    und abgesehen davon – wenn ich 13 Kilometer Wasser schleppen müßte und das auch noch täglich – dann wär ich so kaputt, daß es mir auch leichter fallen würde, aufs vögeln zu verzichten. zudem ich ja dann sowieso eher ärgerlich als verführerisch auf meinen angetrauten wäre, wenn der für meine schlepperei die schuld trägt!

  7. 7 gtz 11. September 2008 um 16:02 Uhr

    inwiefern sind die männer an dieser wasserknappheit schuld?

  8. 8 dodo 11. September 2008 um 16:31 Uhr

    Ich berufe mich da jetzt einfach mal auf den taz-Artikel, in dem gesagt wird, daß die Männer sich nicht um die Brunnenreparatur kümmern.

  9. 9 gtz 11. September 2008 um 16:39 Uhr

    die frauen offensichtlich auch nich.

  10. 10 dodo 11. September 2008 um 16:43 Uhr

    Na, wenn die den ganzen Tag mit der lebenswichtigen Wasserbeschaffung beschäftigt sind… 13 km sind kein Pappenstiel bei dem Klima da unten! und ich weiß auch nicht, ob den Frauen in diesem Kaff je beigebracht wurde, wie man diesen Brunnen im Zweifelsfall wieder flott kriegt.
    Gut, das sind jetzt alles Vermutungen – ich wollte eigentlich nur darauf hinaus, daß man Sex durchaus mögen kann und trotzdem in koitalen Streik gehen kann, wenn wie in diesem Fall die Motivation (Wasser) und der Ärger (ob berechtigt oder nicht) groß genug sind.

  11. 11 gtz 11. September 2008 um 16:48 Uhr

    bevor ich 13km mit nem kanister durch die wallachei eiere, hättich einfach mal ne schaufel in die hand genommen. frau oder nich.

  12. 12 Terrier 11. September 2008 um 17:32 Uhr

    @gtz
    Du setzt hier völlig falsche Maßstäbe an.
    Der Mann wird anscheinend in der Tradition dieser Menschen höher gestellt als die Frau (steht ja in verschiedenen Texten zu der Geschichte).
    Wenn da Jahrhunderte lang die Frau klein und schwach gehalten wird soll sie mal eben fix lernen wie man nen Brunnen gräbt? Möglicherweise können da noch nicht mal alle lese, so das sie auch nicht die Möglichkeit haben sich die Info zu beschaffen.

    Wenn du da als Frau ne Schaufel anpackst hast du womöglich mehr Scherereien an der Backe als wenn du einfach den Sex verweigerst.

    Was natürlich trotzdem scheiße ist, da dieser Sexstreik anscheinend mit dem ganzen Mann/Frau Ding kompatibel ist, während es unmöglich ist das Frau beigebracht kriegt wie der Brunnen funktiniert.

  13. 13 leonie 11. September 2008 um 18:39 Uhr

    @dodo: mir gefällt die Sache, Frauen tuen sich zusammen um gemeinsame Ziele zu erreichen, auch gut und unter dem Aspekt ist der Streik auch löblich, aber mir gefällt das Druckmittel einfach nicht.
    Ich meine Hallo, diese Männer stört es nicht wenn sich ihre Frauen durch diese tägliche Schlepperei physisch kaputt machen, erst wenn sich sich körperlich verweigern werden ihre Männer plötzlich hellhörig.
    Naja, und dass so ein Streik funktioniert heißt ja auch dass Männer ständig Sex wollen, Frauen eher nicht, deshalb gibt es auch nicht seit Jahrtausenden das Bild des männlichen Sexstreiks.

  14. 14 gtz 11. September 2008 um 18:53 Uhr

    ich bin nich ganz sicher, ob der zustand der geschlechterverhältnisse in irgendwelchen rückständigen bergdörfern wirklich zur skandalisierung taugt, denn dass da mit der fortschittlichkeit der verhältnisse deutlich was im argen liegt, war den meisten vermutlich ohnehin klar.

    was ungefähr das war, was ich mit meinem ersten kommentar sagen wollte.

  15. 15 Difficult is Easy 12. September 2008 um 2:39 Uhr

    „mir gefällt die Sache, Frauen tuen sich zusammen um gemeinsame Ziele zu erreichen, auch gut und unter dem Aspekt ist der Streik auch löblich“
    und es is egal was deren ziel is. das gute is das zusammentun. oder kommste jetzt wieder damit an, dass deren ziele nur unterstützenswert sind, wenn diese auch frauengerecht sind?
    „Ich meine Hallo, diese Männer stört es nicht wenn sich ihre Frauen durch diese tägliche Schlepperei physisch kaputt machen, erst wenn sich sich körperlich verweigern werden ihre Männer plötzlich hellhörig.“
    ich meine, hallo? sonst bräuchten die doch das druckmittel nich.
    „Naja, und dass so ein Streik funktioniert heißt ja auch dass Männer ständig Sex wollen, Frauen eher nicht, deshalb gibt es auch nicht seit Jahrtausenden das Bild des männlichen Sexstreiks. “
    männer ficken, frauen werden gefickt. herrlich diese triebe.

