Archiv für November 2008

„Die Frauen überlegen sehr genau“

Die „TAZ“ hat heute ein Interview mit der Allgemeinmedizinerin Marietta Kiehl veröffentlicht, indem diese, die von mir schon berichtete Initiative zur Neugestaltung der „Spätabtreibungen“, kritisch hinterfragt.
Ihre Meinung zu dem Gesetzentwurf der CDU:

Die Stellen, die eine humangenetische Diagnostik durchführen, beraten die Frauen nach unserer Erfahrung gut. Die niedergelassenen Frauenärzte haben die psychosozialen Beratungsmöglichkeiten noch nicht so entdeckt. Aber um das zu ändern, braucht man weder Dokumentationspflichten noch Bußgelder.

Desweiteren stellt sie heraus, dass

Frauen sehr genau überlegen, ob sie das Leben mit einem behinderten Kind tragen können.

Ein sehr gelungenes Interview wie ich finde, vor allem der Schlusssatz trifft genau auf den entscheidenden Punkt

Die niedergelassenen Ärzte könnten häufiger auf eine ausführliche pränataldiagnostische Beratung verweisen, dann wäre im Vorfeld der Diagnostik schon eine Auseinandersetzung mit einer Entscheidung bei positivem Befund leichter möglich. Aber wir halten es für sinnvoller, dies auf einem partnerschaftlichen Weg zu erreichen als mit Zwang.

Alle Männer sind Verführer…?!

Die taz berichtet über den Kogress „Die größten deutschen Verführer“ der „Social Arts Academy“. Die Academy bringt nach eigenen Angaben Männern bei, „Frauen zu verführen“. Das sieht dann u.a. so aus:

Letzten Freitag wollte ich eine kissclosen.“ Michael stockt. „Und?“, fragt Pascal mit seiner warmen, verständnisvollen Stimme. „Was ist passiert?“ – „Abgeblockt.“
Er bittet Michael, sich die Situation noch einmal vorzustellen und sie mit einer guten Erinnerung zu überschreiben. „Ich steh vor ihr, ich pack sie. Sie fängt an zu schreien.“ Michael lächelt. Einige im Publikum nicken.

Wann ist Werbung sexistisch?

Die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich hat auf ihrer Homepage Leitfragen und Kriterien veröffentlicht, die sowohl eine Argumentationsgrundlage gegen sexistische Werbung liefern als auch als Instrument der Ent-deckung dienen sollen.

„Alle Männer sind Sexisten“

Christian Lehner von FM4 stellt fest, dass alle Männer Sexisten sind. Nichts Neues, besser als Nichts. Perspektivisch kommt er leider nicht weit. Immerhin eine unterhaltsame Zwischendurch-Lektüre.

Berichterstattung über die Frau im All

Völlig losgelöst entschwebte vor einer Woche eine kleine Werkzeugtasche ins All. Irdischer Hohn und Spott waren Heidemarie Stefanyshyn-Piper sicher – war es doch ausgerechnet eine Frau, der die 100.000-Dollar-Tasche bei einem Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS abhanden kam, gefilmt und fotografiert von der eigenen Helmkamera.

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“Und bist du nicht willig so brauch ich Gewalt“

Meinem kleinbürgerlichen Drang Traditionen zu wahren gebe ich heute nur zu gerne nach, ist der 25.11. doch international der „Tag gegen Gewalt an Frauen“. Genutzt wird er von einem breiten Spektrum zwischen staatlichen Frauenbeauftragten, die sich endlich einmal im Jahr feministisch zeigen können bishin zu Queer People, die auf weitere vergeschlechtlichte Unterdrückungsmechanismen hinweisen. Dazwischen tummelt sich ein buntes Potpourri aus Frauenrechtler_innen und Feminist_innen, die heute Demonstrieren, Informieren oder auch einfach gar nichts tun, das sieht wohl von Stadt zu Stadt unterschiedlich aus.
Um eine lange Rede kurz zu machen, ich dachte, es sei mal wieder ein Grundsatztext angebracht. Es handelt sich um einen Redebeitrag des Antifaschistischen Bündnis‘ Südost vom 20.09.08. Ich will mich ihm nicht in jeder Formulierung anschließen, finde ihn aber prinzipiell richtig, wichtig und gerade jenseits der „Linken“ viel zu selten gehalten.1

Eine Frau geht nachts allein durch den Park, ein unbekannter Täter überfällt und vergewaltigt sie. So der Mythos. Dies trifft nur in seltenen Fällen zu. Sexuelle Gewalt beginnt nicht erst dann wenn eine Frau vaginal vergewaltigt wird. Sexuelle Übergriffe passieren jeden Tag und fast jede Frau hat bereits solche Erfahrungen gemacht. Doch die gesellschaftliche und vor allem rechtliche Bedeutung von sexueller Gewalt lässt keine Definition der eigenen Gefühle zu. Die Betroffenen sind oft allein und erfahren wenig Zuspruch seitens der Gesellschaft. In einigen Fällen wird den Betroffenen noch Verführungsabsicht unterstellt oder sie hätten nicht eindeutig nein gesagt. Doch nicht Täter entscheiden wie weit sie gehen können, sondern die Betroffene. In den meisten Fällen die Frau.

