Völlig losgelöst entschwebte vor einer Woche eine kleine Werkzeugtasche ins All. Irdischer Hohn und Spott waren Heidemarie Stefanyshyn-Piper sicher – war es doch ausgerechnet eine Frau, der die 100.000-Dollar-Tasche bei einem Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS abhanden kam, gefilmt und fotografiert von der eigenen Helmkamera.
wie ist das, bis vielleicht auf den (allerdings wahren) teil mit „hohn und spott[..] ausgerechnet eine frau“ sexistisch?! es war wirklich eine frau, und sie hat wirklich die tasche losgelassen. und es gibt tausende stammtischbrüder, die das saulustig finden, weil äh, frauen ja bekannt sind, ständig 100.000$-taschen fallenzulassen (dagegen wirkt der gepimpte 40.000€ Golf GTI am baum ja lächerlich)
andererseits dachte ich, dass, besonders bei außenarbeiten, jeder handgriff vorgeschrieben ist etc, wenn also die tasche nicht befestigt war, dürfte es eher ein „fehler im system“ gewesen sein. das der astronautin in die schuhe zu schieben wäre dann natürlich sexistisch…
schlimmer finde ich allerdings, dass es einige sensationsheischende Artikel gab, nachdem einige astronautinnen auf der MIR waren, dass dort „space-sex-experimente“ durchgeführt worden seien. denn wofür würde man denn sonst frauen da hochschicken, wenn nicht um die herren (streng wissenschaftlich natürlich, höhö) zu beglücken.
oh, und. weshalb ist Thomas Reiter der einzige namentlich irgendwie bekannte deutsche Astronaut?!
und was ist mit Sigmund Jaehn?
Warum freuen sich Medien so, wenn man den Stammtisch bedienen darf?
Das es von der Tagesschau kommt finde ich ein bisschen sehr heftig vieleicht sollte man mal eine böse Mail schreiben.
Stimme Gary zu. In der BLÖD würde mich sowas nicht wundern, bei der Tagesschau… Man fragt sich: Was soll das? Neutral ist das sowieso nicht, „ausgerechnet“ sollte ein Journalist NIE selbst schreiben.
Noch idiotischer als die Tagesschau: Der Artikel dazu in der Jungle World. „FS“ beglückt die Leser_in mit diesem sexistischen Allgemeinplatz:
und endet mit
http://jungle-world.com/artikel/2008/48/31371.html
Ich habe wirklich, wirklich keine Lust, bei der sontagnachmittäglichen Lektüre einer vermeintlich linken Wochenzeitschrift von derartigem Blödsinn gestört zu werden.
Die Frau (das ist scheinbar auch eine Astronautin immer zu allererst) als das unbekannte, dem Mann in seiner Rationalität nicht begreifliche Wesen. Die natürlich gerade, wenn sie die Unverschämtheit hat, so unweibliche Berufe wie Raumfahrerin zu ergreifen, als rätselhafte, ganz andere Sonderform von Leben angerufen werden muss.
Ist das denn wirklich zu viel verlangt, derartig rekationäre Kackscheisse als halbwegs emanzipatorische Zeitung zu vermeiden?
Und nein, der Artikel ist nicht ironisch gebrochen oder so, der ist einfach nur strunzdumm.
OMFG. Mehr fällt mir zu Letzterem wirklich nicht ein.