  16. 16 epi 12. September 2008 um 13:57 Uhr

    laylah: „das impliziert schon, dass frauen männern zuliebe sex haben – wäre der streik für die frauen genau so schlimm zu ertragen wie für die männer, wäre er ja kaum ein druckmittel.“

    d.h. bei z.b. einem hungerstreik im knast essen die streikenden auch sonst nur „zuliebe“ der wachteln…. klar….

  17. 17 chica 12. September 2008 um 14:59 Uhr

    Der Artikel ist falsch zitiert. Im TAZ-Artikel wird klar gesagt „es gibt, welche die das [Sexstreik] tun“.--> Nichts mit kollektivem Frauenstreik, Frauenpower und wunderbar. Dies sagt übrigens eine Beamtin (sic!), was darauf verweist, dass es nicht ganz steinzeitmäßig patriarchal dort ablaufen kann, wenn eine Frau bei der betroffenen Gemeinde Beamtin ist. Und dann sprich das angesichts des enormen Medienechos, den der Sex-Streik hat, wohl für eine gut überlegte öffentlichkeitswirksame Strategie. Schliesslich wurde eine ähnliche Situation bereits verfilmt, wie im Artikel beschrieben. Denn so abgeschieden kann das Dorf ja nicht sein, wenn in der TAZ ein Artikel dazu ist.
    Möglicherweise stellt der drohende Zerfall eines Dorfes durch Ehekonflikte eben ein besseres Druckmittel auf die Regierung in einem Bergdorf dar als eine Spontandemo.

  18. 18 leonie 12. September 2008 um 17:40 Uhr

    also ich weiß zwar nicht genau, wenn du meinst, aber mein Post hat sich auf einen Artikel, bei Tagesthemen.de bezogen.
    Naja, aber das Argument mit der Frau in der Beamtenposition finde ich jetzt nicht ein Zeichen für allgemeine Gleichberechtigung in anatolischen Dörfern, die gute Frau wurde ja vom türkischen Staat eingestellt und dieser versucht ja Ansatzweise ein „westliches Frauenbild“ zu etablieren und Frauen in Ämter zu integrieren, sieht auch gleich viel „aufgeschlossener, fortschrittlicher und westlicher“ aus wenn da noch ein paar Frauen rumsitzen, mit gelebter Gleichberechtigung oder der Einbeziehung der Frau in das öffentliche Leben außerhalb der staatlichen Institutionen hat das aber leider nichts zu tun. Hier ist manchmal noch ganz schön Patriarchat angesagt.
    Diese Beamtin ist wahrscheinlich nur da um die Statistiken aufzupolieren und dem Westen zu imponieren.

    Überhaupt wenn man Dinge danach beurteilt wo überall weibliche Gesichter auftauchen müsste man auch sagen, dass die Republikaner ein Traum für alle Frauen wären.

    Frauen werden hier eher instrumentalisiert, statt integriert.

  19. 19 laylah 12. September 2008 um 18:14 Uhr

    du traust frauen also nicht zu, sich selbstständig für die republikanische partei zu entscheiden? ziemlich paternalistisch, ne?

  20. 20 leonie 12. September 2008 um 19:42 Uhr

    „du traust frauen also nicht zu, sich selbstständig für die republikanische partei zu entscheiden“

    ich wüsste nicht wo ich das gesagt habe!?!
    Ich weiß auch nicht wie du darauf kommst, dass ich die weibliche Entscheidungskraft anzweifle, vielleicht einfach mal nachfragen, wenn man was nicht versteht oder unlogisch findet, statt immer voraus zu nehmen, was ich denke und finde und meine und überhaupt!

    Also was genau ist hier unklar?

  21. 21 Liselotte 19. November 2008 um 14:38 Uhr

    @epi: Das ist nicht vergleichbar. Die Wachen essen unabhängig von den Insassen. Während man Sex, zwar auch solo machen kann, aber Sex verweigern halt gemeinsamen Sex verweigern heißt. Zudem haben die Wachen ja dafür zu sorgen, dass sich die Insassen nicht umbringen. Sowohl aus moralischen Gründen als auch gesetzlichen- wer Insassen einfach verhungern lässt, wird als Wärter ganz schnell gefeuert, mindestens!
    Beim Sex-Streik geht es ja nicht darum, dass sich die Frauen durch Sexmangel umbringen (LOL) wollen, sondern darum, dass die Frauen halt „den Männern keinen Sex mehr geben“.

    @Terrier: höher, ja. Aber weniger belastbar- nicht unbedingt. Interessant, was sowohl Feministinnen und Maskulisten („Jahrelange Kleinmachung der Frau“) als auch AntifeministInnen („Die Frau ist eben nicht für körperliche Arbeit geschaffen“) vergessen:
    Dass das Bild der sanften, asexuellen, sich für die Mutterrolle aufopfernden und eben schwachen Hausfrau aus der Neuzeit stammt. Dritte-Welt-Länder, ganz EGAL ob Matriarchat oder Patriarchat, muten Frauen allgemein sehr VIEL körperlich schwere Arbeit zu. Wasserholen bspw. ist DIE klassische FRAUENAUFGABE.

  22. 22 Seagull 02. Februar 2009 um 15:52 Uhr

    Entweder die Männer sagen zu dem Streik „na und?“ und das Druckmittel verpufft (verstehe ich nicht, dass gleich davon ausgegangen wird, dass das Druckmittel wirken soll) oder die Puffs werden in dem Dorf blühen.

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