Das gerade Frauen häufiger von sexueller Gewalt betroffen sind als Männer ist hinlänglich bekannt (mehr…)

Nicht mehr Opfer spielen

Über zweifelhafte weibliche Rollenbilder in Hollywood könnte man endlos schwadronieren. Zumindest die Schauspielerin Kristen Bell hat für sich selbst einen Punkt gesetzt: sie will keine Opferrollen mehr spielen.

I want to play all parts. I‘m a very hungry actress. The only thing I consciously avoid is playing the victim. I think women are portrayed as the victim in so many things, and I really like women with strength(…).

Sicher ist das nicht der Weisheit letzter Schluß; meiner Meinung nach ist es auch wichtig, daß Rollen von Frauen, die zum Opfer gemacht wurden, von guten SchauspielerInnen respektvoll und intelligent porträtiert werden.
Als persönliche Entscheidung kann ich ihr jedoch von vollem Herzen zustimmen:

I just don‘t ever want to play the girlfriend. You know, the supporting character in the background who just sort of comes in and goes, ‚Oh, shucks.‘ It’s just a boring character.(…)
It’s hard, because I also want to have fun, and if there’s a project that’s super-small or low-budget or silly but it happens to have friends involved, I‘ll always take it, because my number-one priority is that I want to have fun with my career.

stundenplan fälschen

Ey, ich sag dir, gefälschter Stundenplan! Du musst dir auch mal einen machen, aber Vorsicht, nicht jeden Tag bis um vier, sonst fragen deine Eltern noch, „habt ihr jeden Tag bis um vier?“!

Ja geil ey, kann ich mir deinen kopieren?

(zufällig mitgehörtes Gespräch zweier Schüler_innen über ihre Strategien zur selbstbestimmten Freizeitgestaltung)

Die Vermessung der Welt

Der Gender Gap Report 2008 ist erschienen, sagt uns, dass 8 der 10 höchst bewerteten Staaten europäisch sind. Schland hat sich aus den Top 5 (2006) verabschiedet: Gaps on both economic and political participation have become larger, as the perceptions of business leaders regarding wage equality for similar work have become worse and the number of women in ministerial positions has fallen. Soviel auch zum Thema „das Patriarchat ist tot“… Download des Berichts als *.pdf

Mein Bauch gehört… ähh… der Politik??

Kaum ist die Finanzkrise aus den Medien verschwunden, braucht man ein neues, emotional aufgeladenes Thema bei dem alle fröhlich mitdiskutieren können. Und was passt da nicht besser als Schwangerschaftsabbrüche. Genauer gesagt “ Spätabtreibungen“ .
Der CDU Abgeordnete Johannes Singhammer, forderte dazu vor einigen Wochen eine Neuregelung der gesetzlichen Lage zu Abbrüchen ab der 23. Schwangerschaftswoche.
Mit „Neuregelung“ ist in diesem Fall gemeint, Frauen zu einer sogenannten „psycho-soziale Beratung“ zu zwingen und ihnen gesetzlich verordnete 3 Tage Bedenkzeit zu „gewähren“. Frauen entscheiden sich ja immer so schnell um und sind so „emotional wacklige Wesen“, danke Herr Singhammer.(IRONIE)
Die SPD- Frauen Christel Humme und Kerstin Griese, beide „Frauenpolitikerinnen“ und letztere auch noch „Kirchenbeauftragte“ (fabelhafte Mischung, wie ich finde(Ironie)), finden die Idee grundsätzlich auch gar nicht so schlecht, einziger Hacken für sie, eine genauere Kontrolle des Staates über exakte Zahlen und Fakten zu Spätabtreibungen ist ihrer Meinung nach zu viel des „Guten“, entgegen Herrn Singhammer. Na wenn dass nicht mal was ist… auch in diese Ecke ein ironisches Danke.
Die große Koalition liegt also im Streit über ein Thema, dass sie salopp gesagt garnichts angeht.

Muss ich abschließend noch erwähnen, dass der Singhammer-Entwurf in seiner „Neuregelung“ keine Abschaffung( bei tagesthemen.de steht hier sehr „diplomatisch“ Aufweichung) des §218 vorsieht, der Frauen generell wie infantile Wesen behandelt.